{"id":4180,"date":"2013-05-05T21:08:09","date_gmt":"2013-05-05T19:08:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=4180"},"modified":"2023-06-15T16:58:49","modified_gmt":"2023-06-15T14:58:49","slug":"mein-kleines-dunkles-geheimnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/05\/mein-kleines-dunkles-geheimnis.htm","title":{"rendered":"Mein kleines dunkles Geheimnis"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/05\/mein-kleines-dunkles-geheimnis.htm#comments'>2 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Auf meinem Rechner befinden sich mehrere mit dem Programm TrueCrypt verschl\u00fcsselte Dateien. Sie sind jeweils 4 GB gro\u00df, so dass ich sie noch auf meinen handels\u00fcblich formatierten USB-Stick packen kann. TrueCrypt funktioniert so: Nach dem Starten von Windows werde ich um ein Passwort gebeten, und wenn ich das richtige eingebe, wird zum Beispiel die eine 4-GB-Datei als Laufwerk eingebunden. Dann ist es f\u00fcr Windows so, als h\u00e4tte ich ein weiteres Laufwerk, nur dass die Basis daf\u00fcr statt USB-Stick oder Foto-Speicherkarte eben diese TrueCrypt-Datei ist. Das ist bei mir zum Beispiel Laufwerk M:, und auf diesem Laufwerk speichere ich besonders sensible Daten.<br \/>\nWenn ich den Rechner unbeaufsichtigt lasse, schalte ich ihn nicht unbedingt ganz aus, aber ich schalte zumindest dieses Pseudo-Laufwerk ab, so dass es nur noch in Form der 4-GB-Datei existiert. Laufwerk M: gibt es dann nicht mehr, bis ich es wieder mit dem Passwort einbinde.<\/p>\n<p>Welche Art diese sensiblen Daten sind&#8230; sie sind verschiedener Art. Zum einen betrachtet das Kultusministerium so ziemlich alles, was mit Sch\u00fclern zu tun hat, als sensible Daten, und verlangt, dass es man es mit TrueCrypt oder einem anderen Programm auf genau die beschriebene Art sch\u00fctzt. Nun ja, wie weit ich dem nachkomme, entscheide ich selbstst\u00e4ndig. Dar\u00fcber hinaus betrachte ich selber nat\u00fcrlich auch andere Dateien als sensible Daten. Und welche, das geht niemanden etwas an. Das ist mein kleines dunkles Geheimnis.<\/p>\n<p>Wenn die Polizei mal meinen Rechner beschlagnahmt und das Passwort f\u00fcr die verschl\u00fcsselten Dateien haben will, soll ich das Passwort herausr\u00fccken? Muss ich das Passwort herausr\u00fccken? Das mit dem Beschlagnahmen kann schnell und ohne \u00fcberzeugenden Grund geschehen, ist einem Freund mal so passiert. (Kurzfassung: Er war&#8217;s nicht, und auf dem Rechner war nichts. Ist auch schon l\u00e4nger her.)<\/p>\n<p>Man kann es so sehen wie James Duane, Professor an der Regent University School of Law: &#8222;Why I am proud to admit that I will <em>never<\/em> talk to any police officer.&#8220; Auch rhetorisch h\u00f6renswert:<\/p>\n<p>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=i8z7NC5sgik<\/p>\n<p>Die Kurzfassung: Es kann nur Nachteile f\u00fcr einen Zeugen haben (und f\u00fcr Verd\u00e4chtige obendrein), mit der Polizei zu sprechen, wortgewandt und mit Pro und Kontra argumentiert. Ich \u00fcbertrage das Sprechen mit der Polizei dann mal auf die freiwillige Herausgabe eines Passwortes.<\/p>\n<p>So eng wie Duane sehe ich das nicht. Selbst wenn seine Pr\u00e4misse stimmt, dass man nur Nachteile davon haben kann, wenn man als Zeuge oder Verd\u00e4chtiger mit der Polizei redet (und dar\u00fcber k\u00f6nnte man streiten) &#8211; wenn die m\u00f6glichen Vorteile f\u00fcr andere und damit die Gesellschaft \u00fcberwiegen, sollte man dieses Risiko dennoch auf sich nehmen. (Siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/12\/gefangenendilemma.htm\">Gefangenendilemma<\/a>.) Ich finde, man darf durchaus mit der Polizei reden, und sollte das meistens auch. Man darf der Polizei also sein Passwort geben &#8211;<\/p>\n<p>&#8211; aber muss man? Muss man m\u00fcssen? In England schon, da ist das Gesetz. Wer das Passwort nicht herausr\u00fcckt, muss ins Gef\u00e4ngnis, siehe dazu diesen <a href=\"http:\/\/www.lawblog.de\/index.php\/archives\/2010\/10\/06\/england-gefangnis-fur-verschwiegenes-passwort\/\">Eintrag im Lawblog von vor ein paar Jahren.<\/a> Laut <a href=\"http:\/\/www.lawblog.de\/index.php\/archives\/2013\/05\/03\/entschlsselungsbefehl\/\">einem aktuellen Blogeintrag<\/a> \u00fcberlegen auch die Niederlande, so ein Gesetz einzuf\u00fchren. In Deutschland gibt es das noch nicht, aber nat\u00fcrlich darf die Polizei versuchen, die Verschl\u00fcsselung zu knacken. Tats\u00e4chlich ist TrueCrypt, je nach Sorgfalt des Benutzers, aber so gut, dass das m\u00f6glicherweise nicht wirklich m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Da gibt es drei M\u00f6glichkeiten, damit umzugehen: 1. Ein Gesetz, das zur Passwort-Herausgabe verpflichtet. 2. Das Verbot von Verschl\u00fcsselungs-Software ohne Hintert\u00fcr f\u00fcr die Regierung. 3. Man lebt damit, dass ein B\u00fcrger das Recht auf verschl\u00fcsselte Daten hat. So dass nicht nur die Gedanken frei sind, sondern auch die Festplatte, oder zumindest ein kleiner Teil davon.<\/p>\n<p>Ich neige zur letzten L\u00f6sung. Laut Gesetz bin ich zur Herausgabe vieler Informationen verpflichtet, Steuer und so. Und wenn ich diese Informationen nicht herausgebe, darf der Staat Sanktionen gegen mich verf\u00fcgen, klar. Aber was f\u00fcr ein Geheimnis ich dar\u00fcber hinaus habe, und ob ich \u00fcberhaupt eins habe (=&gt; Oscar Wilde, &#8222;Die Sphinx ohne Geheimnis&#8220;), das will ich f\u00fcr mich behalten k\u00f6nnen. Mir gef\u00e4llt der Gedanke, dass es ein kleines St\u00fcckchen Welt gibt, das mein Geheimnis bleiben kann, wenn ich das so will, und auf das der Staat keinen Zugriff hat.<\/p>\n<p>Immerhin hat die Regierung gerade ein neues Gesetz zur Bestandsdatendauskunft beschlossen. Im Prinzip hei\u00dft das, dass schon bei einer Ordnungswidrigkeit ziemlich viele Beh\u00f6rden (rund 250 St\u00fcck) ziemlich viele Daten \u00fcber mich abrufen k\u00f6nnen. Name, Adresse, Kontodaten einfach so, und wenn ein Richter zustimmt, auch Passw\u00f6rter f\u00fcr meine E-Mail-Konten. Richard Gutjahr <a href=\"http:\/\/gutjahr.biz\/2013\/04\/bestandsdatenauskunft\/\">hat das vor ein paar Wochen mal recherchiert<\/a>: so ziemlich jedem derartigen Antrag, der vor einem Richter landet, wird stattgegeben. Nur zwischen einer von 200 und einer von 500 wird abgelehnt. Das wird sich in Zukunft wohl auch nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<p>(Falls jemand noch ein Er\u00f6rterungsthema braucht.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(2 Kommentare.) Auf meinem Rechner befinden sich mehrere mit dem Programm TrueCrypt verschl\u00fcsselte Dateien. Sie sind jeweils 4 GB gro\u00df, so dass ich sie noch auf meinen handels\u00fcblich formatierten USB-Stick packen kann. 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