{"id":577,"date":"2006-04-10T11:39:17","date_gmt":"2006-04-10T10:39:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/04\/good-night-and-good-luck.htm"},"modified":"2009-03-21T09:32:34","modified_gmt":"2009-03-21T08:32:34","slug":"good-night-and-good-luck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/04\/good-night-and-good-luck.htm","title":{"rendered":"Good Night, and Good Luck"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/04\/good-night-and-good-luck.htm#comments'>11 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Gestern war ich im Kino, <em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0433383\/\">Good Night, and Good Luck<\/a><\/em> von George Clooney.<br \/>\nHat mir der Film gefallen? Ja.<br \/>\nWird es ein Lieblingsfilm von mir werden? Wohl nicht. Ich brauche mehr Archetypen. Mehr Pathos.<br \/>\nW\u00fcrde ich mir andere Filme dieser Art anschauen? Ja, unbedingt.<\/p>\n<p>Der Film ist durchweg schwarzwei\u00df. Er beginn auf einer Gala-Versammlung der <em>Radio-Television News Directors Association<\/em> 1958, mit der Keynote Speech des Fernsehjournalisten Edward R. Murrow. Die G\u00e4ste sind reich geschm\u00fcckt, haben Doppelkinn und Falten und sehen sehr zufrieden aus. <a href=\"http:\/\/www.rtnda.org\/resources\/speeches\/murrow.shtml\">Murrows Rede<\/a> ist auch heute noch lesenswert: Keine Abrechnung mit dem Fernsehen seiner Zeit, sondern eine Mahnung. Die eigentliche Handlung des Films spielt f\u00fcnf Jahre zuvor, am Ende schlie\u00dft der Film wieder mit Murrows Rede.<\/p>\n<p>Der Hauptteil des Films handelt von der Fehde zwischen Murrow und Senator Joseph McCarthy. Diese Geschichte wird mit sehr viel Originalzitaten erz\u00e4hlt. McCarthy selbst tritt nur in historischen Fernsehaufnahmen auf; David Strathairn spricht Murrow wortgetreu, soweit ich das beurteilen kann. (Ich habe nur eine Aufnahme in meinem Archiv gefunden, <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/goodnightandgoodluck.mp3\">Murrows Reaktion auf McCarthys Gegendarstellung<\/a> bei CBS.)<br \/>\nDer Film ist kammerspielartig, es gibt keine Au\u00dfenaufnahmen, keine Totalen, nur gelegentlich eine Halbtotale. Es gibt keine traditionelle Spannungskurve, abgesehen von der historisch korrekten, aber trotzdem konventionellen Nebenhandlung um Don Hollenbeck. Der Film besteht aus Dialog und Zitat und Pausen dazwischen. Eine Jazz-S\u00e4ngerin im Studio teilt mit ihren verschiedenen Liedern den Film in Kapitel ein. (Und sie ist nat\u00fcrlich deshalb im Studio, weil sie live \u00fcbertragen wird. Wie ein Gro\u00dfteil des Materials damals.)<\/p>\n<p>Dass und warum in diesem Film soviel geraucht wird, kann man bei <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/22\/22401\/1.html\">der Kritik bei Telepolis<\/a> nachlesen. Ein Grund ist sicher auch der, dass sich kr\u00e4uselnder Zigarettenrauch auf Schwarzwei\u00dffilm gerne mal sehr gut aussieht. Sehr lustig ist dabei die Zigaretten-Fernsehwerbung vor einer von Murrows Sendungen: &#8222;Unsere Umfragen haben ergeben, dass Sie als Zuschauer von <em>Person to Person<\/em> \u00fcberdurchschnittlich gebildet sind und nicht leicht auf Werbung hereinfallen. Das freut uns, denn so k\u00f6nnen wir Ihnen&#8230;&#8220; (Nicht erw\u00e4hnt wird, dass Murrow auch eine Sendung \u00fcber den Zusammenhang von Krebs und Rauchen gemacht hat.)<\/p>\n<p>Eigentlich geht es in dem Film weniger um die McCarthy-Zeit als um die Rolle, die die Medien spielen k\u00f6nnen und sollen. Damit ist der Film vor allem eine Kritik an der aktuellen Berichterstattung. Murrows Rede ist heute genauso n\u00f6tig wie fr\u00fcher. Eine R\u00fcckkehr zu Murrows Zeiten ist allerdings nicht m\u00f6glich; dazu ist das System heute zu veschieden.<br \/>\nIn den Fr\u00fchzeiten von Radio und Fernsehen gab es viele lokale Sender, die von den gro\u00dfen Sendernetzen (wie etwa CBS, Central Broadcasting Network) Programm einkauften. &#8222;Syndication&#8220; hei\u00dft das, so wie bei den RSS-Feeds. Die meisten Sendungen waren gesponsort, allerdings g\u00f6nnten sich die Sender auch Sendungen ohne Sponsor. &#8222;Sustained&#8220; hie\u00df das dann, und daf\u00fcr zahlte CBS dann selber. Dennoch war der Sponsor eminent wichtig. Stieg der Sponsor aus, musste man einen neuen finden, oder die Sendezeit selber bezahlen. Erst sp\u00e4ter kam das Konzept auf, Werbezeit direkt zu verkaufen, ohne einen festen Sponsor f\u00fcr eine Sendung zu haben.<br \/>\nSehr viele Sendungen wurden live gesendet. Comedy mit Publikum im Studio, Musik mit Orchester im Raum. Werbung hie\u00df, dass der Vertreter des Sponsors das Mikrophon in die Hand bekam und sein Spr\u00fcchlein sagte.<\/p>\n<p>Am Ende des Films wird Murrows Sendung, so erfolgreich sie war, auf einen schlechteren Sendeplatz verschoben: Spielshows mit Preisen sind beliebter und viel billiger zu produzieren.<\/p>\n<p>Lesen dazu: Die Kritik bei <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1441\">Anke Groener<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Historisches:<\/strong><\/p>\n<p>Vor und w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges war Murrow Korrespondent in Europa. Er sendete regelm\u00e4\u00dfig Reportagen aus Londoner Bombenn\u00e4chten. Die Er\u00f6ffnungsworte &#8222;This&#8230;. is London&#8220; kannten viele; Edward R. Murrow genoss das Vertrauen der amerikanischen H\u00f6rerschaft als zuverl\u00e4ssiger Berichterstatter. Nur deshalb konnte er McCarthy angreifen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens nach dem Ende des Weltkriegs wurde die Sowjetunion nicht mehr als Partner, sondern als Bedrohung f\u00fcr die USA empfunden. 1950 brach der Korea-Krieg aus, 1951 wurden Julius und Ethel Rosenberg als russische Spione hingerichtet. Senator McCarthy machte es sich zum Anliegen, Kommunisten und Sympathisanten aus der US-Regierung und unter den Regierungsangestellten zu entfernen. Streng genommen beschr\u00e4nkte sich McCarthy auf diesen Bereich, aber weite Teile des \u00f6ffentlichen Lebens, allen voran die Film-Industrie, folgten ihm. Kommunisten und Sympathisanten &#8211; und das konnte jeder sein, der zwanzig Jahre zuvor (Depressionszeit) auf der falschen Demo war &#8211; kamen auf eine illegale Schwarze Liste. Das lud zum Denunziantentum ein. Arthur Millers <em>The Crucible<\/em> kann man fast nur als Parabel auf diese Paranoia lesen. Ein sch\u00f6ner Film zum Thema ist <a href=\"http:\/\/imdb.com\/title\/tt0074554\/\">The Front<\/a>. Dort verkauft Woody Allen die Drehb\u00fccher all der Autoren, die in Hollywood keine Arbeit mehr kriegen.<\/p>\n<p>In den 50ern tauchte ein weiteres Problem auf: Juvenile delinquency, kriminelle Jugendliche. 1955 erschien der Film <em>Blackboard Jungle<\/em> \u00fcber verrohte Jugendliche an einer High School (und mit &#8222;Rock around the clock&#8220; von Bill Haley erreichte auch der Rock &#8217;n Roll das Kino). Wer war schuld daran? Einmal der Kommunismus, andererseits auch die Comics. 1953 erschien Frederick Werthams <em>Seduction of the Innocent<\/em>, ein popul\u00e4rpsychologisches Buch, das den Comics der Zeit Gewaltverherherrlichung, Brutalisierung und Propagierung von Homosexualit\u00e4t vorwarf. Das Buch hatte gro\u00dfen Einfluss und trug einen gro\u00dfen Teil zum Niedergang der Comics in den 50ern bei.<\/p>\n<p>Die Comics versuchten sich zu wehren, indem sie argumentierten, dass gerade die Kommunisten ein Verbot der Comics wollten. Das half ihnen aber auch nicht mehr.<\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/magnifier_new.js\"><\/script><\/p>\n<div id=\"placeholder\" style=\"position:relative\">\n<img src='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/red_dupe_small.jpg' width=\"355\" height=\"516\" alt='' \/>\n<\/div>\n<p><script type=text\/javascript>loadMagnifier('placeholder', 'https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/red_dupe_large.gif', 709, 1032, 0);<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(11 Kommentare.) Gestern war ich im Kino, Good Night, and Good Luck von George Clooney. Hat mir der Film gefallen? Ja. Wird es ein Lieblingsfilm von mir werden? Wohl nicht. 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