{"id":3176,"date":"2011-03-06T09:20:19","date_gmt":"2011-03-06T08:20:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3176"},"modified":"2023-06-19T10:18:33","modified_gmt":"2023-06-19T08:18:33","slug":"wie-ich-einmal-in-einer-quizshow-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/03\/wie-ich-einmal-in-einer-quizshow-war.htm","title":{"rendered":"Wie ich einmal in einer Quizshow war"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/03\/wie-ich-einmal-in-einer-quizshow-war.htm#comments'>7 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Nachdem Herr Klinge von seinen Fernsehquiz-Erfahrungen berichtet hat, muss ich auch mit meinen herausr\u00fccken. Eigentlich kann ich gar nichts daf\u00fcr, und ich habe auch nur eine kleine Rolle dabei gespielt. Es war das Jahr 2000. Mein Freund U. guckte diese Quizshows im Fernsehen, ein relativ neues Format, das gerade boomte, und er bewarb sich f\u00fcr eine Sendung, <em>Risiko<\/em>, glaube ich. Dort konnten sie ihn nicht gebrauchen, aber er blieb in der Kartei, und als SAT1 ein neues Format namens <em>Das Millionenquiz<\/em> herausbrachte, kriegte er eine Einladung dazu.<\/p>\n<p>Das Problem: er musste &#8211; kurzfristig &#8211; einen Mitspieler mitbringen. Frau Rau sagte f\u00fcr mich zu, da ich selber gerade im Sch\u00fcleraustausch unterwegs war. Also flogen U. und ich wenig sp\u00e4ter nach Amsterdam zur Aufzeichnung.<\/p>\n<p><em>Das Millionenquiz<\/em> war ein ungeschicktes Format. Es gab vier verschiedene Runden, in der ersten wurde aus zweimal 6 Kandidaten jeweils ein 1 Gewinner ermittelt, und diese beiden spielten dann mit ihren Partnern die Runden zwei und drei gegeneinander, und die vierte Runde spielte dann nur ein Sieger allein mit dem Mitspieler als Joker. Unn\u00f6tig kompliziert f\u00fcr die Zuschauer. Gut war aber folgende Idee: Man fing, sagen wir, mit einer Million Euro an. Bei den \u00fcblichen Multiple-Choice-Fragen konnte man diese Summe auf die verschiedenen Antworten aufteilen: 400.000 auf A, 600.000 auf B, weil man sich da nicht richtig entscheiden kann, nichts auf C und D, weil man sich da sicher ist, dass die Antworten nicht stimmen. Weitergespielt wird dann mit 600.000 Euro, wenn Antwort B richtig war. F\u00fcr Chancenausrechner eine sch\u00f6ne Sache.<\/p>\n<p>Die Auswahlrunde am Anfang dagegen war weniger durchdacht. 6 Spieler versuchten, schneller als die anderen eine Frage zu beantworten. Wer als erster die Antwort hatte, konnte einen der \u00fcbrigen Mitspieler aus dem Spiel herausschmei\u00dfen. Beim ersten Mal war das noch Gl\u00fcck, danach w\u00e4hlt man daf\u00fcr nat\u00fcrlich den, der die vorhergehende Frage richtig beantwortet hat. Der hat dadurch schlie\u00dflich demonstriert, dass er als m\u00f6glicher Konkurrent ernst zu nehmen ist. F\u00fcr Spieltheoretiker eine sch\u00f6ne Sache.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Vorbereitung der Show sa\u00dfen die Kandidaten alle stundenlang zusammen. Nat\u00fcrlich \u00fcberpr\u00fcft man da, welcher der anderen wie gut ist. Wenn sich da zwei finden, die sich beide f\u00fcr gut halten, gehen sie dann vielleicht ein Gentlemen&#8217;s Agreement ein: schmei\u00dft du mich nicht raus, schmei\u00df ich dich auch nicht raus. So sch\u00fctzt man sich davor, eventuell von den anderen &#8211; vielleicht schw\u00e4cheren &#8211; herausgeworfen zu werden. Die Moderatorin hat dann auch bei manchen Entscheidungen in der ersten Runde sichtlich gestutzt. (=> <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/12\/gefangenendilemma.htm\">Gefangenendilemma<\/a>.)<\/p>\n<p>Was ist noch erw\u00e4hnenswert? Keine gemusterten Hemden anziehen, das gibt unsch\u00f6ne <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Moir%C3%A9-Effekt\">Moir\u00e9-Effekte<\/a> im Fernsehen. &#8222;Lassen Sie die Zuschauer an Ihren \u00dcberlegungen teilhaben&#8220; &#8211; man soll also laut nachdenken und immer etwas reden dabei. &#8222;Was werden Sie mit Ihrem Gewinn anfangen?&#8220; &#8211; da soll man sich etwas Interessantes \u00fcberlegen, auch wenn&#8217;s gar nicht stimmt.<\/p>\n<p>Jedenfalls gewann U. die erste Runde, wir spielten gemeinsam die Runden zwei und drei, lagen vor dem anderen Team, so dass U. in der letzten Runde mit einem nicht gewaltigen, aber ansehnlichen S\u00fcmmchen nach Hause gehen konnte. Ich beschr\u00e4nkte mich auf einen kleinen Anteil, weil ich kein Geld brauchte und ohnehin nicht viel zu tun gehabt hatte. Ich wei\u00df zwar wirklich eine ganze Menge Sachen, aber leider auf \u00e4hnlichen Gebieten wie U. selber, der auch eine ganze Menge Sachen wei\u00df.<\/p>\n<p>Beweisfoto:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/millionenquiz.png\" alt=\"\" title=\"millionenquiz\" width=\"550\" height=\"413\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3181\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/millionenquiz.png 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/millionenquiz-150x112.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/p>\n<p>Nachspiel:<\/p>\n<p>Das Geld gab es laut Vertrag erst nach und auch nur im Falle der Ausstrahlung. Die kam dann auch, und kurz nach ihr der Zuh\u00f6rerprotest. Eine Antwort von U. war als falsch bezeichnet worden, so dass mit der kleineren Summe weitergespielt wurde, die er auf eine alternative Antwort gesetzt hatte. Nun war die urspr\u00fcngliche Antwort aber doch die korrekte, so dass er eigentlich mit einer h\u00f6heren Summe weiterspielen h\u00e4tte k\u00f6nnen. Anrufe von Pressesprechern und Boulevardzeitung folgten, vor allem bei U., nur wenige bei mir. Das Ergebnis: U. und ich flogen noch einmal nach Amsterdam, um den Schluss ab der beanstandeten Stelle mit neuen Fragen weiterzuspielen. Sicher zugesagt war uns nicht nur der urspr\u00fcngliche Gewinn, sondern der, den wir gekriegt h\u00e4tten, wenn die Antwort als richtig akzeptiert worden w\u00e4re &#8211; aber wir hatten die Chance, noch mehr zu gewinnen. Es braucht aber nicht viel spieltheoretisches Interesse, um in der gegebenen Situation festzustellen, dass man besser alles auf eine Karte setzt, statt die Summe auf verschiedene Antworten zu splitten und dadurch zu verkleinern. Und so verloren wir in der zweiten Runde dann auch alles &#8211; und begn\u00fcgten uns mit dem zugesagten Gewinn.<\/p>\n<p>(Mein einziger anderer gro\u00dfer TV-Auftritt ist in einer Episode einer Schulfernsehen-Reihe, in der ich kurz erkl\u00e4re, wie WWW-Adressen aufgebaut sind.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(7 Kommentare.) Nachdem Herr Klinge von seinen Fernsehquiz-Erfahrungen berichtet hat, muss ich auch mit meinen herausr\u00fccken. Eigentlich kann ich gar nichts daf\u00fcr, und ich habe auch nur eine kleine Rolle dabei gespielt. Es war das Jahr 2000. 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