{"id":3098,"date":"2011-01-03T07:10:09","date_gmt":"2011-01-03T06:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3098"},"modified":"2023-05-24T16:22:40","modified_gmt":"2023-05-24T14:22:40","slug":"sprachliche-bilder-2-metonymie-und-symbol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/01\/sprachliche-bilder-2-metonymie-und-symbol.htm","title":{"rendered":"Sprachliche Bilder 2: Metonymie und Symbol"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/01\/sprachliche-bilder-2-metonymie-und-symbol.htm#comments'>3 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/12\/sprachliche-bilder-1-metaphern-und-vergleiche.htm\">ersten Teil<\/a> ging es um Vergleiche und Metaphern: dabei werden zwei Dinge miteinander verglichen, weil das eine eine Eigenschaft oder eine Reihe von Eigenschaften mit dem anderen teilt. In diesem Teil will ich nur kurz zwei andere Arten von Bildern nennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Metonymie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch hier geht es um ein Bild: man sagt das eine und meint etwas anderes. Anders als bei Vergleich und Metapher haben das Gesagte und das Gemeinte keine gemeinsame Eigenschaft, sondern sie haben unmittelbarer etwas&#8230; etwas miteinander zu tun. Am h\u00e4ufigstens ist das in der Form des <em>pars pro toto<\/em>: man nennt das Teil (einer Sache) und meint aber die (ganze) Sache.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>F\u00fcnf Schwerter f\u00fcr die Freiheit<\/em> ist der deutsche Titel eines Films, auch als <em>Peking Opera Blues<\/em> bekannt. Darin geht es aber gar nicht um f\u00fcnf geheimnisvolle Schwerter, sondern um f\u00fcnf Helden, die gemeinsam gegen Schurken k\u00e4mpfen. Die Helden benutzen Schwerter, okay, aber sie sind keine. Man nennt also einen Teil von ihnen, meint aber das Ganze. Fu\u00dfnote: nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man Schwert auch als Metapher verwenden f\u00fcr jemanden, der lang und d\u00fcnn ist, oder biegsam und doch fest, der sich benutzen l\u00e4sst und verletzen kann und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schul-Standardbeispiele f\u00fcr Metonymie sind neben dem <em>pars pro toto<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ort statt Institution: &#8222;Einspruch aus Karlsruhe&#8220; (gemeint: Bundesverfassungsgericht)<\/li>\n\n\n\n<li>Autor statt Buch: &#8222;Bringt morgen den Shakespeare mit.&#8220; (gemeint: Lekt\u00fcre)<\/li>\n\n\n\n<li>Beh\u00e4lter statt Inhalt: &#8222;Ich hab nur eine Packung gegessen!&#8220; (gemeint: Inhalt der Packung)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas poetischer ist Gottfried Benn in &#8222;Nachtcaf\u00e9&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Cello trinkt rasch mal. Die Fl\u00f6te<br>r\u00fclpst tief drei Takte lang: das sch\u00f6ne Abendbrot.<br>Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bartflechte kauft Nelken,<br>Doppelkinn zu erweichen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Gedicht reduziert der Sprecher die bezeichneten Personen auf ihre Musikinstrumente (gemeint sind die Musiker in der Bar) beziehungsweise ihre k\u00f6rperlichen Missbildungen (gemeint sind die paarweise auftretenden G\u00e4ste).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch im bekannteren &#8222;Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke&#8220; sind viele Metonymien:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier diese Reihe sind zerfallene Sch\u00f6\u00dfe<br>und diese Reihe ist zerfallene Brust.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier reduziert der Sprecher &#8211; wohl ein Arzt &#8211; die Patientinnen auf ihre Erkrankung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal mischen sich die Bilder auch. Bei &#8222;R\u00fcbennase&#8220; als Beleidigung ist die R\u00fcbe metaphorisch (Nase sieht aus wie eine R\u00fcbe: runzlig, gro\u00df), die Nase selber metonymisch. Wenn das Quecksilber steigt, meint man damit die Temperatur: metonymisch, da mit dem Quecksilber die Temperatur gemessen wird. Allerdings enthalten Thermometer schon lange kein Quecksilber mehr, und \u00e4hnlich ist es mein Zelluloid, das man sagt, wenn man Film meint: der ist schon seit mehr als f\u00fcnfzig Jahren nicht mehr aus Zelluloid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Symbol<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders als bei Vergleich und Metonymie ist bei einem Symbol: die Beziehung zwischen Gesagtem und Gemeintem willk\u00fcrlich, meist kulturell festgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Taube steht f\u00fcr Frieden. Warum? Ist halt so.<br>Ein Fisch steht f\u00fcr Christentum. Warum? Ist halt so. <small>(Jaja, wei\u00df schon.)<\/small><br>Ein Herz steht f\u00fcr Liebe. Warum? Ist halt so.<br>Schwarz steht f\u00fcr Trauer. Warum? Ist halt so. In unserer Kultur jedenfalls, anderswo steht Wei\u00df f\u00fcr Trauer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Definition von Symbol ist allerdings eher die sprachwissenschaftliche. In der Literaturtheorie wird so ziemlich alles Symbol genannt, was <em>zus\u00e4tzlich<\/em> zur normalen Bedeutung eine weitere Bedeutung f\u00fcr die Geschichte hat. Das gr\u00fcne Kaninchenfutter am Schluss von Borcherts &#8222;Nachts schlafen die Ratten doch&#8220; ist einmal wirklich nur gr\u00fcnes Kaninchenfutter (also keine Metapher oder Metonymie), gleichzeitig aber ein Symbol f\u00fcr Hoffnung. Der Falke in Boccaccios Falkennovelle ist einmal wirklich ein Falke (also keine Metapher oder Metonymie), gleichzeitig aber ein Symbol daf\u00fcr, dass der Ritter bereit ist, alles zu opfern. Das Perspektiv &#8211; ein Vorl\u00e4ufer des Fernglases &#8211; in Hoffmanns &#8222;Der Sandmann&#8220; ist einmal wirklich eines, aber gleichzeitig ein Symbol f\u00fcr die neue Sichtweise auf die Dinge, die Nathanael gewinnt. Diese Symbole k\u00f6nnen metonymisch oder metaphorisch oder keines von beiden sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(3 Kommentare.) Im ersten Teil ging es um Vergleiche und Metaphern: dabei werden zwei Dinge miteinander verglichen, weil das eine eine Eigenschaft oder eine Reihe von Eigenschaften mit dem anderen teilt. In diesem Teil will ich nur kurz zwei andere Arten von Bildern nennen. 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