{"id":3807,"date":"2012-06-09T13:58:18","date_gmt":"2012-06-09T11:58:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3807"},"modified":"2022-07-23T08:17:28","modified_gmt":"2022-07-23T06:17:28","slug":"buecher-der-letzten-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/06\/buecher-der-letzten-zeit.htm","title":{"rendered":"B\u00fccher der letzten Zeit"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/06\/buecher-der-letzten-zeit.htm#comments'>6 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><strong>Susanne Picard, <em>Die Leichen des jungen Werther.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Leichen-jungen-Werther-Susanne-Picard\/dp\/3833222565\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1339240863&amp;sr=8-1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3808\" style=\"float: left; margin-right: 10px;\" title=\"picard_werther\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/picard_werther.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/picard_werther.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/picard_werther-95x150.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Zombies hatte man in den letzten zehn Jahren ja sehr. Der Ausgangspunkt sind f\u00fcr mich die beliebten Computerspiele des Urban-Horror-Genre. F\u00fcr solche Spiele sind klassische Zombies ideale Gegner: sie bewegen sich langsam, stellen keine gro\u00dfen Anforderungen an die zu programmierende k\u00fcnstliche Intelligenz, und man darf auf sie mit Schrotflinten schie\u00dfen, weil es ja Zombies und keine Menschen sind. Im Zuge der Spiele gab es dann auch verfilmte Spiele, neue Filme, Comics und B\u00fccher, etwa 2003 den <em>Zombie Survival Guide<\/em>. Und eben auch solche Sachen wie <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/05\/pride-and-prejudice-and-zombies.htm\">Zombies bei Jane Austen<\/a>, viktorianische Zombies, Abraham Lincoln als Vampirj\u00e4ger und auch deutsche Abenteuer: <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Winnetou-unter-Werw%C3%B6lfen-Karl-May\/dp\/3492267726\/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1339237480&amp;sr=1-1\">Winnetou unter Werw\u00f6lfen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Sissi-Die-Vampirj%C3%A4gerin-Scheusalsjahre-Kaiserin\/dp\/3833222549\/ref=wl_it_dp_o_pC_S_nC?ie=UTF8&amp;colid=25SA3B80RNUG8&amp;coliid=I1Z83LX3FHTCPF\">Sissi, Die Vampirj\u00e4gerin: Scheusalsjahre einer Kaiserin<\/a>.<\/p>\n<p>Eins davon habe ich mir, quasi dienstlich, angeschaut: <em>Die Leichen des jungen Werther.<\/em> Hm, ja. Die Perspektive eines Sch\u00fcler w\u00fcrde mich interessieren. Kommt das gut an bei Sch\u00fclern? Ist danach die Lekt\u00fcre des originalen <em>Werther<\/em> interessanter oder gar gewinnbringender? Letzteres kann ich mir vorstellen. Die Reihenfolge andersherum, erst den <em>Werther<\/em>, dann die <em>Leichen<\/em>, kann ich weniger empfehlen. Als Roman selber war es f\u00fcr mich nicht interessant genug, f\u00fchlte sich an wie ein Buch-zum-Film, und f\u00fcr 280 Seiten war mir auch zu wenig Handlung; ich habe dann auch gro\u00dfz\u00fcgig den Mittelteil ausgelassen und bin erst wieder f\u00fcr die letzten zwanzig Seiten eingestiegen. Das Original auf 280 Seiten w\u00e4re f\u00fcr mich aber auch nicht besser.<br \/>\nAls Antwort auf <em>Werther<\/em> ist es leider auch nicht interessanter. Die Pr\u00e4misse: Werther wird nach Wahlheim versetzt und soll eigentlich merkw\u00fcrdige Vorf\u00e4lle von Vieht\u00f6tungen aufkl\u00e4ren. Stattdessen verliebt er sich in den oh so blassen Teint von Lotte.<\/p>\n<hr style=\"clear: both; width: 50%;\" \/>\n<p><strong>Wolfgang Herrndorf, <em>Sand.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Sand-Wolfgang-Herrndorf\/dp\/3871347345\/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1339240908&amp;sr=1-1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3809\" style=\"float: left; margin-right: 10px;\" title=\"herrndorf_sand\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/herrndorf_sand.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/herrndorf_sand.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/herrndorf_sand-90x150.jpg 90w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Hat mir gut gefallen. Der <em>Der Name der Rose<\/em> ist ein postmoderner Krimi, in dem der Leser durch ein Labyrinth von r\u00e4tselhaften Szenen geschleift wird, die zum Schluss eben doch noch ihre traditionelle Aufl\u00f6sung erfahren. <em>Sand<\/em> ist ein &#8211; von mir aus postmoderner &#8211; Abenteuerroman, in dem Held und Leser durch ein Labyrinth abenteuerlicher Szenen gehetzt werden, die am am Schluss nicht mehr alle aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Spannend, wenn auch einen Tick zu lang. Einmal den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/MacGuffin\">MacGuffin<\/a> auf bl\u00f6de Weise verlieren, das geht ja noch, aber dreimal kurz hintereinander, das sieht nach Absicht aus.<\/p>\n<p>Und dann hatte ich noch ein Problem beim Lesen, aber da wei\u00df ich nicht, ob das an mir oder am Buch lag. Ich las das Buch durch die Brille eines Autors von <em>Interactive Fiction<\/em>, Textadventures. Ging nicht anders, tut mir leid, aber mein Kopf ist zur Zeit nun mal voll davon. Die Schl\u00fcsselszene, am Ende der Exposition sozusagen, war f\u00fcr mich die: der Held wacht auf und wei\u00df erst mal nicht, wo er ist und wer er ist. Eine typische Textadventure-Startposition. Schaut sich erst mal an. Dann um. Ein Dachboden, ein paar Gegenst\u00e4nde werden beschrieben. Er schaut sie sich der Reihe nach an. Dann entdeckt er ein Loch im Boden, aber es geht zu tief nach unten. Sucht die Leiter. Die Leiter musst erst geschickt manipuliert werden, bevor er nach unten kann. &#8212; So ging es mir mit einer Reihe von Szenen. Wie w\u00fcrde ich die im Spiel umsetzen? Erstaunlich leicht, schien es mir oft. Was f\u00fcr ein Spiel w\u00fcrde daraus entstehen? Denn im Roman hat die Hauptfigur keine Auswahlm\u00f6glichkeit, er tut, was er tut, und die Handlung wird dadurch beeinflusst. Im Spiel kann der Spieler, und damit die Spielerfigur, seine Handlungen w\u00e4hlen, und wenn man diese Freiheit zu sehr einschr\u00e4nkt, wird tats\u00e4chlich nur eine herk\u00f6mmliche Geschichte daraus. Aber das ist mir alles noch nicht ganz klar.<\/p>\n<hr style=\"clear: both; width: 50%;\" \/>\n<p><strong>Aaron A. Reed, <em>Creating Interactive Fiction With Inform 7.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Creating-Interactive-Fiction-Inform-7\/dp\/1435455061\/ref=sr_1_cc_1?s=aps&amp;ie=UTF8&amp;qid=1339240953&amp;sr=1-1-catcorr\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3810\" style=\"float: left; margin-right: 10px;\" title=\"reed_inform\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/reed_inform.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/reed_inform.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/reed_inform-119x150.jpg 119w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>450 Seiten, daran habe ich lange gelesen. Wer&#8217;s nicht mitgekriegt hat: meine letzte Marotte ist das Schreiben von Textadventures mit der Programmiersprache Inform 7. Ich hatte zuvor schon das <a href=\"http:\/\/www.musicwords.net\/if\/i7hb.htm\"><em>Inform 7 Handbook<\/em> von Jim Aikin<\/a> gelesen, dazu das erste Drittel der sehr umfangreichen Dokumentation in der Entwicklungsumgebung, und <a href=\"http:\/\/www.plover.net\/~pscion\/Inform%207%20for%20Programmers.pdf\"><em>Inform for Programmers<\/em> von Ron Newcomb<\/a>. Grundwissen war also schon da, aber das ist gar nicht so n\u00f6tig, Reed macht einem den Einstieg leicht.<\/p>\n<p>Ein erstes Kapitel erkl\u00e4rt, was Interactive Fiction ist, f\u00fcr welche Art Geschichten das geeignet ist und f\u00fcr welche nicht. Dann stellt Reed ein Konzept f\u00fcr ein Spiel vor: die ausf\u00fchrliche Beschreibung des Spiels, wie es am Schluss dastehen soll, und wie man es sich vor dem Schreiben eines Spiels anlegen sollte. Reeds Beispiel-Geschichte hei\u00dft &#8222;Sand-dancer&#8220;; der Quelltext zu den einzelnen Kapiteln steht &#8211; falls man ihn nicht abtippen m\u00f6chte &#8211; jeweils im Web.<br \/>\nIn den weiteren Kapiteln wird nach und nach dieses Spiel programmiert. Das erste Drittel sind die Grundlagen: Gegenst\u00e4nde und Schaupl\u00e4tze anlegen und erste einfache R\u00e4tsel. Im zweiten Drittel geht es um das, was am ehesten an traditionelle Programmierung erinnert: spezielles Verhalten von Objekten und Nichtspielercharakteren. Das letzte Drittel enth\u00e4lt weitere Manipulationen der Spielumgebung und Feinheiten zum Abschluss und zur Ver\u00f6ffentlichung von Spielen, zur Rolle von Betatestern und zum Debuggen.<br \/>\nGut, aber sp\u00e4rlich, sind die kleinen &#8222;Programmer&#8217;s Notes&#8220; zwischendurch, die jemandem, der vom traditonellen Programmieren kommt, einige Inform-Konzepte auf technischere Weise erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Insgesamt sehr gut. Es stecken noch viele Einmerker im Buch an Stellen, die ich mir sp\u00e4ter noch einmal anschauen muss. Auch wenn sich Reed auf die wichtigsten Funktionen beschr\u00e4nkt, waren mir manche Punkte zuviel beim ersten Durchgang. Ich habe nebenbei nat\u00fcrlich immer wieder programmiert, bis mir der Kopf geschwurbelt hat vor Code. In manchen Kapiteln werden Objekte mit dem bisher vermittelten Wissen vorbereitet f\u00fcr sp\u00e4tere Kapitel; mir w\u00e4re es lieber gewesen, die Vorbereitung auch auf sp\u00e4ter zu verlegen, aber das ist vielleicht Geschmackssache. Ein dickes Plus auf jeden Fall f\u00fcr die Kapitel zu Erz\u00e4hlweise bei Interactive Fiction &#8211; welche \u00c4quivalente es zu Exposition, steigender Handlung, fallender Handlung und so weiter gibt. Aber da werden mir sicher die zwei B\u00fccher noch mehr sagen, die ich mir im Zuge der Reed-Lekt\u00fcre besorgt habe: <em>Hamlet on the Holodeck. The Future of Narrative in Cyberspace<\/em> von Janet H. Murray und die Anthologie <em>Second Person. Role-Playing and Story in Games and Playable Media<\/em> von Pat Harrigan und Noah Wardrip-Fruin.<\/p>\n<div style=\"clear: both;\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(6 Kommentare.) Susanne Picard, Die Leichen des jungen Werther. Zombies hatte man in den letzten zehn Jahren ja sehr. Der Ausgangspunkt sind f\u00fcr mich die beliebten Computerspiele des Urban-Horror-Genre. 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