{"id":4168,"date":"2013-04-26T08:30:53","date_gmt":"2013-04-26T06:30:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=4168"},"modified":"2023-06-15T16:59:15","modified_gmt":"2023-06-15T14:59:15","slug":"richtlinien-fuer-den-umgang-mit-sozialen-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/04\/richtlinien-fuer-den-umgang-mit-sozialen-medien.htm","title":{"rendered":"Richtlinien f\u00fcr den Umgang mit Sozialen Medien"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/04\/richtlinien-fuer-den-umgang-mit-sozialen-medien.htm#comments'>17 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Dieser Tage haben die bayerischen Schulen Hinweise zum Umgang mit Sozialen Medien\/Netzwerken erhalten, mit Hinweisen auf den Leitfaden f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten der Bayerischen Staatsverwaltung zum Umgang mit Sozialen Medien sowie weiteren Hinweisen f\u00fcr die schulische Praxis (<a href=\"http:\/\/www.realschule.bayern.de\/schulleitung\/kms\/archiv\/1316340.pdf\">pdf<\/a>). <a href=\"http:\/\/www.km.bayern.de\/lehrer\/meldung\/1832.html\">Hier geht&#8216; s zu Links und Zusammenfassung bei Kultusministerium.<\/a><\/p>\n<p>Meine Kurzfassung und mein Kommentar zu den Hinweisen: <\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr dienstliche Kommunikation sind Twitter oder Facebook nicht geeignet.<br \/>\n&#8212; Sehe ich auch so.<\/li>\n<li>Auch \u00f6ffentliches Auftreten der Schule in diesen Netzwerken hat zu unterbleiben.<br \/>\n&#8212; Ich denke, eine Facebookseite w\u00fcrde nicht schaden, aber mein Herz h\u00e4ngt nicht daran. Ob ich als Schule Informationen auf Twitter oder der eigenen Homepage ins Netz stelle, macht datenschutzrechtlich f\u00fcr mich keinen gro\u00dfen Unterschied. Anders nat\u00fcrlich bei Daten, die in einen passwortgesch\u00fctzten Bereich geh\u00f6ren.<\/li>\n<li>Privat darf man nat\u00fcrlich alles nutzen. Man muss aber &#8222;der Achtung und dem Vertrauen&#8220; der Lehrerstellung gerecht werden.<br \/>\n&#8212; Einverstanden.<\/li>\n<li>\u00dcber alles, was man bei dienstlicher T\u00e4tigkeit erfahren hat, muss Verschwiegenheit bewahrt werden. Keine Geschichten aus der Schule erz\u00e4hlen, auch nicht mit pseudonymisierten Namen.<br \/>\n&#8212; Sehe ich auch so; ich beziehe mich bei meinen Kommentaren immer nur auf \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliches Material. Fr\u00fcher war ich da leichtfertiger, also vor zehn Jahren, oder vor acht. Sch\u00fclerfotos und -material ohnehin nur mit expliziter Zustimmung. (Oder ist bereits mein Unterricht eine &#8222;bei dienstlicher T\u00e4tigkeit bekannt gewordene Angelegenheit&#8220;? Also im Sinne von &#8222;Heute war ein sch\u00f6ner Schultag&#8220; oder so?)<\/li>\n<li>Man empfiehlt Lehrern, aus F\u00fcrsorgepflicht, defensiv mit sozialen Netzwerken umzugehen. Damit sie keine dienst-, arbeits- oder privatrechtlichen Probleme kriegen.<br \/>\n&#8212; Vorsicht ist gut, bevor man sich um Kopf und Kragen redet. Man sollte auf jeden Fall wissen, was man tut &#8211; inzwischen achte ich mehr darauf als noch am Anfang, und das ist schon gut so. Dass mit dem Hinweis auf F\u00fcrsorgepflicht auch auf m\u00f6gliche Konsequenzen hingewiesen wird, hat einen gewissen Beigeschmack, ist aber verst\u00e4ndlich.<\/li>\n<li>Von einer unterrichtlichen Nutzung sozialer Netzwerke ist abzusehen. Siehe Bekanntmachung zu Medienbildung und Medienerziehung. Stattdessen werden Moodle und der <a href=\"https:\/\/www.medienfuehrerschein.bayern.de\/\">Medienf\u00fchrerschein<\/a> empfohlen.<br \/>\n&#8212; Verst\u00e4ndlich. Vermutlich teile ich die Ansicht sogar, weil man Sch\u00fcler nicht zu Facebook ermuntern sollte. Aber es entgeht dadurch ein nutzbares Werkzeug zum Lernen, und die M\u00f6glichkeit, den Umgang damit zu lernen. Moodle ist keine Alternative. Ist das selbst gehostete Wiki ein soziales Medium in diesem Sinn? Ich sage mal: nein, solange keine Klarnamen verwendet werden. (Wenn man fortschrittlichen Lehrern so ein anonymes Wiki oder Blog mit Sch\u00fclern verbieten w\u00fcrde: das w\u00e4re wirklich nicht sinnvoll. Dann d\u00fcrften Sch\u00fcler ja auch nicht an der Schulhomepage mitmachen, weil da ja genau die gleichen Daten gespeichert werden.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: Mit einem K\u00f6rnchen Salz genommen ist das alles schon okay. Unklar ist nur, wie weit die Verschwiegenheitspflicht geht. Wenn ich in Zukunft also mal schreibe, <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/02\/warum-ich-waehrend-der-lehrerkonferenz.htm\">dass eine Lehrerkonferenz lang war, handelt es sich nat\u00fcrlich um eine erfundene Lehrerkonferenz,<\/a> wie alles, was ich hier schreibe, erfunden ist.<\/p>\n<p>Im Leitfaden geht es um Folgendes:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8222;Das Verhalten [&#8230;] muss im privaten Umgang ebenfalls der Achtung und dem Vertrauen gerecht werden, die ihr Beruf erfordert. Die daraus resultierenden Pflichten zielen darauf, das Vertrauen der \u00d6ffentlichkeit in die Sachorientierung, Unparteilichkeit und Effizienz der Aufgabenwahrnehmung im \u00f6ffentlichen Dienst zu sch\u00fctzen.&#8220;<br \/>\n&#8212; Achtung und Vertrauen: keine Frage. Dass man sich (etwa \u00fcber Pl\u00e4ne des Kultusministeriums) nicht so \u00e4u\u00dfern darf, dass das Vertrauen in die Effizienz des \u00f6ffentlichen Diensts gemindert wird &#8211; schon schwieriger. Es ist halt manchmal schwer, keine Satire zu schreiben. Manchmal muss man aber auch nur die Pressemitteilungen des Ministeriums zitieren.<\/li>\n<li>&#8222;Bedenken Sie, dass Sie durch diese \u00d6ffnung der Kommunikation besondere Verantwortung \u00fcbernehmen. Das gilt sowohl f\u00fcr Themenfelder, f\u00fcr Einzelbeitr\u00e4ge in Text- oder Bildform wie auch f\u00fcr den Stil Ihrer \u00c4u\u00dferungen. Insbesondere wenn Sie selbst einen Bezug zu Ihrer amtlichen Stellung herstellen, werden Sie daran gemessen, ob Ihr Verhalten den legitimen Anspr\u00fcchen an die \u00f6ffentliche Verwaltung gerecht wird.&#8220;<br \/>\n&#8212; Den Anspr\u00fcchen des B\u00fcrgers an einen Lehrer? Da mache ich mir keine Sorgen. Den Anspr\u00fcchen der Verwaltung selber? Kniffliger, zugegeben.<\/li>\n<li>Verschwiegenheit, M\u00e4\u00dfigung bei politischer Bet\u00e4tigung, nicht im Namen der Schule sprechen. Alles sinnvoll.<\/li>\n<li>&#8222;Ist die Beteiligung an sozialen Netzwerken p\u00e4dagogisch fortschrittlich, eine unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Einflussnahme bzw. Kontrolle der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und Eltern \u2013 oder schlicht private Entscheidung, die von den dienstlichen Pflichten v\u00f6llig getrennt ist?&#8220;<br \/>\n&#8212; Eine einfache Antwort darauf wird nicht gegeben, lediglich das &#8222;fortschrittlich&#8220; scheint keinesfalls zutreffen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nAlso: &#8222;zuf\u00e4lligen privaten Kontakt in gemeinsamen Themenfeldern&#8220; darf es bei Facebook ebenso geben wie au\u00dferhalb. Aber grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssig &#8222;d\u00fcrfte&#8220; sein (keine sehr belastbarere Formulierung), wenn der Lehrer dem Sch\u00fcler eine Kontaktaufnahme als &#8222;Follower&#8220; antr\u00e4gt. W\u00fcrde ich auch nie machen. Auch Sch\u00fcler sollen Lehrern nicht folgen. Und da fangen die Schwierigkeiten an. Ich darf also einen Followerwunsch bei Facebook nicht best\u00e4tigen? Muss ich dann bei Twitter einen Sch\u00fcler blocken, der mir folgt? Und wenn eine Sch\u00fclerin bloggt oder twittert, darf ich dann deren Blogeintr\u00e4ge oder Tweets nicht abonnieren oder kommentieren?<br \/>\nDie Begr\u00fcndung f\u00fcr dieses gew\u00fcnschte Verhalten lautet: &#8222;Lehrkr\u00e4fte sollten selbstverst\u00e4ndlich nicht &#8218;Anh\u00e4nger&#8216; ihrer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sein, die sie zu erziehen und zu bewerten haben.&#8220; Und diese Begr\u00fcndung vestehe ich nicht. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Werden Leute bei Twitter oder Facebook tats\u00e4chlich als &#8222;Anh\u00e4nger&#8220; gesehen, von den H\u00e4ngern oder Angeh\u00e4ngten oder anderen? Der Sportmannschaft der Schule soll ich Beifall klatschen, dem Schultwitterer aber nicht?<\/li>\n<li>Freundschaftsanfragen soll man zur\u00fcckweisen, weil man Sch\u00fcler gleich behandeln soll, und nicht den Freundschaftswunsch der einen annehmen und den der anderen ablehnen kann.<br \/>\n&#8212; Leuchtet mir ein. Deswegen habe ich in den Zeiten, in denen ich bei Facebook war, auch <em>alle<\/em> Anfragen von Sch\u00fclern angenommen, die ich unterrichtet habe, und nur von denen. &#8222;In Betracht kommt damit h\u00f6chstens eine offene Gruppe, in der jede Freundschaftsanzeige von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler akzeptiert wird, um etwa einen einfachen Zugang zum Austausch zu allgemeinen bzw. schulrelevanten Informationen zu schaffen&#8220; &#8211; eben, sagt auch das Ministerium. Allerdings weist es zu Recht darauf hin, dass auch das sehr problematisch ist, weil eben nicht alle Sch\u00fcler Zugang zu Facebook haben. Auch die Ansicht teile ich, deswegen teile ich keine relevanten Informationen \u00fcber Facebook. Andererseits: Darf ich dann Sch\u00fclerfragen via Email beantworten, auch wenn nicht alle Sch\u00fcler Zugang zu Email haben?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: Nat\u00fcrlich sollte es solche Richtlinien geben. Wie gelungen sie sind, kann man diskutieren; wie ernst sie genommen werden, auch. Am wenigsten sinnvoll scheinen mir die Vorschl\u00e4ge zu Facebook etc., auch wenn ich davon kaum betroffen bin. Selber werde ich wohl in Zukunft wohl noch etwas gr\u00fcndlicher \u00fcberlegen, bevor ich etwas poste. <em>Nachtrag: Und bei Facebook nehme ich nat\u00fcrlich weiterhin jeden Sch\u00fclerfreundschaftsantrag an, der mir gestellt wird, wenn ich den Sch\u00fcler unterrichte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(17 Kommentare.) 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