{"id":3378,"date":"2011-08-31T10:16:28","date_gmt":"2011-08-31T08:16:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3378"},"modified":"2023-05-16T09:07:58","modified_gmt":"2023-05-16T07:07:58","slug":"lev-grossmann-the-magicians-und-etwas-zu-spoilern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/08\/lev-grossmann-the-magicians-und-etwas-zu-spoilern.htm","title":{"rendered":"Lev Grossman, The Magicians (und etwas zu Spoilern)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/08\/lev-grossmann-the-magicians-und-etwas-zu-spoilern.htm#comments'>6 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grossman_magicians.jpg\" alt=\"\" title=\"grossman_magicians\" width=\"106\" height=\"163\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3390\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grossman_magicians.jpg 106w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grossman_magicians-97x150.jpg 97w\" sizes=\"auto, (max-width: 106px) 100vw, 106px\" \/><\/p>\n<p>Ein Bestseller, vor zwei Jahren. Beim ersten Lesen fand ich ihn gut &#8211; nicht brillant, aber gut. Im Nachhinein wurde er aber immer besser. Und da jetzt eine Fortsetzung herausgekommen ist, habe ich dieses erste Buch noch einmal gelesen, um mir dar\u00fcber klar zu werden, wie gut es mir jetzt gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Fazit: Ich bin mir immer noch nicht sicher. Ich glaube, es gef\u00e4llt mir gut, einige Ideen darin sind tats\u00e4chlich brillant &#8211; aber es sind die Ideen, die mir gefallen, es ist die Handlung, nicht der Text. Also w\u00e4re mir vielleicht lieber, das Buch als Fernsehvierteiler zu sehen, statt es zu lesen.<\/p>\n<p>Ich versuche, den Rest hier m\u00f6glichst spoilerfrei zu halten. (Zu Spoilern allgemein: siehe unten.) Die Pr\u00e4misse des Buches: Es gibt mindestens eine magische Schule, auf die man gehen kann, \u00e4hnlich wie Harry Potters Hogwarts. (Interessant auch der <a href=\"https:\/\/secure.wikimedia.org\/wikipedia\/en\/wiki\/Harry_Potter_influences_and_analogues\">Wikipedia-Eintrag zu Einfl\u00fcssen und Vorbildern von Hogwarts<\/a>. Auf die Schule von Professor Xavier war ich selber schon gekommen.) Quentin geht auf diese Schule, nachdem er die Aufnahmepr\u00fcfung bestanden hat: Brakebills College, <a href=\"http:\/\/www.brakebills.com\/index_real.html\">hier die Webseite<\/a>.<\/p>\n<p>Im Buch geht es darum, wie Quentin sich in der Schule zurechtfindet, \u00e4lter wird, und was er nach der Schule macht. Das unterscheidet das Buch schon mal von vielen anderen Schulromanen: die h\u00f6ren mit der Schulzeit auf. Das ist hier anders, und das ist der eine Spoiler, auf den ich nicht verzichten mag. Aber es gibt auch noch andere Unterschiede. Sagen wir: zu jung sollten die Leser nicht sein, und meinen kleinen Bruder hat die Lekt\u00fcre ziemlich heruntergezogen. So richtig fr\u00f6hlich ist es nicht immer. Einige Buchbesprechungen im Web werfen dem Buch vor, dass es Sachen kaputt macht. Harumph.<\/p>\n<p>Hier meine Aufteilung f\u00fcr den Fernsehvierteiler:<\/p>\n<ul>\n<li>1. Teil: Quentins Aufnahme in die Schule, der Alltag dort, erste Freunde. \u00dcberraschender Schluss: der Zwischenfall w\u00e4hrend der Unterrichtsstunde, der das erste Zeichen f\u00fcr Missstimmung sein sollte.<\/li>\n<li>2. Teil: Die Folgen des Zwischenfalls, das Welters-Turnier, die Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr die <em>fourth year students<\/em>, die frohen Stunden in der H\u00fctte der <em>physical kids<\/em>. Alices Bruder, die Beziehungen der Freunde untereinander. \u00dcberraschender Schluss: der Schulabschluss.<\/li>\n<li>3. Teil: Das Leben nach der Schule. \u00dcberraschender Schluss: sollte klar sein.<\/li>\n<li>4. Teil: Der Rest.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ist das ganze zu teuer f\u00fcr einen Vierteiler? Viel Effekte braucht man nicht, Brakebills ist ein eher kleines, unspektakul\u00e4res College, mit viel weniger Sch\u00fclern und Aufwand als Hogwarts. <\/p>\n<h4>\u00dcber Spoiler<\/h4>\n<p>Vor einigen Wochen machte eine Studie die Runde: Spoiler &#8211; also verratene unerwartete Wendungen einer Geschichte &#8211; erh\u00f6hten danach das Lesevergn\u00fcgen (analog wohl auch f\u00fcr Filme), statt es zu mindern. <a href=\"http:\/\/ucsdnews.ucsd.edu\/newsrel\/soc\/2011_08spoilers.asp\">Hier eine Quelle dazu<\/a>.<\/p>\n<p>Dass die Ergebnisse der Intuition widersprechen: kein Problem. Die irrt sich oft. Schauen wir uns den Versuchsaufbau an.<\/p>\n<p>Es gab 12 Geschichten, eingeteilt in 3 Gruppen: <em>ironic twist, mystery, literary<\/em>. Jede Geschichte gab es in 3 Varianten: a) ungespoilertes Original; b) Original mit einem  einleitenden (Spoiler enthaltenden) Absatz davor; c) Original mit einem (Spoiler enthaltenden) Absatz eingebaut in den Anfang des Textes.<br \/>\nJede Fassung (12&#215;3 also) wurde von mindestens 30 Studenten gelesen. Kannte einer den Text, wurde das Ergebnis nicht mitgez\u00e4hlt. Ich nehme mal an, dass jeder Teilnehmer nur eine Geschichte las und bewertete?<\/p>\n<p>Leider habe ich nirgendwo gefunden, wie die Probanden die Geschichten danach bewerten mussten. Ich nehme an, sie mussten auf einer Skala angeben, wie gut ihnen die Geschichten gefielen.<br \/>\nJedenfalls kam wohl heraus, dass gespoilerte Geschichten <em>besser <\/em>abschnitten, jedenfalls wenn die Spoiler klar als solche im einleitenden, nicht zum Text gerechneten Absatz standen.<\/p>\n<p><em>Warum<\/em> das so ist, das ist nicht Teil der Untersuchung, Gedanken dazu kann man aber in dem Link oben finden. An dem Ergebnis kann man auch nicht gro\u00df r\u00fctteln, man m\u00fcsste sich h\u00f6chstens die Auswahl und Anzahl der Probanden anschauen. (Sind sie repr\u00e4sentativ? Gibt es Leute, denen Spoiler mehr ausmachen als anderen?)<\/p>\n<p>Aber man kann sich fragen, wie sehr das Ergebnis \u00fcbertragbar ist, und sei es nur auf andere Texte. Gilt das nur f\u00fcr Kurzgeschichte oder auch f\u00fcr Langformen wie den Roman? Und: &#8222;An Occurence at Owl Creek Bridge&#8220;? Na ja. Das ist eine ber\u00fchmte Geschichte, eingeordnet in die Kategorie &#8222;Ironic Twist&#8220;. Aber bei der w\u00e4re mir der Spoiler auch egal gewesen, ich bin nie warm mit ihr geworden; eine Inhaltsangabe davor h\u00e4tte mein Lesevergn\u00fcgen (und hat es wohl auch) eher erh\u00f6ht. Vielleicht ist es ohnehin mehr die kleine Inhaltsangabe, ohne die ein Spoiler nicht auskommt, die zu erh\u00f6htem Lesevergn\u00fcgen f\u00fchrt, und nicht der Spoiler an sich, auch wenn der nicht zu st\u00f6ren scheint. Insofern fehlt bei den Texten als Vergleichsgruppe eine Variante ohne Spoiler, aber mit vergleichbarem Inhaltsangabenabsatz zuvor.<\/p>\n<h5>Meine Meinung dazu<\/h5>\n<p>Bei vielen Filmen spielen Spoiler f\u00fcr mich keine Rolle. Bei Thrillern sowieso nicht. Ein Schl\u00fcsselerlebnis war f\u00fcr mich dabei <em>Sliver<\/em>: ein Film von Philip Noyce (1993) nach dem gleichnamigen Roman von Ira Levin (1991). Im Buch war er&#8217;s, im Film war er&#8217;s nicht. Und das war mir so etwas von egal, und es spielt f\u00fcr die Geschichte und das Vergn\u00fcgen daran (oder dessen Abwesenheit) auch nicht die geringste Rolle.<\/p>\n<p>Bei manchen Filmen bem\u00fche ich mich sogar vorher um Spoiler. Das Vergn\u00fcgen an Filmen wird dadurch oft nicht verringert &#8211; aber in manchen F\u00e4llen zumindest ver\u00e4ndert. Momente der Erleuchtung fallen weg. Und diese Momente mag ich nicht missen. Die beste Filmsituation ist die meiner Kindheit, unwiderbringlich verloren: beim Umschalten auf ORF2 auf einen Film sto\u00dfen, kurz nachdem er angefangen hat. Man wei\u00df nichts, nicht den Titel, nicht das Genre, nicht die Schauspieler. Oft war das egal. Manchmal war das aber toll.<\/p>\n<p>Es gibt mindestens zwei B\u00fccher und eine Kurzgeschichte, deren Titel ich hier nicht nennen m\u00f6chte, die mir solche Epiphanien beschert haben. H\u00e4tten mir die B\u00fccher auch so gefallen? Sicher. Besser? Vielleicht. Aber diese pl\u00f6tzlichen Erlebnisse: die waren schon toll. <\/p>\n<h5>Apropos verschiedene Enden<\/h5>\n<p>Bei John Fowles&#8216; <em>The French Leutenant&#8217;s Woman<\/em> (1969) war das noch ein k\u00fchner literarischer Kunstgriff: der Erz\u00e4hler pr\u00e4sentiert drei verschiedene Enden f\u00fcr die Handlung.<br \/>\nBei Filmen ist das inzwischen fast schon \u00fcblich. <em>Blade Runner<\/em> gibt es in mindestens sieben Fassungen mit zwei sehr unterschiedlichen Enden; f\u00fcr <em>Clerks<\/em> gibt es ein alternatives Ende; und bei Cracked.com gibt es <a href=\"http:\/\/www.cracked.com\/article_19386_5-classic-movies-that-almost-had-terrible-endings.html\">5 classic movies that almost had terrible endings<\/a> (die schlechten Enden gibt es allenfalls als DVD-Bonus) und <a href=\"http:\/\/www.cracked.com\/article_16258_5-awesome-movies-ruined-by-last-minute-changes.html\">5 awesome movies ruined by last minute changes<\/a> (die besseren Enden gibt es allenfalls als DVD-Bonus).<\/p>\n<p>Bei all diesen Filmen ist es mir egal, ob gespoilert wird oder nicht. Ein Ende gef\u00e4llt mir meist deutlich besser als das andere, aber es ist nicht so, dass ich das Ende mit Neugier erwarte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(6 Kommentare.) Ein Bestseller, vor zwei Jahren. Beim ersten Lesen fand ich ihn gut &#8211; nicht brillant, aber gut. Im Nachhinein wurde er aber immer besser. Und da jetzt eine Fortsetzung herausgekommen ist, habe ich dieses erste Buch noch einmal gelesen, um mir dar\u00fcber klar zu werden, wie gut es mir jetzt gef\u00e4llt. 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