{"id":60544,"date":"2024-02-25T18:15:47","date_gmt":"2024-02-25T17:15:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=60544"},"modified":"2024-03-08T15:04:13","modified_gmt":"2024-03-08T14:04:13","slug":"film-in-der-schule-i-aber-dann-doch-eher-casablanca","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2024\/02\/film-in-der-schule-i-aber-dann-doch-eher-casablanca.htm","title":{"rendered":"Film in der Schule I (aber dann doch eher nur Casablanca)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2024\/02\/film-in-der-schule-i-aber-dann-doch-eher-casablanca.htm#comments'>6 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><em>(Letzter Blogeintrag aus der alten Schule.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Erweiterte Textsorten im Deutschunterricht<\/h2>\n\n\n\n<p>In den 1970ern und fr\u00fchen 1980ern ging es darum, <strong>Schlager <\/strong>und <strong>Trivialliteratur <\/strong>in die Schule zu holen. &#8222;Griechischer Wein&#8220; habe ich als Sch\u00fcler analysiert, Jerry-Cotton-Ausschnitte noch als Lehrkraft im Schulbuch gefunden. Macht man alles nicht mehr. <\/p>\n\n\n\n<p>Denn dann tauchten <strong>Graphic Novels<\/strong> in den Lehrpl\u00e4nen auf, letzte hei\u00dfe Sache, aber ein noch gr\u00f6\u00dferer Irrtum. Denn wenn ich mich mit Comics auskenne, dann kann und werde ich das auch so machen, ohne dass es im Lehrplan steht; und wenn ich mich nicht auskenne, dann sollte ich das lassen. Nat\u00fcrlich sind Comics der Analyse wert und bed\u00fcrftig, aber das gilt f\u00fcr so ziemlich alles; der Gedanke ist eher der, dass man etwas aus der Lebenswelt der Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen holt &#8211; das ist ohnehin kein Wunsch, dem ich einen Freibrief ausstellen will, und Comics sind au\u00dferdem nicht Teil ihrer Lebenswelt und waren das auch nie, Lustige Taschenb\u00fccher ausgenommen, fr\u00fcher mal. Bleibt noch der Gedanke, dass Comics irgendwie zug\u00e4nglicher und leichter sind; das stimmt vielleicht, ist aber ein schwaches Argument.<\/p>\n\n\n\n<p>Selten in den Lehrpl\u00e4nen, glaube ich, ist der Gedanke, <strong>Computerspiele <\/strong>zu analysieren. Geschichte 11 am bayerischen Gymnasium sagt allerdings, Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen &#8222;analysieren beispielhaft popul\u00e4re, u. a. digitale Formen der Mittelalterrezeption im Vergleich zu wissenschaftlichen Darstellungen&#8220;. Der zweite Teil des Lehrplanabschnitts &#8211; aus der Didaktikmode heraus sind die Lehrpl\u00e4ne unsinnigerweise in Kompetenzen und Inhalte zweigeteilt, so dass sich alles doppelt &#8211; pr\u00e4zisiert dann, dass damit &#8222;popul\u00e4re Formen der Besch\u00e4ftigung mit dem <em>Mittelalter<\/em>, z.&nbsp;B. Computer- und Onlinespiel, Mittelalterfest, Reenactment, historischer Roman, Filme oder Serien&#8220; gemeint sind. Meine Meinung dazu: Insgesamt n\u00f6tig und sinnvoll, aber siehe Comics oben, und vom Format her ist das besonders schwer, weil viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler kaum Spiele kennen und erst einmal eine gemeinsame Basis geschaffen werden m\u00fcsste. Man wird sich also auf Screenshots beschr\u00e4nken &#8211; man k\u00f6nnte aber auch Spielanleitungen lesen und vergleichen, aber gibt es diese Textsorte \u00fcberhaupt noch, oder ist das alles in Tutorial-Levels ausgelagert?<\/p>\n\n\n\n<p>Was schon lange im Lehrplan steht, aber immer stiefm\u00fctterlich behandelt wird, ist <strong>Film<\/strong>. Die neuen Lehrp\u00e4ne werten die Filmanalyse auf, man kann in manchen Jahrgangsstufen im Deutschunterricht eine vorgeschriebene Roman-Lekt\u00fcre durch eine Filmanalyse ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>(Wovon ich au\u00dferhalb des Geschichtslehrplans oben noch nie geh\u00f6rt habe, das sind <strong>Fernsehserien<\/strong> als Thema. Auch das ist analysew\u00fcrdig, und das Format, dem Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen vielleicht am meisten begegnen. Aber das erfordert, dass man viele Episoden sieht.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Film im Deutschunterricht<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn es um Film geht, geht es &#8211; zum Beispiel im aktuellen Deutschbuch, aber wohl auch sonst &#8211; um bestimmte filmtypische Elemente: Schnitt, mise-en-sc\u00e8ne, Licht; was Film zur <em>Kunst <\/em>macht. Also: wie das Drehbuch umgesetzt wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mich privat \u00fcber Film unterhalte, geht es aber meist um anderes, n\u00e4mlich vor allem um das Drehbuch an sich:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sind die Dialoge realistisch? Ist der Film realistisch? (Beides kann nat\u00fcrlich gut oder schlecht sein.)<\/li>\n\n\n\n<li>Ist die Exposition elegant oder unelegant?<\/li>\n\n\n\n<li>Gibt es Klischees?<\/li>\n\n\n\n<li>Ist die Handlung erwartbar oder originell? Gibt es ein Thema, einen roten Faden, werde ich auf Gedanken gebracht?<\/li>\n\n\n\n<li>Erinnert mich das an andere Filme?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Der \u00fcbliche Dreiakter mit dem Gro\u00dfen Missverst\u00e4ndnis in der Mitte und der Aufl\u00f6sung am Ende; die Heldenreise; die gr\u00e4sslichen, gr\u00e4sslichen Save-the-Cat-Momente langweilen mich nicht im eigentlichen Sinn, aber ich f\u00fchle mich beleidigt, wenn sie mir unkommentiert als originell und bestaunenswert vorgesetzt werden. <em>(Save the Cat:<\/em> So hei\u00dft eine popul\u00e4re Drehbuch-Fibel, die einem dabei hilft, erfolgreiche und formelhafte Drehb\u00fccher zu schreiben. Ich f\u00fchlte mich schmutzig beim Lesen, aber ein Drehbuchautor im Bekanntenkreis h\u00e4lt recht viel davon.)<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Drehbuch ist f\u00fcr mich am interessantesten das Szenenbild, einschlie\u00dflich Kost\u00fcm; danach die Musik. Und dann kommen erst Schnitt, Kameraeinstellung, Kamerabewegung. (Da rolle ich h\u00f6chstens mit den Augen bei der Kranfahrt abw\u00e4rts von der Stra\u00dfe in Totale, die mit dem herankommenden Auto zur Halbtotalen wird, bis wir den aussteigenden Personen ans Haus folgen: zu oft gesehen.) Die Qualit\u00e4t der Schauspielerinnen und Schauspieler ist sicher sehr wichtig, ich habe aber gar kein Gef\u00fchl daf\u00fcr. Und wie Billy Wilder sagte: &#8222;To make a great film you need three things \u2013 the script, the script and the script.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen gerne die Tiefensch\u00e4rfe bei <em>Citizen Kane<\/em> zeigen, die Schnitte bei <em>2001 <\/em>und <em>Lawrence of Arabia<\/em>, und das mache ich ja auch. Aber eigentlich geht es mir ums Drehbuch.<\/p>\n\n\n\n<p>Und deswegen bin ich mit meiner 9. Klasse auch nicht dem Filmvorschlag im Buch gefolgt (Kurzfilm, pr\u00e4miert, Migration und Flucht als Thema, viel didaktisches Material vorhanden), sondern wir haben uns <em>Casablanca <\/em>angeschaut, weil das ein hervorragendes Drehbuch hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Casablanca<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Informationsvermittlung in den ersten Minuten<\/h3>\n\n\n\n<p>Die ersten f\u00fcnf Minuten schauen wir uns gemeinsam an:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Musik: Dramatisch; exotisch. Dann die Marseillaise.<\/li>\n\n\n\n<li>Eingeblendete Landkarte von Afrika. Sp\u00e4ter rotierender Globus mit L\u00e4ndergrenzen.<\/li>\n\n\n\n<li>Erz\u00e4hlerstimme: Zweiter Weltkrieg, Gr\u00fcnde f\u00fcr Flucht aus Europa, Fluchtwege (Lissabon und die Wege dorthin), Fortbewegungsmittel; Visaregelungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Parallel dazu Landkarte mit nach und nach eingezeichneter Wegeslinie: Paris &#8211; Marseille &#8211; \u00fcber das Mittelmeer nach Oran (Algerien) &#8211; Casablanca (Franz\u00f6sisch-Marokko).<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichzeitig immer wieder \u00dcberblendungen zwischen der Linie auf der Karte und auf Gruppen von Fl\u00fcchtenden, unterwegs zu Fu\u00df, mit Lastkarren, auf dem Schiff.<\/li>\n\n\n\n<li>Dann \u00dcberblendung auf einen <em>establishing shot<\/em> von Casablanca, der einzige im Film, der sich nicht gut gehalten hat: Schwenk entlang eines Minaretts nach unten, wo ein buntes Markttreiben herrscht, mit Jongleur, viel auf dem Kopf Getragenem, franz\u00f6sisch beschilderten Firmenschildern, Brotverk\u00e4ufern, Papageien, Fez auf dem Kopf, \u00c4ffchen, Handelsgebaren, Frauen mit F\u00e4chern &#8211; das ist nur f\u00fcr den Exotismus da.<\/li>\n\n\n\n<li>Dann dramatische Musik (die ersten Noten des Deutschlandlieds?), \u00dcberblendung auf ein B\u00fcro mit Fernschreiber, wo eine Nachricht hereinkommt, ein Uniformierter gibt (mit leicht franz\u00f6sischem Akzent) die Nachricht per Funk an die Exekutivbeh\u00f6rden weiter: Zwei deutsche Kuriere sind get\u00f6tet worden, T\u00e4ter wohl auf dem Weg nach Casablanca, alle Verd\u00e4chtigen zusammentreiben und durchsuchen.<\/li>\n\n\n\n<li>Dann folgt eine Sequenz, schnell geschnitten, mit franz\u00f6sisch uniformierter Polizei, Trillerpfeife, Auto mit Polizisten drin (schnell fahrend, ohne R\u00fccksicht auf das Marktpublikum, das sich zur Seite wirft), sich hastig umsehenden Europ\u00e4ern, die von Polizisten eingesammelt und in einen Transporter gef\u00fchrt werden. Einer versucht sich zu verbergen, wird aber auch angesprochen, soll seinen Pass zeigen, der ist aber ung\u00fcltig, er flieht, die Kamera folgt ihm und schwenkt an einem jungen Paar vorbei (das demnach sp\u00e4ter noch einmal auftauchen wird); er wird auf der Flucht erschossen vor einem gro\u00dfen Plakat mit dem Nazi-Kollaborateur und Staatschef des besetzten Frankreich, P\u00e9tain (darauf auch ein franz\u00f6sischer Slogan, aber den muss man ja nicht verstehen). Bei einer raschen Durchsuchung findet die Polizei antifaschistisches Propagandamaterial, dem Zuschauer kenntlich durch das Lothringer Kreuz der R\u00e9sistance und den Slogan &#8222;Free France&#8220;. <\/li>\n\n\n\n<li>Schnitt auf das \u00c4u\u00dfere eines Amtsgeb\u00e4udes, \u00fcber der T\u00fcr steht &#8222;LIBERT\u00c9 \u00c9GALIT\u00c9 FRATERNIT\u00c9&#8220;, Kamera f\u00e4hrt nach unten und offenbart das &#8222;Palais de Justice&#8220;, wohin die eingesammelten M\u00e4nner gebracht werden. Dramatischere Version der Marseillaise.<\/li>\n\n\n\n<li>Bisher alles fast ohne Dialog. Der kommt jetzt. Aber es ist immer noch Dialog ohne irgendeine Hauptperson, und das merkt man auch: Die Kamera schlendert durch Casablanca und schaut sich um. Das ganze bisherige Verhaftungsgeschehen wurde beoachtet von einem \u00e4lteren, geldigen, britischen Exilantenpaar, das verwundert im Caf\u00e9 sitzt und von einem schon l\u00e4nger hier lebenden Europ\u00e4er, anscheinend ein weiterer Caf\u00e9gast, aufgekl\u00e4rt wird: dass zwei deutsche Kuriere ermordet wurden, dass die Polizei wie gew\u00f6hnlich beliebige potentiell Verd\u00e4chtige zusammentrommelt (wird f\u00fcr sp\u00e4ter wichtig, von wegen &#8222;usual suspects&#8220;) und nat\u00fcrlich auch ein h\u00fcbsches M\u00e4dchen f\u00fcr den Polizeipr\u00e4fekten Renault (wird auch sp\u00e4ter wichtig). Der freundliche Erkl\u00e4rer warnt noch vor dem Gesindel in Casablanca, lauter Betr\u00fcger (man muss sich Casablanca wie Mos Eisley vorstellen) und verabschiedet sich dann; vorher hat er als Taschendieb noch die Brieftasche des Briten geklaut &#8211; Exposition und kleine komische Einlage in einem. Den Taschendieb wird man sp\u00e4ter auch noch einmal kurz sehen. <em>(Alle<\/em> treffen sich in Ricks Caf\u00e9, wie man wei\u00df).<\/li>\n\n\n\n<li>Beendet wird diese kurze Szene durch das Ger\u00e4usch eines \u00fcberfliegenden Flugzeugs. Schnitt nicht auf dieses, sondern auf erwartungsvolle Gesichter in den Stra\u00dfen, die sich sehns\u00fcchtig nach dem Flugzeug recken, <em>dann <\/em>erst das Flugzeug. Dann wieder eine Fahrt entlang der Gesichter in den Stra\u00dfen, diesmal n\u00e4her dran, wir landen schlie\u00dflich bei dem jungen Paar von vorhin, wobei sie zu ihm sagt, so als erf\u00fcllbarer Wunschtraum, dass ja vielleicht sie schon morgen in so einer Maschine sitzen k\u00f6nnten. (Das Paar wird sp\u00e4ter eine kleine Nebenrolle in der Handlung spielen.) Wieder auf das Flugzeug, das jetzt schon tiefer fliegt, und zwar direkt \u00fcber dem &#8211; tags\u00fcber ausgeschalteten &#8211; Neonschriftzug &#8222;Rick&#8217;s Caf\u00e9 Americain&#8220; \u00fcber einem Geb\u00e4ude. Dann Schnitt auf das landende Flugzeug.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und das alles in den ersten f\u00fcnf Minuten des Films, wobei die volle erste Minute auf die Credits &#8211; mit Musik und Weltkugel &#8211; entfallen. Wie die Szenen da ineinander \u00fcbergehen und auseinander folgen, wie elegant hier Exposition betrieben wird: das ist wirklich sehr gut gemacht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kleinere Gedanken zum Drehbuch<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Rest des Films ist nat\u00fcrlich nicht so dicht, aber immer noch dicht genug, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ein wenig Schwierigkeiten hatten herauszufinden, wer sich gerade wie und warum verh\u00e4lt. Au\u00dferdem viel ihnen schwer, die zwei Frauen auseinanderzuhalten &#8211; dabei ist die eine blond und die andere dunkelhaarig, vom Rest ganz zu schweigen! Aber am Beamer sieht man die Kontraste tats\u00e4chlich nicht so gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dialog des Drehbuchs ist auch genial, viele Stellen sind geradezu sprichw\u00f6rtlich geworden, viele andere Filme sind nach Zitaten daraus benannt, hier eine sicher nicht vollst\u00e4ndige Liste: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>The Usual Suspects <\/em>(1995)<\/li>\n\n\n\n<li><em>Play It Again, Sam <\/em>(1972) (tats\u00e4chlich sagt das niemand w\u00f6rtlich so im Film)<\/li>\n\n\n\n<li><em>We&#8217;ll Always Have Paris<\/em> (1988, 1988, 1994,&nbsp; 2008, 2009, 2011, 2015, 2016, 2017, 2021&#8230;)<\/li>\n\n\n\n<li><em>Here&#8217;s Looking At You, Kid<\/em> (1999, 2002, 2018)<\/li>\n\n\n\n<li><em>As Time Goes By<\/em> (1988, 1992-2005, 2012, 2016, 2018)<\/li>\n\n\n\n<li><em>A Beautiful Friendship<\/em> (1951, 2011, 2017, 2021&#8230;)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es andere ber\u00fchmte Zitate, ich sage nur: &#8222;I&#8217;m shocked, shocked.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiteres Vorgehen und Aufgaben <\/h3>\n\n\n\n<p>Hintergedanken bei der Filmauswahl: Die sollen ruhig mal sehen, dass es Schwarzwei\u00dffilme gibt. Und wegen der Propaganda nat\u00fcrlich. <\/p>\n\n\n\n<p>In einem Mebisforum mussten alle Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen jeweils 3 Motive oder Topoi benennen, also Elemente, die sie aus anderen Werken kennen, und 1 Kommentar bei jemand anderem hinterlassen, in dem sie einen Film nennen, wo das jeweils genannte Motiv ebenfalls erscheint. (Das Mitz\u00e4hlen geschieht dabei automatisch, ich schaue nur kurz dr\u00fcber, ob das inhaltlich stimmt.) Wir hatten: R\u00fcckblende, Opferbereitschaft, falscher Anruf, Rauchen, Dreiecksbeziehung, Traum von Amerika, Gutes Ende, Bar, Selbstopferung, wiederholte S\u00e4tze und viele mehr. <\/p>\n\n\n\n<p>In einem anderen Forum ging es um Symbole im Film. Das \u00fcberschneidet sich teilweise, weil manche Symbole als Motiv verbreitet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam entwickelten wir die Parallelen zwischen den USA, Rick und Yvonne. Yvonne ist Ricks abgewiesene Ex-Freundin, die sich aus Entt\u00e4uschung erst mit den Nazis abgibt, dann aber inbr\u00fcnstig in die Marseillaise einstimmt. \u00dcberhaupt, diese Szene. Und wenn man dann noch im Kopf hat, dass viele der Schauspieler und Schauspielerinnen im Film, gerade in dieser Szene, Fl\u00fcchtlinge aus Europa waren, teilweise aus dem aktiven Widerstand kamen, puh. Kitschig? Wei\u00df nicht. Aber mich erreicht diese Szene sehr. Von Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen der 9. Klasse erwarte ich das noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Everybody Comes To Rick&#8217;s<\/h3>\n\n\n\n<p>Letztes Jahr habe ich \u00fcbrigens <em>Everybody Comes To Rick&#8217;s<\/em> gelesen das &#8211; damals unproduzierte &#8211; Theaterst\u00fcck von Murray Burnett und Joan Allison, auf dem der Film basiert. Wenige wissen, dass es diese Grundlage gibt, obwohl sie sogar in den Credits am Anfang genannt wird. In einem Interview Jahrzehnte danach, ich m\u00fcsste es heraussuchen, wird Ingrid Bergman danach gefragt; es war ihr v\u00f6llig neu, dass es das gab. \u00dcberraschend viel Dialog stammt w\u00f6rtlich aus dem Drama. Das Ende ist allerdings anders, und es geh\u00f6rt zum Mythos um den Film <em>Casablanca,<\/em> ist wohl aber eine Tatsache, dass die Schauspieler und Schauspielerinnen nicht wussten, wie der Film ausgehen oder \u00fcberhaupt weitergehen w\u00fcrde, und das auch sonst einfach noch nicht klar war. Es gab schlicht kein vollst\u00e4ndiges Drehbuch zu Beginn der Drehaufnahmen, die Szenen wurden teilweise erst kurz vorher geschrieben und verteilt. (Eher nicht aus dramatischer Absicht heraus, es war halt so.) Und dennoch kam ein Meisterwerk heraus.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Casablanca:<\/em> Drehbuch Julius J. und Philip G. Epstein, Howard Koch; Regie: Michael Curtiz.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Film in der Schule &#8211; Grundwissens-AB und Projekterfahrungen<\/h3>\n\n\n\n<p>In einem anderen Blogeintrag erkl\u00e4rt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2024\/02\/film-in-der-schule-ii-mit-grundwissen-ab.htm\">https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2024\/02\/film-in-der-schule-ii-mit-grundwissen-ab.htm<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(6 Kommentare.) (Letzter Blogeintrag aus der alten Schule.) 1. Erweiterte Textsorten im Deutschunterricht In den 1970ern und fr\u00fchen 1980ern ging es darum, Schlager und Trivialliteratur in die Schule zu holen. &#8222;Griechischer Wein&#8220; habe ich als Sch\u00fcler analysiert, Jerry-Cotton-Ausschnitte noch als Lehrkraft im Schulbuch gefunden. Macht man alles nicht mehr. 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