{"id":2452,"date":"2009-06-27T08:51:49","date_gmt":"2009-06-27T06:51:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2452"},"modified":"2023-05-24T13:21:38","modified_gmt":"2023-05-24T11:21:38","slug":"abschied-von-den-abiturienten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/06\/abschied-von-den-abiturienten.htm","title":{"rendered":"Abschied von den Abiturienten"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/06\/abschied-von-den-abiturienten.htm#comments'>5 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Gestern war die Abifeier. Ich war nur kurz dort, da ich keine Buffet-Karte hatte und deshalb nicht gro\u00df mit den Sch\u00fclern plaudern konnte&#8230; ich habe den Jahrgang ja auch nicht unterrichtet in den letzten zwei Jahren. Ehrlich gesagt, ich h\u00e4tte ich mich sicher irgendwie reinschleichen k\u00f6nnen. Aber, um ein Zitat abzuwandeln, das mir neulich begegnet ist:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>I certainly have not the talent which some people possess of conversing easily with those <span style=\"text-decoration: line-through;\">I have never seen before<\/span> I have not seen for some time (and will not see again for even longer).<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich bin \u00fcberhaupt ganz schlecht im Verabschieden. Auch im Kennenlernen. ich bin dann verdruckst und stehe in einer Ecke und nehme die Farbe der Tapete an. (It&#8217;s a gift.) Wenn ich dann mal Vertrauen und Mut gefasst habe, haue ich \u00e4hnlich auf die Pauke wie in meinem Blog, aber wer mich zum ersten Mal trifft, der muss verwundert sein ob meiner Unauff\u00e4lligkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom aktuellen Abiturientenjahrgang kannte ich nur wenige. Vor allem eine Klasse, die ich in der 7. in Deutsch unterrichtete, in der 8. und 9. in Englisch und in der 11. dann wieder in Deutsch. Immer auf Wunsch. Schulversuchszweig Europ\u00e4isches Gymnasium, daher eine sehr kleine Klasse. Ein Kollege bezeichnete die Klasse gerne als Rau-Elite-Klasse. Scherzhaft nat\u00fcrlich, ganz scherzhaft. In den letzten zwei Jahren habe ich sie dann aus den Augen verloren, kannte sie nur noch aus Erz\u00e4hlungen, aber zum Abschied wollte ich sie mir eben noch ansehen. Sind schon sehenswerte junge Menschen, denen ich alles Gute w\u00fcnsche und die ich in ein paar Jahren wiedersehen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war ger\u00fchrt, dass ich in der Abizeitung auch einige Male kurz vorkomme. Ich denke immer, ich bin gleich vergessen. Ein Sch\u00fclerjahr sind ja wie sieben <span style=\"text-decoration: line-through;\">Menschenjahre<\/span> Erwachsenenjahre, oder so \u00e4hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Fu\u00dfnote: Die Sch\u00fclerzeitung kostet 5 Euro, hat viele gute Ideen und Telefonbuchformat. Jeder Sch\u00fcler kriegt zwei Seiten, davon eine mit einem Fragebogen. Interessante Fragen: Note des \u00dcbertrittszeugnisses, peinlichstes Erlebnis in der der Schullaufbahn und die Lieblingsschullekt\u00fcre. Beim ersten f\u00fchlt man sich manchmal best\u00e4tigt und manchmal verwundert; die anderen beiden sind als Evaluation tats\u00e4chlich praktisch. Das k\u00f6nnte es j\u00e4hrlich geben. Einige haben als Lieblingsschullekt\u00fcre tats\u00e4chlich Salingers &#8222;Der F\u00e4nger im Roggen&#8220; angegeben. Das hat eben jene Klasse in der 7. Klasse in Deutsch gelesen. Und ich erinnere mich nat\u00fcrlich, das ging gut. Ich halte das Buch immer noch f\u00fcr ein Meisterwerk. Man kann es als Erwachsener lesen oder als Sch\u00fcler, aber dann auf Deutsch und viele Jahre vor dem etablierten Lesezeitpunkt. In der 11. oder 10. Klasse ist das zu sp\u00e4t. &#8212;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Abitur verl\u00e4sst uns auch unsere nichtoffizielle Schulbloggerin. Nicht das einzige Blog aus unserer Sch\u00fcler, aber das aktivste. Im letzten Jahr hat es immer mehr Leser unter den Lehrern gefunden. Nach und nach erfahren n\u00e4mlich immer mehr, dass es so etwas wie Blogs \u00fcberhaupt gibt, und dass eines aus unserer Schule kommt. Mir fallen mindestens sechs Lehrer ein, die regelm\u00e4\u00dfig mitlesen, und weitere bekommen das erz\u00e4hlt. &#8222;Wo steht denn das?&#8220;, hei\u00dft es im Lehrerzimmer immer wieder mal, und die Antwort wandelt sich langsam von: &#8222;Im Internet. Bei Nina im Blog&#8220; (vom Bekannten zum Unbekannten) zu: &#8222;Bei Nina im Blog&#8220;, mit dem Nachsatz &#8222;Im Internet&#8220; erst, wenn die erste Antwort unverstanden bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sehr ich dieses Blog vermissen werde, f\u00e4llt mir erst jetzt langsam auf. Ich behaupte: Es tut einer Schule gut, wenn ein analytischer, sprachlich geschickter Sch\u00fcler (oder eben eine Sch\u00fclerin) mit Fingerspitzengef\u00fchl aus dem Schulleben bloggt. Das ist ein R\u00fcckmeldungskanal, wie es ihn sonst nicht gibt &#8211; Sch\u00fclerzeitung erscheinen seltener und sind weniger aktuell. \u00d6ffentlich die Meinung zu sagen und sich Kommentaren auszusetzen ist etwas, das Sch\u00fcler sonst nicht tun, das geschieht sonst unter der Hand oder in abgeschlossenen Foren, oder in Form der Abizeitung, die allerdings eben <em>keine<\/em> Diskursm\u00f6glichkeit bietet und nicht mitten im laufenden Betrieb steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(5 Kommentare.) Gestern war die Abifeier. Ich war nur kurz dort, da ich keine Buffet-Karte hatte und deshalb nicht gro\u00df mit den Sch\u00fclern plaudern konnte&#8230; ich habe den Jahrgang ja auch nicht unterrichtet in den letzten zwei Jahren. Ehrlich gesagt, ich h\u00e4tte ich mich sicher irgendwie reinschleichen k\u00f6nnen. 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