{"id":2839,"date":"2010-07-10T09:20:16","date_gmt":"2010-07-10T07:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2839"},"modified":"2023-05-25T06:38:49","modified_gmt":"2023-05-25T04:38:49","slug":"james-branch-cabell-ladies-and-gentlemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/07\/james-branch-cabell-ladies-and-gentlemen.htm","title":{"rendered":"James Branch Cabell, Ladies and Gentlemen (&#8222;&#8230;und dazu die Menge Vieh&#8220;)"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"229\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/cabell_ladies_and_gentlemen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2873\" title=\"cabell_ladies_and_gentlemen\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/cabell_ladies_and_gentlemen.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/cabell_ladies_and_gentlemen-98x150.jpg 98w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Cabells <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/07\/james-branch-cabell-special-delivery.htm\">letztes Buch mit Briefen<\/a> hat ihm wohl so viel Spa\u00df gemacht, dass er gleich wieder eines schreiben wollte. Diesmal sind es zwanzig Briefe an historische Personen, \u00e4hnlich wie Christine Br\u00fcckners historische und fiktionale Personen in <em>Wenn du geredet h\u00e4ttest, Desdemona<\/em> &#8211; aber anders als dort sind es Botschaften <em>an<\/em> diese Personen, und damit immer mit Cabell als Absender und Sprecher, und das ist dann schon etwas weniger reizvoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem, f\u00fcr Cabell-Freunde ist das Buch interessant, und f\u00fcr andere &#8211; und f\u00fcr mich &#8211; will ich kurz einige Punkte zusammenfassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von <strong>K\u00f6nig Salomon<\/strong> stehen in der Bibel gar nicht so viele weise Taten; in arabischer Folklore gibt es da mehr Geschichten. \u00c4hnlich wie beim Ring des Polykrates verliert er mal einen magischen Ring, den er sp\u00e4ter aber wieder &#8211; heruntergekommen zum Koch des K\u00f6nigs von Ammon &#8211; im Magen eines gefangenen Fisches findet, den er f\u00fcr den K\u00f6nig zubereiten soll. \u00c4hnliches Motiv auch k\u00fcrzlich bei Thomas Mann, <em>Der Erw\u00e4hlte<\/em> gelesen, und damit ist es wohl auch in Manns Vorlage, <em>Gregorius<\/em> von Hartmann von Aue, und dessen altfranz\u00f6sischer Quelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Brief an <strong>Jonas<\/strong> hat mich dazu gebracht, das Buch Jonas (in der Bibel) zu lesen. Das ist kurz, lesbar, und von Cabell sch\u00f6n und etwas polemisch zusammengefasst. Jonas soll den Untergang der Stadt Ninive prophezeien und will aber nicht. Es folgt die bekannte Geschichte mit dem Schiff und dem Fisch, und als die Aufforderung ein zweites Mal kommt, folgt Jonas ihr. Immer noch widerwillig, m\u00f6chte man vermuten, aber was soll er schon machen? Also prophezeit er den Niniviten pflichtschuldig den Untergang, selbige b\u00fc\u00dfen und bereuen, und der Herr erkl\u00e4rt kurzerhand, dass der Untergang der Stadt Ninive ausf\u00e4llt. &#8222;Das verdro\u00df Jonas gar sehr.&#8220; Man versteht ihn. Der Herr antwortet mit einer Parabel und fragt zum Schluss:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Und mir soll es nicht leid sein um Ninive, die gro\u00dfe Stadt, in der \u00fcber hundertzwanzigtausend Menschen leben, die zwischen rechts und links nicht unterscheiden k\u00f6nnen, und dazu die Menge Vieh? <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>&#8222;Upon this abrupt, this oddly bucolic note, your story ends.&#8220; (Cabell) <\/p>\n\n\n\n<p>Dann spricht Cabell <strong>Julius C\u00e4sar<\/strong> seine Anteilnahme dazu aus, dass von seinen geschriebenen Werken es gerade mal sieben W\u00f6rter waren, die aus nicht vorhersehbaren Gr\u00fcnden unsterblich geworden sind: &#8222;Ganz Gallien ist in drei Teile geteilt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant der Brief an <strong>Hamlet<\/strong>: der wird gepriesen als entschlussfreudiger, tatkr\u00e4ftiger Held, der nicht lang debattiert, sondern Entscheidungen trifft und Fakten schafft und am Schluss die Tochter des K\u00f6nigs von England heiratet. Und die K\u00f6nigin von Schottland. Die Erkl\u00e4rung: das ist nicht der Hamlet Shakespeares, sondern der historische Hamlet. (Oder sagen wir, der Hamlet einer <a href=\"http:\/\/shakespearean.org.uk\/ham1-dic.htm\">\u00e4lteren Erz\u00e4hltradition<\/a>.)<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann ist da noch <strong>Richard Cabell<\/strong> of Buckkfastleigh, Devon, Armiger, Lord of the Manor of Brooke, ein Vorfahr Cabells, auf den er bei seinen ausgiebigen genealogischen Recherchen gesto\u00dfen war. Dieser Cabell, Landjunker und Friedensrichter, zweite H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts, verkaufte seine Seele dem Teufel und dergleichen. Nach seinem Tod geschah Unheimliches:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>The night of his internment saw a phantom pack of hounds come baying across the moor to howl at his tomb. From that night onwards he could be found leading the phantom pack across the moor usually on the anniversary of his death. <\/p>\n<cite>http:\/\/www.legendarydartmoor.co.uk\/buckfastleigh_church.htm<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese Geschichte war eine der Quellen f\u00fcr Doyles Hound of the Baskervilles. (<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Hound_of_the_Baskervilles#Origins\">Wikipedia<\/a>) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cabells letztes Buch mit Briefen hat ihm wohl so viel Spa\u00df gemacht, dass er gleich wieder eines schreiben wollte. 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