{"id":2490,"date":"2009-08-16T11:38:26","date_gmt":"2009-08-16T09:38:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2490"},"modified":"2021-08-15T10:44:11","modified_gmt":"2021-08-15T08:44:11","slug":"alles-ueber-die-respizienz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/08\/alles-ueber-die-respizienz.htm","title":{"rendered":"Alles \u00fcber: Die Respizienz"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/08\/alles-ueber-die-respizienz.htm#comments'>15 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><strong>Respizienz<\/strong> hei\u00dft das, wenn die Fachbetreuer sich die schriftlichen Pr\u00fcfungen ihrer Kollegen (in Kernf\u00e4chern nur die gro\u00dfen Leistungserhebungen) anschauen.<\/p>\n<p>Das sieht so aus: Der Lehrer l\u00e4sst eine Schulaufgabe (=Test, gro\u00dfe Leistungserhebung) schreiben, korrigiert sie und gibt sie nach sp\u00e4testens zwei, ab der 10. Klasse drei Wochen den Sch\u00fclern zur\u00fcck. Damit hat der Lehrer, wenn ich mal von mir selber ausgehen darf, das Gef\u00fchl, seine eigentliche Arbeit erledigt zu haben, und geht den restlichen verwalterischen Aufgaben mit meist nur m\u00e4\u00dfigem Eifer nach.<\/p>\n<p>Derer sind zum Ersten das Einsammeln der Pr\u00fcfungen. Bei manchen Klassen dauert das tats\u00e4chlich nur Tage, bei anderen l\u00e4uft man noch nach Wochen einzelnen Sch\u00fclern hinterher &#8211; das h\u00e4ngt davon ab, wie viel Druck der Lehrer macht, wie wichtig es ihm ist.<\/p>\n<p>Danach reift der Schulaufgabenstapel noch beim Lehrer, w\u00e4hrend der dem zweiten Teil seiner Aufgabe nachkommt: die Schulaufgaben kommen in einen Umschlag, auf dem Klasse, Thema, Notenverteilung und dergleichen notiert werden. Das Datum der Schulaufgabe darauf, das Datum der R\u00fcckgabe (das sich kaum ein Lehrer merken d\u00fcrfte, also nimmt man einfach das erste Datum und addiert 14 Tage), noch ein paar andere Felder ausf\u00fcllen und unterschreiben. Vielleicht haben andere Schulen auch weniger vollst\u00e4ndige Formulare. Au\u00dferdem kommen noch ein oder zwei leere Schulaufgaben-Angaben hinein und &#8211; je nach Schule, Fach und Gepflogenheit &#8211; eine Musterl\u00f6sung und ein Erwartungshorizont.<br \/>\nAll das f\u00fchrt dazu, dass die Schulaufgabe bestenfalls etwa zwei Wochen nach dem R\u00fcckgabetermin beim Respizienten landet (blitzschnell, kommt aber vor), manchmal zwei Monate danach, manchmal auch erst nach neun Monaten, also zum Schuljahresende.<\/p>\n<p>Dann schaut sich der Respizient die Schulaufgaben an &#8211; auch das bestenfalls m\u00f6glichst schnell, damit er dem Lehrer bald R\u00fcckmeldung geben kann. Manchmal dauert das allerdings auch l\u00e4nger. Von fr\u00fcheren Fachbetreuern, auch in anderen F\u00e4chern, bin ich gew\u00f6hnt, dass man gar keine R\u00fcckmeldung kriegt. Hei\u00dft das, dass man alles schon halbwegs richtig gemacht hat? Oder dass sich niemand das Zeug \u00fcberhaupt angeschaut hat? Manchmal gibt es auch in der Fachsitzung eine pauschale R\u00fcckmeldung f\u00fcr alle Lehrer: sorgf\u00e4ltiger korrigieren, mehr auf Zeichensetzung achten, bittesch\u00f6n nicht zu sehr von der \u00fcblichen Punkteskala abweichen.<\/p>\n<p>Bei mir &#8211; ich bin Juniorfachbetreuer Deutsch &#8211; sieht das so aus: Ich schaue mir pro Schulaufgabe eine kleine Menge an Sch\u00fclerarbeiten an. Mindestens eine gute, eine schlechte, eine mittlere; meist noch eine dazu, manchmal auch zwei, aber keinesfalls eine von jedem Thema und jeder Note &#8211; daf\u00fcr ist diese Arbeit dann doch nicht wichtig genug. Wenn ich die Klasse kenne und neugierig bin, sind es mehr Arbeiten; ebenso, wenn mir etwas auff\u00e4llt oder unklar ist.<br \/>\nAu\u00dferdem rechne ich oft den angegebenen Durchschnitt nach. Man sollte nicht meinen, wie oft da falsch gerechnet wird.<br \/>\nBei den Sch\u00fclerarbeiten achte ich darauf, wie sorgf\u00e4ltig korrigiert wurde, ob die Note zum Aufsatz und zur Begr\u00fcndung passt, ob das Thema mit dem Lehrplan vereinbart werden kann. Au\u00dferdem stelle ich fest, aber das bislang nur so vor mich hin, welcher Kollege den Genpool des Aufgabenordners mit neuem Material bef\u00fcllt und wer sich wieder nur an den alten Themen bedient. Es gibt da eine Zeichnung zur Textsorte &#8222;Unfallbericht auf Basis von Zeugenaussagen&#8220;, die ich in meinem ersten oder zweiten Jahr an der Schule angefertigt habe und bei der ich mich jedesmal wieder freue, wenn ich sie sehe.<\/p>\n<p>Kommentare und Erg\u00e4nzungen von mir sind in <em>gr\u00fcn<\/em>. Ah! Schon zu meiner Schulzeit hie\u00df es immer, gr\u00fcn sei die Farbe des Direktors. Daher kommt das also.<\/p>\n<p>Dann tippe ich meine Erkenntnisse in ein Datenbank-Dokument: Schuljahr, Klasse, Lehrkraft, Textsorte und dergleichen; die Notenverteilung, den Durchschnitt, einige Dropdownfelder (R\u00fcckgabe: &#8222;angenehm rasch&#8220;, &#8222;rechtzeitig&#8220;, &#8222;versp\u00e4tet&#8220;, &#8222;so versp\u00e4tet, dass Konzept Respizienz ad absurdum gef\u00fchrt&#8220;); nat\u00fcrlich auch einen frei geschriebenen Kommentar. Dann zwei Exemplare dieser Seite ausdrucken, eines wird mit &#8222;Rau&#8220; unterschrieben und kommt zum Schulaufgabensatz, der dann an die Schulleitung weitergeht; das andere wird mit &#8222;Thomas&#8220; unterschrieben, eventuell mit zus\u00e4tzlichen handschriftlichen Erg\u00e4nzungen versehen. Dieses Exemplar kriegt der Lehrer als R\u00fcckmeldung in sein Fach gelegt.<\/p>\n<p>Warum der Zettelkram? Weil ich ohnehin eine R\u00fcckmeldung f\u00fcr die Schulleitung verfassen muss, auch wenn die nur aus ein paar handschriftlichen Zeilen bestehen k\u00f6nnte. Und vor allem, weil ich es aufgegeben habe, die vielen Kollegen abzupassen und ihnen zwischen T\u00fcr und Angel etwas von einem Spickzettelchen vorzulesen &#8211; ich bin immer wieder mal nicht da, die sind immer wieder mal nicht da; es kann sich ziehen, bis man sich wieder mal begegnet.<\/p>\n<p>Warum die Datenbank? Zum einen, weil ich ich mit Datenbanken (Open Office Base, das Quasi-\u00c4quivalent zu MS Access) \u00fcben m\u00f6chte. Zum anderen, weil es nicht mehr Aufwand macht, meine Bemerkung da hinein zu tippen als in ein Textdokument. Und vor allem deshalb, weil ich so einen \u00dcberblick gewinne &#8211; zum Beispiel dar\u00fcber, in welchen Jahrgangsstufen nie eine 1 oder 6 gegeben wird.<\/p>\n<p>Warum \u00fcberhaupt Respizienz? Damit es eine Instanz gibt, die wenigstens halbwegs einen \u00dcberblick hat, welche Themen zu oft dran kommen, welche vielleicht gar nicht lehrplankonform sind, wie unterschiedlich die Kollegen korrigieren (oder auch nicht). Als Ansprechpartner bei schwierigen Entscheidungen. Viel ist aber reine Formsache.<\/p>\n<p><em>Nachtrag 2021:<\/em> Formal hat sich nicht viel ge\u00e4ndert. Allerdings wird nicht jede Schulaufgabe mehgr gr\u00fcndlich angeschaut, sondern manche nur oberfl\u00e4chlich &#8211; ehrlich gesagt: das war schon immer so. Es sind immer weitere Aufgaben auf Fachbetreuung und andere zugekommen, so dass bei der Respizienz gespart wird. Schadet auch nicht. Au\u00dferdem werden immer mehr Pr\u00fcfungen parallel geschrieben, bei uns in Deutsch insbesondere in 10, 11 und 12 und teilweise 9 &#8211; da kann man davon ausgehen, dass die Kollegen und Kolleginnen sich ja ohnehin absprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(15 Kommentare.) 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