{"id":2464,"date":"2009-07-20T16:18:07","date_gmt":"2009-07-20T14:18:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2464"},"modified":"2023-05-31T14:05:14","modified_gmt":"2023-05-31T12:05:14","slug":"lesereise-im-papierweb-mit-koenig-artus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/07\/lesereise-im-papierweb-mit-koenig-artus.htm","title":{"rendered":"Lesereise (im Papierweb mit K\u00f6nig Artus)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/07\/lesereise-im-papierweb-mit-koenig-artus.htm#comments'>4 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Wenn ich diesen Blogeintrag nicht bald schreibe, l\u00e4uft er mir noch ganz davon. Also: Ich lese gerade viele B\u00fccher, die ich schon einmal gelesen habe. Das vierte in Folge. Und das macht Spa\u00df. Klar ist es toll, neu erschienene B\u00fccher zu lesen, \u00fcber aktuelle Trends Bescheid zu wissen und mit dem Feuilleton mitreden zu k\u00f6nnen. Wer das beruflich macht, f\u00fcr den ist das auch wichtig. Aber es gibt so viele sch\u00f6ne <em>nicht<\/em> aktuelle B\u00fccher, schon gelesene oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Angefangen hat das mit <strong>David Lodge, <em>Changing Places<\/em><\/strong>. Das ist ein (launiger) Universit\u00e4tsroman, ein Genre, das es in Deutschland fast gar nicht gibt. Inhalt: ein englischer und ein amerikanischer Dozent unterschiedlichen Charakters tauschen Ende der 1960er Jahre f\u00fcr ein Semester die Pl\u00e4tze, und teilweise auch die Rollen und Ehefrauen. Auch als Schullekt\u00fcre zu empfehlen, man kann viele Symmetrien herausarbeiten, und jedes gro\u00dfe Kapitel ist sehr bewusst in einer anderen Technik geschrieben. Au\u00dferdem unterhaltsam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Danach spielte ich kurz mit dem Gedanken, mit <strong><em>Lucky Jim<\/em><\/strong> von <strong>Kingsley Amis<\/strong> weiterzumachen: f\u00fcnfzehn Jahre fr\u00fcher, weniger technisch verspielt, sentimentaler und zorniger, ein Urvater des (immer noch launigen) Universit\u00e4tsromans. Aber er hatte keine echte Chance, zuerst war <strong><em>Small World<\/em><\/strong> von <strong>David Lodge<\/strong> dran. Das ist insofern eine Fortsetzung des ersten Romans, als die beiden Professoren wieder mitspielen &#8211; aber nicht nur die. Aber jetzt kommt erst mal das Schaubild f\u00fcr heute:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"482\" height=\"648\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/lesereise.jpg\" alt=\"lesereise\" class=\"wp-image-2467\" title=\"lesereise\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/lesereise.jpg 482w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/lesereise-111x150.jpg 111w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/lesereise-409x550.jpg 409w\" sizes=\"auto, (max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>Small World<\/em><\/strong> ist als Schullekt\u00fcre weniger geeignet. Die Struktur ist diesmal der Artusepik entnommen: Statt Rittern, die auf Questen durch alle Herren L\u00e4nder ziehen und dem heiligen Gral nachjagen oder den <em>Fisher King<\/em> von seinem Fluch befreien, gibt es Universit\u00e4tsdozenten, die durch alle Herren L\u00e4nder von Konferenz zu Konferenz ziehen, dort amour\u00f6se und andere Abenteuer erleben, dem neu eingerichteten UNESCO-Lehrstuhl f\u00fcr Literaturkritik nachjagen oder dem alten, geschw\u00e4chten, nicht mehr produktiven Meisterkritiker <em>Arthur Kingfisher<\/em> wiederbeleben. Viele Nebenhandlungen, viele Personen, viele Schaupl\u00e4tze; gelehrte, nicht ganz ernst gemeinte Literaturtheorie &#8211; warum das Epos dem m\u00e4nnlichen Orgasmus entspricht, die Romanze dem weiblichen und welches K\u00f6rperteil der Kom\u00f6die zuzuordnen ist. (Der Anus.) Wenn man von einer Hauptperson sprechen kann, dann ist das der unerfahrene Percy (get it?), der seiner gro\u00dfen Liebe nachjagt und sie doch nicht erreicht. Liebenswerte Nebenfiguren sind die Frau am Flughafen-Schalter, die Romanzen liebt und gezielt nette Menschen neben andere nette platziert, und nervige neben Kleinkinder setzt; der Autor, der nicht mehr schreiben kann, seit eine Computeranalyse ergeben hat, dass sein Lieblingswort &#8222;grease&#8220; ist; der paranoide Professor, der dem Dialog mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ELIZA\">Eliza<\/a> verf\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Danach erinnerte ich mich an <strong>John Steinbeck, <em>Tortilla Flat<\/em><\/strong>. Das Buch erz\u00e4hlt die Abenteuer einer Bande von Herumtreibern und Streunern in Monterey, Kalifornien. Auch hier dienen wieder die Ritter der Tafelrunde als Vorbild &#8211; nur dezent, aber unverkennbar. Die episodenhafte Struktur, die ritterromanhaften Untertitel der Kapitel, angeredet wird zwischendurch immer wieder mit &#8222;thou&#8220;, es geht um eine Gemeinschaft, die &#8211; <em>m\u00e1s o menos<\/em> &#8211; gute Taten ver\u00fcben will; es geht um heilige Objekte und zum Schluss auch um den Untergang dieser Gemeinschaft. Und so hei\u00dft der letzte Satz des Romans dann auch:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>And after a while they turned and walked slowly away, and no two walked together.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich hatte immer vermutet, der Satz sei direkt aus der Artusepik geklaut, aber m\u00f6glicherweise ist er tats\u00e4chlich echt Steinbeck. Er passt jedenfalls hervorragend zum Stoff.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mag den Tafelrunden-Stoff n\u00e4mlich sehr. Die eigentliche Geschichte ist f\u00fcr mich die: Ein wildes, gesetzloses Land. Eine Runde von Rittern, die erst mal mit der gr\u00f6bsten Ungerechtigkeit aufr\u00e4umen, aber das eher aus Abenteuerlust. Dann eine zweite Stufe der Zivilisierung, ein gr\u00f6\u00dferes Ziel. Und danach der unausweichliche Zusammenbruch der Tafelrunde und aller ihrer hehren Ziele (auch wegen Lancelot und Guinevere, lange Geschichte) &#8211; und die Frage, inwiefern sich das ganze \u00fcberhaupt gelohnt hat, inwiefern die Tafelrunde \u00fcberhaupt eine Rolle gespielt hat. <em>Das<\/em> ist der Stoff, den ich immer wieder auf die eine oder andere Art erz\u00e4hlt bekommen m\u00f6chte, und deshalb haben mich die ganzen Artus-angehauchten-Verfilmungen der letzten Jahre \u00fcberhaupt nicht interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p><small>(Ich finde das v\u00f6llig in Ordnung, immer wieder die gleiche Geschichte neu erz\u00e4hlt zu bekommen. Das gilt f\u00fcr Theaterst\u00fccke und f\u00fcr Opern ebenso. Und f\u00fcr Spider-Man: seine Geschichte ist die von &#8222;with great power comes great responsibility&#8220;, vom ethischen Dilemma. Die Fantastic Four haben ihre Geschichte: Familie entdeckt neue Welten. Frank Miller hat Daredevil zu seiner Geschichte verholfen; Peter David hat die von Hulk definiert; Thor hat immer noch keine.)<\/small><\/p>\n\n\n\n<p>Der Stil von John Steinbeck ist episch wie bei Don Camillo (und damit anders als Garrison Keillor) und komisch-heroisch wie wie bei Damon Runyon, hat ein bisschen was von <em>magic realism<\/em> ohne Magie. Bekannter ist sein Roman <strong><em>Cannery Row<\/em><\/strong> in ganz \u00e4hnlichem Tonfall. Den h\u00e4tte ich auch fast als N\u00e4chstes gelesen, aber dann entschloss ich mich doch, die Artus-Spur zu verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Und die f\u00fchrte mich zu <strong>Mark Twain, <em>A Connecticut Yankee in King Arthur&#8217;s Court<\/em><\/strong>. Auch hier wird wieder meine Geschichte vom Scheitern einer Idee erz\u00e4hlt.<br>In der kurzen Rahmenhandlung behauptet ein moderner Amerikaner, die Zeit der Artussritter miterlebt zu haben; als Beweis liegen seine Aufzeichnungen, eine Art Tagebuch vor, die den eigentlichen Roman ausmachen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Under the old dim writing of the Yankee historian appeared traces of a penmanship which was older and dimmer still &#8211; Latin words and sentences: fragments from old monkish legends, evidently.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es ist vor allem Malorys <em>Le Morte D&#8217;Arthur<\/em>, der als als Vorlage durchscheint &#8211; mehr dazu unten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hank Morgan, der Yankee, will die abergl\u00e4ubische und feudale Welt der Ritter und Leibeigenen auf den Stand des aufgekl\u00e4rten, demokratischen 19. Jahrhunderts bringen &#8211; oder was er daf\u00fcr h\u00e4lt. Er gibt die ersten Zeitungen heraus. Der erste Reporter schreibt noch eher ungelenk: Sein erster Bericht von einem Turnier (Kapitel IX) liest sich sehr trocken und wie eine schlechte Aufz\u00e4hlung im Lokalbl\u00e4ttchen, wo in wenig abwechslungsreichem Stil m\u00f6glichst viele Namen erscheinen m\u00fcssen. Kunstst\u00fcck, er ist w\u00f6rtlich aus Malory entnommen (Buch VII, Kapitel XXVII). (\u00c4hnlich Sandys Erz\u00e4hlung in Kapitel XIX, diesmal sogar mit Malory als Quelle in einer Fu\u00dfnote.) \u00dcberhaupt, die Zeitungsausschnitte: m\u00fcssen ein Albtraum f\u00fcr jeden Setzer sein, so voll mit Satz-Fehlern, wie sie im Buchdruck vorkommen k\u00f6nnen. Wie das wohl in der deutschen \u00dcbersetzung aussieht?<br>Der Erz\u00e4hler macht sich in bisschen \u00fcber die Sprache lustig, die er als Urvater des deutschen Satzbaus ansieht. Hier stammt auch das bekannte Twain-Zitat her:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Whenever the literary German dives into a sentence, that is the last you are going to see of him till he emerges on the other side of his Atlantic with his verb in his mouth.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Allerdings f\u00e4rbt die Sprache auch auf den Yankee ab. &#8222;It was plain I had undergone a considerable change without noticing it. I found myself unpleasantly affected by pert little irreverencies which would have seemed but proper and airy graves of speech at an earlier period of my life.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Twains Ritter sind \u00e4hnlich naiv und planlos wie die <em>paisanos<\/em> bei John Steinbeck:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>They alway put in the long absence snooping around, in the most conscientious way, though none of them had any idea where the Holy Grail really was, and I don&#8217;t think any of them actually expected to find it, or would have known what to do with it if he <em>had<\/em> run across it.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sie werden mit Narren verglichen und ihre ewige Zum-Kampf-Herausforderei mit dem Verhalten von Kindern. Und doch:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Yet there was something very engaging about these great simplehearted creatures, someting attractive and lovable. There did not seem to be brains enough in the entire nursery, so to speak, to bait a fishhook with; but you didn&#8217;t seem to mind that, after a little, because you soon saw that brains were not needed in a society like that, and [&#8230;] perhaps rendered its existence impossible.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Yankee &#8211; und mit ihm Mark Twain &#8211; greift Aristokratie und Kirche an, bek\u00e4mpft Leibeigenschaft und Sklaventum. Auch f\u00fcr Frauen will er das Wahlrecht einf\u00fchren, zumindest &#8222;to all mothers who at middle age should be found to know nearly as much as their sons at twenty-one&#8220;. Gro\u00dfe Religionsgemeinschaften will er abschaffen: &#8222;We must have a religion &#8211; it goes without saying &#8211; but my idea is, to have it cut up into forty free sects, so that they will police each other, as had been the case in the United States in my time.&#8220;<br>Das ist Teil eines <em>new deal<\/em>, den er den B\u00fcrgern des Landes vorschl\u00e4gt. Franklin D. Roosevelts soll seinen <em>New Deal<\/em> danach benannt haben. (Und seinen Sommersitz hat er &#8222;Shangri-la&#8220; genannt &#8211; nach James Hilton.)<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ist der Yankee keinesfalls ausschlie\u00dflich ein Sprachrohr Mark Twains. So modern Hank Morgan ist, so sehr ist er in seiner eigenen Welt gefangen. Er glaubt daran, mit Technik letztendlich alles l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Er ist: &#8222;practical; yes and nearly barren of sentiment [&#8230;] or poetry&#8220;, seine Ausbildung sah so aus: &#8222;[I] learned to make everything; guns, revolvers, cannons, boilers, engines, all sorts of labor-saving machinery. Why, I could make anything a body wanted &#8211; anything in the world, it didn&#8217;t make any difference what&#8220;. Homo faber, anyone?<br>An dem S\u00e4ulenheiligen, der sich tagaus tagein st\u00e4ndig zu Boden beugt und wieder aufrichtet, befestigt er Gummiz\u00fcge, um mit der Energie eine N\u00e4hmaschine zu betreiben, und beschreibt stolz, wie viel Hemden damit produziert werden konnten (Kapitel XXII). Er ist siegessicher, weil er sich f\u00fcr &#8222;the best-educated man in the kingdom&#8220; h\u00e4lt. Die Ausbildung einer neuer Generation von selbstst\u00e4ndig denkenden B\u00fcrgern geschieht in einer &#8222;Man Factory&#8220; (Kapitel XIII), &#8222;it&#8217;s a Factory where I&#8217;m going to turn groping and grubbing automata into <em>men<\/em>&#8220; (Kapitel XVII).<\/p>\n\n\n\n<p>Er arbeitet mit verschiedenen Methoden daran, Kirche und Ritter l\u00e4cherlich aussehen zu lassen. Nach einer l\u00e4ngeren Sequenz, in der er und Artus sich verkleidet unters Volk mischen und als Sklaven verkauft werden (eine Sequenz, die mich sehr an die Erziehung Artus&#8216; durch Merlin bei T.H. White erinnert), versetzt er dem Rittertum den Todessto\u00df: In einem Turnier besiegt er seine Gegner mit dem Lasso, und als ihm sein Konkurrent Merlin das stiehlt, schlie\u00dflich mit dem Revolver &#8211; er erschie\u00dft erst einen, und dann acht weitere Ritter, bis diese den Schwanz einziehen und aufgeben.<br>Daraufhin errichtet er letztlich eine Diktatur (wer nicht mitmacht, stirbt), macht seine geheim gehaltenen Schulen und Fabriken bekannt. Er f\u00fchrt Dampfschiffe ein und Eisenbahnen, will bald Ameika entdecken, und ver\u00f6ffentlicht eine Herausforderung an die gesamte Ritterschaft Englands: er und f\u00fcnfzig Assistenten, jederzeit, gegen alle, bis auf den Tod.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dazu kommt es dann auch. Das Dreieck Lanzelot-Guinevere-Artus ist Ausl\u00f6ser; die Kirche belegt den Yankee mit einem Bann, die Leute folgen der Kirche, auch die eben erst befreiten Sklaven. Die Kriegsberichterstattung in Kapitel XLII stammt wieder direkt von Malory (Buch XXI, Kapitel IV):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Then the king looked about him, and then was he ware, of all his host and of all his good knights, were left no more alive but two knights; that one was Sir Lucan the Butler, and his brother Sir Bedivere, and they were full sore wounded. Jesu mercy, said the king, where are all my noble knights become?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig ist tot, Guinevere im Kloster. Die Ritter Englands greifen im Namen der Kirche an; der Yankee und seine Anh\u00e4nger verschanzen sich hinter elektrisch geladenen Z\u00e4unen und Maschinengewehren und Minen. Innerhalb einer Nacht sterben alle 25.000 Ritter blutigst durch Stromschlag, Sprengstoff, Gewehrfeuer oder Ertrinken. Eine gruslige Sequenz:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>One could make out but little of detail; but he could note that a black mass was piling itself up beyond the second fence. That swelling bulk was dead men! Our camp was enclosed with a solid wall of the dead &#8211; a bulwark, a breastwork, of corpses, you may say.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wenn der Yankee schon Giftgas gehabt h\u00e4tte, er h\u00e4te auch das eingesetzt. Seine Truppe ist kampflos Sieger, aber eingemauert von den Leichen, die zu verwesen beginnen. &#8222;We had conquered,; in turn we were conquered.&#8220; Merlin schleicht sich in das Lager und Hank Morgan, der Yankee am Hof K\u00f6nig Artus&#8216;, versinkt &#8211; man erf\u00e4hrt nicht, wie &#8211; in einen todes\u00e4hnlichen Schlaf. Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder ist eine Vision vernichtet, eine kurze Bl\u00fctezeit zerst\u00f6rt. Nur kommt in diesem Fall hinzu, dass die Vision Hank Morgans wenig besser war als die Barbarei vor ihm; dass die Technik des 19. Jahrhundert dem 6. Jahrhundert keinen Fortschritt gebracht hat. Offen bleibt, ob das am zu schnellen Vorgehen und der Person des Yankee liegt, oder ob, pessimistischer, der Mensch unverbesserlich ist: &#8222;Well, there are times when one would like to hang the whole human race and finish the farce.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>(Und was gab es in Deutschland zu dieser Zeit zu lesen? <em>Effi Briest<\/em>.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischendurch griff ich zum Urvater der modernen Artus-Geschichten. <strong><em>Le Morte d&#8217;Arthur<\/em><\/strong> von <strong>Thomas Malory<\/strong>. (Fu\u00dfnote: &#8222;Mallory&#8220; nannte Raymond Chandler den Detektiv seiner ersten ver\u00f6ffentlichten Geschichte.) Gedruckt im 15. Jahrhundert von William Caxton. In jungen Jahren habe ich das mal ganz gelesen, wenn auch in deutscher \u00dcbersetzung. Was man halt so macht in seiner Freizeit.<br>Interessant ist das Nachwort meiner Ausgabe, das unter anderem die Entwicklung des Artus-Stoffes umrei\u00dft. Ich habe hier mal vieles davon in einem Diagramm dargestellt, wichtig war mir vor allem, wie nach und nach die verschiedenen Elemente, die f\u00fcr mich heute den Stoff ausmachen, hinzukamen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/artus-stoff.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"427\" height=\"550\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/artus-stoff-427x550.png\" alt=\"artus-stoff\" class=\"wp-image-2468\" title=\"artus-stoff\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/artus-stoff-427x550.png 427w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/artus-stoff-116x150.png 116w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/artus-stoff-796x1024.png 796w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/artus-stoff.png 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>M\u00fcsste man eigentlich mal ein W-Seminar dazu anbieten. Warum es englische und franz\u00f6sische Versionen des Stoffes gibt, ist klar: ausgeformt wurde der Stoff zur anglonormannischen Zeit, teils als Vorbild f\u00fcr den Hof dort, dann nach der L\u00f6sung von Frankreich als veraltet betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht es jetzt weiter mit meiner Lesereise? Sicher nicht zu <strong>Marion Zimmer Bradley<\/strong>. Ihr <strong>Die Nebel von Avalon<\/strong> habe ich in jungen Jahren gelesen, ich habe ihn als historischen Roman in Erinnerung, und die mag ich nicht sehr. Humorlos, ohne \u00dcbertragung auf sp\u00e4tere Zeiten. Nicht meine Geschichte. Viel eher die Artusversion von <strong>T.H. White: The Once And Future King<\/strong>, die meine Sicht auf den Stoff sehr gepr\u00e4gt hat. Sie ist wunderbar anachronistisch &#8211; die st\u00e4rkeren oder schw\u00e4cheren Ritter, die man sich f\u00fcr mehr oder weniger Geld als Streiter f\u00fcr die eigene Sache engagiert, werden mit heutigen Anw\u00e4lten verglichen. Sie ist sentimental und h\u00e4lt die Wage zwischen Optimismus und Pessimismus. Auch da geht am Ende alles kaputt, und Artus fragt sich, ob es die ganze Sache wert war, ob die Tafelrunde irgendwelche bleibende Auswirkungen haben wird. Am Vorabend der letzten Schlacht schickt er den jungen Tom (Thomas Malory) fort, damit der die Geschichte von Artus&#8216; Idee weitererz\u00e4hlen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits: Vermutlich hat mich der kurze Schlenkerer zu Chandlers Mallory auf eine andere Spur geworfen: ich mache jetzt mal wieder mit Chandler weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(4 Kommentare.) Wenn ich diesen Blogeintrag nicht bald schreibe, l\u00e4uft er mir noch ganz davon. 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