{"id":60590,"date":"2023-11-14T16:58:33","date_gmt":"2023-11-14T15:58:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=60590"},"modified":"2024-04-23T17:07:00","modified_gmt":"2024-04-23T15:07:00","slug":"der-streuner-soll-sterben-8-15-und-22-maerz-1986","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2023\/11\/der-streuner-soll-sterben-8-15-und-22-maerz-1986.htm","title":{"rendered":"Der Streuner soll sterben (8., 15. und 22. M\u00e4rz 1986)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2023\/11\/der-streuner-soll-sterben-8-15-und-22-maerz-1986.htm#comments'>8 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Vor knapp zehn Jahren erz\u00e4hlte ich in einem Blogeintrag kurz von einem Rollenspielabenteuer meiner Jugend:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die Spieler mussten in eine andere Stadt reisen und dort einen Prinzen retten, der verkleidet seine zuk\u00fcnftige Braut hatte sehen wollen, aber entdeckt und in den Kerker geworfen worden war. Wir brauchten drei Sitzungen zu jeweils sieben oder acht Stunden, bis wir \u00fcberhaupt in der Stadt ankamen. Und dort war dann ein Gro\u00dfteil der Spielergruppe tot, der Rest auf der Flucht, die eigentliche Aufgabe v\u00f6llig vergessen. Die Spieler hatten auf dem Weg eine Kneipe gepl\u00fcndert, durch gro\u00dfes Gl\u00fcck eine Gruppe von Magier in der n\u00e4chsten Kneipe erledigt, sich anschlie\u00dfend gegenseitig \u00fcbers Ohr gehauen mit gef\u00e4lschten magischen Artefakten. Lange Geschichte.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Jetzt soll diese Geschichte erz\u00e4hlt werden. So lang ist sie gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war schon gegen Ende unserer Das-Schwarze-Auge-Phase, vielleicht sogar ganz das Ende. Ich war Spielleiter; es gab sechs Spieler. Am ersten Samstag spielten wir &#8211; bei KHZ oder bei mir? &#8211; bis Mitternacht, der Anfang ist nicht \u00fcberliefert, es wird fr\u00fcher Nachmittag gewesen sein. (Am Tag darauf, sagen meine Notizen, kamen Jan und Alex, nicht Teil unserer Spielerrunde, zu mir, um Dinge besprechen, und wir spielten dann ebenfalls ein paar Stunden Rollenspiel, diesmal CoC. Wilde Zeit damals.) Wo wir den zweiten Samstag spielten, ist nicht mehr bekannt; der dritte Tag war bei RB.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere fr\u00fchen Spiele hatten den klassischen begrenzten Schauplatz gehabt: ein H\u00f6hlensystem, ein altes Bergwerk, ein Tempel, ein unterirdisches Labyrinth. <em>Der Streuner soll sterben<\/em> war ungewohnt f\u00fcr unserer Spielergruppe, n\u00e4mlich ein \u00dcberlandabenteuer. Die erste H\u00e4lfte des Spiels, so war das Buch jedenfalls angelegt, bestand nur aus der Anreise in die Stadt, in der die zweite H\u00e4lfte stattfinden sollte. M\u00f6glicherweise f\u00fchrte diese fehlende Begrenzung durch den Schauplatz zu mehr Unsicherheit und mehr Freiheit, jedenfalls zu \u00dcbermut und Exzess.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der \u00dcberlandreise \u00fcbernachtete die kleine Heldengruppe in kleinen Gasth\u00f6fen. Einen kleinen pl\u00fcnderten sie. Das war b\u00f6se. So etwas sollte sich nicht wiederholen: im n\u00e4chsten Gasthof waren dann au\u00dfer den Helden auch eine kleine Gruppe m\u00e4chtiger Magier abgestiegen. Das war schon so, dass die Spieler etwas Bammel bekamen. Allerdings hatte eine Spielfigur eine geringe Chance, es waren 5% oder 10%, f\u00fcr etwa eine Viertelstunde eine Zone um sich zu schaffen, in der Magie nicht wirksam ist. Was soll ich sagen, der Wurf gelang; die Abenteurer st\u00fcrzten sich in ein Handgemenge, hatten Gl\u00fcck bei weiteren W\u00fcrfen, es war alles sehr knapp, aber der \u00dcberfall war erfolgreich. (Rollenspiel war das nicht mehr sehr, dann eher ein Mini-Wargame, ein Brettspiel, historisch ja auch der Ursprung des Rollenspiels.) Keine sch\u00f6ne Geschichte. Aber es gab gepl\u00fcndertes Gold als Belohnung. Das war, glaube ich, der erste Spieltag.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Stadt angekommen, nahm mich Spieler RB zur Seite, er hatte einen Plan ausgeheckt: Er, also seine Spielfigur, wollte sich ein billiges Schwert kaufen, das er mit kryptischen Runen versehen lie\u00df, und einen Schauspieler mieten. Der Schauspieler kam, mit Arbeitsanleitungen versehen und in Magierkutte gewandet, in die Gastwirtschaft, in der die Abenteurer sa\u00dfen. (In Rollenspielen wurde fr\u00fcher sehr viel Zeit in Gastwirtschaften verbracht.) \u201eRache f\u00fcr die erschlagenen Magier\u201c war sein Ruf, die Abenteurer zitterten schon &#8211; bis auf RB, der unter Raunen sein unbemerkt von den anderen gekauftes Dekoschwert z\u00fcckte und sich daf\u00fcr bewundern lie\u00df, dass der vorgebliche Magier davor die Flucht ergriff. Seine Geschichte: Das Schwert habe er bei dem Kampf mit den Magiern erbeutet, und es sei furchtbar zauberkr\u00e4ftig. Irgendwie schauspielerte er so gut, oder die Umst\u00e4nde waren so g\u00fcnstig, dass kein Mitspieler daran zweifelte. Ich als Spielleiter musste mich angreifen lassen, dass es doch unfair sei, dass ich einem Spieler eine so m\u00e4chtige Waffe zukommen hatte lassen und den anderen nicht. Das war der zweite Spieltag, glaube ich; vielleicht wurden noch Anstrengungen unternommen, Informationen \u00fcber den eingekerkerten Prinzen zu finden, allein, das ist mir nicht im Ged\u00e4chtnis geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge weitere kleinerer Gefechte, vielleicht sogar im Zusammenhang mit der eigentlich geplanten Spielhandlung, erlitt die Figur von MS recht schwere Wunden. Das Schwert von RB, so hie\u00df es, k\u00f6nne auch Wunden heilen. Also wechselte es den Besitzer, MS kaufte es f\u00fcr sehr viel Gold von RB. Noch trat die Wirkung nicht ein, er m\u00fcsse erst eine Nacht mit dem Schwert auf dem Bauch ruhen. Am n\u00e4chsten Morgen wollte MS von mir als Spielleiter wissen, wie sehr sich sein Gesundheitszustand verbessert h\u00e4tte, und er war gar nicht wenig verwundert, dass sich da gar nichts getan hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kam zum Streit zwischen den Figuren von RB und MS. Ich glaube, sie erschlugen sich letztlich gegenseitig. Jedenfalls nutzte Spieler KHZ die Gelegenheit, sich mit dem Verkaufspreis des falschen Schwertes, davon zu machen. Viel hatte er auch nicht davon: die Stadtwachen waren inzwischen hinter allen her und suchten ihn und AR als M\u00f6rder.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles dauerte drei lange Spieleabende. Es gab sicher noch mehr Handlung drumherum, aber an die kann ich mich nicht erinnern. Das letztliche Schicksal des Streuners blieb ungekl\u00e4rt, von uns zumindest wurde er nicht befreit. Der letzte Spieltag lie\u00df uns nicht v\u00f6llig zufrieden mit uns und der Welt zur\u00fcck und dauerte nicht mehr so lange, vielleicht nur bis zum fr\u00fchen Abend und nicht mehr bis Mitternacht, denn ich wei\u00df noch, dass danach <em>Die Spur des Falken<\/em> im Fernsehen kam. Ein angemessener Film: Humphrey Bogart und Sydney Greenstreet, Peter Lorre und Mary Astor und Elisha Cook jr. streiten sich darin um einen Schatz, der sich am Ende als F\u00e4lschung herausstellt. Am Ende sind bis auf den Detektiv alle festgenommen oder des Mordes \u00fcberf\u00fchrt, in der Romanvorlage auch gegenseitig erschossen. Ich freue mich sehr auf die n\u00e4chste Lekt\u00fcre, zumal ich daf\u00fcr einen Leseauftrag aus einem &#8211; leider nicht mehr online zug\u00e4nglichen &#8211; Aufsatz habe: Ab wann wei\u00df Sam Spade, wer seinen Partner umgebracht hat? Am Ende, als es das Lesepublikum erf\u00e4hrt, tut er ja weniger \u00fcberrascht, als man meinen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(The Maltese Falcon<\/em> war auch der Anlass, das hier aufzuschreiben: Beim Aufr\u00e4umen ungeh\u00f6rter alter H\u00f6rspiele habe ich den Sam-Spade-Ordner aufgemacht und inzwischen die dritte Fassung angeh\u00f6rt.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(8 Kommentare.) Vor knapp zehn Jahren erz\u00e4hlte ich in einem Blogeintrag kurz von einem Rollenspielabenteuer meiner Jugend: Die Spieler mussten in eine andere Stadt reisen und dort einen Prinzen retten, der verkleidet seine zuk\u00fcnftige Braut hatte sehen wollen, aber entdeckt und in den Kerker geworfen worden war. Wir brauchten drei Sitzungen zu jeweils sieben oder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[316,9],"tags":[70],"class_list":["post-60590","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ueber-mich","category-spiele","tag-erinnerungen"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60590","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60590"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60590\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61721,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60590\/revisions\/61721"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60590"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60590"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60590"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}