{"id":5896,"date":"2014-01-15T20:50:19","date_gmt":"2014-01-15T19:50:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=5896"},"modified":"2023-05-16T09:05:09","modified_gmt":"2023-05-16T07:05:09","slug":"robin-sloan-mr-penumbras-24-hour-bookshop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/01\/robin-sloan-mr-penumbras-24-hour-bookshop.htm","title":{"rendered":"Robin Sloan, Mr. Penumbra&#8217;s 24-Hour Bookshop"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/01\/robin-sloan-mr-penumbras-24-hour-bookshop.htm#comments'>5 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float:right; margin-left:10px;\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/sloan_penumbra.jpg\" alt=\"sloan_penumbra\" width=\"150\" height=\"229\" class=\"alignnone size-full wp-image-5905\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/sloan_penumbra.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/sloan_penumbra-98x150.jpg 98w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Es ist mir schon mindestens zweimal passiert, dass sich B\u00fccher als ganz ausgezeichnet herausgestellt haben, die ich an Flugh\u00e4fen beim R\u00fcckflug mitgenommen habe. Deshalb kaufe ich dort gerne mal ein Taschenbuch, so auf gut Gl\u00fcck. Diesmal war die Auswahl klein, aber es gab eines um eine geheimnisvolle Buchhandlung, <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/05\/geheimnisvolle-laeden.htm\">eines meiner liebsten Themen<\/a>. Aber kann man im 21.Jahrhundert noch etwas Neues \u00fcber dieses Thema schreiben?<\/p>\n<p>Ja und nein. <\/p>\n<p>Wir beginnen mit einer unheimlichen Buchhandlung mit Namen an der Glast\u00fcr, spiegelverkehrt abgedruckt. Hm, ja, geht eigentlich nicht mehr. Die Hauptperson braucht einen Job und bleibt ansonsten eher zweidimensional und wundert sich nicht sehr \u00fcber das Wunderbare, das er erlebt. Das w\u00e4re okay bei einer nicht-realistisch erz\u00e4hlten Geschichte, aber diese hier kann sich wohl nicht entscheiden. Entweder die Geschichte ist nicht-realistisch, also parabelhaft, alptraumhaft, utopisch, traumhaft, so wie <em>Der Mann, der Donnerstag war<\/em> von Chesterton &#8211; dann gibt sich dieser Roman zu viel M\u00fche mit realistischen Erkl\u00e4rungen, und die beschriebene Welt ist der unseren zu \u00e4hnlich. Oder er soll tats\u00e4chlich mehr oder weniger in unserer Welt spielen &#8211; dann m\u00fcssten die Figuren glaubw\u00fcrdiger sein. Und die Wissenschaft. Oh, die Wissenschaft.<\/p>\n<p>Also: Der junge Mann in der Buchhandlung kommt einer geheimen Verbindung auf die Schliche. Man muss ein Geheimnis entr\u00e4tseln, um volles Mitglied zu werden; das genaue Verfahren wird nie beschrieben, es erfordert das Lesen von letztlich ziemlich willk\u00fcrlich entstandenen B\u00fcchern und klingt ziemlich unglaubw\u00fcrdig, und wird f\u00fcr den Rest des Buchs dann auch wieder vergessen. Als Vollmitglied darf man sich dann an das Aufl\u00f6sen der Verschl\u00fcsselung des gro\u00dfen Meisters machen.<br \/>\nUnser Held und seine treuen Gef\u00e4hrten nutzen die Macht des Computers dazu. Weil Computer bekanntlich alles k\u00f6nnen, jedenfalls wenn man genug davon hat. Als unsere Helden Zugang zu den Rechnern von Google erhalten, ist f\u00fcr sie das Problem gel\u00f6st: Man l\u00e4dt die interessierten Parteien ein, und legt einen Schalter um. So wie bei den Horrorfilmen fr\u00fcher: Es bitzelt und batzelt, und dann passiert etwas Dramatisches. (Das Monster lebt, die Rakete startet, hier: der entschl\u00fcsselte Text erscheint.) Man macht sich nicht mal die M\u00fche, irgendein Verschl\u00fcsselungsverfahren auszumachen, weil die Macht der Rechner einfach alle denkbaren Verfahren ausprobiert. Kryptographen werden nicht herangezogen. Das Wort Entropie f\u00e4llt nicht. &#8211; Die Rechner kommen zu keinem Ergebnis. Die L\u00f6sung? &#8222;Captain, we need more power!&#8220; Also werden mehr Rechner dazu geschaltet, schlie\u00dflich sogar s\u00e4mtliche Rechner von Google (so dass Google weltweit f\u00fcr drei Sekunden ausf\u00e4llt). Wie wahrscheinlich das wohl ist? Aber nach diesen drei Powersekunden beschlie\u00dft Google, dass der Text nicht zu entschl\u00fcsseln ist. Kein Sinn mehr, weiter zu rechnen: Wenn selbst alle Rechner der Welt etwas in drei Sekunden nicht schaffen, dann kann das Problem nicht rechnerisch gel\u00f6st werden, weil die Rechner ja alles ausprobiert haben, was geht.<\/p>\n<p>Falls es nicht klar geworden ist: So funktioniert das nicht. Fake science kenne ich aus Fernsehserien, die sich an ein Massenpublikum richten und nicht viel Zeit haben. In einem Roman erwarte ich mehr Sorgfalt. Am Schluss stellt sich \u00fcbrigens heraus, dass der Code absurd einfach ist, auch wenn er nur grob skizziert wird und wir kein konkretes Beispiel kriegen.<\/p>\n<p>(Dass der verschl\u00fcsselte Text aus einem Wiegendruck gescannt wurde und mit automatischer Zeichenerkennung in digital lesbare Schrift umgewandelt worden ist, verwundert da auch nicht mehr. Habt ihr schon mal gesehen, was OCR mit so etwas macht?)<\/p>\n<p>Wer wirklich Verschl\u00fcsselungen und Codes knacken und Geheimnissen auf die Spur kommen m\u00f6chte, liest Klausis Krypto-Kolumne, <a href=\"http:\/\/scienceblogs.de\/klausis-krypto-kolumne\/2014\/01\/14\/wer-steckt-hinter-der-internet-schnitzeljagd-cicada-3301\/\">wo im aktuellen Beitrag Cicada 3301 vorgestellt wird.<\/a> Das ist eine Art kryptographisch orientierte Internet-Schnitzeljagd mit unbekanntem (also: geheimnisvollem) Veranstalter. <a href=\"http:\/\/uncovering-cicada.wikia.com\/wiki\/Uncovering_Cicada_Wiki\">Hier ein Wiki dazu,<\/a> wer weiter forschen m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(5 Kommentare.) Es ist mir schon mindestens zweimal passiert, dass sich B\u00fccher als ganz ausgezeichnet herausgestellt haben, die ich an Flugh\u00e4fen beim R\u00fcckflug mitgenommen habe. Deshalb kaufe ich dort gerne mal ein Taschenbuch, so auf gut Gl\u00fcck. 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