{"id":5866,"date":"2013-12-23T19:31:17","date_gmt":"2013-12-23T18:31:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=5866"},"modified":"2013-12-27T17:51:33","modified_gmt":"2013-12-27T16:51:33","slug":"douglas-r-hofstadter-goedel-escher-bach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/12\/douglas-r-hofstadter-goedel-escher-bach.htm","title":{"rendered":"Douglas R. Hofstadter, G\u00f6del, Escher, Bach"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/12\/douglas-r-hofstadter-goedel-escher-bach.htm#comments'>4 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float:left; margin-right:10px;\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/goedel_escher_bach.jpg\" alt=\"goedel_escher_bach\" width=\"200\" height=\"290\" class=\"alignnone size-full wp-image-5867\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/goedel_escher_bach.jpg 200w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/goedel_escher_bach-103x150.jpg 103w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/> Das erste Mal gelesen habe ich das Buch vermutlich zu meiner Milit\u00e4rzeit, sicher jedenfalls in der Zeit nach dem Abitur und vor dem Studium. (Das war damals die ganz regul\u00e4re Wehrpflicht, \u00c4ltere erinnern sich.) Da hatte ich viel Zeit, und auch jemand getroffen, mit dem ich \u00fcber Hoftstadter, Lord Dunsany, Rollenspiele und die Illuminatus!-Trilogie diskutieren konnte. Wenn man sucht, findet man Leute wie uns \u00fcberall.<\/p>\n<p>Das erste Mal geh\u00f6rt hatte ich von diesem Buch im Englisch-Leistungskurs; Herr Gratzke benutzte es als Beispiel, um das Wort &#8222;pretentious&#8220; zu erkl\u00e4ren. Da h\u00f6rte ich nat\u00fcrlich besonders interessiert zu. Das Buch, 1979 erschienen, war ein Bestseller, die &#8222;Bibel des Computerzeitalters&#8220;, wie es in einer Rezension von Thomas von Randow hie\u00df, Pulitzer-Preis-Gewinner. Ich hatte schon wieder vergessen, was &#8222;pretentious&#8220; war, und es h\u00e4tte mich auch nicht weiter gek\u00fcmmert; ich wusste auch nicht, dass das Buch als schwer zu lesen und zu verstehen galt, und so fand ich es auch \u00fcberhaupt nicht schwer. Ich habe es einmal ganz und manche Kapitel immer und immer wieder gelesen. <\/p>\n<p>Allerdings war ich auch in der gl\u00fccklichen Lage, gut darauf vorbereitet worden zu sein. Da waren zum einen die mathematische R\u00e4tselb\u00fccher von Martin Gardner und vor allem Raymond Smullyan (&#8222;Dame oder Tiger&#8220; von 1982, ganz hervorragend), in denen ich bereits auf formale Systeme und G\u00f6del und Quinierung stie\u00df. Und vor allem war da das Spiel WFF&#8217;N&#8217;PROOF (<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/04\/wff-n-proof.htm\">Blogeintrag dazu<\/a>), mit dem ich mich im Jahr zuvor viel besch\u00e4ftigt hatte. In diesem Spiel ging es um formale Logik, um Axiome und Ableitungsregeln, um well-formed formulae, um Rekursion &#8211; und mit diesem Hintergrundwissen war die erste H\u00e4lfte von <em>G\u00f6del, Escher, Bach<\/em> quasi ein Heimspiel.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich hielt das Buch viel Neues f\u00fcr mich bereit. Ein bisschen was habe ich \u00fcber Bach und Fugen gelernt, etwas mehr \u00fcber M. C. Escher (zu dem ich dann mehrere B\u00fccher las); vor allem war das Buch der Ansto\u00df, mich mit Zen-Buddhismus zu besch\u00e4ftigen &#8211; sicher auf oberfl\u00e4chliche Weise, aber f\u00fcr mich sehr gewinnbringend, und das heute noch. Auch bei Smullyan traf ich dann wieder auf Zen-Buddhismus, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Neu war f\u00fcr mich auch Alan Turing, rekursive Aufz\u00e4hlbarkeit, der Turing-Test, G\u00f6delisierung. Neu, aber ohne Folgen, war der Ausflug in die Biochemie, in DNA und RNA und Enzyme und Terti\u00e4rstruktur.<\/p>\n<p>Und vor ein paar Wochen habe ich das Buch wieder gelesen, nach gut f\u00fcnfundzwanzig Jahren Pause. Ein paar Dinge haben mich dabei \u00fcberrascht. Erst mal, wie leicht mir die Lekt\u00fcre der ersten H\u00e4lfte fiel. Das kannte ich zum einen noch von damals; und nebenbei: ich gewann einen gewissen Respekt vor meinem  zwanzigj\u00e4hrigen Ich, so im Nachhinein. Aber das mit BlooP und FlooP hatte ich damals nicht verstanden, mit dem Unterschied zwischen primitiv-rekursiven und &mu;-rekursiven Funktionen, \u00fcberhaupt die rekursive Aufz\u00e4hlbarkeit &#8211; aber mit den Informatik-Kenntnissen, die bei mir inzwischen dazu gekommen sind, war das auch eher Grundwissen.<br \/>\n\u00dcberrascht hat mich, wie wenig letztlich zum Zen-Buddhismus im Buch steckt; wo mir das doch mit am besten im Ged\u00e4chtnis geblieben ist.<br \/>\nDie erste H\u00e4lfte des Buches fand ich am besten. Darin geht es um formale Systeme, um Ableitungen, um Beweisbarkeit. Letztlich das, was mir an theoretischer Informatik so gefallen hat. Kapiert habe ich das meiste, wenn auch zum Schluss hin nicht mehr alles. Die Mitte des Buches ist recht schwer. Danach kam viel Biochemie (noch ohne explizite Verbindung zur Bioinformatik, die damals wohl noch nicht so etabliert war wie heute), das hat mich wenig interessiert, und war wird auch nicht viel h\u00e4ngen bleiben. Die eher philosophischen Auslassungen zur k\u00fcnstlichen Intelligenz in der zweiten H\u00e4lfte waren dann auch weniger mein Fall.<\/p>\n<p>Insgesamt: 4,5 von 5 Sternen. Und gelernt: Der unselige &#8222;Paradigmenwechsel&#8220; war damals noch nicht so als Allerweltswort (s. Kompetenzorientierung) verbreitet, dass &#8222;paradigm shift&#8220; noch als &#8222;Paradigma-Verschiebung&#8220; \u00fcbersetzt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(4 Kommentare.) Das erste Mal gelesen habe ich das Buch vermutlich zu meiner Milit\u00e4rzeit, sicher jedenfalls in der Zeit nach dem Abitur und vor dem Studium. (Das war damals die ganz regul\u00e4re Wehrpflicht, \u00c4ltere erinnern sich.) 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