{"id":3981,"date":"2012-11-15T18:25:31","date_gmt":"2012-11-15T17:25:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3981"},"modified":"2023-05-24T13:03:48","modified_gmt":"2023-05-24T11:03:48","slug":"kartenspielen-mit-der-10a-aus-gruenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/11\/kartenspielen-mit-der-10a-aus-gruenden.htm","title":{"rendered":"Kartenspielen mit der 10a, aus Gr\u00fcnden"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/11\/kartenspielen-mit-der-10a-aus-gruenden.htm#comments'>25 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der letzten Stunde habe ich mit der 10a Karten gespielt. So eine Art <strong>Mau-Mau<\/strong>. Mau-Mau geht ja ganz einfach: Am Anfang deckt man eine Karte auf, und die Spieler versuchen der Reihe nach ihre Karten loszuwerden, indem sie sie ablegen. (Lassen wir alle Sonderkarten mal weg.) Die Ablageregel lautet: Man kann eine Karte ablegen, wenn sie die gleiche Farbe (Herz, Pik, Kreuz, Karo) hat wie die oben liegende Karte, oder wenn sie den gleichen Wert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In meiner Variante wurde allerdings eine <strong>andere Regel<\/strong> verwendet, die nur ich als Spielleiter, sozusagen, kannte. Eine geheime also. Einige Sch\u00fcler waren die Mitspieler, die nach und nach versuchten ihre Karten loszuwerden. Es gibt auch einfache Regeln f\u00fcr die Bepunktung, aber die sind im Moment nicht wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Anfang muss man bei diesem Spiel raten und einfach eine Karten ausspielen und schauen, was der Spielleiter sagt. Vielleicht hat man Gl\u00fcck <strong>(&#8222;Geht&#8220;)<\/strong>, vielleicht Pech <strong>(&#8222;Geht nicht&#8220;)<\/strong>. Man hat vorerst einfach nicht genug Material, als dass man sinnvoll raten k\u00f6nnte, wie die geheime Regel lautet. Aber wenn man das Spiel ein, zwei Runden beobachtet, dann hat die ersten Vermutungen. Da waren ein paar rote Karten, die immer gingen. Oder: nach der Pik 9 waren alle Karten, die abgelehnt wurden, Pik; die Karte, die dann akzeptiert wurde, war Herz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund dieser Beobachtungen stellt man <strong>Theorien<\/strong> auf. &#8222;Nach einer Karte mit einer ungeraden Zahl muss immer ein Herz kommen.&#8220; Oder: &#8222;Nach einer Pik-Karte muss immer ein Herz kommen.&#8220; Es geht bei dem Spiel zwar nicht darum, die Regel herauszufinden, sondern darum, seine Karten loszuwerden. Aber das geht nat\u00fcrlich leichter, wenn man die Regel kennt. Also folgt man erst mal seiner Vermutung und legt die entsprechenden Karten ab.<br>Meist bricht diese erste Vermutung schon bald zusammen. Irgendeine gespielte Karte passt nicht; entweder der Spielleiter weist eine Karte zur\u00fcck, auch wenn die laut der vermuteten Regel akzeptiert werden sollte, oder die Karte eines Mitspielers wird akzeptiert, obwohl man nicht wei\u00df warum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist sehr sch\u00f6n, sich selber und den anderen Spielern beim <strong>Theoriebilden<\/strong> zuzuschauen. Man sieht die K\u00f6pfe leuchten, h\u00f6rt kleine Ausrufe: &#8222;Ich glaub, ich hab&#8217;s.&#8220; Ein paar Runden sp\u00e4ter das verst\u00e4ndnislose Kopfsch\u00fctteln, wenn die Theorie verworfen werden muss und man sich die bisher gespielten Karten noch einmal genauer anschauen muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erfahrene Spieler, die zum Beispiel vermuten: &#8222;Nach einer Pik-Karte muss immer ein Herz kommen,&#8220; testen das im <strong>Experiment<\/strong>. Man wartet, bis eine Pik-Karte liegt, und legt dann ein Herz an. Leider kann man nicht immer bestimmen, welche Karte gerade oben liegt. Es geht bei diesem Spiel eher um Beobachtungen, und die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Experimente &#8211; also die Wiederholung einer beobachteten Erscheinung unter kontrollierten Bedingungen &#8211; sind gering.<br>Allerdings muss man auch das andere ausprobieren: Man wartet, bis eine Pik-Karte liegt, und legt dann extra <em>kein<\/em> Herz. (Oder man hofft, dass ein Mitspieler das macht.) Dann sagt der Spielleiter vielleicht &#8222;Geht nicht&#8220;, und das best\u00e4tigt die Vermutung. Oder er sagt &#8222;Geht&#8220;, und man ist \u00fcberrascht. Aber auch dann ist das kein fehlgeschlagenens Experiment. Es gibt keine fehlgeschlagenen Experimente, allenfalls schlampig durchgef\u00fchrte. Wenn bei einem Experiment nicht das herauskommt, was man erwartet, ist das keinesfalls ein Fehlschlag, sondern eine interessante Beobachtung, aus der man etwas lernen kann. Vielleicht lautet die Regel in Wirklichkeit ja: &#8222;Nach einer Pik-Karte muss immer eine rote Karte, also Herz\/Karo, kommen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es kommt n\u00e4mlich oft vor, dass die vom Spieler vermutete Regel erst einmal viel <strong>komplizierter ausf\u00e4llt,<\/strong> als die des Spielleiters tats\u00e4chlich ist. Das geschieht, wenn man kein Muster in den vorliegenden Daten erkennt und deshalb versucht, viele kleine Ausnahmen und Sonderregeln aufzustellen, damit die gespielten Karten passen. Kann ja auch stimmen so; in meiner Spielerrunde war das aber selten der Fall &#8211; wenn bei jeder neuen gespielten Karte wieder eine Ausnahme zum bisherigen Regelsatz kommt, dann ist man wohl auf dem Holzweg. Manchmal ist die eigene Regel auch einfacher nur enger gefasst als die tats\u00e4chliche, so wie in dem Fall oben, wo jede rote Karte spielbar ist, man aber glaubt, dass nur Herzen erlaubt sind. Solange man da nicht kritisch die Gegenprobe macht, wird man immer Herz legen, das wird immer funktionieren, und die eigene, unn\u00f6tig enge Regel, wird best\u00e4tigt. (Bis man mal kein Herz auf der Hand hat und dem Spielleiter sagt, man kann nicht. Dann w\u00e4hlt der ein Karo aus, legt es an und gibt die vier Strafkarten.)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Spiel gibt es wirklich, und es ist &#8211; eine nur m\u00e4\u00dfig schr\u00e4ge Spielerrunde vorausgesetzt &#8211; tats\u00e4chlich gut spielbar, anders als andere Kuriosit\u00e4ten. Es hei\u00dft <strong>Eleusis<\/strong>, und ich habe vor Jahren <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/03\/eleusis.htm\">schon mal dar\u00fcber geschrieben<\/a>, wenn auch aus anderer Perspektive. Robert Abbott erfand es 1959, ich spiele meist die erweiterte Version von 1977; 2006 ver\u00f6ffentlichte Hohn Golden eine vereinfachte Version <a href=\"http:\/\/www.logicmazes.com\/games\/eleusis\/express.html\">Eleusis Express<\/a>, die auch an Grundschulen spielbar sein soll. Daneben gibt es Varianten von Spieleverlagen, etwa &#8222;Geheimcode&#8220; von der Firma Winning Moves. Das wird nicht mit regul\u00e4ren Spielkarten gespielt, sondern mit Karten von ber\u00fchmten Pesonen aus der Geschichte &#8211; die jeweils zu einer bestimmten Farbe (rot, gelb) und Kategorie (Denker, Politiker, K\u00fcnstler) geh\u00f6ren, mit bestimmter Rahmenform (rund, eckig, spitz). Nicht sehr spielbar, obwohl es von Alex Randolph ist. Das Original von Abbott gibt es in einigen Spieleb\u00fcchern oder <a href=\"http:\/\/www.logicmazes.com\/\">als Brosch\u00fcre bei Abbot selber<\/a> &#8211; f\u00fcr f\u00fcnf Dollar einschlie\u00dflich Porto, allerdings nur auf Papier und nur per Scheck oder US-Bargeld, also noch nicht so sehr webfreundlich. Aber Eleusis Express kann man ausdrucken, da fehlen halt einige der philosophischen \u00dcberlegungen aus der Brosch\u00fcre.<br>Neu war mir das Spiel &#8222;Mao&#8220; (<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mao_%28card_game%29\">Wikipedia<\/a>), eine Art Eleusis-Abk\u00f6mmling, das nach dem gro\u00dfen Vorsitzenden Mao benannt ist, dessen geheime Regeln man befolgen muss, ohne sie zu kennen; die Etymologie k\u00f6nnte aber tats\u00e4chlich vom deutschen Mau-Mau kommen, mit dem Mao mehr \u00c4hnlichkeiten aufweist als mit Eleusis.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8212; Ein anderes Spiel von Abbott, &#8222;Babel&#8220;, will ich mal mit Sch\u00fclern ausprobieren. Ein Handelsspiel f\u00fcr acht bis vierzig Personen, die sich miteinander unterhalten m\u00fcssen, um Karten zu tauschen und zu kombinieren, die sie dann beim Spielleiter gegen Punkte und neue Karten eintauschen. M\u00fcsste auch in der Fremdsprache gehen. Und vielleicht, irgendwann mal, so etwas wie die <a href=\"http:\/\/emshort.wordpress.com\/2012\/08\/30\/san-tilapian-studies-a-casual-narrative-entertainment-for-30-40-players\/\">San Tilapian Studies<\/a> von Emily Short, ein Erz\u00e4hlspiel f\u00fcr eine Party mit 30-40 Spielern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nachtrag: <a href=\"http:\/\/www.terra.es\/personal2\/u.roth\/eleusis.htm#New%20Eleusis%20top\">Link zu Material zu Eleusis,<\/a> via Bob Abbotts Seite.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Eleusis<\/em> funktioniert einfach als Spiel, aber man kann es nat\u00fcrlich auch als Allegorie auf die <strong>wissenschaftliche Methode<\/strong> sehen. Es gibt Regeln, Naturgesetze. Die kennt man nicht, und man kann sie auch nie erfahren. Man beobachtet die Natur und stellt Vermutungen an; aufgrund dieser baut man die Natur in kontrollierter Umgebung nach und stellt Experimente an, die die Vermutungen best\u00e4tigen oder auch nicht. Wenn man genug Experimente hat, stellt man eine Theorie auf. Die Theorie erlaubt Vorhersagen, und wenn sich sp\u00e4ter die Vorhersagen mit der Wirklichkeit decken, dann gilt die Theorie erst einmal als bewiesen. Mehr geht nicht in der Wissenschaft &#8211; in das Hirn des Spielleiters (oder Gottes) kann man nicht hineinsehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Au\u00dferdem kann ich so vielleicht erkl\u00e4ren, warum die Beispiele der Sch\u00fclern in Er\u00f6rterungen meist nichts bringen. &#8222;Mein Onkel hat einmal&#8230;\/Eine Cousine von mir hat&#8230;\/Ich selber habe&#8230;&#8220; &#8211; das ist etwa so aussagekr\u00e4ftig wie bei Eleusis: &#8222;Ich habe mal eine Kreuz 7 gelegt, und die wurde nicht akzeptiert.&#8220;)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Moment komme ich auf wissenschaftliches Vorgehen, weil in meinem Teil des Internets gerade wieder Hom\u00f6opathie diskutiert wird. Die <a href=\"http:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2012\/11\/uber-die-weite-verbreitung-von-geschutteltem-wasser-und-von-starkekugeln.htm\">Kaltmamsell verweist<\/a> auf einen <a href=\"http:\/\/scienceblogs.de\/bloodnacid\/2012\/10\/08\/gastbeitrag-homoopathie-in-der-pharmazie-eine-bestandsaufnahme-teil-1\/\">Artikel in den Science Blogs<\/a> \u00fcber die Rolle der Hom\u00f6opathie in der Ausbildung zum Pharmazeutiker-Ausbildung; <a href=\"http:\/\/dasnuf.de\/experimente\/homoopathie-der-teufel-schulmedizin-der-teufel\/\">vers\u00f6hnlicher dazu Frau Nuf<\/a>. Lesen Sie das nach, bei der Kaltmamsell und den ScienceBlogs, auch die jeweils vielen Kommentare. (Unbedingt den sch\u00f6nen Kommentar von Schlappohr bei dem ScienceBlog-Artikel lesen, mit dem herzerw\u00e4rmenden Austausch zwischen Apotheker A und Herrn H.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leben kann ich gut mit der Argumentation: &#8222;Tests haben bewiesen, dass Hom\u00f6opathie funktioniert.&#8220; Das ist nicht dumm, sondern nur falsch.<br>Leben kann ich auch mit: &#8222;Man kann Hom\u00f6opathie nicht beweisen, das liegt in der Natur der Sache.&#8220; Das ist schon etwas dumm, aber auch das regt mich wenig auf. Diese Person gibt wenigstens zu, dass Hom\u00f6opathiegl\u00e4ubigkeit eine Religion ist, und wenn ich mit Religion auch meine Schwierigkeiten habe, habe ich keinen Anlass, dar\u00fcber zu streiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit anderen Argumenten habe ich mehr Probleme:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die Pharmalobby hat etwas gegen Hom\u00f6opathie.<\/strong> Wieso sollte sie? Kann man doch Geld mit machen. Die Hom\u00f6opathielobby ist doch Teil der Pharmaindustrie. Vermutlich ist das schlechte Image von Pharma nur auf das Ph- am Anfang zur\u00fcckzuf\u00fchren &#8211; phishing, phreaking, lauter b\u00f6se Sachen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Jeder kann doch frei entscheiden, was er tut.<\/strong> Abgesehen davon, dass das, was man f\u00fcr freie Entscheidung h\u00e4lt, nat\u00fcrlich immer beeinflusst ist von Umfeld und Erziehung: Klar kann jeder frei entscheiden, hat auch niemand etwas dagegen gesagt. Das hei\u00dft aber nicht, dass jeder frei entscheiden darf, was eine Tatsache ist und was nicht. &#8222;Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf eigene Fakten.&#8220; (Patrick Moynihan) Au\u00dferdem gilt das mit der freien Entscheidung wohl nur f\u00fcr nat\u00fcrliche Personen; Gesundheitsministerien und Krankenversicherungen k\u00f6nnen sicher nicht frei entscheiden, sondern m\u00fcssen sich an irgendetwas halten &#8211; an Tatsachen; B\u00fcrgerw\u00fcnsche; Lobbyw\u00fcnsche. Man w\u00fcnscht sich, sie halten sich vor allem an das erste.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wissenschaft kann nichts beweisen, sondern nur Theorien aufstellen.<\/strong> Das ist eine Wortspielerei, die zeigt, dass der Mensch keine Ahnung hat, wovon er spricht. <em>Nat\u00fcrlich<\/em> kann die Wissenschaft nur Theorien aufstellen, siehe Eleusis oben. Wenn die Theorien brauchbar sind, erlauben sie Vorhersagen, die best\u00e4tigt werden. Wenn das oft genug geschieht, darf man von bewiesen reden. Aber klar, nat\u00fcrlich ist immer m\u00f6glich, dass ein Stein pl\u00f6tzlich nach oben f\u00e4llt statt nach unten. Aber so unwahrscheinlich, dass man davon ausgehen kann, dass die Tehorie der Schwerkraft trotzdem bewiesen ist &#8211; und wenn das doch einmal geschieht, ist ein Naturwissenschaftler der erste, der sich dar\u00fcber freut.<\/li>\n\n\n\n<li>Alles mit den W\u00f6rtern <strong>mechanistisches Weltbild<\/strong> darin. Gemeint ist damit nur, dass sich Dinge gem\u00e4\u00df Regeln verhalten, so wie bei Eleusis; das hei\u00dft nicht, dass man diese Regeln kennt. Die Alternative zu dem, was etwas unsachlich so genannt wird, lautet: Dinge verhalten sich nicht nach Regeln. Also doch Wunder.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>M\u00f6glicherweise wird die Wissenschaft eines Tages feststellen, dass Hom\u00f6opathie doch funktioniert. Nur jetzt kann sie es noch nicht beweisen.<\/strong> Es geht nicht ums Beweisen, es geht ums Feststellen. Man hat noch nicht festgestellt, das Hom\u00f6opathie funktioniert.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bei meinem Onkel hat es auch geholfen.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser letzte Satz ist problematisch, und vermutlich der wichtigste. Woher wei\u00df man, ob etwas wahr ist? Woher wei\u00df man, dass Astrologie, Handauflegen, Hausaufgaben, Lebendiges Wasser, Aspirin funktionieren? &#8222;Mein Onkel hat festgestellt, dass es funktioniert. <em>Ich<\/em> habe festgestellt, dass es funktioniert. Deshalb funktioniert es.&#8220; Ein naheliegender Schluss. Der muss aber nicht stimmen; ich selber bin da ganz dem\u00fctig und misstraue meinen eigenen Feststellungen manchmal. Alles andere erschiene mir wie Gr\u00f6\u00dfenwahn. So \u00e4hnlich wie es optische Illusionen gibt, gibt es auch kognitive Illusionen, und woher will man wissen, ob man nicht auf eine hereingefallen ist? Das ist so \u00e4hnlich, wie wenn man bei Eleusis beobachtet, dass eine Herz 3 angelegt werden kann. Daraus die Regel abzuleiten: man kann (immer) eine Herz 3 anlegen, das w\u00e4re verfr\u00fcht. Bei Eleusis sieht man sch\u00f6n, wie Spieler Muster erkennen, wo keine sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlimm ist, dass so etwas die Deutschlehrer machen m\u00fcssen statt die Biolehrer. \u00dcberhaupt, mit Esoterik haben es die Schulen manchmal, wie es die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/bildung\/esoterik-in-der-schule-aroma-dusche-im-klassenzimmer-1.1477223\">S\u00fcddeutsche unter &#8222;Aromadusche im Klassenzimmer&#8220; schreibt<\/a>: &#8222;Lehrer setzen immer h\u00e4ufiger zweifelhafte Methoden in den Klassenzimmern ein.&#8220; Auch aus innerschulischen Gr\u00fcnden will ich dazu nicht viel schreiben. Zitieren m\u00f6chte ich allerdings folgende kluge Frage, die Anne H\u00f6hl in diesem Artikel stellt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch ist das Dr\u00fccken einiger Energiepunkte wirklich so schlimm? Ist es gef\u00e4hrlich, wenn Kinder zur besseren Konzentration mit Lavendel beduftet werden? &#8222;Geschadet wird im Allgemeinen nicht dadurch, dass etwas getan, sondern dadurch, dass etwas unterlassen wird&#8220;, sagt Wolfgang Hund. Unterlassen wird die gezielte Hilfe von p\u00e4dagogischen Fachleuten, wenn zum Beispiel Aufmerksamkeitsdefizite oder Lernschw\u00e4chen auftreten.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da r\u00fchrt sich die Erinnerung des Deutschlehrers. Genau diese Frage stellt Daja in <em>Nathan der Weise<\/em>, und Nathan gibt genau diese Antwort darauf. Nathans Tochter Recha ist von einem christlichen Tempelritter aus dem brennenden Haus gerettet worden, bildet sich aber ein, ein Engel habe sie gesch\u00fctzt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Recha. <\/em> \u2013 Ich also, ich hab einen Engel<br>Von Angesicht zu Angesicht gesehn;<br>Und meinen Engel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nathan.<\/em> Doch h\u00e4tt&#8216; auch nur<br>Ein Mensch \u2013 ein Mensch, wie die Natur sie t\u00e4glich<br>Gew\u00e4hrt, dir diesen Dienst erzeigt: er m\u00fcsste<br>F\u00fcr dich ein Engel sein. Er m\u00fcsst&#8216; und w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Recha.<\/em> Nicht so ein Engel; nein! ein wirklicher;<br>Es war gewiss ein wirklicher!<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Recha will aber lieber auf wundersame Weise gerettet worden sein; Nathan weist sie darauf hin, dass die Realit\u00e4t wunderbar genug ist:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nathan.<\/em> Wie? weil<br>Es ganz nat\u00fcrlich, ganz allt\u00e4glich kl\u00e4nge,<br>Wenn dich ein eigentlicher Tempelherr<br>Gerettet h\u00e4tte: sollt&#8216; es darum weniger<br>Ein Wunder sein? \u2013 Der Wunder h\u00f6chstes ist,<br>Dass uns die wahren, echten Wunder so<br>Allt\u00e4glich werden k\u00f6nnen, werden sollen.<br>[&#8230;] Lass mich! \u2013 Meiner Recha w\u00e4r&#8216;<br>Es Wunders nicht genug, dass sie ein Mensch<br>Gerettet, welchen selbst kein kleines Wunder<br>Erst retten m\u00fcssen? Ja, kein kleines Wunder!<br>Denn wer hat schon geh\u00f6rt, dass Saladin<br>Je eines Tempelherrn verschont? dass je<br>Ein Tempelherr von ihm verschont zu werden<br>Verlangt? gehofft? ihm je f\u00fcr seine Freiheit<br>Mehr als den ledern Gurt geboten, der<br>Sein Eisen schleppt; und h\u00f6chstens seinen Dolch?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darauf vermittelnd Daja, Nathans Haush\u00e4lterin und Rechas Ziehmutter:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was schadet&#8217;s \u2013 Nathan, wenn ich sprechen darf \u2013<br>Bei alledem, von einem Engel lieber<br>Als einem Menschen sich gerettet denken?<br>F\u00fchlt man der ersten unbegreiflichen<br>Ursache seiner Rettung nicht sich so<br>Viel n\u00e4her?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ist genau die Frage aus dem Artikel oben. Nathans Antwort: Weil der Glaube an das Wunder echte T\u00e4tigkeit verhindert. Recha schw\u00e4rmt f\u00fcr den Engel, um den heimatlosen Tempelritter in Jerusalem k\u00fcmmert sich niemand; vielleicht schl\u00e4ft er hungernd irgendwo unter Br\u00fccken. (Nathan jagt Recha ein wenig Schreck ein, schwarze P\u00e4dagogik und so.)<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nathan:<\/em> Kommt! h\u00f6rt mir zu. \u2013 Nicht wahr? dem Wesen, das<br>Dich rettete, \u2013 es sei ein Engel oder<br>Ein Mensch, \u2013 dem m\u00f6chtet ihr, und du besonders,<br>Gern wieder viele gro\u00dfe Dienste tun? \u2013<br>Nicht wahr? \u2013 Nun, einem Engel, was f\u00fcr Dienste,<br>F\u00fcr gro\u00dfe Dienste k\u00f6nnt ihr dem wohl tun?<br>Ihr k\u00f6nnt ihm danken; zu ihm seufzen, beten;<br>K\u00f6nnt in Entz\u00fcckung \u00fcber ihn zerschmelzen;<br>K\u00f6nnt an dem Tage seiner Feier fasten,<br>Almosen spenden. \u2013 Alles nichts. \u2013 Denn mich<br>Deucht immer, dass ihr selbst und euer N\u00e4chster<br>Hierbei weit mehr gewinnt, als er. Er wird<br>Nicht fett durch euer Fasten; wird nicht reich<br>Durch eure Spenden; wird nicht herrlicher<br>Durch eu&#8217;r Entz\u00fccken; wird nicht m\u00e4chtiger<br>Durch eu&#8217;r Vertraun. Nicht wahr?<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(25 Kommentare.) In der letzten Stunde habe ich mit der 10a Karten gespielt. So eine Art Mau-Mau. Mau-Mau geht ja ganz einfach: Am Anfang deckt man eine Karte auf, und die Spieler versuchen der Reihe nach ihre Karten loszuwerden, indem sie sie ablegen. (Lassen wir alle Sonderkarten mal weg.) 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