{"id":2970,"date":"2010-09-08T10:09:08","date_gmt":"2010-09-08T08:09:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2970"},"modified":"2023-06-19T10:33:19","modified_gmt":"2023-06-19T08:33:19","slug":"ich-und-das-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/09\/ich-und-das-internet.htm","title":{"rendered":"Ich und das Internet"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/09\/ich-und-das-internet.htm#comments'>3 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Jens Scholz <a href=\"http:\/\/jensscholz.com\/index.php\/2010\/09\/07\/ten-years-after\">blickt auf 10 Jahre Blog zur\u00fcck<\/a>, und das macht mich auch ganz erinnerlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Blog gibt es seit 2004, ein erstes Blog hatte ich im Herbst 2003. Den ersten G\u00e4stebucheintrag (also fast schon Web 2.0) hatte <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/aol\/Eingang\/index.html#Haus\">meine erste Webseite<\/a> 1998, die Webseite gibt es seit 1996. Im Internet bin ich seit 1994 oder 1995. Das wei\u00df ich noch, weil ich kurz nach meiner technischen Einf\u00fchrung an der Uni &#8211; ein Hinterzimmer mit einer kleinen Gruppe von Interessierten, ganz unspektakul\u00e4r &#8211; mein erstes Buch \u00fcber das Internet kaufte, <em>Der Internet Navigator<\/em> von Paul Gilster (deutsche Ausgabe 1994).<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Buch ging es um Telnet und Mail und FTP, das Usenet und das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/BITNET\">Bitnet<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gopher\">Gopher<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Archie\">Archie<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Very_Easy_Rodent-Oriented_Netwide_Index_to_Computerized_Archives\">Veronica<\/a> (Very Easy Rodent-Oriented Netwide Index to Computerized Archives). Wie man sich RFCs schicken lassen konnte und FYIs. Ein kleines Zusatzkapitelchen widmete sich der neuesten Errungenschaft, dem WWW. Die WWW-Beispiele sind alle noch von reinen Textterminals, ohne Bilder, ohne markierte Links, die stattdessen nur Ziffern in eckigen Klammern gekennzeichnet waren. Und wie man sich, wenn man nur \u00fcber einen Mail-Zugang verf\u00fcgte, WWW-Seiten schicken lassen konnte, so dass man die nummerierten Links dann wiederum per Mail anfordern konnte. Mir ham ja nix ghabt. Na gut, an der Uni war auch schon der erste graphische Browser \u00fcberhaupt installiert, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/NCSA_Mosaic\">Mosaic<\/a>, so etwas gab es erst ab Herbst 1993.<\/p>\n\n\n\n<p>An Computern hatte ich (oder mein Vater) zuvor einen 386er, einen Atari ST, einen Commodore 64. Davor ein CBM 8032 und sogar einen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/PET_2001\">Commodore PET<\/a>. Kein VC-20, aber eine Intellivison-Konsole und eine echte Rarit\u00e4t: die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Magnavox_Odyssey\">Magnavox Odyssey<\/a> von 1972. (Einen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Akustikkoppler\">Akustikkoppler<\/a> gab&#8217;s auch im Haus, aber mit dem hatte ich nie zu tun.)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Aber urspr\u00fcnglich wollte ich zu einem anderen Thema etwas schreiben, n\u00e4mlich dazu, was an Ver\u00e4nderungen im Web kommen wird. Vorab: ich habe keine Ahnung. Aber einige Dinge werden viel diskutiert, von denen man geh\u00f6rt haben sollte. Deshalb auch f\u00fcr mich als Erinnerung eine Zusammenstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist die Frage der <strong>Netzneutralit\u00e4t<\/strong>. Darf ein Internetprovider manche Daten, die \u00fcber seine Wege transportiert werden, bevorzugen? Manchmal muss er das, aber das ist eine andere Frage, <a href=\"http:\/\/blog.koehntopp.de\/archives\/2936-Netzneutralitaet-was-ist-okay-und-was-ist-es-nicht.html\">hier sch\u00f6n erkl\u00e4rt<\/a>. Manchmal muss er nicht: ein erfundenes Beispiel w\u00e4re, dass ein Provider alle Daten, die von Facebook kommen oder zu Facebook gehen, bevorzugt transportiert, also schneller. Daf\u00fcr w\u00fcrde Facebook dem Provider nat\u00fcrlich Geld zahlen. Der Provider gibt diese Kosten an den Kunden weiter. Positiv gesehen: der Kunde bestellt quasi beim Provider das Paket &#8222;200% Youtube, 100% Facebook, 50% alles andere&#8220;, zum vorgegebenen Preis. Negativ gesehen: neue Dienste, die naturgem\u00e4\u00df nicht in diesen Paketen enthalten sind, haben es schwerer, genutzt und damit bekannt zu werden (weil die Verbindung so langsam ist). Generell haben es kleine Dienste in diesem System schwerer. K\u00f6nnte da pl\u00f6tzlich so etwas wie Twitter aus dem Nichts kommen und das Web umkrempeln? Innovation braucht Netzneutralit\u00e4t. Die Frage: sollen Provider so etwas anbieten d\u00fcrfen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das andere Problem ist das mit dem <strong>L\u00f6schen und dem Sperren<\/strong> und dem Jugendschutz. Das Bundeskriminalamt will Websperren f\u00fcr <strong>Kinderpornographie<\/strong>, damit man die von Deutschland aus nicht ansehen kann. (Probleme: Wirksamkeit und Datensammlung. Aber okay.) Gegen den Vorwurf der Zensur wehrt sich der BKA-Pr\u00e4sident:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Etwas vom Gesetzgeber Verbotenes dem \u00f6ffentlichen Zugriff zu entziehen, kann keine Zensur sein.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.lawblog.de\/index.php\/archives\/2010\/09\/01\/das-bka-die-zugriffs-entzugs-behorde\/\">Lawblog schlie\u00dft daraus<\/a>, zu Recht, dass es mittelfristig eben keinesfalls nur um Kinderpornographie geht, die quasi nur der T\u00fcr\u00f6ffner ist, sondern grunds\u00e4tzlich um &#8222;vom Gesetzgeber Verbotenes&#8220; gehen wird. Udo Vetter nennt<br>Online-Wettanbieter und Tauschb\u00f6rsen. Heise vermeldet: &#8222;EU-Kommission debattiert \u00fcber Filter gegen Copyright-Verst\u00f6\u00dfe.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und vom Gesetzgeber ist Vieles verboten. Die Regeln f\u00fcr Kinderpornographie sind in jedem Staat verschieden, wenn die sich auch im Kernbereich nat\u00fcrlich einig sind. Aber schon bei gezeichneter Darstellungen von Nacktheit gibt es unterschiedliche Ansichten. Auch die Regel f\u00fcr das Copyright sind in jedem Staat verschieden, was in den USA als fair use gilt, oder was nicht mehr urheberrechtlich gesch\u00fctzt ist (fast alle Texte, die vor 1923 dort ver\u00f6ffentlicht wurden), kann in England oder Deutschland noch gesch\u00fctzt sein (weil der Urheber noch keine 70 Jahre tot ist). Auch die Meinungsfreiheit kennt in jedem Staat unterschiedliche Grenzen., Die jeder Staat &#8211; China, Iran, USA, Deutschland &#8211; f\u00fcr die sinnvollsten h\u00e4lt. Nationalsozialistische Propaganda ist in den USA erlaubt, hier verboten. Es ist nur konsequent, alles, was in Deutschland verboten ist, zu sperren.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland gehen wir gerade auf ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger\"><strong>Leistungsschutzrecht f\u00fcr Verlage<\/strong><\/a> zu: die m\u00f6chten (unabh\u00e4ngig vom geltenden Urheberrecht und dem Zitatrecht) eine Pauschale vom Staat, weil ihre Texte im Web &#8211; etwa von Google &#8211; erfasst und verwendet werden. Eine Alternative w\u00e4re nat\u00fcrlich, die Texte einfach nicht ins Web zu stellen oder Google auszuschlie\u00dfen, aber man will ja daran verdienen. Ein weites Feld, <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2010\/leistungsschutzrechte-oder-neue-biotope-und-reservate-fur-bedrohte-verleger\/\">hier k\u00f6nnte man anfangen zu lesen<\/a>.<br>Gerade gibt es eine <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Klagewelle-gegen-US-Blogger-wegen-Copyright-Verletzungen-1072577.html\">Klagewelle in den USA<\/a> wegen \u00dcbernahme von Pressetexten, ganz oder teilweise, in Blogs. Wer ein Gerichtsverfahren scheut, geht auf einen Vergleich ein oder, bei uns, nimmt die Abmahnung hin, ob gerechtfertigt oder nicht. Gegen Plagiate habe ich auch etwas, f\u00fcr die M\u00f6glichkeit einer Diskussion im Web braucht es aber auch ein Zitatrecht (gerne noch weiter gehend als in Deutschland).<\/p>\n\n\n\n<p>Am gewichtigsten ist vielleicht die laufende <strong>Novellierung des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jugendmedienschutz-Staatsvertrag\">Jugendmedienschutz-Staatsvertrags<\/a> (JMStV)<\/strong>. Der Gedanke: man muss &#8211; auch im Web &#8211; die Jugend vor Inhalten sch\u00fctzen, die ihre Enwicklung sch\u00e4digen k\u00f6nnen oder die die Menschenw\u00fcrde verletzen oder sonstige gesch\u00fctzte Rechtsg\u00fcter verletzen. (Siehe Urheberrecht und Grenzen der Meinungsfreiheit.) <a href=\"http:\/\/ak-zensur.de\/2010\/05\/forderungen-jmstv.html\">Lesenswerte Kritik daran<\/a> beim AK Zensur, der &#8222;irreversible Sch\u00e4den an einem sich entwickelnden kulturellen und sozialen Raum&#8220; bef\u00fcrchtet, dem \u00f6ffentlichen Web. Ausl\u00e4ndische Seiten bleiben vom JMStV unber\u00fccksichtigt, werden also &#8211; diese Konsequenz sehe ich jedenfalls &#8211; fr\u00fcher oder sp\u00e4ter gesperrt werden m\u00fcssen, wenn keine internationale Altersfreigaberegelung kommt. Inl\u00e4ndische Seiten, wie mein Blog, m\u00fcssen durchgesehen werden, ob davon nicht eine &#8222;Erziehungsbeeintr\u00e4chtigung&#8220; f\u00fcr sechsj\u00e4hrige Kinder ausgeht, oder ein Link auf eine solche. Wenn ja, muss man Ma\u00dfnahmen. Vermutlich w\u00fcrde ich das ganze Blog sicherheitshalber mit der Altersbezeichnung &#8222;ab 18&#8220; markieren, aber ich wei\u00df nicht mal, ob das reicht. Selbst wenn das noch so w\u00e4re: richtig gesch\u00fctzt w\u00e4re die Jugend dadurch ja nicht.<br>Ehrlich gesagt, es gibt viel richtig widerliches Zeug im Web &#8211; mehr als ich wei\u00df, da ich nur selten auf Links sto\u00dfe und denen nach ersten Versuchen auch nicht mehr nachgehe. Aber Wikipedia allein verlinkt unter manchen Artikeln (zum Thema &#8222;unappetitliches Zeug&#8220;) viele, viele Seiten, die bei Kindern sicher \u00dcbelkeit und Alptr\u00e4ume ausl\u00f6sen. Als ausl\u00e4ndische Seite bleibt sie vom JMStV unbetroffen, aber darf ich noch darauf verlinken, wenn ich meine Seite f\u00fcr Minderj\u00e4hrige \u00f6ffne?<\/p>\n\n\n\n<p>Ob der <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2010\/nrw-medienkompetenzland-dank-jmstv-und-schwimmausweis\/\">Netzpferdchen-Ausweis<\/a> die L\u00f6sung ist? Internetf\u00fchrerschein f\u00fcr unsere Kleinen, nur damit darf man ins Web.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(3 Kommentare.) Jens Scholz blickt auf 10 Jahre Blog zur\u00fcck, und das macht mich auch ganz erinnerlich. Dieses Blog gibt es seit 2004, ein erstes Blog hatte ich im Herbst 2003. Den ersten G\u00e4stebucheintrag (also fast schon Web 2.0) hatte meine erste Webseite 1998, die Webseite gibt es seit 1996. 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