{"id":2618,"date":"2009-11-23T07:12:00","date_gmt":"2009-11-23T06:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2618"},"modified":"2023-06-24T13:08:48","modified_gmt":"2023-06-24T11:08:48","slug":"mrs-oliphant-a-beleaguered-city","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/11\/mrs-oliphant-a-beleaguered-city.htm","title":{"rendered":"Mrs. Oliphant, A Beleaguered City"},"content":{"rendered":"\n<p>Margaret Oliphant Oliphant, geborene Oliphant Wilson, heiratete ihren Cousin. Das erkl\u00e4rt die Dopplung des Oliphant; wo der Name urspr\u00fcnglich herkommt, ist mir immer noch unklar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/oliphant_beleaguered_city.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/oliphant_beleaguered_city.jpg\" alt=\"oliphant_beleaguered_city\" title=\"oliphant_beleaguered_city\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf dieses Buch (erschienen 1880) bin ich durch <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/10\/der-englische-schulroman-neue-abenteuer-im-papierweb.htm\">Rudyard Kiplings <em>Stalky &amp; Co<\/em><\/a> gekommen. Dort erschreckt Beetle (der junge Kipling) seine Mitsch\u00fcler mit einer auf ihre Schule umgem\u00fcnzten Nacherz\u00e4hlung dieses Buches.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Bewohner des verschlafenenen St\u00e4dtchens <em>Semur<\/em> sind eher weltlich orientiert. Man genie\u00dft das gute Leben; das Glockenl\u00e4utern der Klosterschwestern st\u00f6rt eher die Sonntagsruhe, als dass es zur Erbauung beitr\u00e4gt. Da geschehen unerh\u00f6rte Dinge, die gr\u00f6\u00dftenteils vom B\u00fcrgermeister &#8211; ein wenig eingebildet, ein wenig angeberisch, ein wenig neidisch auf die gr\u00f6\u00dferen Gemeinden drumherum &#8211; erz\u00e4hlt werden. Einzelne Kapitel werden von anderen Personen erz\u00e4hlt; gerade der Stellvertreter des B\u00fcrgermeisters sieht einige Sachen anders, ist aber nicht weniger eingebildet als sein Chef.<\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt mit einer merkw\u00fcrdige Dunkelheit mitten im Sommer, die nur das kleine St\u00e4dtchen betrifft. Die Stimmung ist winterlich, es wird sp\u00e4t hell, fr\u00fch dunkel. <strong>Lecamus<\/strong>, ein etwas verschrobener und bel\u00e4chelter B\u00fcrger, f\u00fchrt den B\u00fcrgermeister <strong>Dupin<\/strong> zu einem der kleineren Stadttore. Die W\u00e4chter dort zieren sich etwas, keiner will so recht vor die Stadt. Lecamus und Dupin gehen hinaus und Dupin sp\u00fcrt eine gro\u00dfe Menschenmenge, einen Strom von Leuten, die alle an ihm vorbei und um ihn herum in die Stadt ziehen. Er tut das als Einbildung ab. Eine unheimliche Szene.<br>Bald darauf taucht ein Schreiben am Tor der Kirche auf, eine Aufforderung. Jeder liest seinen eigenen Namen dort. Am n\u00e4chsten Morgen ziehen alle Einwohner vor die Stadt, ohne zu wissen warum und ohne sich wehren zu k\u00f6nnen. Hinter ihnen f\u00e4llt Stadttor zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Frauen und einige M\u00e4nner sehen ihre toten Kinder und andere Verwandte, so berichtet es jedenfalls der B\u00fcrgermeister, der das noch halb f\u00fcr Hysterie h\u00e4lt. Diese Ausgew\u00e4hlten empfangen eine Botschaft, oder bilden sich irgendetwas ein, jedenfalls ziehen die Frauen in verschiedene Notunterk\u00fcnfte in der Umgebung. Die meisten M\u00e4nner lagern vor den Stadttoren. Keiner kann n\u00e4her als ein paar Schritte an die Stadttore heran. Gelegentlich h\u00f6ren die B\u00fcrger Ger\u00e4usche aus ihrer besetzten Stadt, Musik, Stimmen. Zu sehen ist niemand. Das ganze ist unheimlicher als es hier klingt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dunklen Wolken lichten sich manchmal \u00fcber dem Kirchturm. Man einigt sich darauf, dass es tats\u00e4chliche die Seelen der Toten sind, die das St\u00e4dtchen besetzt halten, und dass einige Mensche, vor allem die Frauen, Nachrichten von ihnen empfangen k\u00f6nnen. Ihre Motive sind noch unklar. Eine der interessanteren Figuren ist der Priester, der zwar tief religi\u00f6s ist, aber genauso wenig von den Toten mitbekommt wie die meisten anderen, und das nicht versteht. <strong>Agn\u00e8s<\/strong>, die Frau des B\u00fcrgermeisters, will als Botschafterin in die Stadt &#8211; und notfalls dazu sterben. Da kommt Lecamus, der in den letzten Tagen nicht mehr gesehen worden ist, aus der Stadt. Ganz bleich ist er, und bringt eine Einladung von den Toten.<\/p>\n\n\n\n<p>(Diese Szene hat mich an die Unterwelt-Sequenz aus der Odyssee erinnert: Odysseus und seine Gef\u00e4hrten machen sich von Kirke aus auf in die Unterwelt, um den Seher Teiresias um Rat zu fragen. Beim \u00fcberst\u00fcrzten Aufbruch f\u00e4llt der letzte in ihrer Reihe, Elpenor, vom Dach des Hauses &#8211; Sonnenbad &#8211; und bricht sich den Hals. Die Gruppe kriegt gar nicht mit, dass er nicht mehr bei ihnen ist &#8211; und im Hades wundert sich Odysseus dann, dass ihr Gef\u00e4hrte Elpenor schon da ist, obwohl er doch der letzte war.)<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Lecamus ist nicht, wie man zun\u00e4chst denkt, beim Auszug aus der Stadt gestorben, so dass er jetzt zu den neuen Einwohner geh\u00f6rt. Aber er ist sichtlich angegriffen von seinen Erlebnissen und wird nach wenigen Tagen sterben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab dieser Stelle wird das Buch langsam uninteressant. Der B\u00fcrgermeister und der Priester gehen in die Stadt, haben Visionen, blablabla, beschlie\u00dfen \u00f6fter in die Kirche zu gehen, das Dunkel lichtet sich, die M\u00e4nner ziehen ein, die Frauen ziehen ein, gro\u00dfer Gottesdienst, noch ein paar geisterliche Spuren. Immerhin: Der B\u00fcrgermeister gibt in seinem Bericht zu, dass die guten Absichten nicht lange gehalten haben, und die ersten nachweislich falschen Legenden bilden sich um die Ereignisse.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die erste H\u00e4lfte der Erz\u00e4hlung ist ein spannender Gruselroman, die zweite H\u00e4lfte dann eher religi\u00f6se Lehrgeschichte. Aber die erste H\u00e4lfte ist \u00fcberraschend unheimlich und k\u00f6nnte Vorbild f\u00fcr manche Stephen-King-Geschichten gewesen sein. Ich hatte beim Lesen st\u00e4ndig im Kopf, wie ich die Handlung als Horror-Rollenspiel aufbauen w\u00fcrde. Als Call-of-Cthulhu-Rollenspiel m\u00fcsste man die Handlung in die 1920er Jahre verlegen. Ein Problem: Kommunikationsm\u00f6glichkeiten, vermutlich w\u00e4re bald die Presse da. Also m\u00fcsste aus dem St\u00e4dtchen ein noch kleineres Dorf werden. Ein Holzf\u00e4llerlager irgendwo im Wald? Oder gleich Innsmouth?<br>Die Spielercharaktere sto\u00dfen auf Versuche, in Geb\u00e4ude der Stadt einzudringen. Man bildet sich ein, etwas zu sp\u00fcren, zu sehen ist nichts. Hinweise auf ein d\u00fcsteres Geheimnis, Recherchearbeiten. (Muss bei CoC einfach sein.) An einem Morgen ziehen alle Bewohner vor die Stadt. Warum? Ein paar Leute behaupten, Stimmen zu h\u00f6ren. Gehet in euch! rufen sie. Andere murmeln von einem Fluch. Den Spielercharakteren gelingt das Eindringen in die Stadt. Sicher keine Geister der Toten, eher Deep Ones und die Vorbereitung auf das Erscheinen eienr gr\u00f6\u00dferen Mythosgestalt. Vor den Toren religi\u00f6se Eiferer, daneben ein paar Kultisten.<br>Vielleicht mache ich mal etwas daraus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Margaret Oliphant Oliphant, geborene Oliphant Wilson, heiratete ihren Cousin. Das erkl\u00e4rt die Dopplung des Oliphant; wo der Name urspr\u00fcnglich herkommt, ist mir immer noch unklar. 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