{"id":2745,"date":"2010-04-08T18:12:06","date_gmt":"2010-04-08T16:12:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2745"},"modified":"2023-05-11T14:15:35","modified_gmt":"2023-05-11T12:15:35","slug":"a-green-and-pleasant-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/04\/a-green-and-pleasant-land.htm","title":{"rendered":"A Green and Pleasant Land"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/04\/a-green-and-pleasant-land.htm#comments'>3 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Wiedergelesen: Kenneth Grahame, <em>The Wind in the Willows<\/em> (1908). Ein Klassiker. In einzelnen Episoden, aber auch einer \u00fcbergreifenden Handlung, werden die Abenteuer von Maulwurf, Wasserratte und Kr\u00f6te erz\u00e4hlt, die alle unten am Fluss wohnen. Dachs spielt auch eine wichtige Rolle, aber der lebt etwas zur\u00fcckgezogener im Wald und sucht weniger die Gesellschaft anderer Tiere.<\/p>\n\n\n\n<p>Wiedergelesen hatte ich das Buch vor allem, weil ich mich an eine Episode erinnerte, die mich beim ersten Mal irritiert hatte. Die Tiere begegnen darin dem Gott Pan, ohne ihn recht zu erkennen und ohne sich danach an ihn erinnern zu k\u00f6nnen. War Pan damals popul\u00e4r? Eine \u00e4hnlich heitere Episode gibt es in James Stephens, <em>The Crock of Gold<\/em> (1912),w\u00e4hrend Arthur Machens &#8222;The Great God Pan&#8220; (1890\/94) eher gruslig ist.<br><em>Der Wind in den Weiden<\/em> ist alles andere als gruslig oder phantastisch, sondern eine bodenst\u00e4ndige englische Idylle. Es geht viel darum, wie sch\u00f6n es am Fluss ist, wie die Jahreszeiten wechseln, wie wichtig das Heim und gutes (einfaches) Essen ist. Wie sch\u00f6n England ist, auch wenn manchmal der S\u00fcden lockt und man mit den Zugv\u00f6geln mitwandern m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<center><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2748\" title=\"grahame_willows\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grahame_willows.jpg\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"271\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grahame_willows.jpg 173w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grahame_willows-95x150.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/center>\n\n\n\n<p>So sch\u00f6n wird das Leben am Fluss beschrieben, dass jetzt endlich mal wieder <em>Three Men in a Boat<\/em> (1889) lesen muss, um das damit zu vergleichen &#8211; und vielleicht auch einmal in Izaak Waltons <em>The Compleat Angler<\/em> (1653-1676) hineinschauen werde, ein Sammelwerk zum Angeln, eingekleidet in den Disput eines Falkners, eines J\u00e4gers und eines Anglers, voller Gedichte, Lieder, Beschreibungen und eben auch Angeltipps.<\/p>\n\n\n\n<p>Gest\u00f6rt wird die Idylle in <em>Wind in the Willows<\/em> durch Kr\u00f6te. Der ist nicht b\u00f6se, aber eitel, oberfl\u00e4chlich, r\u00fccksichts- und gedankenlos. Richtig schlimm wird das, als er seine Liebe zu Automobilen entdeckt und s\u00fcchtig danach wird. Er schreckt auch vor Autodiebstahl nicht zur\u00fcck und wird zum Schrecken seiner Umwelt. Kr\u00f6te ist angeberisch:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ho! ho! I am the Toad, the motor-car snatcher, the prison-breaker, the Toad who always escapes! Sit still, and you shall know what driving really is, for you are in the hands of the famous, the skilful, the entirely fearless Toad!<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>und nicht sehr zuverl\u00e4ssig:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Secrets had an immense attraction for him, because he never could keep one, and he enjoyed the sort of unhallowed thrill he experienced when he went and told another animal, after having faithfully promised not to.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aber irgendwo liebenswert ist Kr\u00f6te doch auch. Er muss es sein, denn was w\u00fcrden Maulwurf, Dachs und Wasserratte sonst an ihm finden? \u00c4hnliches kenne ich nur von <em>Lovecraft&#8217;s Book<\/em> von Richard A. Lupoff. Auch da spielt Lovecraft eine untergeordnete Rolle, er wird als manipulierbar und nicht gerade sympathisch dargestellt. Der Plot: seine Freunde wollen ihn davon abbringen, leichtfertig ein Nazipropaganda-Buch zu verfassen, und geraten mitten in einen geheimen deutschen Plan zur Infiltration Amerikas. Wer solche Freunde hat, die soviel f\u00fcr einen tun, der kann nicht ganz schlecht sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls: Nach vielen Abenteuern kommt Kr\u00f6te zur\u00fcck und muss feststellen, dass sein Gutshaus von den b\u00f6sen Wieseln und Hermelinen aus dem Wald \u00fcbernommen wurde, die dort randalieren und w\u00fcste Feste feiern. Wird es unseren Freunden gelingen, die ungebetenen G\u00e4ste zu vertreiben? (Klar.)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; F\u00fcr mich ist <em>Wind in the Willows<\/em> zutiefst Englisch, ebenso wie <em>Three Men in a Boat<\/em>* oder <em>Cider with Rosie<\/em> von Laurie Lee, wenn ich mich recht erinnere. Aber wenn ich mir Kate Fox&#8216; <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/09\/kate-fox-watching-the-english.htm\">Watching the English<\/a> in Erinnerung rufe, so werden darin einige reflexhafte Reaktionen als typisch Englisch aus gemacht (<em>hypocrisy, moderation, humour<\/em>), einige Sichtweisen der Welt (<em>class-consciousness, empiricism, Eyeorishness<\/em>) und einige Werte (<em>fair play, honesty, modesty<\/em>). Zusammengehalten jeweils durch das verbindende Element: <em>social dis-ease<\/em>. Meine Frage nun, die man auch gerne mal einem W-Seminar stellen k\u00f6nnte: wie verhalten sich typisch englische Romane zu diesen typisch englischen Merkmalen? Die zentrale <em>dis-ease<\/em> fehlt beim idyllischen <em>Wind in the Willows<\/em> zumindest v\u00f6llig. Liegt das daran, dass da ein einfaches Leben auf dem Land mit akzeptierten Klassensystem geschildert wird oder gilt das f\u00fcr Romane aus dieser Zeit allgemein? Gab es diese dis-ease da noch nicht? Fox&#8216; Werte sind alle drin, die Reflexe und Sichtweisen wohl auch.<\/p>\n\n\n\n<p><small>*Letztes wurde das Jahr von Dan Kieran und Ian Vince umgewandelt zu <em><a href=\"http:\/\/www.threemeninafloat.com\/Welcome.html\">Three Men in a Float<\/a><\/em>, in dem sie von ihrem Abenteuer berichten, einmal mit einem elektrischen Milchauslieferwagen aus den 50er Jahren quer durch England zu fahren. Reichweite bei voller Ladung &#8211; nur an Starkstromanschl\u00fcssen, etwa an aufgeschraubten Herden, m\u00f6glich &#8211; 30 Meilen, mit 8 Stunden Ladezeit. Quer durch die D\u00f6rfer. Da reist man automatisch nicht sehr schnell.<\/small><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Nachtrag: Wenn man so einen Blogeintrag nicht sofort ver\u00f6ffentlicht, w\u00e4chst er einem \u00fcber den Kopf wie Zucchini im Garten. Inzwischen habe ich die ersten Kapitel von <em>The Compleat Angler<\/em> gelesen. Das ist tats\u00e4chlich ein Angelf\u00fchrer in dialogischer und erz\u00e4hlerischer Form. Der J\u00e4ger (Venator) will vom Angler (Piscator) das Angeln lernen. In Kapitel III gibt es die erste Lektion: The Chavender, or Chub. Plural: cheven. Einfach zu fangen, aber gilt als wenig wohlschmeckend, jedenfalls wenn man ihn nicht optimal zubereitet.<br>Der Fisch hei\u00dft auf Deutsch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/D%C3%B6bel\">D\u00f6bel<\/a>, im Januar 2010 gab es wohl in T\u00fcbingen einen <a href=\"http:\/\/tuepedia.de\/index.php\/D%C3%B6bel\">ungew\u00f6hnlichen D\u00f6belschwarm<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Formulierung &#8222;the Chavender, or Chub&#8220; kam mir sehr bekannt vor. Und richtig, ich kannte sie aus einem Gedicht aus meinem treuen <em>Faber Book of Comic Verse<\/em>; es findet sich aber auch in weiteren Anthologien. Dem Gedicht ist das Zitat aus dem <em>Compleat Angler<\/em> vorangestellt; diese Wortfolge hat den Autor zum Gedicht animiert. Sonst habe ich kaum etwas \u00fcber ihn herausgefunden. Warham St Leger hie\u00df er, 1850-1915, kein Wikipedia-Eintrag, nicht verwechseln mit dem <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Warham_St_Leger\">gleichnamigen Soldaten des 16. Jahrhunderts<\/a>. &#8222;He appears to have made 2 marriages within 7 years, 1885 and 1892&#8220;, steht in einem Genealogie-Forum. Wer weitere Informationen will, braucht Offline-Quellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da das vollst\u00e4ndige Gedicht online nicht zu finden ist, habe ich es abgetippt und stelle es hier herein als Dienst am Internet:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>A FALSE GALLOP OF ANALOGIES<br>&#8218;The chavender, or Chub&#8216;&#8211;Izaak Walton<\/p>\n\n\n\n<p>There is a fine stuffed chavender,<br>A chavender or chub,<br>That decks the rural pavender,<br>The pavender or pub,<br>Wherein I eat my gravender,<br>My gravender or grub.<\/p>\n\n\n\n<p>How good the honest gravender!<br>How snug the rustic pavender!<br>From sheets as sweet as lavender,<br>As lavender, or lub,<br>I jump into my tavender,<br>My tavender, or tub.<\/p>\n\n\n\n<p>Alas! for town and clavender,<br>For business and club!<br>They call me from my pavender<br>To-night; ay, there&#8217;s the ravender<br>Ay, there comes in the rub!<br>To leave each blooming shravender,<br>Each Spring-bedizened shrub,<br>And meet the horsey savender,<br>The very forward sub,<br>At dinner at the clavender,<br>And then at billiards dravender,<br>At billiards roundly drub<br>The self-sufficient cavender,<br>The not ill-meaning cub,<br>Who me a bear will davender,<br>A bear unfairly dub,<br>Because I sometimes snavender,<br>Not too severely snub<br>His setting right the clavender,<br>His teaching all the club!<\/p>\n\n\n\n<p>Farewell to peaceful pavender,<br>My river-dreaming pub,<br>To bed as sweet as lavender,<br>To homely, wholesome gravender,<br>And you, inspiring chavender,<br>Stuff&#8217;d chavender, or chub.<\/p>\n\n\n\n<p>Warham St Leger<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der in der Anthologie angegebene Gedichttitel muss nicht der richtige sein. Eine Quelle wird nicht genannt; das Internet vermutet St Legers Gedichtsammlung <em>Ballads from Punch and other Poems<\/em> (London 1890). Das ist aber falsch, ich habe einen Scan des Buchs aufgetrieben &#8211; das Gedicht befindet sich nicht darin. Es scheint aber m\u00f6glicherweise sehr wohl mal im Magazin <em>Punch<\/em> erschienen zu sein: <em>The Naturalist on the Thames<\/em> von C. J. Cornish (1902) hat ein Kapitel &#8222;The Chavender or Chub&#8220;, dem folgende Zeilen vorangestellt sind:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Now when you&#8217;ve caught your chavender,<br>(Your chavender or chub)<br>You hie you to your pavender,<br>(Your pavender or pub),<br>And there you lie in lavender,<br>(Sweet lavender or lub).&#8220;<br>Mr. Punch.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Weiter keine Angaben zur Quelle. Vermutlich hat also &#8211; wohl &#8211; St Leger mal in der einen oder anderen Form in <em>Punch<\/em> geschrieben, und vielleicht auch noch anderswo. Vielleicht hat er auch eine anonyme Quelle bearbeitet und erweitert, wer wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>John Buchan schreibt in seinem Roman <em>Huntingtower<\/em> (1922) am Anfang des 2. Kapitels folgende idyllische Szene:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Dickson McCunn was never to forget the first stage in that pilgrimage. A little after midday he descended from a grimy third-class carriage at a little station whose name I have forgotten. In the village nearby he purchased some new-baked buns and ginger biscuits, to which he was partial, and followed by the shouts of urchins, who admired his pack&#8211;&#8222;Look at the auld man gaun to the schule&#8220;&#8211;he emerged into open country. The late April noon gleamed like a frosty morning, but the air, though tonic, was kind. The road ran over sweeps of moorland where curlews wailed, and into lowland pastures dotted with very white, very vocal lambs. The young grass had the warm fragrance of new milk. As he went he munched his buns, for he had resolved to have no plethoric midday meal, and presently he found the burnside nook of his fancy, and halted to smoke. On a patch of turf close to a grey stone bridge he had out his Walton and read the chapter on &#8222;The Chavender or Chub.&#8220; The collocation of words delighted him and inspired him to verse. &#8222;Lavender or Lub&#8220; &#8212; &#8222;Pavender or Pub&#8220; &#8212; &#8222;Gravender or Grub&#8220; &#8212; but the monosyllables proved too vulgar for poetry. Regretfully he desisted.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Make of that what you will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(3 Kommentare.) Wiedergelesen: Kenneth Grahame, The Wind in the Willows (1908). Ein Klassiker. In einzelnen Episoden, aber auch einer \u00fcbergreifenden Handlung, werden die Abenteuer von Maulwurf, Wasserratte und Kr\u00f6te erz\u00e4hlt, die alle unten am Fluss wohnen. 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