{"id":311,"date":"2005-06-20T10:10:33","date_gmt":"2005-06-20T08:10:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=311"},"modified":"2005-06-19T18:10:57","modified_gmt":"2005-06-19T16:10:57","slug":"ehemalige-schuelerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/06\/ehemalige-schuelerin.htm","title":{"rendered":"Ehemalige Sch\u00fclerin"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/06\/ehemalige-schuelerin.htm#comments'>7 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Ein Jahr danach<\/p>\n<p>Abitur? Aufregung? Nervosit\u00e4t? Alles sehr weit weg. Ja, fast hat man das Gef\u00fchl, man steht schon kurz vor dem 10j\u00e4hrigen Abiturtreffen. Viel ist passiert seit Mai 2004. Aber schauen wir doch noch einmal zur\u00fcck, am besten bis kurz vor die erste Abiturpr\u00fcfung.<br \/>\nNervosit\u00e4t, Aufregung, Zeitdruck, Ungewissheit und eine seltsame innere Ruhe kennzeichnen f\u00fcr mich diese Zeit. Einerseits habe ich mich gefragt, wie ich den ganzen Stoff, vor allem den Inhalt von 9 Biologieb\u00fcchern, jemals in meinen Kopf bringen soll, und andererseits dachte ich mir: Hey, andere haben des vor dir auch schon geschafft, also kann das Ganze ja kein Ding der Unm\u00f6glichkeit sein. Wobei dies sicherlich kein Fall von pl\u00f6tzlicher Erkenntnis war, sondern wohl eher der Versuch, sich irgendwie selbst zu beruhigen. Hat \u00fcbrigens nur bedingt geholfen.<br \/>\nAm Freitag den 7. Mai ging es dann endlich los. Erste Abiturpr\u00fcfung Deutsch, Grundkurs. Himmel, war ich nerv\u00f6s. Irgendwie hat wohl jeder von uns insgeheim erwartet, dass irgendetwas Unglaubliches passiert. Es ist ja schlie\u00dflich das Abitur und keine normale Klausur. Man erwartete vielleicht nicht gerade Kaninchen, die aus dem Hut h\u00fcpfen, aber irgendwas Magisches wohl doch.<br \/>\nAber wie immer kam alles ganz anders, man passierte die Stellw\u00e4nde im zweiten Stock, vermutlich das einzig Magische an den gesamten Pr\u00fcfungen, man ging in den entsprechenden Raum, suchte den Platz auf dem eine DIN-A4-Mappe mit seinem Namen lag, wartete kurz oder auch l\u00e4nger, je nachdem, wie viel man zu fr\u00fch dran war, und mit einem \u0084Viel Gl\u00fcck\u0094 von Frau H\u00fcbler ging es los. Und eigentlich war halt dann doch alles wie in einer Klausur, nur dass man etwas l\u00e4nger Zeit hatte, der Stoff nicht die letzten Wochen sondern die vergangenen zwei Jahre behandelte, und vielleicht dem ein oder anderen Gedanken durch den Kopf gingen, wie: \u0084Diesmal solltest du es besser nicht versauen!\u0094<br \/>\nSo oder auch anders verliefen auch noch die letzten drei Pr\u00fcfungen, und ehe man sich versah, war alles vorbei. Vier Pr\u00fcfungen schlossen eine Zeit ab, die bisher fast mein ganzes Leben ausgef\u00fcllt hatte. Dreizehn Jahre hatte man sich diesen Tag vorgestellt, jenen Tag, an dem man endlich die drei magischen Worte sagen durfte: NIE WIEDER SCHULE. Doch ehrlich gesagt, es war eher ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl, sich vorzustellen, nie wieder in seinem Klassenzimmer zu sitzen, ausgefragt zu werden. Ein tolles Gef\u00fchl, aber halt auch merkw\u00fcrdig.<br \/>\nDanach ging alles ziemlich schnell: Erst fuhr man in den wohlverdienten Urlaub, dann kam der Ablistreich und schlie\u00dflich die Abifeier, die ein Riesenerfolg war, auch wenn wir das an diesem Abend wohl kaum begriffen haben, vor lauter Ersch\u00f6pfung und M\u00fcdigkeit.<br \/>\nUnd dann ging\u0092s endlich los, raus in die gro\u00dfe weite Welt. F\u00fcr die einen bedeutete dies Bundeswehr oder Zivildienst, Ausbildung oder ein Jahr kreatives Nichtstun. Oder eben so wie f\u00fcr mich, Studium.<br \/>\nMich hat es dazu an die Uni Augsburg verschlagen, an der ich mittlerweile im zweiten Semester Betriebswirtschaft studiere. Sicher denkt sich jetzt der ein oder andere: Na klar BWL, da hat mal wieder jemand die sichere Variante gew\u00e4hlt, frei nach dem Motto: Wei\u00dft du nicht, was du studieren sollst, dann nimm halt BWL. Und irgendwie kann ich dies noch nicht mal v\u00f6llig bestreiten. Klar sahen meine Pl\u00e4ne zun\u00e4chst anders aus: Erst war da Medizin, doch da war halt der verflixte NC im Weg und die Zeit der Verpflichtung bei der Bundeswehr (17 Jahre) zu lang, dann kam Messe-, Kongress- und Eventmanagement, doch leider ging dies nur an einer Berufsakademie in ganz Deutschland. Man kann sich also ungef\u00e4hr vorstellen, wie viele Bewerbungen die einzelnen Unternehmen erreichen. Ach ja, nicht zu vergessen meine Bewerbung an einer FH in Wernigerode (Harz) f\u00fcr ein reines Tourismusstudium, doch auch hier kamen circa 1000 Bewerber auf 100 Studienpl\u00e4tze, was bedeutete, dass der letzte Bewerber mit einem Schnitt von 1,4 angenommen wurde.<br \/>\nAlso fiel meine Wahl auf BWL, da mir auch diese Richtung erm\u00f6glicht, meinen Traum, sp\u00e4ter einmal ein Hotel zu leiten, zu verwirklichen. So kam es, dass ich am Ende die Wahl zwischen einem Platz in Augsburg und an der FH in Hof hatte.<br \/>\nWarum meine Wahl auf Augsburg gefallen ist? Eigentlich kann ich das im nachhinein nicht mehr an einem bestimmten Faktor festmachen. Doch eine entscheidende Rolle hat sicherlich der Punkt gespielt, dass ich mit Augsburg mein bisheriges Umfeld nicht v\u00f6llig aufgeben musste, sondern mir im Gegenteil sogar das Beste von zwei St\u00e4dten raussuchen kann. Und dann gab es da nat\u00fcrlich noch den finanziellen Aspekt des Wohnens zu Hause.<br \/>\nAber jetzt mal genug von fr\u00fcher geredet.<br \/>\nDas Studium an sich ist eine komplett neue Welt, in die man eintaucht; pl\u00f6tzlich geht es um Fakult\u00e4ten, Fachschaften, H\u00f6rs\u00e4le, Vorlesungen, Unipartys und nat\u00fcrlich die spannende Frage, welche merkw\u00fcrdige Mahlzeit heute in der Mensa zur Auswahl steht.<br \/>\nDoch eine der gr\u00f6\u00dften Umstellungen hatte sicherlich nichts mit all den neuen Namen, sondern eher mit der Tatsache zu tun, dass man pl\u00f6tzlich f\u00fcr sich selber verantwortlich war. Keiner, der mehr hinter einem herl\u00e4uft und einem erz\u00e4hlt, dass es langsam mal Zeit wird, etwas zu lernen. Und auch keine Frau Jung, die einem aufz\u00e4hlt, wie viele Ks (sogenannte Krankheitstage) man denn in diesem Monat schon wieder verbraucht hat. Denn ob man in einer Vorlesung anwesend ist, interessiert eigentlich keinen, weder den Professor, denn der bekommt sein Geld auch so beziehungsweise ist eher froh, wenn du nicht kommst, bevor du w\u00e4hrend seiner Vorlesung die Bildzeitung liest. Und auch die meisten deiner Kommilitonen werden dich wohl kaum vermissen, da sie dich entweder gar nicht kennen oder sich sogar dar\u00fcber freuen, dass mal nicht der l\u00e4stige Kerl aus Reihe eins (und so einen gibt es immer) zehn Fragen pro Vorlesung stellt.<br \/>\nDoch f\u00fcr wen sich das alles jetzt nach dem Paradies auf Erden anh\u00f6rt, den holt die Realit\u00e4t meist sp\u00e4testens am Ende vom Semester, nach zahlreichen feuchtfr\u00f6hlichen Unipartys und vielen Wochen des s\u00fc\u00dfen Nichtstuns, zur\u00fcck auf den Boden der Tatsachen. N\u00e4mlich dann wenn man feststellt, dass es gilt mindestens acht Pr\u00fcfungen in zehn Tagen zu schreiben und diese auch wenn m\u00f6glich zu bestehen, da man sonst im n\u00e4chsten Semester noch mehr hat und das man f\u00fcr jede Pr\u00fcfung eigentlich so an die 400 Buchseiten gelesen haben sollte.<br \/>\nSp\u00e4testens da erkennt man: Hey, so schlimm war doch das Abitur gar nicht! <\/p>\n<p>(ehemalige Sch\u00fclerin, auf Wunsch geschrieben)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(7 Kommentare.) Ein Jahr danach Abitur? Aufregung? Nervosit\u00e4t? Alles sehr weit weg. Ja, fast hat man das Gef\u00fchl, man steht schon kurz vor dem 10j\u00e4hrigen Abiturtreffen. Viel ist passiert seit Mai 2004. Aber schauen wir doch noch einmal zur\u00fcck, am besten bis kurz vor die erste Abiturpr\u00fcfung. 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