{"id":428,"date":"2005-11-07T16:00:31","date_gmt":"2005-11-07T15:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=428"},"modified":"2023-05-24T11:29:06","modified_gmt":"2023-05-24T09:29:06","slug":"philip-j-hindle-briscall-1083-bond-street","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/11\/philip-j-hindle-briscall-1083-bond-street.htm","title":{"rendered":"Philip J. Hindle-Briscall, 1083, Bond Street (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/11\/philip-j-hindle-briscall-1083-bond-street.htm#comments'>25 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><strong>(English version below.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Buch hat es eine besondere Bewandtnis und ich bitte um Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor etwa f\u00fcnf oder sechs Jahren bl\u00e4tterte ich m\u00fc\u00dfig im B\u00fccherregal meiner Schwiegereltern und stie\u00df auf ein Buch mit Lustigen Weltrekorden oder Merkw\u00fcrdigen Tatsachen &#8211; nicht das <em>Guinness Buch der Weltrekorde<\/em>, aber so etwas \u00e4hnliches. Es war vielleicht vom Schneider Buch Verlag, auf jeden Fall mit Pappeinband, ziemlich bunt &#8211; wenn ich mich recht erinnere.<br>In der Kategorie &#8222;B\u00fccher &#8220; stie\u00df ich darin auf Eintr\u00e4ge zu Krimis, wer am meisten davon geschrieben hat und dergleichen, und auch eine Kuriosit\u00e4t: Ein Buch, bei dem der <em>Leser<\/em> der T\u00e4ter ist. Der Titel des Buches war <em>1083, Bond Street<\/em> und der Name des Autors war &#8222;Philip J. Hindle-Briscall&#8220;.<br>Der Beweis f\u00fcr die Wahrheit meines Berichts so weit:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/1083bondstreet.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das ist die Streifenkarte, auf deren R\u00fcckseite ich damals Autor und Titel notierte, und die ich seitdem immer mit mir herumtrage. Dieses Buch wollte ich finden (ich interessiere mich ein bisschen f\u00fcr Erz\u00e4hltheorie und Krimis) und ich war ja auch versiert im Aufst\u00f6bern von B\u00fcchern. Bei diesem Buch und diesem Autor habe ich allerdings versagt. Nichts, nirgendwo. Dabei klang die Idee so vielversprechend. Ich war ihr schon zuvor begegnet, und vermutlich habe ich sie mir auch deshalb notiert:<br>Auf der letzten Seite von der <em>Nachschrift zum &#8218;Namen der Rose&#8216;<\/em> (italienische Fassung 1983, zitiert die deutsche Ausgabe von 1986) schreibt Umberto Eco (der sich auch ein bisschen f\u00fcr Erz\u00e4hltheorie und Krimis interessiert):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>K\u00fcrzlich soll das Pariser OuLiPo (&#8222;Ouvroir de Litt\u00e9rature Potentielle&#8220;) ein Pattern aller m\u00f6glichen Krimikonstellationen aufgestellt haben (der M\u00f6rder ist der Butler, der M\u00f6rder ist der Erz\u00e4hler, der M\u00f6rder ist der Detektiv, usw. usw.), wobei herauskam: Es bleibt noch ein Buch zu schreiben, in dem der M\u00f6rder der <em>Leser<\/em> ist.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.oulipo.net\/\">OuLiPo<\/a> ist eine Organisation von avantgardistischen, sprachverliebten Autoren, Herumspielern und Mathematikern. Raymond Queneau, Fran\u00e7ois Le Lionnais, Claude Berge, <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/05\/georges-perec-a-void.htm\">Georges Perec<\/a>, Italo Calvino geh\u00f6rten unter anderem dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass Philip J. Hindle-Briscall ein erfundener Autor ist, wie sie ja gelegentlich <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/01\/da-hoert-der-spass-auf.htm\">durch die Nachschlagewerke <\/a>ziehen, oft als gemeinschaftlich hergestellter Schabernack.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor f\u00fcnf Monaten schrieb ich in die <a href=\"http:\/\/rungholt.blogg.de\/eintrag.php?id=681\">Kommentare bei Lila<\/a> [nach Lilas Blog-Umzug leider nicht mehr aktuell] von dieser Geschichte. Etwa gleichzeitig suchte ich bei meinen Schwiegereltern nach dem Buch, das diese Suche urspr\u00fcnglich ausgel\u00f6st hatte. Es war nicht mehr da. Und meine Schwiegereltern sagten, es sei unwahrscheinlich, dass sie je so ein Buch besessen h\u00e4tten. (Ganz vielleicht w\u00fcrde der Schwager mehr wissen.)<br>Es schien eine dieser <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/05\/geheimnisvolle-laeden.htm\">Geschichten zu sein um geheimnisvolle L\u00e4den<\/a>, in denen man etwas kauft, und die danach sich in Luft aufl\u00f6sen. Damit war die letzte Spur verschwunden. Ich war froh, dass ich noch die Streifenkarte hatte (mit DM-Aufdruck, ansonsten ohne eruierbares Datum), die ich oben eingescannt habe. Mehr war mir als Beweis nicht geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Meldet sich doch vor zwei Tagen der Sohn von Philip J. Hindle-Briscall bei mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war \u00fcber <a href=\"http:\/\/rungholt.blogg.de\/\">Lila<\/a>, der ich gar nicht genug danken kann f\u00fcr diese Geschichte, auf mich gesto\u00dfen. Ich habe einige E-Mails mit ihm gewechselt und will nun unseren Wissenstand mit seiner Erlaubnis hier pr\u00e4sentieren.<br>Sein Vater hie\u00df Percy John Hindle-Briscall, genannt Pip oder manchmal auch Philip. Er lebte von 1907-1978, \u00e4nderte etwa 1928 aufgrund einer Testamentsklausel seinen Namen von Briscall in Hindle-Briscall. Sein Sohn ist der einzige weitere m\u00e4nnliche Tr\u00e4ger dieses Namens. P.J. Hindle-Briscall war Journalist und sp\u00e4ter in der PR, geboren in Manchester, gelebt in London. Er hat seinem Sohn zufolge einen einzigen Roman geschrieben, der kurz vor dem zweiten Weltkrieg in Paris h\u00e4tte erscheinen soll, dann aber nie herauskam. Kein Krimi.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Adrian Hindle-Briscall und ich, wir w\u00fcrden zu gerne wissen, was es mit dieser Geschichte auf sich hat. Wie kommt Philip J. Hindle-Briscall in diese Sammlung von Rekorden? Ich meine: Ich spinne doch nicht, oder?<br>Falls also irgend jemand hier ein <em>Lustiges Buch der Rekorde<\/em>, <em>Tausend Tolle Tatsachen<\/em> oder <em>Die Gr\u00f6\u00dften, Schnellsten, Weitesten<\/em> zu Hause hat: K\u00f6nntet ihr bitte aufstehen und nachschlagen, ob da etwas \u00fcber Krimiautoren und Philip J. Hindle-Briscall steht? Den kleinen Bruder, die kleine Schwester fragen? Andere Blogger fragen? Vermutlich handelt es sich bei dem Buch um eine \u00dcbersetzung aus dem Englischen, aber das muss nicht sein.<br>Dieses Buch herauszufinden ist wohl die hei\u00dfeste Spur zum Krimi, in dem der Leser der M\u00f6rder ist. Oder was auch immer.<\/p>\n\n\n\n<p>(M\u00f6gliche Theorien: Ein Hoax. Eine Verwechslung. Hindle-Briscall als Rezensent und nicht als Autor.)<\/p>\n\n\n\n<p>(Und die Bond Street in London geht nicht bis zu dieser Hausnummer. Incidentally. Wenn das ein Hoax ist: Ich war&#8217;s wirklich nicht.)<\/p>\n\n\n\n<p>(PS: Fehlanzeigen nehme ich auch entgegen, damit ich nicht bei Ebay B\u00fccher kaufe, in denen es sicher nicht drinsteht.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The tale told in English<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dear reader, I&#8217;m looking for a book and an author and this is how that came to be:<\/p>\n\n\n\n<p>Some six years ago, I was staying at my parents-in-law and idly looking through their bookshelves. In one of the books there, in a collection similar to the <em>Guinness Book of World Records<\/em>, I found a chapter on interesting facts on mystery writers &#8211; who wrote the most, or the fastest. <em>One<\/em> book was mentioned which featured something very interesting: a book in which the <em>reader<\/em> was the murderer.<\/p>\n\n\n\n<p>I had heard of that idea before, on the last page of Umberto Eco&#8217;s 1984 <em>Postscript to &#8218;The Name of the Rose&#8216;<\/em>, where Eco writes about having heard that the (avantgarde French) <a href=\"http:\/\/www.oulipo.net\/\">OuLiPo<\/a> society had &#8222;recently&#8220; analyzed whodunit constellations and found out that the only thing left to do was a version where the <em>reader<\/em> did it.<br>I like whodunits, I like mysteries, I like literary criticism and narrative theory. I found all this fairly intriguing. So I wrote down the title of the book and the name of its author, both of which I got from that book of fun facts (or whatever it was called) in my parents-in-law&#8217;s library.<br>As proof I offer you the tram ticket, on whose back side I jotted down this information:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/1083bondstreet.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Philip J. Hindle-Briscall, <em>1083, Bond Street<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>I rather pride myself on being able to locate obscure books, but I never found out anything about book or writer. Some months ago I wrote at <a href=\"http:\/\/rungholt.blogg.de\/\">Lila&#8217;s blog<\/a> about my problem, and at the same time went to my parents-in-law&#8217;s to look for the book that had started it all.<br>Guess what, the book wasn&#8217;t there anymore. Not only that, but my in-laws also don&#8217;t remember such a book and think it unlikely they ever had possessed such a book. So I resigned myself to the fact that author and book were made-up, in the way that many entries even in respectable works of reference are made up (see <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/01\/da-hoert-der-spass-auf.htm\">a previous blog entry<\/a>). And the book at my in-laws must have been one of these books similar to those now-you-see-them-now-you-don&#8217;t shops (<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/05\/geheimnisvolle-laeden.htm\">which see<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Then, I hear from P.J. Hindle-Briscall&#8217;s son.<\/p>\n\n\n\n<p>I&#8217;ll quote him:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>My father was Percy John Hindle-Briscall, usually called Pip or sometimes Philip, 1907-1978. There can have been no other people of that name, as he changed his name from Briscall to Hindle-Briscall about 1928 under the terms of a legacy and I&#8217;m the only other male to have had that surname. Hindle had been his third forename.<br>He had been a journalist and later in Public Relations.<br>I have never heard of the book you mention. He never mentioned writing any novels, except for one, an erotic story that was to have beeen published by I think the Olympia Press. This was based in Paris and this was just before the Second World War so the book never came out. He may have embellished the story, but I expect there is a basis in fact.<br>He was from Manchester but lived in London all his adult life. If the title referred to the famous London shopping street called Bond Street, there are not 1083 numbers in it, nor in any other London street I believe.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>So Adrian Hindle-Briscall and I, we both would like to know very much what all this is about. Does such a book as <em>1083, Bond Street<\/em> exist? Who is its author? How did P.J. Hindle-Briscall get associated with it?<br>Did I dream it all? Does the Book of Extraordinary Facts which started it all really exist? It must; I&#8217;m really not making any of this up.<br>Our most promising lead is this book. It possibly was a German translation of an English original. If you happen to read this, would you mind just popping into your library, or asking your children to go through theirs, and see if there&#8217;s an entry on Philip J. Hindle-Briscall in the Bumper Book of Records?<\/p>\n\n\n\n<p>Your help would be most appreciated.<\/p>\n\n\n\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/11\/philip-j-hindle-briscall-1083-bond-street-2.htm\">Part 2 of this saga, with some new developments.<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/11\/philip-j-hindle-briscall-1083-bond-street-2.htm\">Teil 2, mit einigen neuen Entwicklungen.<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nachtrag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Blog-Leserin Db hat recherchiert und mir eine Theorie zu dem Eintrag gemailt. Demnach ist der Lexikoneintrag kein Hinweis auf ein real existierendes Buch, sondern eine codierte Totenehrung f\u00fcr Mr. P.J. Hindle-Briscall.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Er starb 1978; im gleichen Jahr erschien die 4. Auflage mit dem omin\u00f6sen Eintrag. In der vorherigen 3. Auflage gibt es noch keinen solchen Eintrag.<\/p>\n\n\n\n<p>Mr. Hindle-Briscall war der Besitzer von Modern Books, &#8222;London\u2019s first licensed gay sex store&#8220;. Damit ist er kein Kriminalschriftsteller \u2013 wohl aber ein Verbreiter von krimineller Literatur, denn in den Augen der konservativen Bev\u00f6lkerung ist Homosexualit\u00e4t noch kriminell. Mit der Schriftstellerei hat H.-B. insoweit zu tun, dass im Todesjahr sein Laden in die H\u00e4nde des Verlegers des bekannten Gay-Magazines &#8222;Zipper&#8220; \u00fcberging, die Buchhandlung wurde ebenfalls in &#8222;Zipper&#8220; umbenannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der &#8222;Modern Books&#8220;-Laden liegt zwar [nicht] in 1083, Bond Street. Aber die reale Adresse 283, Camden High Street stimmt zumindest in zwei Ziffern \u00fcberein \u2013 oder gar in drei? 10 in Bin\u00e4rcode gelesen gibt 2 in Dezimalcode&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Da\u00df der Schuldige nur der Leser selbst sein kann&#8220; hei\u00dft hier, dass man als Leser homosexueller Erotika in den 1970ern automatisch schuldig war. Erst seit 1967 ist in England (erst sp\u00e4ter: Nordirland, Schottland) Homosexualit\u00e4t zwischen M\u00e4nnern \u00fcber 21 nicht mehr strafbar, jedoch nicht in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen, Hotels oder wenn etwa ein dritter im selben Haus, jedoch in einem anderen Zimmer anwesend ist.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(25 Kommentare.) (English version below.) Mit diesem Buch hat es eine besondere Bewandtnis und ich bitte um Hilfe. 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