{"id":5969,"date":"2014-02-24T17:51:27","date_gmt":"2014-02-24T16:51:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=5969"},"modified":"2023-05-24T13:02:22","modified_gmt":"2023-05-24T11:02:22","slug":"physiognomik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/02\/physiognomik.htm","title":{"rendered":"Physiognomik"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/02\/physiognomik.htm#comments'>4 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Letzte Woche habe ich mit der 10. Klasse in Deutsch einen Text von Johann Kaspar Lavater gelesen, zum Geniebegriff im 18. Jahrhundert:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Was ist Genie? Wer&#8217;s nicht ist, kann nicht; und wer&#8217;s ist, wird nicht antworten. \u2013 Vielleicht kann&#8217;s und darf&#8217;s einigerma\u00dfen, wer dann und wann gleichsam in der Mitte schwebt, und dem&#8217;s wenigstens bisweilen gegeben ist, in die H\u00f6he \u00fcber sich, und in die Tiefe unter sich \u2013 hinzublicken. [&#8230;] Wer bemerkt, wahrnimmt, schaut, empfindet, denkt, spricht, handelt, dichtet, singt, schafft, vergleicht, sondert, vereinigt, folgert, ahndet, gibt, nimmt \u2013 als wenn&#8217;s ihm ein Genius, ein unsichtbares Wesen h\u00f6herer Art diktiert oder angegeben h\u00e4tte, der hat Genie; als wenn er selbst ein Wesen h\u00f6herer Art w\u00e4re \u2013 ist Genie.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>So ein Ges\u00fclze kann man ja nicht unkommentiert lassen, also habe ich heute gleich mal einen Auszug aus Lavaters hundert physiognomischen Regeln ausgeteilt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Sehr abw\u00e4rts sinkende Nasen sind nie wahrhaft gut, wahrhaft froh, oder edel, oder gro\u00df. Immer sinnen sie Erdw\u00e4rts, sind verschlossen, kalt, unherzlich, unmittheilsam, oft boshaft-witzig, \u00fcbellaunig, oder tief hypochondrisch, oder melancholisch; obenher gebogen, furchtbar, woll\u00fcstig.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Jeder Mund, der v\u00f6llig einmal so breit ist, als das Auge, ist der Mund eines Dummkopfs &#8211; das hei\u00dft, von der Spitze gegen die Nase, bis an&#8217;s innere End&#8216; des Augapfels; beyde Breiten nach demselben flachen Maa\u00dfe gemessen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und dann sollten die Sch\u00fcler ihre Nasen vergleichen und die Breite von Auge und Mund ausmessen und herausfinden, ob ihr Gegen\u00fcber ein Dummkopf ist. Das war lustig.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Danach noch einen kurzen Auszug aus Lichtenbergs &#8222;Fragment von Schw\u00e4nzen. Ein Beitrag zu den Physiognomischen Fragmenten&#8220; gemacht. (<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/07\/lichtenberg-und-chandler.htm\">Siehe Blogeintrag<\/a>.) Die Sch\u00fcler waren angemessen belustigt, als sie den Witz verstanden hatten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/lichtenberg_schwaenze.gif\" alt=\"\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(4 Kommentare.) Letzte Woche habe ich mit der 10. Klasse in Deutsch einen Text von Johann Kaspar Lavater gelesen, zum Geniebegriff im 18. Jahrhundert: Was ist Genie? 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