{"id":3954,"date":"2012-10-14T09:42:31","date_gmt":"2012-10-14T07:42:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3954"},"modified":"2023-05-24T13:04:01","modified_gmt":"2023-05-24T11:04:01","slug":"magische-drei-und-vierecke-das-p-seminar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/10\/magische-drei-und-vierecke-das-p-seminar.htm","title":{"rendered":"Magische Drei- und Vierecke: Das P-Seminar"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/10\/magische-drei-und-vierecke-das-p-seminar.htm#comments'>10 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>In der 11. und 12. Jahrgangsstufe gibt es in Bayern das P-Seminar. P steht, glaube ich, f\u00fcr &#8222;Praxis&#8220;; in diesem Seminar sollen Sch\u00fcler ein Projekt verwirklichen, sich selbst organisieren lernen, Kontakte zu au\u00dferschulischen Partnern aufnehmen und Informationen \u00fcber Studium und Berufsleben erhalten, als Entscheidungshilfe f\u00fcr die Zeit nach dem Abitur.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Projekt. Weil Lehrer da so gro\u00dfe Experten sind. Laut DIN 69901 ist ein Projekt ein:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Vorhaben, das im Wesentlichen durch die Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist, wie z.B. Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle, personelle und andere Begrenzungen; Abgrenzung gegen\u00fcber anderen Vorhaben; projektspezifische Organisation.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft: Ein Projekt ist eine einmalige Aufgabe, die zeitlich begfristet ist, und f\u00fcr die es noch keine Routinel\u00f6sung gibt. Die j\u00e4hrliche Organisation des Vorlesewettbewerbs ist also kein Projekt, weil es daf\u00fcr schon eine Checkliste gibt, die man in jedem Jahr nur abarbeiten muss. Das Abitur ist f\u00fcr Lehrer kein Projekt, schon mal, weil es sich wiederholt. F\u00fcr einen Sch\u00fcler k\u00f6nnte es allerdings eines sein, das man mit Projektplanungsmethoden angehen k\u00f6nnte. &#8222;Wir wollen unsere Schule verbessern&#8220; ist kein Projekt, da es zeitlich nicht befristet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einem Projekt geh\u00f6rt, dass das Ziel des Projekts vorher bekannt ist. Und es muss so gut beschrieben sein, dass man am Ende des Projekts das Ergebnis neben die Zielformulierung halten und entscheiden kann, ob man das Ziel erreicht hat oder nicht. Deshalb formulieren meine Sch\u00fcler gerade ihr Ziel. &#8222;Ein Computerspiel programmieren&#8220;, &#8222;ein Autorennen programmieren&#8220;, &#8222;ein 3D-Autorennen programmieren&#8220;, das sind alles noch keine geeigneten Formulierungen. Nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/SMART_%28Projektmanagement%29\">der SMART-Methode<\/a> soll das Ziel unter anderem eindeutig definiert und messbar sein und eine Terminvorgabe erhalten. Erst wenn man solche Ziele formuliert, stellt man fest, dass das gar nicht so einfach ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat man sein Projektziel erst einmal formuliert, kommt man zum <strong>Magischen Dreieck des Projektmanagements<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"481\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/Magisches_Dreieck_der_Projektsteuerung.svg_.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3955\" title=\"Magisches_Dreieck_der_Projektsteuerung\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/Magisches_Dreieck_der_Projektsteuerung.svg_.png 500w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/Magisches_Dreieck_der_Projektsteuerung.svg_-150x144.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Projekt ist dann erfolgreich, wenn alle drei Seiten des Dreiecks eingehalten werden: Innerhalb der ausgemachten Zeit wird mit den geplanten Ressourcen (Personal und andere) das gew\u00fcnschte Ziel erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Dieses Magische Dreieck ist \u00fcbrigens nicht zu verwechseln mit den vielen anderen Magischen Dreiecken:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"341\" height=\"214\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/magisches_dreieck.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3959\" title=\"magisches_dreieck\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/magisches_dreieck.png 341w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/magisches_dreieck-150x94.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 341px) 100vw, 341px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Oder mit den Magischen Vierecken:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"340\" height=\"214\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/magisches_viereck.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3956\" title=\"magisches_viereck\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/magisches_viereck.png 340w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/magisches_viereck-150x94.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Kann es sein, dass man da drau\u00dfen gerne mit magischen Polygonen arbeitet? Die Magischen Pentagramme der Betriebswirtschaftslehre?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Wenn man feststellt, dass das Projekt nicht so l\u00e4uft wie geplant, kann man an den Seiten des Dreiecks herumschrauben. Wenn man die geplante Zeit nicht einhalten kann, kann man die Ressourcen erh\u00f6hen oder Inhalt und Qualit\u00e4t des Projekts reduzieren. Brechen einem die Ressourcen weg, braucht man mehr Zeit oder gibt sich mit weniger Qualit\u00e4t zufrieden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Projekte im Rahmen des P-Seminars hat man vermutlich wenig Spielraum bei der Zeitplanung und den Ressourcen. Das Projekt im P-Seminar darf allerdings auch scheitern; die Lehrkraft muss keinesfalls Himmel und Erde in Bewegung setzen, um das Projekt voranzutreiben &#8211; es ist ein Projekt der Sch\u00fcler, bei dem die Lehrkraft anleitet und ber\u00e4t, mehr nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele Projekte scheitern eigentlich? F\u00fcr die IT-Industrie, und mein P-Seminar besch\u00e4ftigt sich ja mit einem Programmierprojekt, gibt es Zahlen. Die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chaos-Studie\">Chaos-Studie der Standish-Group<\/a> ist eine Langzeituntersuchung dar\u00fcber, wie viele IT-Projekte erfolgreich abgeschlossen werden oder nicht:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"544\" height=\"314\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/chaos_report.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3958\" title=\"chaos_report\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/chaos_report.png 544w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/chaos_report-150x86.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 544px) 100vw, 544px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Demnach scheitern je nach Jahrgang knapp ein Viertel aller IT-Projekte. Und etwas weniger als die H\u00e4lfte aller Projekte werden zwar abgeschlossen, aber nur unter mehr Zeitaufwand als vorgesehen, mehr Kosten\/Ressourcen als vorgesehen, oder unter Reduzierung von Qualit\u00e4t oder Umfang. Nur ein Drittel der Projekte ist erfolgreich, so wie geplant. Ein gescheitertes Sch\u00fclerprojekt bef\u00e4nde sich also in guter Gesellschaft&#8230;<br>Die Chaosstudie ist sehr bekannt und anerkannt, wird aber auch von manchen Fachleuten hinterfragt. Die Standish Group ist ein Beratungsunternehmen f\u00fcr Risikomanagement und IT-Investitionen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Softwareentwicklungsprojekte gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Klassisch, aber wohl \u00fcberholt, ist das Wasserfallmodell (<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/01\/das-wasserfallmodell.htm\">Blogeintrag dazu<\/a>), inzwischen gibt es viele weitere Methoden. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Agile_Softwareentwicklung\">Agile Softwareentwicklung<\/a> ist ein Oberbegriff f\u00fcr manche dieser Methoden; ein Scrumboard habe ich schon aufgebaut im Computerraum, werde Bericht erstatten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Wie jeder Konvertit, der etwas Neues f\u00fcr sich entdeckt hat, sehe ich gerade vieles durch die Brille des Projektmanagements. An Schulen geht man ja selten von Projekten aus. Im Unterricht habe ich eine Idee, und probiere das aus, und danach hat mir das gefallen oder nicht. Das Projektziel ist doch immer: den Lehrplan erf\u00fcllen, das hei\u00dft, die Sch\u00fcler sollen am Ende des Jahres etwas wissen und k\u00f6nnen. Das wird mal mehr, mal weniger erreicht, und der Einfluss der Methode darauf ist schwer zu messen. Im Moment probiere ich den Flipped Classroom aus; da k\u00f6nnte das Projekt lauten: &#8222;Die Inhalte des Lehrplans weitgehend mit Flipped-Classroom-Videos vermitteln.&#8220; Aber ich glaube, das Ausprobieren von Methoden als Projekt zu sehen, macht wenig Sinn. Eher gilt das f\u00fcr ein Sch\u00fclerprojekt &#8211; Stellwand, Poster, Video, was auch immer. Da ist die Vorgehensweise meist eher: &#8222;Schauen wir mal, wie weit wir kommen&#8220;, statt ein Ziel und einen Termin vorzugeben. Am geeignetsten scheint mir der Projektgedanke f\u00fcr au\u00dferunterrichtliche Vorhaben und Aktivit\u00e4ten an der Schule.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Nur ganz am Rande relevant: <a href=\"http:\/\/www.cicero.de\/salon\/norbert-bolz-bildung-der-teamgeist-ist-der-groesste-feind-des-geistes\/51995?seite=1\">Teamgeist ist der gr\u00f6\u00dfte Feind des Geistes<\/a>, lesenwerter Cicero-Artikel von Norbert Bolz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(10 Kommentare.) In der 11. und 12. 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