{"id":2481,"date":"2009-08-02T14:23:41","date_gmt":"2009-08-02T12:23:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2481"},"modified":"2023-05-31T14:03:25","modified_gmt":"2023-05-31T12:03:25","slug":"wiedergelesen-hammett-und-amis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/08\/wiedergelesen-hammett-und-amis.htm","title":{"rendered":"Wiedergelesen: Hammett und Amis"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"125\" height=\"210\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hammett_maltese.jpg\" alt=\"hammett_maltese\" class=\"wp-image-2482\" title=\"hammett_maltese\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hammett_maltese.jpg 125w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hammett_maltese-89x150.jpg 89w\" sizes=\"auto, (max-width: 125px) 100vw, 125px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Dashiell Hammett, <em>The Maltese Falcon<\/em>.<\/strong> Den Film kannte ich zuerst, er gilt zu Recht als Meisterwerk. \u00dcber das Buch habe ich vor einiger Zeit schn\u00f6de Worte gelesen, auch Frau Rau hat es damals vor f\u00fcnfzehn Jahren nicht gefallen. Grund zum Wiederlesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Inhalt: Eine Klientin, die immer wieder ihren Namen und ihre Geschichte \u00e4ndert, bittet die Detektive Sam Spade und Miles Archer um Unterst\u00fctzung. Archer wird erschossen. Spade, der seinen Partner mit dessen Frau betr\u00fcgt, ger\u00e4t unter Verdacht. Bald taucht ein Joel Cairo auf, der ebenso wie die Klientin (Brigid O&#8217;Shaugnessy) auf der Suche nach einem schwarzen Vogel ist. Ein junger M\u00f6chtegerngangster beobachtet ihn, im Dienst von Casper Gutman. Der erz\u00e4hlt Spade schlie\u00dflich auch die Geschichte vom Malteser Falken, einer ungemein wertvollen, unscheinbaren Statue, dem verschollenen Geschenk eines Kreuzritterordens. Seit f\u00fcnfzehn Jahren jagt Gutman dem Falken hinterher. H\u00f6hepunkt und Finale: Spade, Cairo, O&#8217;Shaugnessy, Gutman und der Junge warten gemeinsam eine Nacht lang in einem Hotelzimmer auf den Morgen, bis ihnen der Falke ins Hotel gebracht werden kann. Sie lassen einander nicht aus den Augen und spielen Psychospielchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch gef\u00e4llt mir immer noch. Die Anekdote von Flitcraft\/Pierce, die romantische Geschichte um den Falken. Die Erz\u00e4hlperspektive: Man kriegt nie eine Innensicht in die Charaktere. (Ganz anders der ich-erz\u00e4hlende Marlowe bei Raymond Chandler, mit langen Exkursionen und inneren Monologen, auch wenn ich den ebenso sch\u00e4tze.)<\/p>\n\n\n\n<p>Klar gewinnt man in Folge der Dialoge und der Lenkung der Aufmerksamkeit durch den weitgehend neutralen Erz\u00e4hlers doch eine Meinung dar\u00fcber, was in den K\u00f6pfen der Figuren vorgeht. Aber so ganz klar ist das nicht, gerade Brigid O&#8217;Shaugnessy und nat\u00fcrlich Sam Spade bleiben schwer zu durchschauen. Er h\u00e4lt sich bedeckt, sie ist eine chronische L\u00fcgnerin; allesamt sind sie moralisch nicht eindeutig zu fassen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;I saw him tonight.&#8220; Spade did not look up and he maintained his light conversational tone. &#8222;He was going to see George Arliss.&#8220;<br>&#8222;You mean you talked to him?&#8220;<br>&#8222;Only for a minute or two, till the curtain-bell rang!&#8220;<br>She got up from the settee and went to the fireplace to poke the fire. She changed slightly the position of an ornament on the mantelpiece, crossed the room to get a box of cigarettes from a table in a corner, straightened a curtain, and returned to her seat. Her face now was smooth and unworried.<br>Spade grinned sidewise at her and said: &#8222;You&#8217;re good. You&#8217;re very good.&#8220;<br>Her face did not change. She asked quietly: &#8222;What did he say?&#8220;<br>&#8222;About what?&#8220;<br>She hesitated. &#8222;About me.&#8220;<br>&#8222;Nothing.&#8220; Spade turned to hold his lighter under the end of her cigarette. His eyes were shiny in a wooden satan&#8217;s face.<br>&#8222;Well, what did he say?&#8220; she asked with half-playful petulance.<br>&#8222;He offered me five thousand dollars for the black bird.&#8220;<br>She started, her teeth tore the end of her cigarette, and her eyes, after a swift alarmed glance at Spade, turned away from him.<br>&#8222;You&#8217;re not going to go around poking at the fire and straightening up the room again, are you?&#8220; he asked lazily.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Unerreicht ist das Personal des Romans. Die meisten Personen kann ich zwar nur schwer von ihrer wichtigsten Filmversion trennen &#8211; Mary Astor als Brigid O&#8217;Shaugnessy, Peter Lorre als Joel Cairo, Sidney Greenstreet als Casper Gutman, Elisha Cook als Wilmer treffen ihre Rolle perfekt. (Bogart als Spade trifft es nicht ganz so, gut dagegen wieder Lee Patrick als Sekret\u00e4rin.) Aber diese Rollen sind eben auch schon im Roman ganz hervorragend angelegt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"125\" height=\"204\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/amis_lucky_jim.jpg\" alt=\"amis_lucky_jim\" class=\"wp-image-2483\" title=\"amis_lucky_jim\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/amis_lucky_jim.jpg 125w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/amis_lucky_jim-91x150.jpg 91w\" sizes=\"auto, (max-width: 125px) 100vw, 125px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kingsley Amis, <em>Lucky Jim<\/em>.<\/strong> Wie sch\u00f6n. Es ist mir ein bisschen zu lang geworden beim Wiederlesen, aber wirklich nur ein bisschen. Ich hatte vergessen, dass es ja au\u00dferdem eine wundersch\u00f6ne Liebesgeschichte ist, ich sentimentaler Kerl. Lieblingsszene: Die n\u00e4chtliche Autofahrt etwa in der Mitte des Buches.<\/p>\n\n\n\n<p>Inhalt: James Dixon arbeitet als Dozent an einem College, ist in der Probezeit und bangt um seine Anstellung, da er akademisch nicht sehr interessiert ist und au\u00dferdem von einem Fettn\u00e4pfchen ins andere tritt. Er versucht sich bei seinem Chef Liebkind zu machen, verliebt sich in die Freundin dessen Sohnes, lebt in romantischer Verwirrung mit einer Kollegin, tr\u00e4gt Fehden mit anderen Kollegen aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr gut erinnern konnte ich mich an einzelne Szenen und an die Tatsache, dass James Dixon gerne Gesichter schneidet, wenn niemand hinsieht. Und das sehr bewusst: Er hat sein Eskimogesicht, und andere feste Gesichter; manchmal improvisiert er auch.* \u00dcberhaupt: Er verbirgt sehr viel von sich vor seiner Umwelt, ist dabei unglaublich analytisch, st\u00e4ndig denkt und beurteilt und bewertet und g\u00e4rt es in ihm. Seine Phantasien sind manchmal gewaltt\u00e4tig: &#8222;He was saying &#8218;Most impressive&#8216;, and for a second Dixon felt like picking up the spanner he could see in the dashboard pocket and hitting him on the back of the neck with it&#8220;, richten sich auch gegen Unbelebtes: &#8222;He hated that <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Jug_%28container%29#Toby_Jug\">Toby jug<\/a>, with it sopen black hat &#8230; more strenuously than any other inanimate occupant of this house, not excepting Welch&#8217;s recorder. Its expression proved that it knew what he thought of it, and it could tell nobody. He put a thumb on each of his temples, waggled his hands at it, rolled his eyes, mouthed jeers and imprecations.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine sehr sympathische, eben doch \u00fcberhaupt nicht sehr gl\u00fcckliche Figur &#8211; wenn ihn da nicht doch noch die Liebe retten w\u00fcrde. Zum gl\u00fccklichen Ende gehen ihm die Gesichter aus: &#8222;He thought what a pity it was that all his faces were designed to express rage or loathing. Now that something had happened which really deserved a face, he&#8217;d none to celebrate it with.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><small>* Was dem <em>Lucky Jim<\/em> seine <em>faces<\/em> sind, sind <em>The Ginger Man<\/em> von J.P. Donleavy seine <em>walks<\/em> &#8211; verschiedene Arten zu gehen, je nach Stimmung und Anlass. <em><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Ginger_Man\">The Ginger Man<\/a><\/em> d\u00fcrfte zur gleichen Zeit entstanden sein, Mitte der 1950er Jahre. Ich habe es deshalb gelesen, weil ich mal eine irische Phase hatte, weil das Buch lange verboten war, und vor allem, weil ich aus einem sch\u00f6nen Lied der Pogues (&#8222;A Rainy Night in Soho&#8220;) eine &#8222;ginger lady&#8220; kenne und der Spur nachgehen wollte. Hat mich nicht weit gebracht, aber dass Shane McGowan das Buch kannte, d\u00fcrfte klar sein &#8211; ein sp\u00e4teres Buch von Donleavy, einem amerikanischen <em>expatriate<\/em> in Irland, hei\u00dft <em>A Fairy Tale of New York<\/em><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dashiell Hammett, The Maltese Falcon. Den Film kannte ich zuerst, er gilt zu Recht als Meisterwerk. \u00dcber das Buch habe ich vor einiger Zeit schn\u00f6de Worte gelesen, auch Frau Rau hat es damals vor f\u00fcnfzehn Jahren nicht gefallen. Grund zum Wiederlesen. 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