{"id":3996,"date":"2013-01-25T06:56:52","date_gmt":"2013-01-25T05:56:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=3996"},"modified":"2023-05-13T21:32:03","modified_gmt":"2023-05-13T19:32:03","slug":"wer-probleme-mit-dem-ausueben-von-macht-hat-sollte-kein-lehrer-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/01\/wer-probleme-mit-dem-ausueben-von-macht-hat-sollte-kein-lehrer-werden.htm","title":{"rendered":"Wer Probleme mit dem Aus\u00fcben von Macht hat, sollte kein Lehrer werden"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/01\/wer-probleme-mit-dem-ausueben-von-macht-hat-sollte-kein-lehrer-werden.htm#comments'>5 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Im P-Seminar der Oberstufe in Bayern arbeiten die Sch\u00fcler nicht nur an einem Projekt, sie erhalten auch Informationen \u00fcber die Berufswelt. Unter anderem gibt es dazu die <a href=\"http:\/\/www.isb.bayern.de\/schulartspezifisches\/materialien\/beruf-und-studium-bus\/\">BuS-Selbsterkundungshefte.<\/a> (Bus: Berufs- und Studienwahl.) Wie n\u00fctzlich die sind, kann ich noch nicht sagen &#8211; vermutlich schon einigerma\u00dfen, obwohl die Behauptung am Ende von Heft A schon gewagt optimistisch formuliert ist: &#8222;Wahrscheinlich dr\u00e4ngen sich auf der Grundlage all der gesammelten Daten \u00fcber Ihre Einstellungen, Werte, F\u00e4higkeiten, Schw\u00e4chen usw. bestimmte konkrete Berufe auf.&#8220; Von Aufdr\u00e4ngen sprechen die meisten meiner Sch\u00fcler nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Hefte sind dazu da, dass Sch\u00fcler sich Gedanken machen, welche Berufe sie interessieren, und dass sie \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen, ob ihre Ziele und W\u00fcnsche auch dazu passen. Notiert habe ich mir dazu zwei Fundstellen aus Heft A:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Wer Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren und au\u00dferdem viel Freizeit haben will, sollte nicht unbedingt einen Managementposten anstreben.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das ist, f\u00fcrchte ich, realistisch, und die Empfehlung ist sinnvoll. Mich st\u00f6rt nur die Kombination der beiden Bedingungen (Beruf\/Familie und Freizeit). Gemeint ist vermutlich, dass bereits jeweils eine der Bedingungen ein Ausschlusskriterium f\u00fcr den Managementposten ist. Dann soll man das auch so schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es noch dieses Fundst\u00fcck:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Untersch\u00e4tzen Sie nicht die Wichtigkeit von Werten f\u00fcr die Berufswahl! Wer z.B. Macht verabscheut, aber einen Beruf w\u00e4hlt, der zwangsl\u00e4ufig mit Macht verbunden ist (z.B. der des Lehrers), wird sich in diesem Beruf immer wieder selbst im Wege stehen und mit seinem Beruf weder gl\u00fccklich sein noch Erfolg haben.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Allgemein stimmt diese Aussagen, und das Beispiel im Besonderen auch: Lehrer \u00fcben Macht aus, dar\u00fcber sollten sie sich klar sein. Formal geschieht das vor allem dadurch, dass sie Noten machen, \u00fcber Vorr\u00fccken entscheiden und Abschl\u00fcsse verleihen. (Diese Sachen sind f\u00fcr mich die anstrengendstem am Lehrersein, die ich einerseits gerne abgeben w\u00fcrde, die andererseits Ursache f\u00fcr unsere Besoldung sind.)<br>Au\u00dferdem \u00fcben wir im lehrerzentrierten Unterricht Macht dadurch aus, dass wir bestimmen, was passiert. Und das tun wir, mindestens so lange, wie es Lehrpl\u00e4ne gibt, also solange Sch\u00fcler zu bestimmten Zeitpunkten etwas lernen sollen, ob sie wollen oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht es auch anders? Beschreibt das zweite Zitat ebenso wie das erste einen Ist-Zustand, der sich irgendwann einmal \u00e4ndern sollte? In Einzelf\u00e4llen sowieso. Aber ein ganzes Schulsystem umzubauen, dass es ohne Machtverh\u00e4ltnisse funktioniert, also ohne dass eine oder alle Parteien auf unterschiedliche Weise Druck aus\u00fcben k\u00f6nnen &#8211; das kann ich mir nicht vorstellen. &#8222;Denn ist nicht alles, was man Kindern tut, Gewalt?&#8220;, fragt der schmierige Patriarch im <em>Nathan<\/em>, um allerdings gleich hinzuzuf\u00fcgen: &#8222;Zu sagen: \u2014 ausgenommen, was die Kirch&#8216; an Kindern tut.&#8220; Man m\u00f6chte manchmal aktualisieren: &#8222;Ausgenommen, was ein Lernbegleiter an Kindern tut.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst Rousseau will Macht aus\u00fcben bei der Erziehung. Der Sch\u00fcler soll es nur nicht merken:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Folgt mit Eurem Z\u00f6gling den umgekehrten Weg. Lasst ihn immer im Glauben, er sei der Meister, seid es in Wirklichkeit aber selbst. Es gibt keine vollkommenere Unterwerfung als die, der man den Schein der Freiheit zugesteht. So bezwingt man sogar seinen Willen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Zitat aus <em>Emile<\/em>, aus Wikipedia \u00fcbernommen, weil ich <em>Emile<\/em> ja nie gelesen habe und darauf hoffe, dass das auch wirklich so da drin steht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Fundst\u00fcck: Das <a href=\"http:\/\/gebattmer.twoday.net\/stories\/235542899\/\">GBlog<\/a> hat Gedanken zu einer Kritik der Kompetenzorientierung zusammengestellt. Geht es am Ende darum, dass Sch\u00fcler genau die Kompetenzen erwerben sollen, die es ihnen erlauben, in einer unwirtlichen Berufwelt zu funktionieren, ohne diese zu hinterfragen? Ist mir etwas zu theoretisch, der Artikel, aber ich bin auch mehr so middlebrow statt highbrow.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(5 Kommentare.) Im P-Seminar der Oberstufe in Bayern arbeiten die Sch\u00fcler nicht nur an einem Projekt, sie erhalten auch Informationen \u00fcber die Berufswelt. Unter anderem gibt es dazu die BuS-Selbsterkundungshefte. (Bus: Berufs- und Studienwahl.) 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