{"id":5921,"date":"2014-01-26T09:10:58","date_gmt":"2014-01-26T08:10:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=5921"},"modified":"2014-01-26T09:10:58","modified_gmt":"2014-01-26T08:10:58","slug":"was-mir-beim-lesen-von-toms-midnight-garden-aufgefallen-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/01\/was-mir-beim-lesen-von-toms-midnight-garden-aufgefallen-ist.htm","title":{"rendered":"Was mir beim Lesen von Tom&#8217;s Midnight Garden aufgefallen ist"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/01\/was-mir-beim-lesen-von-toms-midnight-garden-aufgefallen-ist.htm#comments'>8 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin-right:10px; float:left;\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/pearce_garden.jpg\" alt=\"pearce_garden\" width=\"150\" height=\"231\" class=\"alignnone size-full wp-image-5923\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/pearce_garden.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/pearce_garden-97x150.jpg 97w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/> <em>Tom&#8217;s Midnight Garden<\/em> von Philippa Pearce ist ein mehrfach preisgekr\u00f6nter englischer Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1958. Ich will das Buch hier gar nicht gro\u00df vorstellen, sondern nur einen Aspekt festhalten: wie mich die Geschichte an zwei andere, bisherr unverbundene Geschichten erinnert hat.<\/p>\n<p>Tom, etwa zehn Jahre alt, wird wegen Masern in der Familie zu Verwandten geschickt. Dort gef\u00e4llt es ihm gar nicht gut; ihm fehlt vor allem, dass es zu dem gro\u00dfem Haus (in dem auch andere Parteien leben) keinen Garten gibt &#8211; keine Wiese zum Rennen, keine B\u00e4ume zum Erklettern.<br \/>\nTom fasziniert die alte Standuhr in der Vorhalle des Hauses, die stets die falschen Stunden schl\u00e4gt &#8211; um Mitternacht schl\u00e4gt sie gar dreizehn Mal, und Tom findet zuf\u00e4llig heraus, dass die Hintert\u00fcr des Hauses zu dieser Zeit (und nur dann) nicht in den kleinen, zugebauten Hinterhof f\u00fchrt, sondern in ein gro\u00dfen, sonnigen Garten, in dem er nach Herzenslust herumtoben kann.<\/p>\n<p>Seine n\u00e4chtlichen Ausfl\u00fcge wiederholen sich, und er lernt bald die Bewohner des Hauses kennen, zu dem der Garten geh\u00f6rt. Das Haus scheint dasselbe zu sein, in dem er zur Zeit wohnt, nur viele Jahrzehnte fr\u00fcher. Die Bewohner k\u00f6nnen ihn nicht sehen, er kann auch nicht mit ihnen interagieren &#8211; bis Hatty auftaucht, vielleicht sechs Jahre alt, die ihn wahrnehmen und mit ihm reden kann. Sie freunden sich an und verbringen viel Zeit mit dem Erkunden des Gartens und sp\u00e4ter auch der Umgebung des Hauses.<\/p>\n<p>Erst nach einigen Treffen stellt sich heraus, dass jeder den anderen f\u00fcr einen Geist h\u00e4lt. Und erst nach weiteren Treffen f\u00e4llt Tom auf, dass Hatty altert &#8211; w\u00e4hrend f\u00fcr Tom die Treffen jeden Tag stattfinden, vergehen f\u00fcr Hatty zwischen den Besuchen Toms manchmal l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume, so dass sie zum Ende des Buches, als Toms seine R\u00fcckfahrt zu seiner Familie nicht mehr l\u00e4nger aufschieben kann, schon alt genug f\u00fcr eine baldige Verlobung ist. Tom und Hatty unternehmen eine letzte gemeinsame Schlittschuhfahrt, er mit ihren alten Schlittschuhen (denselben, die sie tr\u00e4gt), die sie f\u00fcr ihn im Haus versteckt hat, damit er sie Jahrzehnte sp\u00e4ter findet.<\/p>\n<p>&#8212; Das Buch hat mich an zwei andere Geschichten erinnert. Einmal an &#8222;Night Meeting&#8220; von Ray Bradbury, eine meiner liebsten Kurzgeschichten aus den <em>Martian Chronicles:<\/em> Auf einer langen n\u00e4chtlichen Autofahrt &#8211; auf dem Mars, bald nach der Kolonisation durch die Menschen &#8211; begegnet Tom\u00e1s Gomez bei einer Kaffepause einem anderen n\u00e4chtlichen Fahrer in einem exotischen Fahrzeug. Es ist Muhe Ca, ein Marsianer. Sie unterhalten sich in der n\u00e4chtlichen Stille, froh um Gesellschaft, aber sehr verwundert \u00fcber die Begegnung. Die Marsianer sind ausgestorben, schon seit langer Zeit, ihre St\u00e4dte sind Ruinen und ihre Kan\u00e4le sind voller Sand &#8211; so sieht Gomez seine Umgebung. Muhe Ca dagegen sieht in der Ferne die prachtvollen St\u00e4dte und rauschende Kan\u00e4le voller Leben. Jeder erz\u00e4hlt von seiner Welt. Ber\u00fchren k\u00f6nnen sich die beiden nicht, ihre H\u00e4nde gehen durch einander durch. Jeder h\u00e4lt den anderen f\u00fcr einen Geist, oder eine Gestalt aus ferner Vergangenheit, aber am Schluss, nachdem sie viele Gemeinsamkeiten festgestellt haben, ist das nicht mehr wichtig.. &#8222;Let us agree to disagree,&#8220; schl\u00e4gt der Marsianer vor. Sie trennen sich.<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne, musikalische Geschichte. An sie musste ich bei dem Treffen von Tom und Hatty denken &#8211; beide kommen aus verschiedenen Zeiten, beide halten einander f\u00fcr Geister, k\u00f6nnen sich nicht ber\u00fchren, und bauen doch eine Beziehung zu einander auf. Beide Geschichten sind ein bisschen traurig*.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr The Time Traveler&#8217;s Wife von Audrey Niffenegger (<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/04\/the-time-travelers-wife.htm\">Blogeintrag<\/a>), und da fand ich die \u00c4hnlichkeiten frappierend. Clare und Henry treffen sich die ersten zehn Jahre \u00fcber auf einer Wiese hinter dem Haus von Clares Eltern, heimlich und unbemerkt. Aus der Sicht von Clare taucht alle paar Wochen dieser merkw\u00fcrdige fremde Mann aus einer anderen Zeit bei ihr auf, sie verbringen ein bisschen Zeit miteinander, worauf er wieder verschwindet. Hatty stellt sich f\u00fcr Tom in unterschiedlichen Altersstufen dar, Clare sieht Henry ebenso (und Henry Clare auch). Henry springt in der Zeit fast immer zur\u00fcck, nur sehr selten vorw\u00e4rts; Toms Spr\u00fcnge in die Vergangenheit sind meist in chronologischer Folge, aber nicht immer: &#8222;He did not always go back to the same Time, every night; nor did he take Time in its usual order.&#8220; (S. 170) <\/p>\n<p>Auch der Roman von Niffenegger ist ein bisschen traurig. <em>Tom&#8217;s Midnight Garden<\/em> ist keine Liebesgeschichte, oder vielleicht nur ein ganz kleines bisschen, aber eine Geschichte um Verlust und Sehnsucht. <\/p>\n<p><small>*Sind Zeitreisegeschichten nicht immer bitters\u00fc\u00df? Wegen der Unabwendbarkeit der Ereignisse, dem nicht zu verhindernden Verlust?<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(8 Kommentare.) Tom&#8217;s Midnight Garden von Philippa Pearce ist ein mehrfach preisgekr\u00f6nter englischer Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1958. Ich will das Buch hier gar nicht gro\u00df vorstellen, sondern nur einen Aspekt festhalten: wie mich die Geschichte an zwei andere, bisherr unverbundene Geschichten erinnert hat. 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