{"id":4137,"date":"2013-04-07T11:21:01","date_gmt":"2013-04-07T09:21:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=4137"},"modified":"2013-04-07T11:21:01","modified_gmt":"2013-04-07T09:21:01","slug":"leonie-zoch-weniger-ist-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/04\/leonie-zoch-weniger-ist-mehr.htm","title":{"rendered":"Leonie Zoch, Weniger ist mehr"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/04\/leonie-zoch-weniger-ist-mehr.htm#comments'>12 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float:right; margin-left:10px;\"  src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/zoch_weniger_ist_mehr.jpg\" alt=\"zoch_weniger_ist_mehr\" width=\"150\" height=\"237\" class=\"alignnone size-full wp-image-4141\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/zoch_weniger_ist_mehr.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/zoch_weniger_ist_mehr-94x150.jpg 94w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p>Leonie Zoch hat 2011 am Gymnasium Ottobrunn bei M\u00fcnchen mit dem ersten G8-Jahrgang Abitur gemacht und dar\u00fcber ein Buch geschrieben: <em>Weniger ist mehr. Ein Insider \u00fcber das G8 und das Abitur.<\/em><\/p>\n<p>Als <em>book on demand<\/em> ist es in jeder Buchhandlung bestellbar, normaler Taschenbuchpreis, knapp 90 Seiten ohne Anhang. In zehn kurzen Kapiteln teilt Zoch ihre Meinung und Erfahrungen zu Themen wie &#8222;Richtiges Lernen&#8220;, &#8222;Schummeln&#8220;, &#8222;Nachhilfe&#8220; oder &#8222;Vorbereitung auf das Abitur&#8220;.<\/p>\n<p>Zoch empfiehlt ein gesundes <strong>Selbstbewusstsein f\u00fcr Sch\u00fcler,<\/strong> dann traue man sich auch, Antworten zu geben, ohne von deren 100%-iger Korrektheit \u00fcberzeugt zu sein. Neu war mir der Tipp, dazu ab und zu mal mit Lehrern zu reden, um sich daran zu gew\u00f6hnen, ein paar Worte vor oder nach der Stunde. Mit manchen Sch\u00fclern spreche ich tats\u00e4chlich oft, mit anderen so gut wie nie. Trotz eines gesundern Selbstbewusstseins m\u00fcsse man sich leider anpassen und etwas verbiegen, aber nur kurzfristig und soweit n\u00f6tig &#8211; etwa beim Deutschaufsatz. Jeder Sch\u00fcler entwickle einen eigenen &#8222;Schreibstil, [der] nicht jedem Lehrer gef\u00e4llt&#8220;, und man m\u00fcsse herausfinden, welcher Stil dem jeweiligen Lehrer gefalle und sich danach richten. Zoch schreibt allerdings selber, das sei sp\u00e4ter wie im Beruf: was der Chef vorgibt, daran m\u00fcsse man sich orientieren.<br \/>\nAus Lehrersicht finde ich daran nichts Schlimmes. Ja, die Sch\u00fcler sollen einen eigenen Stil entwickeln, das ist Ziel des Deutschunterrichts. Der Stil soll allerdings gleichzeitig gewissen Kriterien gen\u00fcgen, und gewissen Zusammenh\u00e4ngen &#8211; Textsorten &#8211; anzupassen sein.<\/p>\n<p>Hand und Fu\u00df hat, was Zoch zu <strong>Lernmethoden<\/strong> schreibt. Die waren bei ihr von Fach zu Fach n\u00e4mlich verschieden &#8211; aber sie hat eben \u00fcberhaupt gelernt, und empfiehlt, sich auf jede Stunde vorzubereiten, indem man mindestens noch einmal den Hefteintrag liest. Aus Lehrersicht: damit w\u00e4re schon viel getan.<\/p>\n<p>Zentral scheint mir &#8211; auch wenn Zoch das nicht thematisiert &#8211; die <strong>Rolle des Elternhauses<\/strong> beim Lernen zu sein. Eine von ihr angewendete Lernmethode besteht darin, ihrer Mutter die gelernten Inhalte zu erz\u00e4hlen. Wer etwas verst\u00e4ndlich erz\u00e4hlen kann, der versteht es auch besser. F\u00fcr den Anfang braucht man dazu aber jemand, der einem zuh\u00f6rt. Was ist, wenn man das nicht hat?<br \/>\nAls wichtig sieht Zoch &#8211; wie ja auch die Didaktik &#8211; den Bezug zur eigenen Lebenswelt. Richtig interessant und greifbar wird der Unterricht, &#8222;wenn etwas, was [ein Sch\u00fcler] zuvor mit seinen Eltern oder anderen besprochen hat, zuf\u00e4llig auch im Unterricht drangenommen wird. [&#8230;]  Um einen solchen Moment herstellen zu k\u00f6nnen, sollten Eltern so viele allgemeine, aber auch interessante Themen mit ihren Kindern besprechen wie nur irgend m\u00f6glich.&#8220; Davon bin ich auch \u00fcberzeugt. Aber was ist mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, die nicht die Gelegenheit zu solchen Gespr\u00e4chen haben?<br \/>\n\u00dcbrigens wurde f\u00fcr Zoch der Unterrichtsstoff ihrer Schulzeit jedes Jahr interessanter und alltagstauglicher &#8211; vielleicht eben deshalb, weil sie diesen Bezug zur Lebenswelt herstellen konnte. (Und nebenbei gesagt: Auch hier zeigt sich der Vorteil von Wissen gegen\u00fcber Kompetenzen. Ank\u00fcpfen kann man nur an etwas, das bereits da ist.)<\/p>\n<p>Mit der <strong>Abiturvorbereitung<\/strong> hat Zoch zweieinhalb Monate vor dem Termin begonnen, sie empfiehlt und beschreibt einen Arbeitsplan und meint: je mehr man im Lauf der Oberstufe mitarbeitet, desto leichter ist es dann die Vorbereitung, weil man nur zu wiederholen braucht. <\/p>\n<p>Interessant war f\u00fcr mich der Gedanke, dass Zoch als <strong>Ziel der Oberstufe<\/strong> dezidiert nicht die Vorbereitung aufs Studium sieht, insbesondere nicht die Entwicklung der Studierf\u00e4higkeit. In ihrem Erleben \u00e4u\u00dferte sich die vor allem im selbstst\u00e4ndigen Anfertigen von Unterrichtsmitschriften. Diese F\u00e4higkeiten entwickle man dann, wenn man sie braucht, n\u00e4mlich im Studium. Stattdessen ist das Ziel der Oberstufe die Vorbereitung auf das Abitur.<br \/>\nAus Lehrersicht: Es ist zumindest etwas dran, dass das Abitur nicht unmittelbar die Studierf\u00e4higkeit \u00fcberpr\u00fcft. Vielleicht nicht einmal mittelbar? Es k\u00f6nnte ja sein, dass das Abitur nur mit sinnvoller eigener Vorbereitung darauf bestanden werden kann, und mit eben dieser zeige man seine Studierf\u00e4higkeit. Trotzdem ist es schon so, dass das Abitur nur zu einem kleinen Teil abpr\u00fcft, was Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen lernen sollen &#8211; und dass man sich als Lehrer fragen muss, worauf man in der Oberstufe Schwerpunkte legt: Das, was Lehrplan und Menschenverstand und P\u00e4dagogik sagen, oder was das Abitur h\u00f6ren will.<\/p>\n<p>Zoch warnt vor Lehrern, die Oberstufenstoff durch <strong>Referate<\/strong> vermitteln lassen. Den Stoff m\u00fcsse man sich dann selber erarbeiten. Ich teile jedenfalls die Erfahrung, dass Sch\u00fclerreferate wenig bringen, wenn es um die Vermittlung und Erarbeitung von neuem Stoff geht. Das ist sicher eine Baustelle im Unterricht. <\/p>\n<p>Einen aussagekr\u00e4ftigen Titel tr\u00e4gt das Kapitel <strong>&#8222;L\u00fcgen und T\u00e4uschungen des G8&#8220;<\/strong>, in dem es auch um die Intensivierungsstunden, einen der innovativen Grundpfeiler des G8 geht. Als Lehrer mit Treuepflicht m\u00fcsste man da behutsamer formulieren.<br \/>\nDas \u00e4hnlich deutlich benannte Kapitel <strong>&#8222;Schwierige Lehrer in Hassf\u00e4chern&#8220;<\/strong> r\u00e4t zum Nichtauffallen bei Lehrern, die einen auf dem Kiecker haben, und zu guter Vorbereitung, um sich nicht angreifbar zu machen. Zu dem Thema h\u00e4tte ich gerne noch mehr, und mehr Diskussion, aber das ist viel verlangt von einem solchen Buch.<\/p>\n<p>Die <strong>Webseite zum Buch<\/strong> ist <a href=\"http:\/\/weniger-ist-mehr-buch.de\">weniger-ist-mehr-buch.de<\/a>. Mir hat es gefallen. Ich w\u00fcrde mich freuen, wenn noch mehr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihre Gedanken &#8211; ausf\u00fchrlich und \u00fcberdacht, nicht spontan bei Facebook &#8211; zur Schule \u00e4u\u00dfern, ob in einem Blog oder als Buch.<br \/>\nDass das geht, zeigt dieses Buch. 90 Seiten, sollte man meinen, sind doch machbar. Mein erster Gedanke ist gleich &#8222;P-Seminar!&#8220;, aber ich glaube, interessante B\u00fccher entstehen eher durch eine Einzelperson als in Form einer Aufsatzsammlung von mehr oder weniger Interessierten.<\/p>\n<p>Zum Schluss w\u00fcnscht sich Zoch: &#8222;Vielleicht bringt ja einmal ein Lehrer das Gegenst\u00fcck zu meinem Buch heraus und beschreibt den besten Weg durch die Schule bis zur Pension anstatt bis zum Abitur.&#8220; Erinnerungen ans Lehrersein kenne ich allerdings einige. Daneben gibt es launige B\u00fccher \u00fcber den Schulalltag, die mich gar nicht interessieren. Da es <em>WARUM TUST DU DIR DAS AN? &#8211; Tagebuch eines Schulleiters<\/em> von Harald Togal nur auf dem Kindle gibt, habe ich es mir nicht angeschaut. Au\u00dferdem h\u00e4tte ich gerne erst mal ein Buch mit meiner eigenen Art von Betriebsblindheit. :-)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(12 Kommentare.) Leonie Zoch hat 2011 am Gymnasium Ottobrunn bei M\u00fcnchen mit dem ersten G8-Jahrgang Abitur gemacht und dar\u00fcber ein Buch geschrieben: Weniger ist mehr. Ein Insider \u00fcber das G8 und das Abitur. Als book on demand ist es in jeder Buchhandlung bestellbar, normaler Taschenbuchpreis, knapp 90 Seiten ohne Anhang. 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