{"id":3593,"date":"2012-01-15T09:32:36","date_gmt":"2012-01-15T08:32:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3593"},"modified":"2023-05-14T11:02:41","modified_gmt":"2023-05-14T09:02:41","slug":"hoer-und-lesetipp-lockdown-the-coming-war-on-general-purpose-computing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/01\/hoer-und-lesetipp-lockdown-the-coming-war-on-general-purpose-computing.htm","title":{"rendered":"H\u00f6r- und Lesetipp: Lockdown &#8211; the coming war on general-purpose computing"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/01\/hoer-und-lesetipp-lockdown-the-coming-war-on-general-purpose-computing.htm#comments'>15 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Lesetipp. Oder f\u00fcr Er\u00f6rterungen in der Schule als Grundlage. Oder \u00fcberhaupt f\u00fcr die Schule. Warum sind die Themen da so langweilig? Vor- und Nachteile von Fernreisen, oder vom Fernsehen (ja, das gibt&#8217;s immer noch) oder Internet, pffff.<\/p>\n\n\n\n<p>Also besser: <a href=\"http:\/\/boingboing.net\/2012\/01\/10\/lockdown.html\">Cory Doctorow, Lockdown &#8211; the coming war on general-purpose computing.<\/a> (Der Link f\u00fchrt zu einer leicht gestrafften englischen Textfassung eines Vortrags, den es auch als Videoaufnahme und als deren deutsche \u00dcbersetzung gibt. Links dazu <a href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/2012\/lockdown-the-coming-war-on-general-purpose-computing\/\">bei Netzpolitik<\/a>, wo ich auf den Vortrag aufmerksam gemacht wurde.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die These des Vortrags (und ja, der Vortrag ist nicht antithetisch; es ist nur in der Schule, wo wir antithetisches Argumentieren so in der Vordergrund r\u00fccken) ist die: der aktuelle Kampf um DRM (Digital-Rights-Management) und Software-Rechte (was darf ich mit meiner gekauften Musikdatei alles machen?) ist nur der Anfang; die n\u00e4chste Frage wird sein: Was werde ich mit meinem Computer machen d\u00fcrfen?<\/p>\n\n\n\n<center>*<\/center>\n\n\n\n<p>Dazu etwas Hintergrund, kann man \u00fcberspringen: <strong>Rechenmaschinen<\/strong> (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rechenmaschine\">Wikipedia<\/a>) gibt es seit der ersten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts. Das sind mechanische Maschinen, die zum Beispiel Zahlen addieren k\u00f6nnen. Man gibt ein paar Zahlen ein, dreht eine Kurbel, und kriegt das Ergebnis. Oder Multiplikationsmaschinen, oder Maschinen, die noch mehr Berechnungen ausf\u00fchren k\u00f6nnen. Aber das waren alles Maschinen, die f\u00fcr eine bestimmte Art oder bestimmte Arten von Berechnung gebaut wurden, und mit denen nur genau diese m\u00f6glich waren. Nachfolger dieser Maschinen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren elektrisch und nicht mehr nur mechanisch, aber auch nur zu bestimmten Berechnungen f\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<p>In den 1920er Jahren ging es in der Mathematik darum, was man \u00fcberhaupt alles berechnen kann, und wie man das formalisieren kann. (Vorsicht, bin Laie und kenne mich da wenig aus. Das ist aber spannender, als es vielleicht klingt.) So ab 1930 herum \u00fcberlegte sich Alan Turing dazu das Konzept der <strong>universellen Rechenmaschine<\/strong> oder Turing-Maschine. Das w\u00e4re eine Maschine, die anders als bisherige Rechenmaschinen nicht nur bestimmte Arten von Berechnungen ausf\u00fchren kann, sondern alle. Eine Turing-Maschine kann alles berechnen, was man \u00fcberhaupt berechnen kann.<br>Das ist das theoretische Standbein des modernen Computers. Computer sind genauso m\u00e4chtig wie Turing-Maschinen (aber auch nicht m\u00e4chtiger, weil es m\u00e4chtiger nicht geht). Das praktische Standbein des modernen Computers kommt aus der Ingenieurswissenschaft: Konrad Zuse baute sich die Z1 und sp\u00e4ter die Z3, den ersten programmierbaren Universalrechner, der eben alles berechnen konnte, was sich berechnen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist das selbstverst\u00e4ndlich, dass ein Computer eine Maschine ist, die praktisch alles kann. Deshalb kann ich auf meinem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:IPod_Nano_in_its_Dock.jpg&amp;filetimestamp=20060718110116\">uralten iPod<\/a> ja auch Doom installieren und spielen. Computer sollen und m\u00fcssen auch st\u00e4ndig neue Sachen berechnen, an die man vorher nie gedacht hatte. Man installiert st\u00e4ndig neue Software, und laufende Programme ver\u00e4ndern sich selber, und das Betriebssystem kriegt ein Update.<\/p>\n\n\n\n<center>*<\/center>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu Doctorow:<\/p>\n\n\n\n<p>Er beschreibt erst einmal sehr sch\u00f6n die Entwicklung des Versuchs, <strong>Software vor dem Kopieren<\/strong> zu sch\u00fctzen: zuerst war die Software verschl\u00fcsselt. Dazu musste man verhindern, dass jemand an den Schl\u00fcssel kommt. Dann musste man vebieten, dass dieser Schl\u00fcssel weitergegeben wurde. Dann musste man verbieten, dass man anderen sagte, wie man an solche Schl\u00fcssel kam. Und so immer weiter: verbieten, verbieten, verbieten. Man darf Verschl\u00fcsselungssoftware nicht analysieren, man darf verschl\u00fcsselte Software (also auch Musik) nicht illegal entschl\u00fcsseln, man darf anderen nicht sagen, wie das geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur dass das nicht funktioniert. Wer will, kann alles kopieren, basta.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sei aber nur der Anfang, so Doctorow. Im Moment m\u00f6chte eigentlich vor allem die Film-, Computerspiel- und Musikindustrie, dass ich mit meinem universellen Computer nicht alles machen darf, was ich mit meinem universellen Computer machen kann. (Und der Staat erl\u00e4sst Gesetze, die das bewirken sollen.) Bald werden andere Industrien dazu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sie alle werden sich w\u00fcnschen, <strong>dass bestimmte Programme nicht laufen d\u00fcrfen<\/strong> auf den Computern. Das geht aber nicht, weil diese Rechner nun mal universell sind. Das einzige, was man machen kann: man kann dem Benutzer verbieten, seinen Rechner als universelles Werkzeug zu benutzen. Man kann verbieten, andere Betriebssysteme aufzuspielen, man kann verbieten, sich anzuschauen, welche Prozesse gerade laufen, also was der Computer im Moment alles tut. Damit erteilt man dem Rechner aber die Lizenz, zu machen, was er will &#8211; also was seine Hersteller wollen, unkontrollierbar durch den Benutzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich einen neues Handy kaufe, habe ich in der Regel keine vollen Rechte auf dem System. Das hei\u00dft, ich kann auch nicht kontrollieren, was das Ding eigentlich tut. (Also, <em>ich<\/em> kann das sowieso nicht, weil ich mich damit nicht auskenne. Aber es reicht ja, dass es andere gibt, die dazu in der Lage sind.) Noch ist es allerdings erlaubt und relativ einfach m\u00f6glich, sich diese Rechte zu besorgen. Dann kann man theoretisch kontrollieren, was das Ding tut &#8211; insbesondere, was es vielleicht ohne Wissen des Benutzers tut.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das, so Doctorow, ist der n\u00e4chste Schritt nach dem DRM. Noch kann und darf man sich Root-Rechte auf seinem Kindle und seinem iPad verschaffen. Gilt das auch f\u00fcr meinen zuk\u00fcnftigen <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nik6bxZcm9Y\">3D-Drucker<\/a>? F\u00fcr mein elektronisches Schulbuch, T\u00fcrschloss, H\u00f6rger\u00e4t, Lesebrille, und was noch alles auf uns zukommt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(15 Kommentare.) Lesetipp. Oder f\u00fcr Er\u00f6rterungen in der Schule als Grundlage. Oder \u00fcberhaupt f\u00fcr die Schule. Warum sind die Themen da so langweilig? Vor- und Nachteile von Fernreisen, oder vom Fernsehen (ja, das gibt&#8217;s immer noch) oder Internet, pffff. Also besser: Cory Doctorow, Lockdown &#8211; the coming war on general-purpose computing. 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