{"id":60191,"date":"2023-10-22T08:11:05","date_gmt":"2023-10-22T06:11:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=60191"},"modified":"2023-10-22T08:11:05","modified_gmt":"2023-10-22T06:11:05","slug":"lehrplaene-historische-fragen-an-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2023\/10\/lehrplaene-historische-fragen-an-teil-1.htm","title":{"rendered":"Lehrpl\u00e4ne, historische, Fragen an, Teil 1"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2023\/10\/lehrplaene-historische-fragen-an-teil-1.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>(Aus Verlegenheit gepostet, weil ich in den Sommerferien historische Lehrpl\u00e4ne ab den 1970er Jahren gew\u00e4lzt habe und gerade sonst nicht szus chreiben habe.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben sich meine Lehrkr\u00e4fte an die damals g\u00fcltigen Lehrpl\u00e4ne gehalten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage mich das, weil ich in der 11. Klasse und in der 12. Klasse im Leistungskurs das gleiche Drama gelesen habe. K\u00f6nnte heute nicht mehr so passieren. Aber zumindest das war korrekt, in 11 musste man w\u00e4hlen aus <em>Iphigenie, Maria Stuart, Don Carlos, Wallenstein<\/em>; f\u00fcr 12 und 13 war an l\u00e4ngeren Ganzschriften vorgeschrieben: ein Drama aus demSturm und Drang (Goethe oder Schiller), einmal Klassik (Schiller), <em>Iphigenie, Faust I<\/em> <em>(Faust II<\/em> nur in Auswahl), ein Drama von Kleist opder Grillparzer oder B\u00fcchner oder Hebbel oder Hauptmann, eine Novelle von Eichendorff oder Keller oder Stifter oder Hauptmann, eine Novelle von Hofmannsthal oder Thomas Mann, zwei Romane (mindestens einer mit moderner Erz\u00e4hltechnik), ein modernes Drama, eine griechische Trag\u00f6die, einmal Shakespeare, ein Werk der modernen ausl\u00e4ndischen Literatur. &#8211; Gilt so seit 1964 und insbesondere noch 1977. Ob es danach bis zu meinem Eintritt in die Kursphase 1985 anderswo dokumentierte Streichungen gegeben hat, wei\u00df ich nicht, ich kann mich an keine griechische Trag\u00f6die erinnern und an kein modernes fremdsprachiges Werk, der Rest war sicher da. Es ist viel mehr, als man heute liest.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit welchen Absichten haben Lehrkr\u00e4fte die Inhalte, f\u00fcr die sie sich im Unterricht entschieden haben, ausgew\u00e4hlt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Daran arbeite ich noch. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Waren <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2021\/08\/schullektueren-meiner-schulzeit.htm\">die Lekt\u00fcren, die wir gelesen haben,<\/a> originell oder stammten sie aus einer Liste?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Siehe oben. In Deutsch waren sie zum Gro\u00dfteil eine Auswahl aus einem kleinen vorgeschriebenen Korpus, insgesamt aber schon kreativ ausgenutzt; in Englisch war nicht viel vorgegeben, wir haben deutlich mehr gelesen als das Minimum. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist das Gymnasium leichter geworden, genauer: steht im Lehrplan nicht mehr so viel zu Lernendes?<\/strong> (Die Unterscheidung von Lernzielen und Kompetenzen schenke ich mir dabei &#8211; ich habe bei der Lehrplansichtung gemerkt, dass auch fr\u00fchere Lehrpl\u00e4ne schon zeitgem\u00e4\u00df waren und allenfalls die Realit\u00e4t sich der Zeitgem\u00e4\u00dfheit widersetzt hat.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anzahl der Englisch-Vokabeln in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 ist jedenfalls nicht gesunken:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>1979: in 5 und 6 zusammen 900 produktiv, 300 rezeptiv; in 7 noch einmal 200 produktiv und 300 rezeptiv (bei 6+6+4 Stunden)<\/li>\n\n\n\n<li>1992: 800 + 700 + 500 Einheiten, keine Unterscheidung zwischen produktiv und rezeptiv (bei 6+4+4 Stunden, glaube ich)<\/li>\n\n\n\n<li>2003 und danach: keine Angaben mehr, aber 2017: 7. Jahrgangsstufe 658 zu lernende Vokabeln im Schulbuch (bei 4 Stunden) <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Unerwartete Erkenntnisse: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Zumindest f\u00fcr Deutsch und Englisch stammt die vorhergehende Lehrplangeneration von 1964. Frau Rau ist bis zur 11. Klasse in Englisch durchgehend noch nach dieser unterrichtet worden.<\/li>\n\n\n\n<li>Die curriculare Lehrplangeneration von 1975ff und ihre \u00dcberarbeitungen wurden nicht f\u00fcr alle F\u00e4cher gleichzeitig eingef\u00fchrt, manche waren fr\u00fcher dran, andere sp\u00e4ter. Auch wurde zuerst die Kollegstufe eingef\u00fchrt und aktualisiert, bevor danach die Lehrpl\u00e4ne ab der 5. Jahrgangstufe erschienen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Lehrpl\u00e4ne wurden nicht von der 5. Jahrgangsstufe an nach und nach aufgebaut, sondern erschienen zumindest teilweise gleich f\u00fcr zwei Jahre auf einmal: Deutsch 5\/6, Deutsch 7\/8, Englisch 5\/6 erschienen jeweils auf einmal und galten dann sofort &#8211; ich selber bin in der 5. Klasse noch nach dem Lehrplan von 1964 unterrichtet worden (mit einem Buch aus dem Jahr 1971), aber der 6. dann nach dem Lehrplan von 1979 (und demselben Buch; es war f\u00fcr zwei Jahre gedacht). Seit 1992 versucht das Kultusministerium das zu vermeiden, so ein Wechsel mittendrin kam zwar dann doch zweimal vor, aber nur wegen pl\u00f6tzlich eingef\u00fchrter Einf\u00fchrung und danach Abschaffung des achtj\u00e4hrigen Gymnasiums.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich hatte vergessen, dass zu meiner Jugend die Realschule in der Regel erst ab der 7. Jahrgangsstufe begann. Zu meiner Schulzeit ging man nach der 4. Klasse ins Gymnasium oder auf die Orientierungsstufe der Hauptschule, wechselte dann nach der 5. Klasse in die 5. des Gymnasiums oder entschied sich nach der 6. Klasse f\u00fcr Realschule oder Hauptschule. Da wurde also zumindest teilweise l\u00e4nger gelernt. Am Anfang des Jahrtausends wurde das ge\u00e4ndert, so dass alle gleich nach der 5. Jahrgangsstufe getrennt wurden; erst das entwertete die Hauptschule in einem bis dahin nicht gekannten Ma\u00df &#8211; bis dahin hatte es relativ leistungswillige und leistungsf\u00e4hige und nicht demotivierte Klassen in 5 und 6 gegeben.<\/li>\n\n\n\n<li>Die ganze Lernzieltheorie, die man im Studium gelernt hat, findet sich in den curricularen Lehrpl\u00e4nen in genau dieser Terminologie wieder: Richtziel, Grobziel, Feinziel. Die vier Kategorien WISSEN, K\u00d6NNEN, ERKENNEN, WERTEN kann man den g\u00e4ngigen Lernzieltaxonomien zuordnen, die ersten drei sind sicher kognitiv, die letzte ist affektiv (und &#8222;Affektive Lernziele&#8220; steht explizit im Lehrplan), sie sind in den Lehrpl\u00e4nen noch nach Anforderungsstufen unterteilt. <\/li>\n\n\n\n<li>In Englisch wurden f\u00fcr die Lernzielkontrolle beim Leseverstehen in der Oberstufe Multiple-Choice- und True\/False-Tests empfohlen; ich kann mich nicht erinnern, die je erlebt zu haben.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Lehrplan f\u00fcr den Leistungskurs Deutsch beinhaltete den Lehrplan f\u00fcr den Leistungskurs Deutsch: F\u00fcr das Lernziel: &#8222;F\u00e4higkeit, Pr\u00fcfungsaufgaben angemessen zu bearbeiten&#8220; steht als Lerninhalt: &#8222;Aufgabenstellung fr\u00fcherer Abiturpr\u00fcfungen, Klausuren. Der Lehrplan des Leistungskurses.&#8220;<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) (Aus Verlegenheit gepostet, weil ich in den Sommerferien historische Lehrpl\u00e4ne ab den 1970er Jahren gew\u00e4lzt habe und gerade sonst nicht szus chreiben habe.) Haben sich meine Lehrkr\u00e4fte an die damals g\u00fcltigen Lehrpl\u00e4ne gehalten? Ich frage mich das, weil ich in der 11. Klasse und in der 12. 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