{"id":264,"date":"2008-06-03T15:06:29","date_gmt":"2008-06-03T13:06:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/04\/zeitreisen.htm"},"modified":"2008-06-03T15:06:38","modified_gmt":"2008-06-03T13:06:38","slug":"zeitreisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/06\/zeitreisen.htm","title":{"rendered":"Der freie Wille (und Zeitreisen)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/06\/zeitreisen.htm#comments'>14 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Man liest gerade wieder <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/28\/28025\/1.html\">da und dort<\/a> vom freien Willen und ob es ihn denn gibt oder nicht. Im Prinzip geht es dabei darum, dass das Gehirn anscheinend Entscheidungen trifft zu einem Zeitpunkt, der deutlich vor dem Zeitpunkt liegt, zu dem man glaubt, die Entscheidung getroffen zu haben. Ein Ausgangspunkt daf\u00fcr ist das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Libet-Experiment\">Libet-Expriment<\/a>, von dem ich zum ersten Mal im sehr lesenswerten Buch <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Sp%C3%BCre-die-Welt-Tor-Noerretranders\/dp\/3499602512\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1212237732&#038;sr=8-1\">Sp\u00fcre die Welt. Die Wissenschaft des Bewu\u00dftseins<\/a><\/em> von Tor N\u00f8rretranders geh\u00f6rt habe.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich interessiert mich die Frage nach dem freien Willen gar nicht so sehr. An ein kleines Mini-Ich in meinem Kopf, das Entscheidungen trifft, konnte ich noch nie glauben; andererseits war mir immer klar, dass Ausgangspunkt f\u00fcr alles physiologische Vorg\u00e4nge sind. In welcher zeitlichen Relation die zur wahrgenommenen Entscheidung stehen, ist interessant, macht aber f\u00fcr mich keinen gro\u00dfen Unterschied. Tats\u00e4chlich sehe ich keine Alternative zum freien Willen, aber auch keinen Widerspruch zu einem Determinismus.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft denn freier Wille \u00fcberhaupt? Nehmen wir vereinfachend an, dass ich in einer gegebenen Situation zwischen den Alternativen A und B w\u00e4hlen soll und mich f\u00fcr A entscheide. Gedankenexperiment: Ich befinde mich ein zweites Mal in derselben Situation. (Es gibt dieselbe Situation nat\u00fcrlich nicht. Au\u00dfer in einem Science-Fiction-Kontext, den ich sicher konstruieren k\u00f6nnte. Zeitreise, Paralleluniversum, was es da so alles gibt. Ist aber auch egal.)<br \/>\nWenn ich mich in derselben Situation wieder f\u00fcr A entscheide, dann ist diese Entscheidung doch determiniert. Im besten Fall bin ich dann Sklave meines freien Willens &#8211; schlie\u00dflich kann mich nicht gegen meine Entscheidung entscheiden, kann mich nicht gegen das entscheiden, wof\u00fcr ich mich entscheide\/entschieden habe.<br \/>\nWenn ich mich in derselben Situation f\u00fcr B entscheide, dann haben wir ein anderes Problem. Dann kann meine Entscheidung eigentlich nur vom Zufall abh\u00e4ngen, etwa einem Quantenereignis. So stelle ich mir freien Willen auch nicht vor. Das ist Beliebigkeit.<\/p>\n<p>Zeitreise-Geschichten haben gerne mal mit dem freie Willen zu k\u00e4mpfen. Die klassische Frage ist die, was passiert, wenn man in der Zeit zur\u00fcck reist und seinen eigenen Gro\u00dfvater t\u00f6tet. Die eine M\u00f6glichkeit ist die, dass man dadurch die Zukunft ver\u00e4ndert (&#8222;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/A_Sound_of_Thunder\">A Sound of Thunder<\/a>&#8222;), quasi mit Paralleluniversum. \u00c4sthetisch unbefriedigend.<br \/>\nDie andere ist die, dass man das eben nicht kann, weil es keine Paralleluniversen gibt, sondern nur eines, und es geschieht, was geschieht oder geschehen ist. Dann gibt es auch nur den freien Willen, das zu tun, was man getan hat. Wenn man seinen Gro\u00dfvater get\u00f6tet h\u00e4tte, dann h\u00e4tte man nicht die Gelegenheit, ihn zu t\u00f6ten, also hat man ihn eben nicht get\u00f6tet.<\/p>\n<p><small>(Weniger verbreitet ist die Variante von der Selbstzeugung. In &#8222;<a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0086443\/\">Time Rider<\/a>&#8222;, einem ansonsten nicht bemerkenswerten Film aus den fr\u00fchen 1980er Jahren, verschl\u00e4gt es einen Motorradchampion in den Wilden Westen, er verliebt sich dort nat\u00fcrlich und l\u00e4sst seiner Liebe ein Schmuckst\u00fcck zur\u00fcck, das er von seiner unbekannten Gro\u00dfmutter oder so geerbt hatte. Diese Ahnin ist nat\u00fcrlich die Frau selber, und man fragt sich, wo das Schmuckst\u00fcck denn eigentlich herkommt &#8211; er hat es von seiner Gro\u00dfmutter, sie von ihm, welcher Goldschmied soll es denn gefertigt, welche Nova die Atome erzeugt haben? Das gleiche gilt f\u00fcr das Genmaterial, das der Held dem Genpool zugef\u00fcgt hat &#8211; wo soll das eigentlich herkommen?)<\/small><\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zum freien Willen. Viel interessanter ist doch die Frage nach dem Bewusstsein. Wieso gibt es das eigentlich? Warum kriegt man mit, dass da etwas denkt und vor sich geht? Wieso l\u00e4uft das nicht ohne Zuschauer ab?<br \/>\nVor dieser grundlegenderen Frage ist das mit dem freien Willen sekund\u00e4r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(14 Kommentare.) Man liest gerade wieder da und dort vom freien Willen und ob es ihn denn gibt oder nicht. Im Prinzip geht es dabei darum, dass das Gehirn anscheinend Entscheidungen trifft zu einem Zeitpunkt, der deutlich vor dem Zeitpunkt liegt, zu dem man glaubt, die Entscheidung getroffen zu haben. 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