{"id":4046,"date":"2013-01-30T07:31:02","date_gmt":"2013-01-30T06:31:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=4046"},"modified":"2023-06-16T08:19:56","modified_gmt":"2023-06-16T06:19:56","slug":"serious-text-games","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/01\/serious-text-games.htm","title":{"rendered":"Serious Text Games"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/01\/serious-text-games.htm#comments'>3 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><a href=\"http:\/\/pope.jeffsys.net\/play.php?g=trt\">&#8222;The Republia Times&#8220;<\/a> ist ein sch\u00f6nes Spiel, das sich vielleicht auch f\u00fcr das rasche Leseverstehen (skimming) im Englischunterricht eignet. Flashbasiert, im Browser zu spielen; man kann die Flashdatei aber auch einfach lokal speichern. (<a href=\"http:\/\/lacunagame.blogspot.de\/2013\/01\/what-im-playing-republia-times.html\">Via Aaron A. Reed.<\/a>) <\/p>\n<p>Das Spiel ist einfach, aber reizvoll: Man spielt den eben ernannten Redakteur der <em>Republia Times<\/em>, einer Zeitung im diktatorisch regierten Republia. Die Presse dort ist alles andere als frei; die Familie des Redakteurs befindet sich in Geiselhaft der Regierung. Man muss zehn Tage als Redakteur \u00fcberstehen: In den ersten Tagen muss man die Loyalit\u00e4t der Leserschaft auf einen gegebenen Wert erh\u00f6hen, indem man regimefreundliche Propagandaartikel platziert. Danach muss man die Anzahl der Leser erh\u00f6hen, indem man Artikel ver\u00f6ffentlicht, die den Lesern gefallen. (Der Loyalit\u00e4tswert darf dabei aber nicht unter eine bestimmte Grenze sinken.) Und danach wiederum hat man etwas freiere Hand&#8230; bis sich der Untergrund meldet und sowohl eine hohe Auflage als auch eine niederige Loyalit\u00e4t der Leserschaft zu einem bestimmten Termin fordert.<\/p>\n<p>So sieht der Bildschirm aus:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/republia.png\" alt=\"republia\" width=\"550\" height=\"330\" class=\"alignnone size-full wp-image-4047\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/republia.png 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/republia-150x90.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/p>\n<p>Von links unten kommen auf einem Ticker nach und nach die Nachrichten des Tages herein, mal fr\u00fcher mal sp\u00e4ter. Aus diesen Nachrichten kann man seine Zeitung f\u00fcllen: Man macht aus dieser Nachricht eine kleine Notiz, einen gew\u00f6hnlichen Artikel oder einen gro\u00dfen Dreispalter. Man kann auch nichts ausw\u00e4hlen, dann bleibt die Zeitung halt leer, und das kostet nat\u00fcrlich Leser. Um die Zeitung zu f\u00fcllen hat man nur einen Arbeitstag Zeit; am Rand l\u00e4uft eine Uhr unerbittlich mit, die einen in den sp\u00e4teren Phasen des Spiels unter Druck setzt. Ganz wird die Zeitung ohnehin nie voll, die Gr\u00f6\u00dfen der Artikel und der Seite sind so gew\u00e4hlt, das immer mindestens ein kleines frustrierendes K\u00e4stchen frei bleibt.<\/p>\n<p>Der Knackpunkt beim Spiel ist die Auswahl der Nachrichten und die Entscheidung, wie gro\u00df man sie in die Zeitung setzt:<\/p>\n<ul>\n<li>Es gibt Artikel, die f\u00fcr h\u00f6here Leserzahlen sorgen: Sport, Milit\u00e4r, Unterhaltung, Wetter. Bei diesen Themen kommt es nicht auf die Gr\u00f6\u00dfe der Artikel an, sondern nur darauf, dass es sie gibt. Die bringen Leser. Zu viel politische Propaganda und zu wenig Unterhaltung l\u00e4sst die Leserzahl sinken.<\/li>\n<li>Es gibt Artikel, die die Loyalit\u00e4t der Leserschaft beeinflussen, positiv oder negativ: Negative Informationen \u00fcber die Regierung, Erfolge des feindlichen Nachbarstaats. Hier haben gr\u00f6\u00dfere Artikel mehr Einfluss auf die Loyalit\u00e4t der Leserschaft als kleinere. Das Wetter ist immer neutral, andere Nachrichten k\u00f6nnen positiv oder negativ sein.<\/li>\n<li>Gibt es zu viel freien Platz, dann sinken Leserzahlen. Drei gro\u00dfe Geschichten reichen, um die Zeitung zu f\u00fcllen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach dem zehnten Tag ist das Schicksal von Republia entschieden und es kommt zu einem Ende, sozusagen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Englischunterricht nutzbar ist das Spiel, weil man die &#8211; allerdings sehr kurzen &#8211; Nachrichten schnell \u00fcberfliegen und beurteilen muss: Sind sie interessant ist oder nicht und, unabh\u00e4ngig davon, politisch neutral, positiv oder negativ?<\/li>\n<p>Au\u00dferdem lernt man:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Zeitung f\u00fcllt sich nicht von selbst, es gibt immer jemanden, der ausw\u00e4hlt, was hineinkommt.<\/li>\n<li>Selbst wenn eine Nachricht gebracht werden muss, kann man sie gro\u00df herausbringen oder klein halten.<\/li>\n<li>An manchen Tagen kommen einfach keine brauchbaren Nachrichten. Aber auch dann muss die Zeitung voll werden.<\/li>\n<li>Es gibt mehr Nachrichten, als in einer Zeitung Platz haben. Manches erf\u00e4hrt der Leser also nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<hr style=\"width:30%\"\/>\n<p>Ein anderes flashbasiertes Spiel, das ich schon mal mit Sechtskl\u00e4sslern gespielt habe, ist <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/skillswise\/game\/en05skim-game-the-big-scan\">&#8222;The Big Scan&#8220;<\/a>. Ich habe das vor Jahren <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/02\/lesen-ueben-mit-the-big-scan.htm\">schon mal erw\u00e4hnt<\/a>, deshalb nur kurz: Das Spiel ist &#8211; anders als Republia Times &#8211; f\u00fcr Lerner gedacht. Man spielt einen Privatdetektiv, der einen (nicht ganz unblutigen) Fall l\u00f6sen muss. Dabei \u00fcbt man, Texte gezielt nach bestimmten Informationen durchzugehen.<\/p>\n<hr style=\"width:30%\"\/>\n<p>Kaum f\u00fcr die Schule geeignet sind die folgenden Spiele, aber ich will sie erw\u00e4hnen, weil sie f\u00fcr mich reizvoll waren (alles reine Textspiele):<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ifdb.tads.org\/viewgame?id=ezqljtd04d1dnukf\">Whom the Telling Changed<\/a> von Aaron A. Reed. (Auf der verlinkten Seite ist auch eine M\u00f6glichkeit, das Spiel im Brwoser zu spielen.) Die Mitglieder einer Stammesgruppe sitzen in vor- oder fr\u00fchgeschichtlicher Zeit um ein Lagerfeuer und h\u00f6ren sich die rituell erz\u00e4hlte, altbekannte Geschichte an, die der Erz\u00e4hler vortr\u00e4gt. Sehr aktiv in herk\u00f6mmlicher Weise ist man als Spieler nicht: in jeder Erz\u00e4hlpause kann man dan Erz\u00e4hler bitten, bestimmte Aspekte der Geschichte zu erkl\u00e4ren oder zu betonen. Allerdings macht das der Gegenspieler genauso, ein anderer Angeh\u00f6riger der Gruppe mit anderen politischen Zielen. Beide lenken die Stimmung der Gruppe durch ihre Zwischenfragen, denn die Situation ist hoch politisch: Soll man gegen einen Nachbargruppe in den Krieg ziehen oder nicht? Stellt sie eine Gefahr dar oder nicht?<br \/>\nDie Geschichte, die erz\u00e4hlt wird, ist au\u00dferdem eine Episode aus dem Gilgamesch-Epos. Wer sich die mal am virtuellen Lagerfeuer erz\u00e4hlen lassen m\u00f6chte, kann sich &#8222;Whom The Telling Changed&#8220; anschauen.<\/p>\n<p>Auf einem Originaltext eines anderen Autors basiert auch <a href=\"http:\/\/ifdb.tads.org\/viewgame?id=rvttymjuxw86pjap\">The Tempest<\/a> von Graham Nelson und, uh, William Shakespeare. (Online spielbar via der verlinkten Seite.) Man spielt den Luftgeist Ariel; die Handlung ist die von Shakespeares <em>Sturm<\/em>. Die Texte sind weitgehend Originalsprache, und zwar &#8211; laut eigenen Angaben &#8211; der fast vollst\u00e4ndige Text der Folioausgabe von 1623. Also Blankvers. Das macht das Lesen macnhmal etwas schwer, und ganz leicht ist das Spiel auch nicht, das macht es weniger reizvoll f\u00fcr Leute, die weder mit fr\u00fchem Neuenglisch noch mit Interactive Fiction vertraut sind. Aber reizvoll schon, das k\u00f6nnte ich mir auch gut mit einem allerdings gek\u00fcrzten Sommernachtstraum vorstellen.<\/p>\n<p>Unter der Seite <a href=\"http:\/\/brn227.brown.wmich.edu\/literaryworlds\/index.html\">Literary Worlds<\/a> der Western Michigan University gibt es einen Link zu virtuellen literarischen Welten, die im Rahmen eines Projekts der Uni dort angelegt wurden. Das sind letztlich MUDs, multi-user dungeons, Textadventures f\u00fcr mehrere Spieler. Leider funktionieren einige der Links nicht mehr, auch wenn dann doch alle Welten &#8211; und es sind viele &#8211; von innerhalb eines jeden Spiels aus betreten werden k\u00f6nnen. Design und Interface sind nicht sehr ansprechend oder benutzerfreundlich. Ich habe mal <a href=\"http:\/\/www.literaryworlds.wmich.edu\/tempest\/\">The Tempest<\/a> ausprobiert: Links textbasiert, rechts mit Bildern; navigieren kann man nur rechts, weil der Text bei Richtungsvariablen keinen sauberen Angaben ausgibt; agieren kann man nur links mit Texteingabe. Und alles recht umst\u00e4ndlich. Eine sch\u00f6ne Idee, aber nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Auch die Kombination Text-Bild halte ich eher f\u00fcr irritierend als f\u00fcr n\u00fctzlich &#8211; entweder ein reines Textspiel, oder Point-and-Click.<\/p>\n<p><em>Fu\u00dfnote: Ich habe schon mal ein eigenes Inform-7-Textadventure auf einen Server hochgeladen, der das Spiel multi-user-f\u00e4hig macht. Funktioniert auch. N\u00e4chster Schritt: Mit Sch\u00fclern eine Welt anlegen und sich dann dort treffen, textbasiert.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(3 Kommentare.) &#8222;The Republia Times&#8220; ist ein sch\u00f6nes Spiel, das sich vielleicht auch f\u00fcr das rasche Leseverstehen (skimming) im Englischunterricht eignet. Flashbasiert, im Browser zu spielen; man kann die Flashdatei aber auch einfach lokal speichern. (Via Aaron A. Reed.) 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