{"id":276,"date":"2005-04-23T08:09:33","date_gmt":"2005-04-23T06:09:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/04\/paedagogischer-tag.htm"},"modified":"2005-04-23T08:13:49","modified_gmt":"2005-04-23T06:13:49","slug":"paedagogischer-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/04\/paedagogischer-tag.htm","title":{"rendered":"P\u00e4dagogischer Tag"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/04\/paedagogischer-tag.htm#comments'>9 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Vorgestern hatten wir p\u00e4dagogischen Tag. Das h\u00e4ngt alles mit dem Bu\u00df- und Bettag zusammen, der ja vor einigen Jahren als gesetzlicher Feiertag abgeschafft wurde. Nur die Sch\u00fcler, die durften weiterhin zu Hause bleiben. Weil die Lehrer an diesem Tag zu Hause bleiben durften, als Ausgleich f\u00fcr weniger Geld. Das war im Jahr darauf aber vergessen: Publikumswirksam schrieb das Kultusministerium den Lehrern vor, diesen freien Tag nachzuarbeiten, und zwar in Form einens p\u00e4dagogischen Tages, der p\u00e4dagogisch sein sollte, und einen Tag lang dauern w\u00fcrde. Daher der Name.<\/p>\n<p>Nun halte ich es f\u00fcr sinnvoll, dass die Lehrer mehr miteinander reden, \u00fcber p\u00e4dagogische Themen, was so viel hei\u00dft wie: \u00dcber die Berufspraxis. Das geschieht noch immer viel zu wenig. Mehr, mehr! (Wenn es geht.) Trotzdem, die Genesis dieses p\u00e4dagogischen Tages ist extrem unglaubw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>An vielen Schulen wird statt des einen Tages an zwei Nachmittagen p\u00e4dagogisch gearbeitet, und einen dieser Nachmittage hatten wir gestern von 14 bis 17.15 Uhr. Der Tag war sinnvoll; wir hatten einen Schulrat und einige Grundschullehrerinnen zu Gast. Zuerst wurde Allgemeines zum Lehren in der Grundschule, zum Lehrplan und zu den Methoden dort gesagt, dann trafen sich kleinere Gruppen, um Eigenheiten vor allem der der F\u00e4cher Mathematik, Englisch und Deutsch zu besprechen. Ich war bei der Deutschgruppe dabei.<\/p>\n<p>Und das habe ich mir gemerkt:<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzungen mit den Eltern ist viel h\u00e4rter als bei uns. Es geht schlie\u00dflich um das Gutachten f\u00fcr die gymnasiale Eignung; eine Entscheidung, die bei den Grundschullehrern liegt. Und da wird &#8211; aus ganz verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden &#8211; ab der ersten Klasse Druck gemacht, dass das Kind ja ans Gymnasium kommt.<br \/>\nDas f\u00fchrt teilweise dazu, dass Sch\u00fcler mit sehr viel Elterneinsatz und sehr viel Nachhilfe auf eine 3 in der \u00dcbertrittspr\u00fcfung kommen, dann ein halbes Jahr nichts mehr tun (und im Niveau auf 4 sinken), die Sommerferien \u00fcber auch nichts weiter tun, so dass sie bei uns mit dem Niveau 5 anfangen.<br \/>\nDie Grundschullehrer k\u00f6nnen da nat\u00fcrlich auch nichts machen: Eine 3 ist eine 3, wie auch immer sie erzielt wurde, und wie auch immer es danach weitergeht.<\/p>\n<p>Wenn die Grundsch\u00fcler ans Gymnasium kommen, sind sie gro\u00dfe Methodenvielfalt gew\u00f6hnt. Lernzirkel, Lerntheken, Schreibkonferenzen. Sie sind gew\u00f6hnt, ihre eigenen Aufs\u00e4tze anhand der Lehrerkorrekturen noch einmal neu zu schreiben und dabei zu verbessern. Sie sind selbstst\u00e4ndiges und freies Arbeiten und offenen Unterricht gew\u00f6hnt. &#8212; Ganz glaube ich das noch nicht; das hei\u00dft, ich hwei\u00df nicht, f\u00fcr wie viele Grundsch\u00fcler da \u00fcberhaupt gilt. Aber wenn dem so ist, dann treiben wir am Gymnasium den Sch\u00fclern diese Selbstst\u00e4ndigkeit wieder aus. Die Methodenvielfalt und den offenen Unterricht, den Wochenplan, bei dem die Sch\u00fcler selber entscheiden, wann sie welche Arbeiten erledigen, gibt es bei uns nicht. Da k\u00f6nnen wir etwas von der Grundschule lernen: Aber nur, wenn wir nicht soviel Zeit damit verbringen m\u00fcssen, den Lehrplan zu erf\u00fcllen. Denn das schaut so aus, dass man den Sch\u00fclern das zu Lernende vor die Nase h\u00e4lt, einmal dr\u00fcber ausfragt, und dann zum n\u00e4chsten Kapitel hastet.<\/p>\n<p>An der Grundschule gibt es Aufs\u00e4tze, die benotet werden, und freies Schreiben: Dabei d\u00fcrfen die Sch\u00fcler schreiben, was und wor\u00fcber die Sch\u00fcler wollen. Die Sch\u00fcler n\u00e4hmen diese M\u00f6glichkeit auch an. (Hier bin ich skeptisch.) Die Arbeiten gehen dann zum Lehrer, der Verbesserungsm\u00f6glichkeiten zeigt, oder gleich in die Schreibkonferenz: Hier zeigt sich eine Gruppe gegenseitig ihre Arbeiten, kommentiert und bastelt daran herum, bis eine fertige Geschichte entstanden ist. Die fertigen Texte werden dann in einer Geschichtenstunde vorgelesen, wobei das Vorlesen zelebriert wird: Es gibt einen Vorlesestuhl, vielleicht sogar einen Vorlesehut, danach Beifall und Kritik. (Kritik an der Gruppe, die in Schreibkonferenz gearbeitet hat, nicht am einzelnen Sch\u00fcler.)<br \/>\nEin Kollege, der sich vielleicht noch zu Wort melden wird, bem\u00e4ngelt daran die Beliebigkeit: Sch\u00fcler werden belohnt, wenn sie irgendeinen Text produziert haben. Am Gymnasium m\u00fcssen sie allerdings Texte einer bestimmten Textsorte zu einem bestimmten Thema verfassen; die Bedingungen werden vom Lehrer gestellt und m\u00fcssen von den Sch\u00fclern akzeptiert werden. Das f\u00fchrt zu Konflikten.<\/p>\n<p>Anschaulich hat eine Grundschullehrerin einen Unterschied beschrieben, der ihr beim Hospitieren an einem Gymnasium aufgefallen ist: Am Gymnasium war es viel unruhiger in den Klassen. An der Grundschule wird gearbeitet, auch an der Tafel, danach wird geschrieben. Und zwar mucksm\u00e4uschenstill. Sonst w\u00fcrden die schw\u00e4cheren Sch\u00fcler sofort den Anschluss verlieren, sich nicht mehr zurecht finden. Am Gymnasium geht alles ein bisschen gleichzeitig, und wenn ein Sch\u00fcler f\u00fcr ein paar Minuten abschaltet (um mit dem Nachbarn zu tuscheln), dann schaltet er sich danach eben wieder ein in den Unterricht. An der Grundschule sei das undenkbar.<\/p>\n<p>Konstruktivistische Lerntheorien: Lernen als Prozess sehen, bei dem das Gelernte eingebaut wird in vorhandenes Wissen. Das geht nur, wenn der Lerner das selber will. Er muss selber arbeiten, selber konstruieren.<br \/>\nDazu geh\u00f6rt wie immer Piaget an, den ich schon als Student eher missliebig betrachtet habe, dazu die verschiedenen reformp\u00e4dagogischen Ans\u00e4tze im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts, die ich mehr respektiere. Kerschensteiner, Pierce, Dewey, lauter Namen, die ich noch vom Examen kenne. Umgesetzt am Gymnasium wird davon wenig. Ich muss erst noch \u00fcberlegen, warum nicht, und was da vielleicht doch sinnvoll machbar ist. Vielleicht in einem sp\u00e4teren Beitrag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(9 Kommentare.) Vorgestern hatten wir p\u00e4dagogischen Tag. Das h\u00e4ngt alles mit dem Bu\u00df- und Bettag zusammen, der ja vor einigen Jahren als gesetzlicher Feiertag abgeschafft wurde. Nur die Sch\u00fcler, die durften weiterhin zu Hause bleiben. Weil die Lehrer an diesem Tag zu Hause bleiben durften, als Ausgleich f\u00fcr weniger Geld. 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