{"id":6078,"date":"2014-05-11T21:14:56","date_gmt":"2014-05-11T19:14:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=6078"},"modified":"2023-06-14T07:48:38","modified_gmt":"2023-06-14T05:48:38","slug":"fussball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/05\/fussball.htm","title":{"rendered":"Fu\u00dfball!"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/05\/fussball.htm#comments'>6 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Gestern war ich im Stadion, Augsburg gegen Eintracht Frankfurt. Und das kam so:<\/p>\n<p>Eine meiner Augsburger Freundinnen ist seit Jahren und f\u00fcr mich doch immer noch \u00fcberraschend Fu\u00dfballfan, so richtig mit Dauerkarte. Irgendwer machte dann bei einem der letzten Treffen den Vorschlag, dass wir uns alle ein Spiel der Augsburger ansehen k\u00f6nnten. Vor \u00fcber 35 Jahren habe ich mein letztes Spiel live gesehen, zu meiner, ahem, Zeit als aktiver Spieler. Fu\u00dfball interessiert mich genauso wenig wie andere Mannschaftssportarten. Aber seit Augsburg in der Bundesliga ist (jetzt drei volle Jahre), verfolge ich zumindest die Ergebnisse des Vereins meiner Heimatstadt.<\/p>\n<p>Vorher hatte ich die Stadionordnung gelesen, um zu sehen, was ich alles mitnehmen darf. Ohne Tablet und vor allem ohne Buch bin ich sonst eigentlich nie unterwegs, aber beides kann man ja eigentlich auch als Wurfgeschosse vewenden. Oder wie ist das? Jedenfalls habe ich alles au\u00dferhalb deponieren k\u00f6nnen, und war dann so ganz ohne Buch unterwegs. Ungewohnt.<\/p>\n<p>Also: Gelangweilt habe ich mich nicht. Wurst gegessen, Bier getrunken. Das Spielfeld sieht kleiner aus als im Fernsehen &#8211; gilt f\u00fcr Bundestag und Showb\u00fchne auch, wird also wohl bei allem so sein. Man sieht \u00fcberall sehr gut hin, aber ob irgendwas, das am anderen Ende des Spielfeldes passiert, ein Foul ist oder nicht, das kann ich nicht erkennen.<\/p>\n<p>Es gibt diverse &#8222;Bl\u00f6cke&#8220;. In einem sitzen die G\u00e4ste, ein anderer ist der &#8222;Familienblock&#8220;, damit man davon ausgehen kann, dass es da besonders gesittet zugeht. Und dann gibt es den Block, wo die lauten Fans stehen und springen und singen und allerlei Ger\u00e4usch machen. (Andere Leute wissen das alles wohl schon.) Ich sa\u00df brav gesittet in einer ruhigen Ecke nahe einem Tor. Immer wieder mal musste man aufstehen und sich dann wieder hinsetzen, je nachdem, was gerade gesungen oder im Mikrofon gesagt wurde. Wie beim Gottesdienst, wenn man sich nicht auskennt und auf die anderen schauen muss.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n ist, dass nach einem Tor der Augsburger die <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UGjLGeuN7kQ\">Torhymne<\/a> im Stadion gespielt wird. (Apropos, muss man f\u00fcr Fanges\u00e4nge eigentlich Geb\u00fchren an die GEMA zahlen?) Denn die ist &#8222;Eine Insel mit zwei Bergen&#8220; aus der Version von Jim Knopf der Augsburger Puppenkiste. Und das h\u00f6rt man immer gern. \u00dcberhaupt ist Augsburg ein sympathischer, kleiner Underdogverein, der sich gut schl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wir haben dann auch verdient gewonnen. Im Stadion ging es \u00fcbrigens sehr zivisiliert zu, kein Gedr\u00e4nge, kein unangenehmes Geschrei. Und zuschauen macht schon einen gewissen Spa\u00df.<\/p>\n<p>\u00dcberrascht hat mich die Jahrmarktsatmosph\u00e4re, die der Ansager verbreitet hat. Klang wie beim Autoscooter.<br \/>\nNach dem Verhalten im Stadion ist mir klar, warum auch bei Klassensprecherwahlen die (m\u00e4nnlichen) Sch\u00fcler gerne mal f\u00fcr ihre Favoriten jubeln und die anderen ausbuhen &#8211; Hauptsache, es wird irgendein L\u00e4rm gemacht, Hauptsache, man hat ein Lager.<\/p>\n<p>In der Parallelwelt von Jasper Fforde nimmt Literatur einen \u00e4hnlichen Platz in der Popul\u00e4rkultur ein wie bei uns Sport. Das w\u00e4re mir auch recht. Dramatisch schildert das die Kurzgeschichte &#8222;Endspiel im Prosastadion&#8220; (&#8222;Prose Bowl&#8220;) von Bill Pronzini und Barry N. Malzberg. Dort tritt der junge Herausforderer Rex Sackett gegen den Veteranen Leon Culp an, Schreibmaschine gegen Schreibmaschine, vor Zehntausenden von Zuschauern. Nationalhymne, Anspiel, 5 Sekunden Zeit f\u00fcr die Wahl zwischen &#8222;A) Futuristisches Liebesabenteuer&#8220; und &#8222;B) Krimi Mitte zwanzigstes Jahrhundert&#8220;. Beide schreiben in den Halbzeiten um die Wette, Schiedsrichter pfeifen bei &#8222;Personenverwechslung&#8220; oder &#8222;Ausdrucksweise unannehmbar&#8220;.<\/p>\n<p>Im Referendariat hie\u00df es, dass Fu\u00dfballkenntnisse f\u00fcr die Schule sehr n\u00fctzlich sind, wegen Bonding mit den Sch\u00fclern und so. Stimmt wohl, es geht aber auch ohne, und man muss den jungen Leuten schlie\u00dflich auch Gegenentw\u00fcrfe aufzeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(6 Kommentare.) Gestern war ich im Stadion, Augsburg gegen Eintracht Frankfurt. Und das kam so: Eine meiner Augsburger Freundinnen ist seit Jahren und f\u00fcr mich doch immer noch \u00fcberraschend Fu\u00dfballfan, so richtig mit Dauerkarte. Irgendwer machte dann bei einem der letzten Treffen den Vorschlag, dass wir uns alle ein Spiel der Augsburger ansehen k\u00f6nnten. 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