{"id":2579,"date":"2009-10-20T20:49:33","date_gmt":"2009-10-20T18:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2579"},"modified":"2023-05-31T14:02:52","modified_gmt":"2023-05-31T12:02:52","slug":"kingsley-amis-und-robert-conquest-the-egyptologists-1965","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/10\/kingsley-amis-und-robert-conquest-the-egyptologists-1965.htm","title":{"rendered":"Kingsley Amis und Robert Conquest, The Egyptologists (1965)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/10\/kingsley-amis-und-robert-conquest-the-egyptologists-1965.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Nicht vorbehaltslos zu empfehlen&#8230;. und doch: irgendwie sehr witzig. Der Plot, die Charaktere, alles sch\u00f6n. Aber ein wenig m\u00fchsam zu lesen. Eines der B\u00fccher, bei denen ich mir ein Remake w\u00fcnsche, von Tom Sharpe vielleicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der geheimnisvollsten Vereinigungen in London ist die <em>Metropolitan Egyptological Society<\/em>. Die Adresse steht im Telefonbuch, aber die Stra\u00dfe ist schwer zu finden. Auch das Haus ist schwer zu finden. Wer vorbeischaut, wird freundlich und unverbindlich empfangen, bekommt aber wenig zu sehen (klar, B\u00fccher \u00fcber \u00c4gypten im Regal, eine Statue oder zwei) und wird sehr bald in den n\u00e4chsten Pub herauskomplimentiert, wo die Mitglieder der Gesellschaft unglaublich viel unglaublich langweiliges Zeug von sich geben. Au\u00dfer der Gast versteht etwas von \u00c4gyptologie, dann wird der Kontakt noch schneller abgebrochen &#8211; auch f\u00fcr diesen Fall gibt es eine Verhaltensvorschrift, festgehalten in den internen Anweisungen der Gesellschaft. Von diesen Anweisungen gibt es viele: wie man mit der Presse umgeht, mit Besuchern, mit angek\u00fcndigten und unabgek\u00fcndigten Besuchen der Ehefrauen im Club. Ein Superintendent der Polizei, der der Gesellschaft auf die Schliche kommt, lobt ihre Vorgehensweise, das geheimdienstlicher T\u00e4tigkeit als Vorbild dienen k\u00f6nnte. Und dann will er Mitglied werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn mit \u00c4gypten hat diese Gesellschaft nichts zu tun; das ist nur ein Vorwand f\u00fcr die eigentlichen Aktivit\u00e4ten &#8211; die Gr\u00fcndungsmitglieder haben bewusst das langweiligste Thema gew\u00e4hlt, das sie finden konnten. (Aber selbst das h\u00e4lt eines der Mitglieder, peinlich, peinlich, nicht davon ab, echtes Interesse f\u00fcr \u00c4gypten zu entwickeln, so dass es heimlich einbrechen und die Bibliothek dort benutzen muss.)<\/p>\n\n\n\n<p>Erst in der Mitte des Buches wei\u00df man sicher, worum es wirklich geht. H\u00f6hepunkt ist dann ein halbst\u00fcndiger Fernsehauftritt, zu dem die Mitglieder der Gesellschaft durch eine Intrige gezwungen werden &#8211; es geht nat\u00fcrlich um \u00c4gyptologie, und das Fernsehen hat auch einen Experten ins Studio gerufen, der mit ihnen diskutieren soll. Nun haben sie allerdings wirklich herzlich wenig Ahnung von oder Interesse an \u00c4gypten und m\u00fcssen die halbe Stunde durchstehen. Ich hatte die ganze Zeit die Mitglieder von Monty Python bei gemeinsamen Fernsehauftritten vor Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Schluss und auch in Folge des Fernsehauftritts l\u00f6st sich die Gesellschaft notgedrungen auf, auch wenn es einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt, dass das nicht f\u00fcr immer so sein muss. (Und immerhin, einen amerikanischen Zweig gibt es inzwischen ja auch.)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; F\u00fcr Science-Fiction-Fans interessant: wenn die Gesellschaft schnell irgendwelche Autorit\u00e4ten erfinden muss, dann sich das gerne mal der gelehrte Professor Asimov aus Warschau, oder der hierzulande fast v\u00f6llig unbekannte \u00c4gyptologe Fritz Leiber. Und w\u00e4hrend f\u00fcr manche Mitglieder die Gesellschaft nur Zeitvertreib ist, sehen andere darin tats\u00e4chlich eine gr\u00f6\u00dfere Aufgabe, n\u00e4mlich die, eine andere Gesellschaftsform herbeizuf\u00fchren. Eine Utopie sozusagen. Dreimal erz\u00e4hlen Mitglieder von ihren Tr\u00e4umen, in denen ihnen &#8211; per Zeitreise oder anderswie &#8211; ein Einblick in zuk\u00fcnftige Zust\u00e4nde gew\u00e4hrt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus heutiger Sicht ist die Gesellschaft ziemlich banal, herzerzfrischend sind nur die Geheimhaltungsstrategien. Aber wenn man sich das Buch vorstellt als einen englischen Film der fr\u00fchen 1960er Jahre, schwarzwei\u00df, mit <a href=\"http:\/\/images.google.de\/images?hl=de&amp;source=hp&amp;q=%22Robert+Morley%22&amp;btnG=Bilder-Suche&amp;gbv=2&amp;aq=f&amp;oq=\">Robert Morley<\/a> dabei &#8211; das h\u00e4tte ein sch\u00f6ner Film werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Nicht vorbehaltslos zu empfehlen&#8230;. und doch: irgendwie sehr witzig. Der Plot, die Charaktere, alles sch\u00f6n. Aber ein wenig m\u00fchsam zu lesen. Eines der B\u00fccher, bei denen ich mir ein Remake w\u00fcnsche, von Tom Sharpe vielleicht. Einer der geheimnisvollsten Vereinigungen in London ist die Metropolitan Egyptological Society. 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