{"id":4086,"date":"2013-05-01T18:20:40","date_gmt":"2013-05-01T16:20:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=4086"},"modified":"2017-12-30T13:06:20","modified_gmt":"2017-12-30T12:06:20","slug":"sachen-erklaeren-koennen-the-art-of-explanation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/05\/sachen-erklaeren-koennen-the-art-of-explanation.htm","title":{"rendered":"Sachen erkl\u00e4ren k\u00f6nnen: The Art of Explanation"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/05\/sachen-erklaeren-koennen-the-art-of-explanation.htm#comments'>12 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><em>Dinge erkl\u00e4ren k\u00f6nnen geh\u00f6rt, ob man das gut findet oder nicht, zum Lehrersein. Was hei\u00dft das, etwas erkl\u00e4ren, und wie macht man das gut?<\/em><\/p>\n<p>Lee LeFever kennt man von seiner Firma Commoncraft &#8211; die machen Erkl\u00e4rvideos &#8222;in plain English&#8220;, wie etwa das hier:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Electing a US President in Plain English\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ok_VQ8I7g6I?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float:right; margin-left:10px;\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/lefever.jpg\" alt=\"lefever\" width=\"200\" height=\"195\" class=\"alignnone size-full wp-image-4110\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/lefever.jpg 200w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/lefever-150x146.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Bekannt geworden ist Commoncraft vor einigen Jahren durch &#8222;Wikis in Plain English&#8220; und &#8222;RSS in Plain English&#8220;. Sind noch immer sehenswert, auch wenn man merkt, dass die j\u00fcngeren Videos mit mehr Erfahrung produziert sind.<\/p>\n<p>Aus Gr\u00fcnden, die ich nicht mehr wei\u00df, habe ich mir LeFevers Buch <em>The Art of Explanation<\/em> besorgt und gelesen. Immerhin geht es im Buch ums Erkl\u00e4ren, und das spielt ja auch in der Schule eine Rolle. Aber was f\u00fcr eine genau? Sch\u00fcler m\u00fcssen \u00fcberraschend wenig erkl\u00e4ren. Am n\u00e4chsten kommt dem noch die Vorgangsbeschreibung in der 6. Klasse, aber auch da liegt er Schwerpunkt nicht beim Erkl\u00e4ren. Beschreiben, er\u00f6rtern, begr\u00fcnden, analysieren, zusammenfassen, das gibt es alles beim Aufsatzschreiben. Aber etwas erkl\u00e4ren nicht. Vielleicht im Geschichtsunterricht? In den Naturwissenschaften? <\/p>\n<p>Auch m\u00fcndlich gibt es wenig Anlass f\u00fcr Sch\u00fcler, etwas in mehr als ein oder zwei S\u00e4tzen zu erkl\u00e4ren. In Betracht kommen das Referat und das Ausfragen. Beim Ausfragen wird wenig erkl\u00e4rt, sondern allenfalls erinnert und wiederholt; Transferaufgaben nehmen einen kleinen Raum ein, und es gibt kaum etwas zu erkl\u00e4ren, was Lehrer und Mitsch\u00fcler nicht eh schon wissen m\u00fcssten.<br \/>\n&#8212; Bleiben Referate. Und da wird auch im Fach Deutsch gelegentlich erkl\u00e4rt. (In den Naturwissenschaften vielleicht \u00f6fter?) Das beste Referat meiner Schullaufbahn war in der 6. Klasse. Es ging um Frequenzmodulation und Amplitudenmodulation, Kurzwelle und UKW, und der Sch\u00fcler erkl\u00e4rte mit gro\u00dfer Fachkenntnis im Hintergrund und realistischer Einsch\u00e4tzung seiner Mitsch\u00fcler, wie das funktionierte. Aber so funktionieren Referate selten. \u00dcberpr\u00fcft wird, ob ein Sch\u00fcler einen zu lernenden Inhalt verstanden hat; ob er ihn erkl\u00e4ren kann, wird weder gelehrt noch kontrolliert. So viel Wissen, dass man etwas anderen erkl\u00e4ren kann, erarbeiten sich Sch\u00fcler f\u00fcr Referate selten: Man kann nur etwas erkl\u00e4ren, wenn man es verstanden hat. Auch bei der Lernzieltaxonomie von Bloom und ihren Varianten taucht &#8222;erkl\u00e4ren&#8220; nicht auf &#8211; vermutlich ist das sozusagen mitgemeint oder selbstverst\u00e4ndlich, wenn man die Stufen &#8222;erzeugen&#8220; oder &#8222;bewerten&#8220; erreicht hat. So selbstverst\u00e4ndlich ist das aber nicht.<\/p>\n<p>Der Lehrer erkl\u00e4rt \u00f6fter etwas als Sch\u00fcler, oder versucht es zumindest. Wie zentral ist das f\u00fcr den Lehrerberuf? H\u00e4ngt vom Stil ab, aber das Erkl\u00e4renk\u00f6nnen ist jedenfalls eine wichtige F\u00e4higkeit. Sch\u00fcler behaupten jedenfalls oft, dass manche Lehrer besser erkl\u00e4ren k\u00f6nnen als andere. Und manche vielredenden Lehrer haben deshalb den Beruf ergriffen, weil sie gerne schlaumeiern oder erkl\u00e4ren, und das mitunter sogar gut. Ich rechne mich zu einen von diesen.<\/p>\n<p>In Stichpunkte, aus Zeitmangel:<\/p>\n<ul>\n<li>Vieles von dem, was in dem Buch steht, wei\u00df jemand mit Lehrerfahrung eh schon &#8211; etwa dass man Erkl\u00e4rungen nicht spontan vorbringt, sondern sich besser vorher \u00fcberlegt, wie man etwas erkl\u00e4rt.<\/li>\n<li>Schule ist nat\u00fcrlich viel mehr als Erkl\u00e4ren. Bei LeFever geht es nur ums Erkl\u00e4ren, um Vortr\u00e4ge, nicht um Interaktion.<\/li>\n<li>Erkl\u00e4rungen sind dann gut, wenn man sie weitererz\u00e4hlen kann.<\/li>\n<li>Dass man etwas erkl\u00e4ren kann, ist ein gutes Zeichen daf\u00fcr, dass man es verstanden hat.<\/li>\n<li>Wenn man jemandem etwas erkl\u00e4rt, f\u00fchrt das bestenfalls dazu, dass der es verstanden hat. Dass man etwas verstanden hat, f\u00fchrt aber nicht unbedingt dazu, dass man etwas kann oder nicht mehr vergisst.<\/li>\n<li>F\u00fcr LeFever ist ein ganz zentraler Punkt beim Erkl\u00e4ren Empathie: Die F\u00e4higkeit, sich in seine Zuh\u00f6rer hineinzuversetzen und einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, was sie zu welchem Zeitpunkt interessiert und was sie verstehen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die Beispiele aus LeFevers Buch stammen zu einem gro\u00dfen Teil aus dem Bereich Marketing: Da wird jemandem erkl\u00e4rt, warum etwas sinnvoll ist; und nicht, wie etwas funktioniert. Kann es sein, dass ersteres f\u00fcr die Schule weniger wichtig ist?<\/li>\n<li>Statt einen 160-Wort-Essay zu schreiben, sollten Sch\u00fcler vielleicht mal etwas in 160 W\u00f6rtern erkl\u00e4ren, ohne Einleitung. <\/li>\n<li>Trotz der Marketingorientierung der Beispiele ist es erfrischend, dass es in diesen Erkl\u00e4rsituationen mal nicht ums Messen und nicht um Kompetenzen geht. So wie man sich das in der Schule auch vorstellt.<\/li>\n<li>\nUnd dann noch ein sehr wichtiger Gedanke. Das ist die zentrale Grafik aus LeFevers Buch, nur dass sie viel besser aussieht, wenn er sie zeichnet:<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/explanation.jpg\" alt=\"explanation\" width=\"510\" height=\"429\" class=\"alignnone size-full wp-image-4165\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/explanation.jpg 510w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/explanation-150x126.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><br \/>\nZu lesen ist sie so: Wenn jemand wenig \u00fcber ein Thema wei\u00df, interessiert vor allem das &#8222;Warum&#8220;. Je mehr jemand wei\u00df, desto interessanter wird das &#8222;Wie&#8220; f\u00fcr diese Person. Der Erkl\u00e4rende muss richtig einsch\u00e4tzen, wo sich auf dieser Skala sein Publikum befindet. Ganz zentral ist f\u00fcr LeFever Empathie. Der Erkl\u00e4rer muss sich in seine Zuh\u00f6rer hineinversetzen k\u00f6nnen.\n<\/li>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(12 Kommentare.) Dinge erkl\u00e4ren k\u00f6nnen geh\u00f6rt, ob man das gut findet oder nicht, zum Lehrersein. Was hei\u00dft das, etwas erkl\u00e4ren, und wie macht man das gut? 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