{"id":5821,"date":"2013-10-29T07:30:49","date_gmt":"2013-10-29T06:30:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=5821"},"modified":"2023-06-14T14:10:23","modified_gmt":"2023-06-14T12:10:23","slug":"wem-gehoert-das-medium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/10\/wem-gehoert-das-medium.htm","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6rt das Medium?"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/10\/wem-gehoert-das-medium.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Ingo Bartling <a href=\"http:\/\/blog.ingo-bartling.de\/2013\/10\/25\/moderner-unterricht\/\">postete neulich ein Foto eines Klassenzimmers<\/a>, in dem &#8211; obwohl Laptop und Beamer da waren &#8211; dann doch Tafel, Kreide und die olle Erdkundekarte an der Wand benutzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist tats\u00e4chlich so, dass manche Kollegen noch wenig wissen, welches sch\u00f6ne Material es digital gibt und wie man es nutzt. Manche k\u00f6nnen auch nicht sicher mit der Technik umgehen. Allerdings: Manchmal funktioniert die Technik auch einfach nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>So oder so fand ich bei Ingos Foto vor allem die Erdkundekarte an der Wand ganz attraktiv. Einladend. Wie kam das? Ich konnte mich nicht erinnern, dass mir die Karten in meiner Schulzeit irgendwie interessant erschienen. Aber bei meinen j\u00e4hrlichen Rollenspielen, da arbeiten wir viel mit Karten:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/rollenspielen_2011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"550\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/rollenspielen_2011-550x329.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3489\" title=\"rollenspielen_2011\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/rollenspielen_2011-550x329.jpg 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/rollenspielen_2011-150x89.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/rollenspielen_2011-1024x613.jpg 1024w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/rollenspielen_2011.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Zugegeben, wir spielen in den 1930er Jahren, da h\u00e4tte ein Beamer &#8211; statt des papierenen Kartenmaterials &#8211; vielleicht eine anachronistische Note. Aber sowohl bei Fantasy-Abenteuern als auch bei Cyberpunk w\u00e4re mir Material aus Papier erst einmal lieber gewesen. Erst einmal: weil ich mir bei Cyberpunk schon auch digitale Medien vorstellen kann, also Webseiten. Ich h\u00e4tte da aber gern, dass jeder Spieler sein eigenes Tablet hat. Und es muss viel Material geben, auch sch\u00f6ne Interviews, die man immer wieder anh\u00f6ren kann, im Prinzip ein <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Alternate_reality_game\">Alternate Reality Game<\/a>. Wenn ich aber nur die Wahl h\u00e4tte zwischen einem Beamer und einer gro\u00dfen Erdkundeunterricht-Landkarte an der Wand, dann w\u00e4re mir die Landkarte weitaus lieber.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum? Einmal sicher, weil es Spa\u00df macht, sich wie in alten Filmen vor die Karte zu stellen und eventuell sogar Stecknadeln reinzupieksen. Aber noch mehr, glaube ich, weil ich als Spieler &#8211; und vielleicht auch als Sch\u00fcler &#8211; gerne die Kontrolle \u00fcber mein Medium habe. Beim Beamerbild vom Rechner des Spielleiters &#8211; oder Lehrers &#8211; k\u00f6nnte ich mir nie sicher sein, dass die Landkarte, beispielsweise, immer zu meiner Verf\u00fcgung steht. Der Lehrer &#8211; oder Spielleiter &#8211; kann sie ausschalten oder ein anderes Bild an die Wand werfen. Bei dem Kartenausschnitt auf dem Spieltisch oder der Landkarte an der Wand w\u00e4re das nicht so. Ich kann &#8211; w\u00e4hrend des Rollenspiels &#8211; jederzeit den Papierstapel auf dem Tisch durchw\u00fchlen, bis ich die Karte, den Brief, den Tagebuchausschnitt, das Foto gefunden habe, das ich haben wollte, um etwas nachzupr\u00fcfen. Die Erlaubnis des Spielleiters brauche ich dazu nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es l\u00e4uft f\u00fcr mich wohl auf die Frage hinaus: Wer hat die Kontrolle \u00fcber die verwendeten Medien? Medien, das sind, wenn ich mal Ger\u00e4te und Formen mischen darf: Tafel, Rechner\/Beamer, Landkarte. Poster an der Wand. Schulbuch, Atlas. Wohl auch Realien, also Mitbringsel. Filmaufnahmen, Audioaufnahmen, Tageslichtprojektor. Z\u00e4hlt das selbst gef\u00fchrte Schulheft dazu?<br>Kontrolle haben die Sch\u00fcler \u00fcblicherweise und innerhalb gewisser Grenzen allenfalls \u00fcber&#8230; hm, nicht viel. Also, wenn sie am Rechner (oder Tablet) sitzen, dann schon. Und Poster im Klassenzimmer oder das Periodensystem, die werden in der Regel nicht pl\u00f6tzlich abgedeckt; wenn Sch\u00fcler dieses Material auch nicht kontrollieren, so k\u00f6nnen sie sich doch auf deren Vorhandensein verlassen. Alles andere steht \u00fcblicherweise unter der Herrschaft der Lehrkraft.<\/p>\n\n\n\n<p>So sieht es auch der lern-\/lehrtheoretische Ansatz, das Berliner Modell, das man im ersten Didaktikkurs serviert kriegt:<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5828\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/BerlinerModell.jpg\" alt=\"BerlinerModell\" width=\"500\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/BerlinerModell.jpg 500w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/BerlinerModell-125x150.jpg 125w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/BerlinerModell-458x550.jpg 458w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><br><small>(<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:BerlinerModell1.jpg\">Quelle: Oeclan@Wikipedia<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">CC-BY-SA 3.0 unported<\/a>)<\/small><\/p>\n\n\n\n<p>Medien sind Mittel &#8211; Mittel, die vor allem die Lehrkraft einsetzt. Wikipedia &#8211; in diesem Fall sicher nicht die zuverl\u00e4ssigste Quelle &#8211; versteht unter dem Begriff der Medien in diesem Modell:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die Mittel, die Medien, die ich [anzunehmen: als Lehrkraft] brauche, wenn ich diesen Weg gehen will:<br>Habe ich diese Mittel\/das Material, oder muss ich den Weg \u00e4ndern, weil sie mir nicht zur Verf\u00fcgung stehen? (Z. B.: Mir fehlt ein Dia-Projektor und ich wollte Bilder zeigen.)<br>Passen die Medien zu den Voraussetzungen der Teilnehmer, den Zielen, den Inhalten usw?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein anderer Ansatz w\u00e4re, statt Mittel &#8222;Werkzeuge&#8220; in den Vordergrund zu stellen. Welche Werkzeuge stelle ich den Sch\u00fclern zur Verf\u00fcgung, welche kennen sie, um das angestrebte Ziel \u00fcber die ausgew\u00e4hlten Inhalten zu erreichen? Oder geh\u00f6rt das im Berliner Modell dann einfach zu den Methoden? Die besondere Stellung der Medien in diesem Modell hat mich als Student irritiert, und auch heute sehe ich die Medien den Methoden eher untergeordnet als gleicherbechtigt neben ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Werkzeuge f\u00fcr Sch\u00fcler: Dann m\u00fcssten die Sch\u00fcler dar\u00fcber Kontrolle haben, und den Umgang damit ge\u00fcbt haben. Offiziell geh\u00f6ren Atlas, Taschenrechner, Formelsammlung und W\u00f6rterbuch dazu, und zumindest beim W\u00f6rterbuch ist es schwierig, den Sch\u00fclern das als Werkzeug schmackhaft zu machen. Der Computer ist ein geeignetes Werkzeug f\u00fcr vieles, aber man k\u00f6nnte ebenso mit dem eigenen Heft, dem Schulbuch (wenn es sich denn daf\u00fcr eignete), der Materialsammlung oder Postern im Klassenzimmer anfangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) 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