{"id":3148,"date":"2011-01-25T06:54:15","date_gmt":"2011-01-25T05:54:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3148"},"modified":"2011-01-25T06:54:15","modified_gmt":"2011-01-25T05:54:15","slug":"sherlock-holmes-als-freund-der-kunstblumenerzeugung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/01\/sherlock-holmes-als-freund-der-kunstblumenerzeugung.htm","title":{"rendered":"Sherlock Holmes als Freund der Kunstblumenerzeugung"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/01\/sherlock-holmes-als-freund-der-kunstblumenerzeugung.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/holmes_gaslight.jpg\"\/><\/p>\n<p>Zu Lebzeiten von Arthur Conan Doyle wurde Sherlock Holmes schon f\u00fcr eine reale Person gehalten. Bald nach Doyles Tod fing dann noch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kanon an &#8211;  wissenschaftlich jedenfalls im weitesten Sinn. Einige Regeln geh\u00f6ren dazu:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Meister (Sherlock Holmes) hat nat\u00fcrlich wirklich gelebt.<\/li>\n<li>Der Doktor (Watson) ist der Autor fast aller Holmes-Geschichten. Zwei &#8211; nicht sehr gute &#8211; stammen aus der Hand des Meisters selbst.<\/li>\n<li>Der Agent (Arthur Conan Doyle) \u00fcbernahm den Kontakt zu Zeitschriften und Verlagen. Er war selbst ebenfalls Autor, hat mit den Holmes-Geschichten aber nichts zu tun.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn man das beachtet, kann man Aufs\u00e4tze schreiben und ver\u00f6ffentlichen, zum Beispiel im renommierten <em>Baker Street Journal<\/em> der Baker Street Irregulars. <em>Sherlock Holmes by Gas-Light<\/em> enth\u00e4lt eine Auswahl von Aufs\u00e4tzen aus den ersten vier Jahrzehnten des BSJ. H\u00e4ufig geht es darum, unklare Stellen oder Widerspr\u00fcche zu erkl\u00e4ren. (Profane Leser w\u00fcrden &#8222;Fehler&#8220; dazu sagen.) Zwei klassische solcher Fragen sind: wo hatte Watson seine Kriegswunde &#8211; in der Schulter oder im Bein? Und: wie oft war Watson verheiratet? Es gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten, die &#8211; oft nur scheinbaren &#8211;  Widerspr\u00fcche in den <em>Sacred Writings<\/em> zu kl\u00e4ren. Am unelegantesten ist es, sie auf das schlechte Ged\u00e4chtnis oder die unleserliche Handschrift Watsons (er war immerhin Arzt) zu schieben. Eleganter sind ausgefeiltere Theorien: je abstruser, desto interessanter &#8211; <em>wenn<\/em> sie an den Writings belegt werden k\u00f6nnen. Aber dazu schreibe ich mal einen eigenen Beitrag. Nur kurz als Beispiel, wie so etwas aussieht: <a href=\"http:\/\/kspot.org\/holmes\/wives.htm\">&#8222;As I Was Going to St. Ives (Or, The Merry Wives of Watson): A Recapitulation of Research on the Marriage(s) of Dr. Watson Presented to The Cremona Fiddlers on September 7, 1997,&#8220;<\/a><\/p>\n<p>Andere Ans\u00e4tze befassen sich damit, mehr \u00fcber die Figuren herauszufinden. So gibt es in <em>Sherlock Holmes by Gas-Lamp<\/em> Aufs\u00e4tze zu:<\/p>\n<ul>\n<li>Sherlock Holmes&#8216; Religi\u00f6sit\u00e4t, <\/li>\n<li>Sherlock Holmes als Tabakkonsument, <\/li>\n<li>als Autor, <\/li>\n<li>als Koch und Feinschmecker, <\/li>\n<li>als Athlet; <\/li>\n<li>der Bibliothek des Sherlock Holmes, <\/li>\n<li>der rechtlichen Einordnung seines Vorgehens, <\/li>\n<li>seinem Verh\u00e4ltnis zu Frauen, <\/li>\n<li>seiner Wohnungseinrichtung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mir ist selbst ja schon mal die Idee f\u00fcr einen Aufsatz gekommen: <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/war-sherlock-holmes-zen-buddhist.htm\">&#8222;War Sherlock Holmes Zen-Buddhist?&#8220;<\/a>  Das ganze h\u00e4tte ich nat\u00fcrlich noch ausf\u00fchren m\u00fcssen, w\u00e4re aber nicht schwer zu machen gewesen. Aber nat\u00fcrlich bin ich nicht der einzige, der auf diese naheliegende Idee gekommen ist (<a href=\"http:\/\/webpages.charter.net\/sn9\/literature\/sherlock.html\">&#8222;Zen in the Art of Sherlock Holmes&#8220;<\/a>).<\/p>\n<p>&#8212; Kein Vergleich ist das allerdings zu Goethen. Robert Gernhardt gibt in &#8222;Goethe und die Folgen&#8220; einen ausf\u00fchrlichen Einblick in die Welt der Aufs\u00e4tze \u00fcber Goethe. Einige H\u00f6hepunkte:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8222;Goethe und die Schw\u00e4mme&#8220;, <\/li>\n<li>&#8222;Goethe und der Impfzwang&#8220;, <\/li>\n<li>&#8222;Goethe als Benutzer von italienischen Reiseb\u00fcchern&#8220;, <\/li>\n<li>&#8222;Konnte Goethe schwimmen?&#8220; <\/li>\n<li>und nat\u00fcrlich &#8222;Goethe als Freund der Kunstblumenerzeugung&#8220; (B. Schier, in: <em>Hessische Bl\u00e4tter f\u00fcr Volkskunde<\/em> 42 (1951), S. 63-70).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man sieht es vielleicht am Goethe: die Holmes-Forschung ist unter anderem eine Parodie auf Literaturwissenschaft. Und dabei vorz\u00fcgliche Intrepretation. Ich w\u00fcnschte mir, ich k\u00f6nnte das mal f\u00fcr die Schule nutzen. &#8222;Finden Sie mindestens sechs logische Fehler in der Geschichte und erkl\u00e4ren Sie sie weg. Ihre Erkl\u00e4rung muss m\u00f6glichst genau am Text belegt werden.&#8220; Klar ist bei diesem Spiel, dass die Autorenintention \u00fcberhaupt nichts z\u00e4hlt. Aber ich f\u00fcrchte, die Parodie auf wissenschaftliches Arbeiten kann man erst genie\u00dfen, wenn man ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die Vorlage hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/holmes_bakerstreetjournal.jpg\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Zu Lebzeiten von Arthur Conan Doyle wurde Sherlock Holmes schon f\u00fcr eine reale Person gehalten. Bald nach Doyles Tod fing dann noch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kanon an &#8211; wissenschaftlich jedenfalls im weitesten Sinn. Einige Regeln geh\u00f6ren dazu: Der Meister (Sherlock Holmes) hat nat\u00fcrlich wirklich gelebt. 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