{"id":2501,"date":"2009-08-10T23:34:02","date_gmt":"2009-08-10T21:34:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2501"},"modified":"2023-07-15T19:06:15","modified_gmt":"2023-07-15T17:06:15","slug":"mervyn-peake-lean-sideways-on-the-wind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/08\/mervyn-peake-lean-sideways-on-the-wind.htm","title":{"rendered":"Mervyn Peake, Lean sideways on the wind"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/08\/mervyn-peake-lean-sideways-on-the-wind.htm#comments'>4 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Als ich in der 11. Klasse war, hat Englischlehrer <a href=\"http:\/\/tulgeywood.de\/\">rip<\/a> bei uns unter anderem dieses Gedicht gemacht:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"550\" height=\"357\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/peake_lean_sideways.jpg\" alt=\"peake_lean_sideways\" class=\"wp-image-2502\" title=\"peake_lean_sideways\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/peake_lean_sideways.jpg 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/peake_lean_sideways-150x97.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr heutige Augen vertrauter:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Lean sideways on the wind<\/p>\n\n\n\n<p>Lean sideways on the wind, and if it bears<br>Your weight, you are a daughter of the Dawn &#8211;<br>If not, pick up your carcass, dry your tears,<br>Brush down your dress &#8211; for that sweet elfin horn<\/p>\n\n\n\n<p>You thought you heard was from no fairyland &#8211;<br>Rather it flooded through the kitchen floor,<br>From where your Uncle Eustace and his band<br>Of flautists turn my cellar, more and more<\/p>\n\n\n\n<p>Into a place of hollow and decay:<br>That is my theory, darling, anyway.<\/p>\n\n\n\n<p>Mervyn Peake<\/p>\n\n\n\n<p><small>Copyright the Estate of Mervyn Peake, and quoted with kind permission.<\/small><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Gedicht gefiel mir gut, und als Leser von Science-Fiction- und Fantasy-Romanen las ich ein paar Jahre sp\u00e4ter Mervyn Peakes bekanntestes Werk, die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mervyn_Peake\">Gormenghast-Trilogie<\/a>. Die gefiel mir auch gut, war aber sehr m\u00fchsam. Ich habe sie mir herausgelegt, vielleicht schaue ich wieder hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Peake-Gedicht von oben habe ich w\u00e4hrend meiner Bundeswehrzeit zu \u00fcbersetzen versucht, als ich f\u00fcr einen Monat in die Nachbarkaserne abkommandiert war. Auf einem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Lochstreifen-2.png&amp;filetimestamp=20051104210721\">5-Kanal-Lochstreifenger\u00e4t<\/a> getippt, neben Nachrichten verschiedener <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geheimhaltungsstufe#Westdeutschland_ab_1949\">Geheimhaltungsstufen<\/a>, die ich empfangen, tippen und kopieren musste. Das war ein ganz sch\u00f6nes Gewirr mit diesen endlosen Lochstreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ein Zeugnis dieses ersten Versuchs:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"550\" height=\"337\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/peake_lean_sideways_alt.jpg\" alt=\"peake_lean_sideways_alt\" class=\"wp-image-2503\" title=\"peake_lean_sideways_alt\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/peake_lean_sideways_alt.jpg 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/peake_lean_sideways_alt-150x91.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Man sieht, das Genie ist noch am Reifen. Hier ein aktueller \u00dcbersetzungsversuch, an dem ich die letzten Tage \u00fcber gebastelt habe:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Lehn seitw\u00e4rts dich am Winde an: wenn dein Gewicht<br>Er tr\u00e4gt, bist, Tochter, du der Morgenr\u00f6te Kind.<br>Wenn nicht, heb deine Knochen auf, putz dein Gesicht,<br>Streich glatt dein Kleid, denn dieser s\u00fc\u00dfe Elfenwind,<\/p>\n\n\n\n<p>Den du zu h\u00f6ren meinst &#8211; vom M\u00e4rchenlande war<br>er nicht. Er drang vielmehr vom K\u00fcchenboden her,<br>von wo dein Onkel Eustace, er und seine Schar<br>Fl\u00f6tisten, meinen sch\u00f6nen Keller mehr und mehr<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einem Ort der Leere machen, des Verfalls.<br>So sehe ich die Sache, Liebling, jedenfalls.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>M\u00e4ngel daran:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Das ganze ist jambisch sechshebig statt wie im Original f\u00fcnfhebig.<\/li>\n\n\n\n<li>Vers 2: Das F\u00fcllwort &#8222;Tochter&#8220;, das allerdings als einzige Stelle das Geschlecht der Angesprochenen klar macht.<\/li>\n\n\n\n<li>Vers 4: &#8222;Elfenwind&#8220; kann man nicht h\u00f6ren. Allerdings finde ich es legitim, da die Fl\u00f6tisten unten ja auch Wind produzieren. Dass elfischer H\u00f6rnerklang im Englischen ein Topos ist und im Deutschen nicht, l\u00e4sst sich ohnehin nicht retten.<\/li>\n\n\n\n<li>Vers 7: Noch sch\u00f6ner h\u00e4tte ich &#8222;seine Bande\/von Fl\u00f6tisten&#8220; gefunden. Aber das Metrum ist rein jambisch, die Kadenz stets m\u00e4nnlich. Ein Aufeinandertreffen zweier Senkungen (wie bei weiblicher Kadenz und jambischem Beginn des n\u00e4chsten Verses) w\u00e4re gar nicht gegangen; ich f\u00e4nde v\u00f6llig legitim, den weiblich endenden Vers eine Silbe l\u00e4nger zu machen und daf\u00fcr dem n\u00e4chsten die erste Silbe zu k\u00fcrzen &#8211; aber Jambus-Troch\u00e4us-Anh\u00e4nger w\u00fcrden da Zeter und Mordio schreien. Also erst einmal nicht.<\/li>\n\n\n\n<li>Vers 7: Das st\u00f6rende &#8222;er&#8220;, das nur drin ist, weil ich eine Silbe brauchte.<\/li>\n\n\n\n<li>Vers 8: Das &#8222;sch\u00f6nen&#8220; ist reines F\u00fcllwort und geh\u00f6rt gestrichen.<\/li>\n\n\n\n<li>Den identischen Reim der letzten beiden Verse finde ich l\u00e4sslich.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Hier eine f\u00fcnfhebige Variante, die ich etwas zu kurz und knapp finde:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Lehn an den Wind dich an: wenn dein Gewicht<br>Er tr\u00e4gt, bist du der Morgenr\u00f6te Kind.<br>Wenn nicht, steh auf und putz dir dein Gesicht,<br>Streich glatt dein Kleid, denn dieser Elfenwind,<\/p>\n\n\n\n<p>Den du im Ohr: vom M\u00e4rchenlande war<br>er nicht. Er drang vom K\u00fcchenboden her,<br>von wo dein Onkel Eustace und die Schar<br>Fl\u00f6tisten meinen Keller mehr und mehr<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einem Orte machen des Verfalls.<br>So sehe ich das, Liebling, jedenfalls.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hm. Vielleicht gef\u00e4llt mir das F\u00fcnfhebige doch besser. Einige sch\u00f6ne Nuancen fehlen, aber daf\u00fcr gibt&#8217;s keine F\u00fcllw\u00f6rter.<\/p>\n\n\n\n<p>Sebastian Peake, der Sohn Mervyn Peakes, betreibt die Webseite <a href=\"http:\/\/www.mervynpeake.org\">http:\/\/www.mervynpeake.org<\/a>. Er hat mir freundlicherweise erlaubt, das Originalgedicht und meine \u00dcbersetzungen hier zu ver\u00f6ffentlichen. So einfach ist das, wenn die Verwertungsrechte (und nicht nur das Urheberrecht) nicht bei einem Verlag liegen, sondern tats\u00e4chlich bei einem K\u00fcnstler oder dessen Verwandten.<\/p>\n\n\n\n<p>Demnach k\u00f6nnen meine \u00dcbersetzungen nicht unter der \u00fcblichen Creative-Commons-Lizenz in meinem Blog stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(4 Kommentare.) Als ich in der 11. 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