{"id":3784,"date":"2012-05-17T17:44:13","date_gmt":"2012-05-17T15:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3784"},"modified":"2023-05-28T17:31:44","modified_gmt":"2023-05-28T15:31:44","slug":"ich-vernerde-zusehends","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/05\/ich-vernerde-zusehends.htm","title":{"rendered":"Ich vernerde zusehends."},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/05\/ich-vernerde-zusehends.htm#comments'>3 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><small>(Liegt daran, dass ich dieses Jahr nur Informatik und weder Deutsch noch Englisch unterrichte. Holt mich hier raus, ich bin ein Sprachenlehrer.)<\/small><\/p>\n\n\n\n<p>Andere Leute programmieren Tischfu\u00dfball oder Pacman in Inform 7, da habe ich mich mal an einfach verkettete Listen gemacht (unter Benutzung des Kompositum-Entwurfsmusters). Das metaphorische Modell: Es gibt einen Karawanenf\u00fchrer, der hinter sich ein Karawanentier f\u00fchrt. Das kann entweder ein Esel sein; der bildet den Schluss jeder Karawane und kann keine gro\u00dfen Lasten tragen. Oder es ist ein Kamel. Jedes Kamel tr\u00e4gt eine Last und hat hinter sich wieder ein Karawanentier &#8211; einen Esel (dann ist die Karawane zu Ende) oder ein weiteres lasttragendes Kamel, das wiederum als Nachfolger&#8230; und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klassen sind dabei schnell und einfach angelegt:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">A piece of baggage is a kind of thing. The plural of piece of baggage is pieces of baggage.<br><br>A caravan member is a kind of animal. [Oberklasse Listenelement]<br>A caravan member has a caravan member called the successor. [Nachfolger-Attribut]<br><br>A camel is a kind of caravan member. [Klasse Knoten]<br>A camel has a piece of baggage called the load. [Attribut Datenelement]<br><br>A donkey is a kind of caravan member. [Klasse Abschluss]<br><br>A caravan organizer is a kind of man.<br>A caravan organizer has a caravan member called the leader. [Anfangs-Attribut]<\/pre>\n\n\n\n<p>Allerdings werden bei Inform eigentlich keine Objekte zur Laufzeit angelegt; alle m\u00fcssen schon vorher da sein. Es gibt also keine Konstruktormethoden, die man w\u00e4hrend der Laufzeit aufrufen k\u00f6nnten. Die Erweiterung &#8222;Dynamic Objects&#8220; von Jesse McGrew schafft da Abhilfe &#8211; es geht also doch, bis irgendwann der Speicher volll\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Implementiert habe ich bisher nur: vorne einf\u00fcgen, hinten einf\u00fcgen, Anfang oder Ende geben (und aus der Liste entfernen), beliebiges Element suchen und geben (und aus der Liste entfernen). Au\u00dferdem L\u00e4nge geben und Inhalt ausgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es fehlen noch etliche Methoden, aber im Prinzip ist alles machbar. Nat\u00fcrlich stellt die Sprache selber auch schon Listen zur Verf\u00fcgung, wenn man eine Liste f\u00fcr irgendetwas benutzen wollte, n\u00e4hme man nicht meine Karawane. Und ich will auch nicht, dass Sch\u00fcler in Inform Listen programmieren, das ist doch etwas &#8211; uh &#8211; arg weit hergeholt. Und umst\u00e4ndlich; f\u00fcr so etwas ist Inform nicht gemacht. Aber um mich vertraut zu machen mit der Sprache war das eine sch\u00f6ne Finger\u00fcbung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Ausprobieren f\u00fcr Freunde des Absurden: <strong><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/inform7\/linkedlists\/play.html\">Linked Lists,<\/a> meine Karawane in Inform 7.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine ernste Kern hinter dem Gedanken: Metaphern und Visualisierung spielen in der Informatikdidaktik eine wichtige Rolle. Man stellt sich die abstrakten Konzepte immer irgendwie vor. Das Oldenbourg-Buch (Brichzin, Freiberger, Reinold, Wiedemann) etwa veranschaulicht einfach verkettete Listen mit einer Reihe von M\u00e4nnern (=Knoten der Liste), die jeweils einen Dackel spazieren f\u00fchren (=das Datenelement). Ich selber habe es mit Flaschengeistern versucht. Zu beiden Konzepten gibt es Pr\u00e4sentationen und Animationen zur Veranschaulichung und Visualisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Frage und Vermutung: Kann man das nur visualisieren \u00fcber eine Pr\u00e4sentation\/Animation\/Trickfilm, oder nicht auch \u00fcber einen Text, den man liest? Klar, gedruckter Text ist nicht sehr visuell. Andererseits&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir im Didaktik-Business unterscheiden (nach Bruner) die <strong>enaktive Repr\u00e4sentation<\/strong> von Sachverhalten. Das hei\u00dft so viel wie Verstehen durch Begreifen, Anfassen, mit etwas Umgehen.<br>Dann gibt es die <strong>ikonische Repr\u00e4sentation<\/strong> von Sachverhalten: als bildliche Darstellung. Dazu geh\u00f6ren Pr\u00e4sentationen, Videofilme, Fotos, die etwas darstellen sollen. Und zuletzt gibt es die <strong>symbolische Repr\u00e4sentation:<\/strong> der Sachverhalt wird nicht als Spielzeug begreifbar gemacht, und nicht als Bild gezeigt, sondern nur als Symbol gezeigt. Sprache ist unter diesem Aspekt betrachtet immer symbolische Repr\u00e4sentation von au\u00dfersprachlichen Dingen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Addition kann man enaktiv darstellen (mit bunten Steinen spielen lassen), eine Liste auch (die Sch\u00fcler stellen sich auf und zeigen auf ihren Nachfolger).<\/li>\n\n\n\n<li>Addition kann man ikonisch darstellen (Bilder von \u00c4pfeln), eine Liste auch (Bilder von M\u00e4nnern mit Hund hintereinander).<\/li>\n\n\n\n<li>Addition kann man symbolisch darstellen (Summenzeichen), Listen auch (Objekt- oder gar Klassendiagramm).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Im Unterricht sollte man m\u00f6glichst viele dieser Repr\u00e4sentationsebenen ansprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gibt es in der Folge von Bruner weitere Repr\u00e4sentationsformen. Die <strong>semi-enaktive<\/strong> kennen wir aus dem Chemieunterricht: der Lehrer macht es vor, die anderen schauen zu. Und dann gibt es im Informatikunterricht auch die <strong>virtuell-enaktive<\/strong> Repr\u00e4sentation: Robot Karol etwa, ein auf den Bildschirm gezeichneter Roboter, den man mit Befehlen und Tasten manipulieren kann. Die Manipulation ist es, die das Enaktive ausmacht, nur dass man den Roboter eben nicht selber in die Hand nimmt, sondern mit der Tastatur befingert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ist das nicht auch so mit Interactive Fiction? Die besteht nur aus Text, symbolischer Repr\u00e4sentation. Aber es ist Text, den man in die Hand nehmen und untersuchen kann (<code>take the box, open the box, examine the box, close it<\/code>); Text, in dem man sich selbstst\u00e4ndig und frei bewegen kann (<code>go east, north, enter the dungeon<\/code>). Ist das nicht auch irgendwie enaktiv?<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich alles schon l\u00e4ngst mal untersucht, ich bin ja fast zwanzig Jahre raus aus der Didaktik. Aber es nagt das Gef\u00fchl an mir, dass <strong>Text zum Anfassen<\/strong> &#8211; meine eigene Definition von Interactive Fiction &#8211; noch unerforschte M\u00f6glichkeiten bietet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(3 Kommentare.) (Liegt daran, dass ich dieses Jahr nur Informatik und weder Deutsch noch Englisch unterrichte. Holt mich hier raus, ich bin ein Sprachenlehrer.) Andere Leute programmieren Tischfu\u00dfball oder Pacman in Inform 7, da habe ich mich mal an einfach verkettete Listen gemacht (unter Benutzung des Kompositum-Entwurfsmusters). 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