{"id":3488,"date":"2011-11-01T13:36:40","date_gmt":"2011-11-01T12:36:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3488"},"modified":"2013-05-05T21:21:46","modified_gmt":"2013-05-05T19:21:46","slug":"schulschnueffelschoftware","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/11\/schulschnueffelschoftware.htm","title":{"rendered":"Schulschn\u00fcffelschoftware"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/11\/schulschnueffelschoftware.htm#comments'>15 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Angefangen hat das <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2011\/der-schultrojaner-eine-neue-innovation-der-verlage\/\">gestern bei netzpolitik.org<\/a>: Alle Bundesl\u00e4nder haben mit Schulbuchverlagen und Verwertungsgesellschaften vertraglich beschlossen, dass stichprobenartig an Schulen Schn\u00fcffelsoftware installiert wird, die die Schulrechner nach urheberrechtsbrechendem Material durchsuchen und Fundsachen nach Hause funken. Das ist aus Datenschutz- und technischen Gr\u00fcnden d\u00e4mlich, siehe Link. <\/p>\n<p>Das ist kein Trojaner, darauf <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Geplanter-Schultrojaner-sorgt-fuer-Wirbel-1369193.html\">weist heise online hin<\/a>, da das Programm ja mit Wissen und Hilfe des Kultusministeriums installiert wird. Das ist eher Arbeitsplatz\u00fcberwachung wie mit Videokameras an der Supermarktkasse. Trotzdem etabliert sich das Wort <em>Schultrojaner<\/em> daf\u00fcr, auch wenn das verw\u00e4ssert den halbverstandenen Begriff des Trojaners verw\u00e4ssert.<\/p>\n<p>Erlaubt ist das vermutlich aus mehreren Gr\u00fcnden nicht. Eine notwendige Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass Lehrer und Sch\u00fcler die Schulrechner nicht privat nutzen. Weltfremd. Wenn meine Sch\u00fcler sich Dateien nach Hause schicken, geht das \u00fcber Facebook. Tats\u00e4chlich erkl\u00e4ren wir unseren Sch\u00fcler jetzt schon, dass sie die Schulrechner nicht privat nutzen d\u00fcrfen; nur deshalb d\u00fcrfen wir als Lehrer oder Systembetreuer ja auch Zugang zu deren Dateien haben und ihr Internetverhalten protokollieren. Aber dann m\u00fcsste man das wohl endg\u00fcltig durchsetzen &#8211; oder noch weiter mit frommen L\u00fcgen leben, zu denen uns Datenschutz und Urheberrecht zwingen. Wir lernen heucheln.<\/p>\n<p>Netzpolitik legt <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2011\/update-zum-schultrojaner\/\">mit weiteren Informationen<\/a> und verfolgenswerten Links nach.<\/p>\n<p>Die Verlage selber sehen verst\u00e4ndlicherweise gar kein Problem: <a href=\"http:\/\/bildungsklick.de\/pm\/81040\/stellungnahme-des-vds-bildungsmedien-zur-meldung-auf-netzpolitikorg-der-schultrojaner-eine-neue-innovation-der-verlage\/\">Stellungnahme des VdS Bildungsmedien zur Meldung auf netzpolitik.org: &#8222;Der Schultrojaner \u2013 Eine neue Innovation der Verlage&#8220;.<\/a><\/p>\n<p>Und sie haben nicht v\u00f6llig unrecht damit: Ich glaube selber, dass auf Schulrechnern &#8211; hundert Leute nutzen eine gemneinsame Festplatte zum Speichern von Material &#8211; viel liegt, das dort nicht liegen darf, darunter jahrealtes Zeug, von dem keiner mehr wei\u00df, was es ist und wer es dorthin getan hat.<\/p>\n<p>Bei den Lehrerbloggern hat das viele Reaktionen hervorgerufen. Lesenswert ein <a href=\"http:\/\/herrlarbig.de\/2011\/11\/01\/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage\/\">offener Brief von Herrn Larbig<\/a> und vor allem <a href=\"https:\/\/widerspiegel.wordpress.com\/2011\/10\/31\/freie-inhalte-im-bildungswesen-statt-kampf-mit-einem-schultrojaner\/\">Martin Kurz im Widerspiegel<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Mein Senf:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was geschehen ist<\/strong>: die Exekutive hat wieder mal etwas unterschrieben, von dem sie keine Ahnung hat. Was mit Internetdings und so.<\/p>\n<p><strong>Was geschehen wird<\/strong>: die KMK wird zur\u00fcckrudern, war alles nicht so gemeint, und am Schluss kommt irgendetwas heraus, das daf\u00fcr sorgt, dass keiner sein Gesicht verlieren wird und jeder weiterwurschteln darf. Eventuell ein paar Extrakr\u00f6ten an die Verwertungsgesellschaften, so wie damals, als die &#8211; v\u00f6llig zurecht &#8211; Kinderg\u00e4rten f\u00fcrs Liedersingen abkassiert haben. So ist zwar das Recht, aber das soll niemandem so richtig bewusst werden.<\/p>\n<p><strong>Was geschehen m\u00fcsste<\/strong>: Endlich eine \u00c4nderung des Urheberrechts, zefix! Oder zumindest eine Einsicht, dass die n\u00f6tig ist. Das Urheberrecht ist so einschr\u00e4nkend, dass es die Entwicklung kultureller G\u00fcter und die aktive Teilnahme daran hemmt. (Gegenargument: dann m\u00fcssen alle K\u00fcnstler verhungern und wir haben gar keine Kultur mehr. Kann man diskutieren. Und das muss endlich mal diskutiert statt diktiert werden.) Au\u00dferdem ist es so undurchsichtig, dass B\u00fcrger nicht durchblicken und <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/cdu-politiker-vs-urheberrecht-netzgemeinde-spottet-ueber-kauders-foto-klau-1.1153195\">Politiker nicht<\/a> und <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2011\/borsenverein-geht-mit-urheberrechtsverletzung-gegen-diese-vor\/\">nicht der B\u00f6rsenverein des deutschen Buchhandels<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Was au\u00dferdem geschehen m\u00fcsste:<\/strong> Das, was Martin Kurz oben unter dem Link geschrieben hat. Freies, selbst erstelltes Bildungsmaterial. So wie bei <a href=\"http:\/\/www.oercommons.org\/\">OER Commons<\/a>. (Die habe ich per RSS abonniert und kriege immer Bescheid, wenn neues Material dort steht. Ist halt alles auf Englisch und trifft h\u00e4ufig auch nicht meine F\u00e4cher.) Oder auch gemeinsam erstellte offene Schulb\u00fccher. Ich glaube, was man dazu br\u00e4uchte, w\u00e4re ein gemeinsames <strong>Format<\/strong> f\u00fcr Unterrichtsmaterialien, wohl als XML-Format. Dann kann man das Material zentral anbieten oder vereinzelt, dann g\u00e4be es ein Youtube f\u00fcr Unterrichtsmaterial. F\u00fcr meine F\u00e4cher ist das jedenfalls gut m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(15 Kommentare.) Angefangen hat das gestern bei netzpolitik.org: Alle Bundesl\u00e4nder haben mit Schulbuchverlagen und Verwertungsgesellschaften vertraglich beschlossen, dass stichprobenartig an Schulen Schn\u00fcffelsoftware installiert wird, die die Schulrechner nach urheberrechtsbrechendem Material durchsuchen und Fundsachen nach Hause funken. Das ist aus Datenschutz- und technischen Gr\u00fcnden d\u00e4mlich, siehe Link. 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