{"id":38,"date":"2004-06-10T09:42:57","date_gmt":"2004-06-10T07:42:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/06\/moderne-sagen-i.htm"},"modified":"2023-05-24T10:21:34","modified_gmt":"2023-05-24T08:21:34","slug":"moderne-sagen-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/06\/moderne-sagen-i.htm","title":{"rendered":"Moderne Sagen I"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/06\/moderne-sagen-i.htm#comments'>5 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Ich sollte mehr Sch\u00fcleraufs\u00e4tze aufheben. Aber dann denke ich doch nie daran. Der hier stammt von Stephanie, 6. Klasse (Schuljahr 1999\/2000). Wir hatten Sagen im Unterricht besprochen, und selber moderne Erkl\u00e4rungssagen geschrieben. In der Schulaufgabe sah das zum Beispiel so aus: &#8222;Im Norden von F\u00fcrstenfeldbruck gibt es eine Stra\u00dfe, die hei\u00dft: &#8218;Am Kugelfang&#8216;. Man erz\u00e4hlt sich eine Geschichte, wie diese Stra\u00dfe zu ihrem Namen kam. Schreibe diese Geschichte!&#8220;<br>Bei den \u00dcbungen sahen wir uns im Schulgeb\u00e4ude um, was es da wohl Erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftiges gab:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Experiment<\/h4>\n\n\n\n<p>Im Chemieraum gibt es einen gro\u00dfen, roten Fleck, an der Wand. Er soll von einem Experiment kommen. Warum ein Lehrer dieses Experiment machte und weshalb dieser rote Fleck immer noch da ist, erz\u00e4hlt folgende Geschichte:<\/p>\n\n\n\n<p>An einem verregneten Montagmorgen hatte die Klasse 9c Chemie in der ersten Stunde. Herr Sugel, ihr Lehrer, wollte ihnen zeigen, wie ungef\u00e4hrlich Chemie war, wenn man nur die richtigen Extrakte und Fl\u00fcssigkeiten verwendete. Und wie recht er damit hatte&#8230; Als nun die Stunde begann, kam er mit einem Wagen voller Reagenzgl\u00e4ser und Flaschen herein. Alle waren mit verschiedenfarbigen Fl\u00fcssigkeiten gef\u00fcllt. Er stellte den Wagen neben den Tisch, setzte sich hin und sagte mit seiner lauten Stimme: &#8222;Guten Morgen und setzen! Heute&#8230;&#8220;, er machte eine gewichtige Pause, &#8222;will ich euch zeigen, dass die Chemie sehr ungef\u00e4hrlich ist, wenn man mit den verschiedenen Fl\u00fcssigkeiten und Extrakten umgehen kann.&#8220; Er ging in seiner beh\u00e4bigen Art zu dem Wagen und baute drei kleine Flaschen auf dem Pult auf, und holte noch einen gr\u00f6\u00dferen Glasbeh\u00e4lter.<\/p>\n\n\n\n<p>Er warf den Campingkocher an, f\u00fcllte den Glasbeh\u00e4lter etwas mit Wasser und stellte ihn auf den Kocher. &#8222;Nun,&#8220; rief er, &#8222;sch\u00fctte ich das gelbe Extrakt in das Wasser. Dann m\u00fcssen wir warten, bis es kocht, und k\u00f6nnen die orange Fl\u00fcssigkeit dazugeben.&#8220; Die Sch\u00fcler schauten gelangweilt zu oder besch\u00e4ftigten sich mit etwas anderem. &#8222;Wenn es nun kocht,&#8220; begann Herr Sugel wieder, &#8222;geben wir die orange Fl\u00fcssigkeit hinein und m\u00fcssen diese vorsichtig umr\u00fchren. Dann gebe ich auch noch die rote Fl\u00fcssigkeit Polorose dazu.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch als er das Polorose dazugegeben hatte, fing das Gebr\u00e4u pl\u00f6tzlich an zu brodeln und zu zischen. Es bildeten sich gro\u00dfe Blasen auf der Oberfl\u00e4che. Herr Sugel blickte erschrocken auf und auch die Sch\u00fcler schauten verdutzt. Das ganze Gemisch brodelte, zischte und dampfte. Bei Herrn Sugel bildeten sich Schwei\u00dfperlen auf der Stirn. Er begann zu gr\u00fcbeln&#8230; er hatte doch nichts Falsches dazugegeben? Da traf es ihn pl\u00f6tzlich wie der Blitz: Nat\u00fcrlich, er hatte die rote Fl\u00fcssigkeit Habag in das Poloroseglas getan, weil er kein anderes mehr hatte. Und jetzt war in dem Gemisch nicht Polorose, sondern Habag! &#8222;Oh Gott, wenn das rauskommt, bin ich meinen Job los!&#8220;, erschrak Herr Sugel. Als er sich wieder seinem Glas zuwandte, bekam er gro\u00dfe Augen. Mittlerweise h\u00fcpfte das Glas schon regelrecht auf dem Kocher. Herr Sugel wurde es hei\u00df und kalt. &#8222;Wenn ich nicht gleich etwas unternehme, geht das Glas in die Luft!&#8220;, schoss es ihm durch den Kopf. Er wollte schon zum Kocher langen und das Gas abdrehen, da machte es einen gewaltigen Knall, Herr Sugel sprang unter das Pult, ein paar Sch\u00fcler schrien auf, rote Tropfen spr\u00fchten. Dann konnte er nichts mehr sehen, denn walles war eingenebelt. Als er nach kurzer Zeit wieder hervorkam, waren einige Sch\u00fcler immer noch nicht hinter ihren B\u00e4nken hervorgekommen. Aber Gott sei Dank war niemandem etwas passiert. Im vorderen Raum waren rote Spritzer und Flecken. Da kamen ein paar Lehrer zur T\u00fcr hereingest\u00fcrmt und blieben wie angewurzelt stehen. Die Frage: &#8222;Was ist denn passiert?&#8220;, konnten sie sich ersparen. Sie konnten es sich denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klasse 9c bekam f\u00fcr den Rest des Tages frei. Herr Sugel kam mit einer Ermahnung davon. Ein paar Wochen sp\u00e4ter strich man den Chemieraum neu. Man konnte alle Spritzer und Flecken \u00fcbermalen, bis auf einen gro\u00dfen roten Fleck. Und diesen Fleck sieht man heute noch.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Florian, die gleiche Klasse, das gleiche Jahr:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die verfluchten Steine des Graf-Rasso-Gymnasiums<\/h4>\n\n\n\n<p>In F\u00fcrstenfeldbruck gibt es eine Schule namens Graf-Rasso-Gymnasium. Die meisten Lehrer dort sind sehr nett, aber dies war nicht immer so&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor etwa f\u00fcnfzig Jahren war Graf Rasso Direktor dieser Schule. Zu dieser Zeit wurden die Sch\u00fcler von den Lehrern teilweise brutal misshandelt. Graf Rasso war ein Gegner dieser Bestrafungen, doch er konnte sich nicht durchsetzen. Auch seine kleine Tochter Elena besuchte dieses Gymnasium. Obwohl ihre Mutter bereits gestorben war und ihr Vater sie zwar liebte,. aber doch nur sehr wenig Zeit f\u00fcr sie hatte, war sie eine sehr gute und flei\u00dfige Sch\u00fclerin. Doch immer, wenn der Todestag ihrer Mutter nahte, war sie sehr traurig und konnte sich nicht konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages hatte sie ihre Hausaufgaben in Deutsch vergessen. Ihr Lehrer tobte vor Wut. Um alle Kinder zu warnen, lie\u00df er Elena zum Pult vortreten. &#8222;Glaubst du, nur weil du die Tochter des Direktors bist, kannst du dich auf die faule Haut legen?&#8220; Seine Stimme \u00fcberschlug sich fast vor Zorn. Elena sah ihm mit aufgerissenen Augen zu. Sie zitterte am ganzen Leib vor Angst. &#8222;Bitte,&#8220; fl\u00fcsterte sie und hob ihre kleinen H\u00e4nde. Der Lehrer schien sie nicht zu h\u00f6ren. &#8222;Dir werde ich zeigen, wie weit du damit kommst!&#8220;, br\u00fcllte er und hob den Stock. Elena schrie auf, als der Lehrer sie schlug. Bevor der Tobende ein zweites Mal zuschlagen konnte, rannte sie aus dem Zimmer. Sie lief, als ginge es um ihr Leben. Ziellos, stolpernd rannte sie. Zweige schlugen ihr ins Gesicht, doch sie bemerkte es nicht. V\u00f6llig am Ende st\u00fcrzte Elena und blieb am Boden liegen. Die Tr\u00e4nen liefen ihr \u00fcber die Wange. Verzweifelt krallte sie ihre Finger fest in die Erde. &#8222;Man hat dir unrecht getan, mein Kind,&#8220; h\u00f6rte sie pl\u00f6tzlich die klare Stimme ihrer geliebten Mutter. &#8222;Nie wieder soll ein Kind in der Schule geschlagen werden! Die Sch\u00fcler sollten gern in die Schule gehen und Freude am Lernen haben. Hier hast du eine Hand voll Steine. Wenn du zur\u00fcckkommst, wirf die Steine mit deiner ganzen Kraft an die Hauswand der Schule. Du wirst sehen, was geschieht. Aber f\u00fcrchte dich nicht!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als Elena aufschaute, sah sie das Grab ihrer Mutter. Verwirrt rief sie ihren Namen. &#8222;Geh jetzt! Dreh dich nicht um und sag deinem Vater, dass alles gut wird.&#8220; Als das M\u00e4dchen wieder zur Schule zur\u00fcckgekehrt war, wusste sie nicht, ob sie die ganze Geschichte getr\u00e4umt hatte. Doch dann sp\u00fcrte sie etwas Hartes in ihrer Hand. Als sie die Faust \u00f6ffnete, sah sie drei Steine. Da tat sie das, was ihre Mutter ihr gesagt hatte. Mit voller Wucht warf sie die Steine auf die Mauer des Schulgeb\u00e4udes. Pl\u00f6tzlich zog ein Sturm auf, ein Sturm, wie man ihn noch nie erlebt hatte. Der Regen peitschte und aus den dunklen Wolken kamen lange Blitze. Elena lief schnell nach Hause zu ihrem Vater und erz\u00e4hlte ihm die ganze Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sturm war die ganze Nacht \u00fcber zu h\u00f6ren. Am n\u00e4chsten Morgen war etwas Merkw\u00fcrdiges geschehen. Die alten Lehrer waren verschwunden. An ihrer Stelle kamen neue, freundliche Lehrer. Graf Rasso lie\u00df sich von seiner Tochter die Stelle zeigen, wo sie die Steine an die Schulwand geworfen hatte. Nicht weit entfernt sah er sie liegen. Doch was war das? Sie waren viel gr\u00f6\u00dfer als vorher und als Graf Rasso sie n\u00e4her betrachtete, erschrak er f\u00fcrchterlich. In den Steinen konnte er die Gesichter der alten Lehrer entdecken, und er h\u00f6rte sie um Hilfe schreien. Graf Rasso hub neben den Steinen eine Grube aus, um sie endg\u00fcltig loszuwerden. Doch so sehr er sich auch bem\u00fchte, er konnte sie nicht bewegen. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte er die Stimme seiner Frau: &#8222;Sie werden alle zuk\u00fcnftigen Lehrer mahnen, zu den Sch\u00fclern freundlich zu sein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Grube ist mit den Jahren ein Teich geworden. Ja, und die Steine liegen immer noch da, als Mahnmal f\u00fcr alle Lehrer. Wenn man dicht genug herantritt, kann man die alten Lehrer immer noch fluchen h\u00f6ren. Und wenn man ganz genau hinschaut, bewegt sich der eine oder andere Steine auch noch.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(5 Kommentare.) Ich sollte mehr Sch\u00fcleraufs\u00e4tze aufheben. Aber dann denke ich doch nie daran. Der hier stammt von Stephanie, 6. Klasse (Schuljahr 1999\/2000). Wir hatten Sagen im Unterricht besprochen, und selber moderne Erkl\u00e4rungssagen geschrieben. In der Schulaufgabe sah das zum Beispiel so aus: &#8222;Im Norden von F\u00fcrstenfeldbruck gibt es eine Stra\u00dfe, die hei\u00dft: &#8218;Am Kugelfang&#8216;. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[101,195,5,15],"tags":[231,123,73],"class_list":["post-38","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-deutsch","category-lieblingseintraege","category-schule-mal-gemacht","category-was-schueler-koennen","tag-deutsch","tag-sagen","tag-schuelertexte"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57556,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38\/revisions\/57556"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}