{"id":2496,"date":"2009-08-28T08:30:59","date_gmt":"2009-08-28T06:30:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2496"},"modified":"2023-05-24T13:35:26","modified_gmt":"2023-05-24T11:35:26","slug":"die-gedichte-aus-dead-poets-society-und-ein-bisschen-textkritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/08\/die-gedichte-aus-dead-poets-society-und-ein-bisschen-textkritik.htm","title":{"rendered":"Die Gedichte aus Dead Poets Society &#8211; und ein bisschen Textkritik"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/08\/die-gedichte-aus-dead-poets-society-und-ein-bisschen-textkritik.htm#comments'>7 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Im Laufe der ersten Jahre, nachdem ich im Kino <em>Dead Poets Society<\/em> gesehen hatte, habe ich so ziemlich alle Gedichte, die dort erw\u00e4hnt werden, zusammengetragen. Ich mag Gedichte, und ich suche gerne. Da waren auch sch\u00f6ne Fundst\u00fccke dabei: Seit Jahren \u00fcberlege ich, ob ich nicht irgendwie Vachel Lindsays ungeheuer rhythmisches mehrstimmiges Gedicht <a href=\"http:\/\/xroads.virginia.edu\/~HYPER\/Lindsay\/lindsay.html#congo\">The Congo (A Study of the Negro Race)<\/a> in den Unterricht kriege. Aber das geht wohl nicht, unter anderem wegen der Frage, wie gut gemeint, aber doch rassistisch das Gedicht ist (<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Vachel_Lindsay#Attitudes_towards_race\">Wikipedia dazu<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann wollte ich die Gedichte auch mal f\u00fcrs Web zusammenschreiben. Aber nat\u00fcrlich hat das l\u00e4ngst einer getan, hier ist eine <a href=\"http:\/\/www.antiromantic.com\/poetry.asp\">Webseite zu den Gedichten aus dem Film<\/a> (aber nicht \u00fcber den Film). &#8222;The Ballad of William Bloat&#8220; ist anscheinend das einzige Gedicht, das mir entgangen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines meiner Lieblinsgedichte ist seitdem &#8222;Ulysses&#8220; von Tennyson, der dramatische Monolog eine gealterten Odysseus, der seine Amtsgesch\u00e4fte dem braven Sohn \u00fcberl\u00e4sst, um noch einmal auf gro\u00dfe Fahrt zu gehen. So endet das Gedicht:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Come, my friends,<br>&#8218;T is not too late to seek a newer world.<br>Push off, and sitting well in order smite<br>The sounding furrows; for my purpose holds<br>To sail beyond the sunset, and the baths<br>Of all the western stars, until I die.<br>It may be that the gulfs will wash us down:<br>It may be we shall touch the Happy Isles,<br>And see the great Achilles, whom we knew.<br>Tho&#8216; much is taken, much abides; and tho&#8216;<br>We are not now that strength which in old days<br>Moved earth and heaven, that which we are, we are;<br>One equal temper of heroic hearts,<br>Made weak by time and fate, but strong in will<br>To strive, to seek, to find, and not to yield.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ganz sch\u00f6n heroisch. Kein Wunder, dass mir der chronologisch letzte Conan-Roman (<em>Conan of the Isles<\/em> von L. Sprague de Camp and Lin Carter) so bekannt vorkommt: da dankt der alte, zum Herrscher eines Reichs aufgestiegene Conan zu Gunsten seines Sohnes ab, um noch einmal auf Abenteuer zu gehen. Etwas weniger martialisch ist da Robert A. Heinleins letztes zu Lebzeiten ver\u00f6ffentlichtes Buch, <em>To Sail Beyond the Sunset<\/em>, Abschluss der Lazarus-Long-Reihe.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einem anderen sch\u00f6nen Gedicht werden nur die ersten zwei Zeilen verwendet werden, soweit ich mich erinnere. Hier ist die erste von drei Strophen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>The Prophet &#8211; Abraham Cowley<\/p>\n\n\n\n<p>Teach me to love? go teach thy self more wit;<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;I chief professor am of it.<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach craft to Scots, and thrift to Jews,<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach boldness to the stews;<br>In tyrants courts teach supple flattery,<br>Teach Jesuits, that have travell&#8217;d far, to lye.<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach fire to burn and winds to blow.<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach restless fountains how to flow,<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach the dull earth, fixt, to abide,<br>Teach woman-kind inconstancy and pride.<br>See if your diligence here will useful prove;<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;But, pr&#8217;ithee, teach not me to love.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>(Siehe auch <a href=\"http:\/\/www.poetseers.org\/the_great_poets\/british_poets\/john_donne\/john_donne_poems\/go_and_catch_a_falling_star\/\">John Donne, &#8222;Song: Go and catch a falling star&#8220;<\/a>, gut gegen Liebesfrust.)<\/p>\n\n\n\n<p>Mir geht es im Moment um die zweite Zeile des Cowley-Gedichts. Die lautet so, wie sie oben steht: &#8222;I chief professor am of it.&#8220; Geht rhythmisch auch gar nicht anders. Im Web steht an vielen Stellen aber &#8222;I am chief professor of it.&#8220; Das geht gar nicht. Kinder, traut dem Internet nicht. Dass Gro\u00df- und Kleinschreibung, Rechtschreibung und Interpunktion je nach Modernisierung der Quelle unterschiedlich sind, keine Frage. Aber das ist einfach ein Fehler. (In Vers 9 ist noch einer.)<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Fehler k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch bei B\u00fcchern vorkommen. Ich erinnere mich noch an meinen Deutsch-Leistungskurs, als wir <em>Faust<\/em> begannen. Stolz hatte ich meine Ausgabe von zu Hause mitgebracht, noch stolzer las ich auf Aufforderung die vorangestellten Verse, und wurde schon beim ersten Wort korrigiert. &#8222;Zueignung, nicht Zuneigung&#8220; &#8211; ein Lesefehler, wie er bei vielen Sch\u00fclern vorkommen mag, aber doch nicht bei mir! Tats\u00e4chlich war meine Ausgabe fehlerhaft:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"232\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/zueignung-zuneigung.jpg\" alt=\"zueignung-zuneigung\" class=\"wp-image-2497\" title=\"zueignung-zuneigung\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/zueignung-zuneigung.jpg 400w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/zueignung-zuneigung-150x87.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Man sieht noch meine erboste Bleistiftkorrektur. (Also, dass sie erbost war, sieht man nicht. War sie aber.) Es ist also schon sinnvoll, f\u00fcrs wissenschaftliche Arbeiten und f\u00fcr die Schule nicht irgendwelche Ausgaben zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(7 Kommentare.) Im Laufe der ersten Jahre, nachdem ich im Kino Dead Poets Society gesehen hatte, habe ich so ziemlich alle Gedichte, die dort erw\u00e4hnt werden, zusammengetragen. Ich mag Gedichte, und ich suche gerne. 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