{"id":3422,"date":"2011-10-04T07:06:02","date_gmt":"2011-10-04T05:06:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3422"},"modified":"2023-06-18T07:16:01","modified_gmt":"2023-06-18T05:16:01","slug":"paedagogischer-tag-201112-und-leseempfehlung-guenther-hoegg-wie-schueler-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/10\/paedagogischer-tag-201112-und-leseempfehlung-guenther-hoegg-wie-schueler-denken.htm","title":{"rendered":"P\u00e4dagogischer Tag 2011\/12, und Leseempfehlung: G\u00fcnther Hoegg, Wie Sch\u00fcler denken"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/10\/paedagogischer-tag-201112-und-leseempfehlung-guenther-hoegg-wie-schueler-denken.htm#comments'>18 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Dieses Jahr haben wir unseren P\u00e4dagogischen Tag schon gehabt. Und zwar nicht am \u00fcblichen Bu\u00df- und Bettag, sondern an zwei Freitagnachmittagen. Der Inhalt: an unserer Schule haben Lehrer ein <strong>Konzept<\/strong> zur F\u00f6rderung von Lern- und sozialen Kompetenzen entwickelt, das allen Kollegen vorgestellt wurde, da es von der Schule gemeinschaftlich umgesetzt werden soll, von den aktuellen 5. Klassen an langsam aufbauend. Das darf ich hoffentlich \u00f6ffentlich hier so schreiben, auf der Schulhomepage steht n\u00e4mlich noch nichts davon. Deshalb halte ich mich mit mehr Details etwas zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter anderem habe ich in diesem Zusammenhang auch Ausschnitte aus <a href=\"http:\/\/www.reinhardkahl.de\/index.php?modus=projekt_lesen&amp;id=5\"><strong>Treibh\u00e4user der Zukunft<\/strong><\/a> von Reinhard Kahl von 2004 gesehen. Die kannte ich zuvor schon. Hm, ja. Ich bin da immer ein bisschen skeptisch. Die Vorzeigeschule des Films, die katholische Bodenseeschule, w\u00fcrde mich als Konfessionslosen schon mal gar nicht als Lehrer annehmen. \u00dcberhaupt sind diese Treibh\u00e4user allesamt Orchideenschulen mit jeweils ausgesuchter Klientel, deshalb halte ich viele der Erfahrungen nicht f\u00fcr \u00fcbertragbar. (Kritisches zum Thema Archiv der Zukunft und Harmut von Hentig auch bei <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/!76807\/\">von @ciffi bei der TAZ.<\/a>) Dennoch sind sie wichtig um uns zu zeigen, was prinzipiell alles m\u00f6glich ist &#8211; wir haben n\u00e4mlich auch am Gymnasium viel mehr Spielraum, als wir tats\u00e4chlich nutzen. Nicht als einzelner Lehrer, aber als ganze Schule.<\/p>\n\n\n\n<p>Mich st\u00f6rt an p\u00e4dagogischen Konzepten allgemein, dass da sehr <strong>wenig experimentell belegt<\/strong> ist, angefangen mit Allvater Piaget. Das sage ich allerdings als absoluter Laie, der lange nicht mehr ernsthaft versucht hat, sich mit wissenschaftlicher P\u00e4dagogik zu besch\u00e4ftigen, vielleicht ist das inzwischen alles ganz anders. Dass etwas einleuchtend klingt und eigentlich logisch ist, reicht mir nicht als Best\u00e4tigung. Von Harmut von Hentig habe ich nur sein <em>Bildung<\/em> gelesen, und die meisten der Beispiele f\u00fcr tolle Lernerfahrungen darin stammen aus der Fiktion: <em>Heidi<\/em> (Spyri), <em>Kim<\/em> (Kipling), <em>Simplicissimus<\/em> (Grimmelshausen), aber auch Autobiographien. Hervorgehoben ist dabei Joan Lowell, &#8222;die in ihrem Buch <em>Ich spucke gegen den Wind<\/em> ihre Kindheit als Kapit\u00e4nstochter auf einem Segelschiff kurz nach der Jahrhundertwende schildert&#8220; &#8211; von der sich beim Recherchieren herausstellt, dass sie von vorn bis hinten erfunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Empfehlen m\u00f6chte ich als p\u00e4dagogische Erg\u00e4nzung <em><strong>Wie Sch\u00fcler denken &#8230;und was Lehrer dar\u00fcber wissen sollten<\/strong><\/em> von G\u00fcnther Hoegg. Vom gleichen Autor &#8211; Jurist und Schullehrer &#8211; hatte ich schon ein Buch \u00fcber Schulrecht gelesen. Auf dieses Buch kam ich durchs Web, wei\u00df aber keine Details mehr, sonst w\u00fcrde ich verlinken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"213\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hoegg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3439\" title=\"hoegg\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hoegg.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hoegg-105x150.jpg 105w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieses Buch benutzt &#8211; bei allem Wohlwollen gegen\u00fcber Sch\u00fclern &#8211; andere Metaphern als <em>Treibh\u00e4user der Zukunft<\/em>. Da geht es eher um Revierverhalten und die Rangordnung in der Gruppe. Der Ausgangspunkt ist aber schlicht der: statt immer wieder den Kopf dar\u00fcber zu sch\u00fctteln, dass die Sch\u00fcler nicht so sind, wie man sie als Lehrer gerne h\u00e4tte (rational, vern\u00fcnftig, einsichtig &#8211; was selbst Erwachsene nicht immer sind), sollte man herausfinden, <em>warum<\/em> sie sich nicht so verhalten &#8211; und dann damit umgehen. Aktuelles Beispiel aus meinem Unterricht: wenn man Sch\u00fclern etwa sagt, sie sollen einem bis zum Donnerstag in einer Woche (der n\u00e4chsten Stunde) Ihre Email-Adresse schicken, dann macht ein Gro\u00dfteil der Klasse das wann? Am Donnerstag sp\u00e4t abends und keinen Tag fr\u00fcher. Beim ersten Mal darf man da noch \u00fcberrascht sein, danach muss man damit leben, dass die so sind &#8211; und herausfinden, warum das so ist. Dann kann man vielleicht etwas daran \u00e4ndern oder das n\u00e4chste Mal einen fr\u00fcheren Termin nennen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einige Erkenntnisse aus dem Buch f\u00fcr mich:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sch\u00fcler m\u00f6chten auch eine emotionale Beziehung zum Lehrer &#8211; schon mal, weil der ein Erwachsener zum Kennenlernen ist.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Aufteilen in abgeschlossene Einheiten f\u00fchrt dazu, dass man wei\u00df, ab wann man etwas vergessen darf, und das dann auch tut.<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;L\u00f6schen funktioniert besser als Strafen&#8220; haben wir alle so gelernt. Dann muss man Autoraser einfach nicht beachten und sie stellen das Verhalten ein?<\/li>\n\n\n\n<li>Vorschlag von Manfred Spitzer, der auch in <em>Treibh\u00e4user der Zukunft<\/em> zu Wort kommt, aber sicher nicht damit: Klassenarbeiten a) nicht ank\u00fcndigen und b) \u00fcber alles pr\u00fcfen, <em>au\u00dfer<\/em> dem Stoff der letzten Wochen.<\/li>\n\n\n\n<li>L\u00fcgen und Leugnen ist menschlich und nat\u00fcrlich. Also nicht wundern oder \u00e4rgern \u00fcber ein &#8222;Aber ich habe doch gar nichts gemacht.&#8220;<\/li>\n\n\n\n<li>Der Hinweis auf die Untersuchung von Karpicke und Blunt (2010, Purdue University), hier <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/artikel\/C30901\/lerntechniken-selberdenken-ist-manchmal-gar-nicht-so-gut-30326565.html\">die FAZ dazu<\/a>, dort <a href=\"http:\/\/www.purdue.edu\/newsroom\/research\/2011\/story-print-deploy-layout_1_10389_10389.html\">etwas von Purdue<\/a> auf Englisch. Der Versuch: Zwei Lerngruppen erhielten Texte mit unbekanntem Inhalt. Die einen verbrachten danach Zeit damit, Mindmaps dazu anzufertigen. Die anderen sollten den Stoff einfach <strong>auswendig lernen<\/strong> (&#8222;practicing retrieval&#8220;). Nach einer Woche wurde dann gepr\u00fcft, wer wieviel verstanden hatte. Die Auswendiglerner lagen weit vorn, auch bei Zusammenhangsfragen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;When students have the material right in front of them, they think they know it better than they actually do,&#8220; [Karpicke] said. &#8222;Many students do not realize that putting the material away and practicing retrieval is such a potent study strategy.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das passt jetzt aber gar nicht ins aktuell popul\u00e4re Kompetenzverst\u00e4ndnis. Allerdings k\u00f6nnte man argumentieren, dass die Gepr\u00fcften ja wohl nicht ihre Mindmap mitnehmen durften zur Pr\u00fcfung. <\/li>\n\n\n\n<li>Sehr sch\u00f6n auch: Regeln muss man nicht gro\u00df aufstellen, Regeln entstehen durch die Wiederholung eines bestimmten Verhaltens, und zwar <em>nur<\/em> so. Allein daf\u00fcr m\u00f6chte ich das Buch k\u00fcssen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde es ja gerne verleihen, aber ich habe es schon einem meiner Zehntkl\u00e4ssler versprochen. Vielleicht sollte man einfach mehr solche B\u00fccher lesen. Es gibt wohl zuhauf solche B\u00fccher wie &#8222;Das ist okay, dein K\u00f6rper ver\u00e4ndert sich&#8220;, aber vielleicht braucht es auch einfach mal ein Gehirnerkl\u00e4rbuch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(18 Kommentare.) Dieses Jahr haben wir unseren P\u00e4dagogischen Tag schon gehabt. Und zwar nicht am \u00fcblichen Bu\u00df- und Bettag, sondern an zwei Freitagnachmittagen. 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