{"id":5889,"date":"2014-01-14T20:04:02","date_gmt":"2014-01-14T19:04:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=5889"},"modified":"2023-06-13T13:00:01","modified_gmt":"2023-06-13T11:00:01","slug":"israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/01\/israel.htm","title":{"rendered":"Israel"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/01\/israel.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>\u00dcber die Weihnachtsferien war ich in Israel, in Tel Aviv. Das war eine sch\u00f6ne und bildende Erfahrung. Es fing schon mal damit an, dass man im M\u00fcnchen nicht von einem der \u00fcblichen Terminals abfliegt: f\u00fcr Fl\u00fcge nach Israel muss man erst Mal zu Fu\u00df unter einer Br\u00fccke durch und \u00fcber den Parkplatz &#8211; so f\u00fchlt es sich jedenfalls an &#8211; und dann in ein eigenes Containergeb\u00e4ude. Macht es das f\u00fcr die anderen Passagiere leichter, falls die Sicherheitskontrollen irgendwann mal gr\u00fcndlicher werden (sie waren nicht anders als sonst) oder falls mal eine Bombe explodiert? Jedenfalls ist das wohl weltweit so: Wenn man nach Israel fliegt, fliegt man von einem separaten Terminal.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Einreise ging schnell und problemlos. Deutsche brauchen zwar technisch ein Visum, aber das kriegt man (in unserer Generation) automatisch bei der Einreise. Eigentlich kommt so ein Visum als Stempel in den Pass. Aber weil so ziemlich alle arabischen L\u00e4ndern \u00c4rger machen, wenn man ein israelisches Visum im Pass hat, kriegt man das auf Wunsch auch ein Extrablatt. So hie\u00df es vorher; tats\u00e4chlich gibt es nicht mal mehr das, sondern man kriegt ein visitenkartengro\u00dfes K\u00e4rtchen, das man im Pass liegen l\u00e4sst. Ich h\u00e4tte nichts gegen ein israelisches Visum im Pass gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Tel Aviv gelandet, war erst mal Schabbat. Tel Aviv ist sehr weltlich, aber Schabbat ist Schabbat: Weder Z\u00fcge noch Busse fahren. Es war aber kein Problem, mit dem Taxi in die Innenstadt zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tel Aviv: Sch\u00f6ne Urlaubsstadt. Meer. Sonnenunterg\u00e4nge. Zwanzig Grad im Winter. Frisch gepresster Granatapfelsaft. Leckeres Essen. So viel Bauhaus-Architektur, dass es f\u00fcr ein Unesco-Weltkulturerbe reicht.<br>Tel Aviv ist nat\u00fcrlich auf Touristen ausgerichtet, ich wurde meist gleich als Deutscher ausgemacht. Deutsche sind sehr willkommen dort. Fast alle Leute, mit denen wir zu tun hatten, sprachen sehr gut Englisch. Ausl\u00e4ndische Filme und Serien im Fernsehen laufen, hebr\u00e4isch untertitelt, in der Originalsprache.<\/p>\n\n\n\n<p>Vergn\u00fcgen hat mir das Lesen der hebr\u00e4ischen Schriftzeichen gemacht: Es gibt gar nicht so viele davon, gut zwanzig; das Aleph kennt man ja sowieso irgendwoher, und die anderen lernt man auch nach und nach &#8211; erst Lamed, Kof und Resch, dann Schin, und so weiter.<br>Wenn man sich etwas damit besch\u00e4ftigt hat, fallen einem auch die \u00c4hnlichkeiten mit dem lateinischen Alphabet auf, nicht nur bei den Bezeichnungen der Buchstaben, sondern auch in der Form, so exotisch die hebr\u00e4ischen Buchstaben auch zuerst anmuten. Kein Wunder: das hebr\u00e4ische und lateinische Alphabet, und das griechische, das kyrillische, selbst das arabische &#8211; alle gehen direkt oder mittelbar auf das ph\u00f6nizische Alphabet zur\u00fcck. (Und das wiederum, andere Geschichte, auf die \u00e4gyptische Hieroglyphenschrift.)<br>Wenn man das \u05e7 (Kof) spiegelverkehrt betrachtet, wird unser Q daraus, das \u05e8 (Resch) sieht aus wie ein spiegelverkehrtes r, das \u05e4 (Pe) &#8211; am Wortende \u05e3 &#8211; erinnert an ein spiegelverkehrtes P.<br>Spiegelverkehrt, weil Hebr\u00e4isch von rechts nach links geschrieben wird. &#8211; \u00dcbrigens haben das die alten Griechen auch nicht so eng gesehen, da wird in fr\u00fcher Zeit auch mal in die eine, mal in die andere Richtung geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Gehirn brauchte etwas, bis ich die hebr\u00e4ischen Schriftzeichen im Fenster des Caf\u00e9 von innen, also spiegelverkehrt, also von links nach rechts, also, \u00e4h, richtigherum, oder wie, richtig einordnen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>(Das Hebr\u00e4ische ist bekanntlich eine Konsonantenschrift, trotzdem wird sehr h\u00e4ufig das j f\u00fcr i\/e? und das w f\u00fcr o\/u geschrieben, aber nur in manchen Silben. Die Regeln habe ich nicht herausgekriegt, ebensowenig, wann das Aleph f\u00fcr ein a steht und wann nicht. In biblischen Texten oder Kinderb\u00fcchern werden die Vokale durch diakritische Zeichen angedeutet; ich habe auch englische Firmenschilder in lateinischer Schrift gesehen, ohne Vokalzeichen, stattdessen mit den entsprechenden aus dem Hebr\u00e4ischen entlehnten diakritischen P\u00fcnktchen. Ist aber wohl nicht verbreitet. &#8212; Sprechen oder verstehen kann ich Iwrit, so hei\u00dft das moderne Hebr\u00e4isch, nat\u00fcrlich kein bisschen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stra\u00dfenschilder sind alle dreisprachig: Hebr\u00e4isch, Arabisch, Englisch. Englische Schrift sieht man auch sonst viel auf Schildern, Plakaten, in der Werbung. Einmal wurde im Fernsehen eine Werbe-Textzeile Zeichen f\u00fcr Zeichen eingeblendet: Zuerst von rechts nach links f\u00fcr das Hebr\u00e4ische, beim englischen Einsprengsel dann von der Gegenrichtung aus. Kursive hebr\u00e4ische Schrift habe ich in beide Richtung gelehnt gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fchlte mich nicht eigentlich klaustrophobisch in Israel, war mir aber sehr der Grenzen bewusst. Das Land ist nicht gro\u00df, so gro\u00df wie Hessen, oder achtmal Saarland. Im Westen liegt das Mittelmeer, in allen anderen Himmelsrichtungen ist das Land umgeben von L\u00e4ndern, in die man von Israel aus nicht so einfach reisen kann. In Deutschland kann man stundenlang Auto oder Bahn fahren, im eigenen Land oder in die Nachbarstaaten. In Israel geht das nicht. Einmal fuhren wir mit dem Zug anderthalb Stunden nach Norden, da kam schon bald die Grenze zum Libanon, und dann mit dem Bus eine halbe Stunde nach Osten, da waren wir schon ein Drittel quer durch Israel durch. Wundersch\u00f6ne Landschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alte Jerusalem ist \u00fcberraschend klein, ein Quadrat mit einem Kilometer Stadtmauer an jeder Seite. Es war gar nicht voll, die Weihnachtsferien sind eine gute Zeit, um dorthin zu fahren. (Pullover mitnehmen, in Jerusalem ist es deutlich k\u00e4lter als im tiefer gelegenen Tel Aviv.) Selbst die Grabeskirche war, abseits der Grabst\u00e4tte, nicht sehr \u00fcberlaufen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grabeskirche_jerusalem.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"412\" height=\"550\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grabeskirche_jerusalem-412x550.jpg\" alt=\"grabeskirche_jerusalem\" class=\"wp-image-5897\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grabeskirche_jerusalem-412x550.jpg 412w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grabeskirche_jerusalem-112x150.jpg 112w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/grabeskirche_jerusalem.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 412px) 100vw, 412px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>(Diese Innenaufnahme sieht so nach au\u00dfen aus. Die Grabeskirche ist ein kleines Labyrinth von Geb\u00e4uden und G\u00e4ngen. Bisher war ich nur im Rollenspiel dort.)<\/p>\n\n\n\n<p>In Rom hatte ich nicht das Gef\u00fchl, wie kurz zweitausend Jahre sind, hier schon. Weil der Ort kleiner ist? Weil ich mir das Jerusalem vor zweitausend Jahren besser vorstellen kann als das alte Rom, weil weniger passiert ist in Jerusalem als in Rom? Nat\u00fcrlich stehen nicht mehr die gleichen Stadtmauern wie fr\u00fcher. Und doch.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Klagemauer hatte ich eine eigene Kippa dabei, ansonsten nimmt man sich dort eine.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gedenkst\u00e4tte Yad Vashem war sehr bewegend. Reich-Ranicki auf Video gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Lekt\u00fcre: In Israel habe ich <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/12\/theodor-herzl-altneuland.htm\"><em>Altneuland<\/em> von Theodor Herzl<\/a> gelesen, einem Begr\u00fcnder des Zionimus, also des Gedankens, einen j\u00fcdischen Staat oder eine j\u00fcdische Gesellschaft zu gr\u00fcnden. Tel Aviv ist nach diesem Buch benannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und <em>The Innocents Abroad<\/em> von Mark Twain habe ich wiedergelesen: Dieser umfangreiche und unterhaltsame Bericht begleitet die Reise von gut sechzig amerikanischen Honoratioren (und Mark Twain), die 1867 einen Dampfer charterten und damit eine Reise nach Europa und ins Heilige Land durchf\u00fchrten. Nordafrika, Frankreich (keine Seife, nirgends), Italien (gen\u00fcgend N\u00e4gel vom Heiligen Kreuz, um ein Fass damit zu f\u00fcllen; drei verschiedene Schwei\u00dft\u00fccher der Veronika in drei verschiedenen St\u00e4dten), Griechenland; T\u00fcrkei und Krim, dann durch den Libanon nach Pal\u00e4stina. Zur\u00fcck \u00fcber \u00c4gypten und Spanien. Bei den Beschreibungen der Grabeskirche habe ich alles wiedererkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Illustrationen aus dem Buch:<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5899\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_jaffa-550x345.jpg\" alt=\"twain_innocents_jaffa\" width=\"550\" height=\"345\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_jaffa-550x345.jpg 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_jaffa-150x94.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_jaffa-900x566.jpg 900w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_jaffa.jpg 927w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><br>Jaffa. Heute der s\u00fcdliche Teil von Tel Aviv (das offiziell Tel Aviv-Yafo hei\u00dft). Hie\u00df auch mal Joppe oder Joppa. Von hier fl\u00fcchtete Jona aufs Meer, um dort von einem Wal verschluckt zu werden. Den Felsen der Andromeda sieht man noch, also da, wo sie angekettet war, bis Perseus sie vor dem Seeungeheuer rettete.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5900\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_jerusalem-550x393.jpg\" alt=\"twain_innocents_jerusalem\" width=\"550\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_jerusalem-550x393.jpg 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_jerusalem-150x107.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_jerusalem.jpg 747w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><br>Jerusalem. Sieht immer noch so \u00e4hnlich aus. Mehr Stadt drumrum, klar.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5901\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_grabeskirche-336x550.jpg\" alt=\"twain_innocents_grabeskirche\" width=\"336\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_grabeskirche-336x550.jpg 336w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_grabeskirche-91x150.jpg 91w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/twain_innocents_grabeskirche.jpg 469w\" sizes=\"auto, (max-width: 336px) 100vw, 336px\" \/><br>Yup. Da stand ich auch. Die Grabeskirche.<\/p>\n\n\n\n<p>In Tel Aviv im Kunstmuseum gewesen, auch Videoinstallationen gesehen. Die k\u00f6nnte man doch auch bei Youtube einstellen. Ist das dann keine Kunst mehr? Kunst definiert sich dadurch, dass sie im Museum steht; macht mal jemand bitte Kunst f\u00fcr Youtube? Andy Warhol hat mit der Reproduzierbarkeit ja nur gespielt; darf Kunst nicht reproduzierbar sein?<br>Sehr sch\u00f6n und witzig die Ausstellung &#8222;The Logical, the Ironic, and the Absurd&#8220; von Ron Gilad (<a href=\"http:\/\/designspace.telavivian.com\/2013\/09\/02\/ron-gilad-%C2%A7\/\">Zeitungsbericht<\/a>). Das steht hier, damit ich mir den Namen merke. Unter anderem wurden die Museumsw\u00e4rter als Kunstwerke mit einbezogen. Mit so etwas kriegt man mich.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5902\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/tel_aviv-550x412.jpg\" alt=\"tel_aviv\" width=\"550\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/tel_aviv-550x412.jpg 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/tel_aviv-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/tel_aviv.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><br>Der Strand bei Sonnenuntergang.<\/p>\n\n\n\n<p>Allgegenw\u00e4rtig dort: Das Pok-Pok der, uh, Pokpok-Spieler?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-handler-einbetten wp-block-embed-handler-einbetten\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-5889-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/tel_aviv.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/tel_aviv.mp3\">https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/tel_aviv.mp3<\/a><\/audio>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>An der Uferpromenade zum ersten Mal in meinem Leben echtes <em>three-card monte<\/em> gesehen. Ich habe mich aber nicht getraut, mich ausnehmen zu lassen. Mit K\u00fcgelchen hei\u00dft das auch H\u00fctchenspiel, ist klassischer Trickbetrug, urspr\u00fcnglich dergestalt, dass ein Komplize dem Hereinzulegenden suggeriert, er k\u00f6nne selber den Spieler betr\u00fcgen. Keine Ahnung, ob das heute noch so gespielt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) \u00dcber die Weihnachtsferien war ich in Israel, in Tel Aviv. Das war eine sch\u00f6ne und bildende Erfahrung. 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