{"id":3859,"date":"2012-07-27T20:36:40","date_gmt":"2012-07-27T18:36:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3859"},"modified":"2012-07-31T06:28:11","modified_gmt":"2012-07-31T04:28:11","slug":"ferien-also-fast-jedenfalls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/07\/ferien-also-fast-jedenfalls.htm","title":{"rendered":"Ferien!!! Also fast jedenfalls."},"content":{"rendered":"<p>Gestern und heute fanden an meiner Schule die Projekttage statt, die sich an Bayerns Schulen zum Schuljahresende etabliert haben. Diesmal sollte es etwas anders werden, wurde es auch, liebevoll letztlich von den Verbindungslehrern zusammen mit Sch\u00fclern vorbereitet: Schule als Staat, wenn auch als zweit\u00e4gige Schwundstufe. Dazu geh\u00f6ren eine eigene W\u00e4hrung (mit festem Wechselkurs), ein paar Regeln und Gesetze und Staatsangestellte (Polizei, Gericht), aus Pro-Kopf-Steuern finanziert. <\/p>\n<p>Aus Zeitgr\u00fcnden gab es keine Legislative und keine gew\u00e4hlte Regierung, die in anderen Formen dieses Projekts, f\u00fcr das mehr Tage zur Verf\u00fcgung stehen, sehr wohl vorgesehen sind. Ansonsten waren alle Klassen aufgefordert, sich zu \u00fcberlegen, was f\u00fcr Dienstleistungen oder Produkte sie anbieten k\u00f6nnten &#8211; gegen Geld. Diese eigene W\u00e4hrung war dann wohl auch der Motor des Projekttags, m\u00f6glicherweise mehr, als das mit echtem Geld der Fall gewesen w\u00e4re. Zu den Angeboten z\u00e4hlten nat\u00fcrlich wie immer Kaffee und Kuchen und S\u00e4fte und Gegrilltes in der Semmel, was ich alles immer etwas phantasielos finde. Aber diesmal war immerhin klarer als sonst, dass man sich auch gegen Konkurrenz behaupten musste, Werbung treiben musste, sich um Kunden bem\u00fchen musste. Und nat\u00fcrlich gab es auch Agenturen, die Werbung anboten; Lautsprecherdurchsagen und Einblendungen auf dem Beamer in der Aula konnten gekauft werden. Kunden waren die anderen Sch\u00fcler, Lehrer und Eltern, die alle eingeladen waren zu kommen.<\/p>\n<p>Von Anfang an gab es nat\u00fcrlich auch Rebellen. Pl\u00e4ne von Falschgeld und Bank\u00fcberf\u00e4llen, das Aussteigen aus dem System, im Verlauf des Projekts dann auch Kritik an der Sch\u00fcler-Polizei, die selbst bei als harmlos erachteten Verst\u00f6\u00dfen (Trinken an verbotenen Orten; bei Facebook scherzhaft angek\u00fcndigte Bank\u00fcberf\u00e4lle) eingriff und die m\u00f6glichen T\u00e4ter vor den Richter brachte.<\/p>\n<p>So sah das in der Aula aus:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/juli2012_2.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"550\" height=\"413\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/p>\n<p>Drei Projekte gab es (neben Werbung, Gerichtswesen und \u00e4hnlicher Infrastruktur), die mir besonders gefallen haben. Zum einen das Reinigen von Autos. Fensterwaschen und Aussaugen mit dem Staubsauger, glaube ich &#8211; ich habe das selber nicht mitgekriegt, da ich kein Auto habe. Aber von den Kollegen hat man nur Gutes geh\u00f6rt, und der Preis f\u00fcr diese Dienstleistung stieg im Lauf der beiden Tage auch kontinuierlich an. <\/p>\n<p>Ganz toll fand ich selber das Schuhputzen. In der Luxusvariante gab es eine Tasse Kaffee oder Wasser dazu, einen Keks, man bekam Luft zugef\u00e4chelt und nat\u00fcrlich auch die Schuhe geputzt. W\u00e4hrenddessen konnte man in den Magazinen neben dem Stuhl bl\u00e4ttern (Spiegel, MAD) oder Konversation mit dem Schuhputzer treiben. Was soll ich sagen &#8211; meine Schuhe konnten tats\u00e4chlich eine Reinigung gebrauchen, und danach waren sie ganz hervorragend geputzt.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein Foto von mir im Sessel h\u00e4tte ich Geld gezahlt, es war aber kein Fotograf da &#8211; auch eine Gesch\u00e4ftsidee f\u00fcr die Zukunft. Vielleicht kommt trotzdem noch eines; eine Sch\u00fclermutter wollte mir eines mailen, daf\u00fcr gab ich den Sch\u00fclern auch besonders viel Trinkgeld.<\/p>\n<p>Hier das Team bei einer kurzen Pause:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/juli2012_1.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"413\" height=\"550\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/p>\n<p>Ja, und dann kam mir auch das Taxi zupass, als ich im hintersten Winkel des Schulgeb\u00e4udes war, nicht zum ersten Mal an diesem hei\u00dfen, hei\u00dfen Tag, und ins Lehrerzimmer wollte &#8211; im weitestm\u00f6glich entfernten Fleckchen Schule. Das Taxi: ein Stuhl mit Rollen unten dran, geschoben von einem Sch\u00fcler mit Schl\u00fcssel zum Aufzug. Geringe Investitionskosten und viel Kundschaft.<\/p>\n<p>War das jetzt Kinderarbeit? Ausnutzen von Sch\u00fclern? Ich glaube nicht. Es waren jedenfalls Dienste, die angeboten und gerne angenommen wurden, und damit himmelweit entfernt von den Kuchen, die regelm\u00e4\u00dfig im Lehrerzimmer auftauchen mit der Bitte, sich zu bedienen und daf\u00fcr einen Euro in die Kasse f\u00fcr dieses oder jenes P-Seminar zu legen. Das sind Almosen. Bei uns steht st\u00e4ndig so viel Kuchen im Lehrerzimmer, dass wir das nicht brauchen und daf\u00fcr zahlen, weil es da steht und wir nett sind. Almosen halt.  <\/p>\n<p>&#8212; Danach wurden die scheidenden Kollegen verabschiedet, Referendare zum Gro\u00dfteil, aber auch die eine oder andere Pensionierung und Versetzung auf eine andere Stelle. Das sah so aus:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/juli2012_3.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"550\" height=\"413\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/juli2012_4.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"550\" height=\"413\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/p>\n<p>Und war sch\u00f6n. \u00dcblicherweise findet so eine Feier bei uns am letzten Schultag statt, das w\u00e4re n\u00e4chsten Dienstag gewesen. Diesmal, uh, war das nicht so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern und heute fanden an meiner Schule die Projekttage statt, die sich an Bayerns Schulen zum Schuljahresende etabliert haben. Diesmal sollte es etwas anders werden, wurde es auch, liebevoll letztlich von den Verbindungslehrern zusammen mit Sch\u00fclern vorbereitet: Schule als Staat, wenn auch als zweit\u00e4gige Schwundstufe. 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