{"id":6106,"date":"2014-06-09T12:43:49","date_gmt":"2014-06-09T10:43:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=6106"},"modified":"2023-05-24T12:56:30","modified_gmt":"2023-05-24T10:56:30","slug":"jane-austen-northanger-abbey-und-exkurs-zur-erlebten-rede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/06\/jane-austen-northanger-abbey-und-exkurs-zur-erlebten-rede.htm","title":{"rendered":"Jane Austen, Northanger Abbey (und Exkurs zur erlebten Rede)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/06\/jane-austen-northanger-abbey-und-exkurs-zur-erlebten-rede.htm#comments'>6 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Bekannte nehmen die junge Catherine Morland f\u00fcr ein paar Wochen mit nach Bath, wo man zur Erholung und zur Kur hinf\u00e4hrt und um neue Kleider vorzuf\u00fchren. Dort freundet sie sich mit Isabella Thorpe an (an der auch Catherines Bruder interessiert ist), ohne deren Oberfl\u00e4chlichkeit zu erkennen. Isabellas Bruder, ein rechter Depp, wirbt um Catherine; diese verliebt sich aber in Henry Tilney, mit dessen Schwester sie Freundschaft schlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Catherine wird als Gegenst\u00fcck zu den Heldinnen sentimentaler und sentimental-grusliger Romane eingef\u00fchrt. Kein Findelkind wurde in ihrerm Heimatdorf abgegeben, dessen vornehme Herkunft sich sp\u00e4ter herausstellen k\u00f6nnte; sie kann weder besonders gut zeichnen noch musizieren, die Beziehung zu ihren Eltern ist unkompliziert; zum Abschied verlangt ihre Schwester nicht tr\u00e4nenreich einen Brief jeden Tag von ihr, sie wird nicht vor Edelleuten mit \u00fcblen Absichten gewarnt, sondern daran erinnert, sich warm genug anzuziehen, um sich nicht zu erk\u00e4lten. Auf der Fahrt werden sie dann auch nicht von R\u00e4ubern \u00fcberfallen, und als Catherine den von ihr verehrten Tilney vertraulich mit einer fremden Frau sprechen sieht, f\u00e4llt sie nicht in Ohnmacht, sondern schlie\u00dft, dass das dann wohl seine Schwester ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Bodenst\u00e4ndigkeit verliert Catherine im letzten Drittel des Buches, als sie nach Northanger Abbey eingeladen wird, dem Anwesen, auf dem Henry und seine Schwester mit ihrem Vater leben. Catherine liest n\u00e4mlich gerne Romane, am liebsten Schauerromane (die gerne mal in alten Abteien spielen), und so sieht sie eine Verschw\u00f6rung um eine alte Mordtat um sich herum, die sich nat\u00fcrlich als blo\u00dfe Einbildung entpuppt. Trotzdem gibt es dann vor dem gl\u00fccklichen Ende noch etwas echtes Drama.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Das Lesen hat mir viel Vergn\u00fcgen bereitet. Bekannt ist das Buch als Parodie auf den englischen Schauerroman; tats\u00e4chlich ist der Teil, der in Bath spielt, umfangreicher, und hat mir auch besser gefallen. Catherine ist eine sympathische Heldin. Sie lebt in einer Gesellschaft voller Regeln, die sie nicht alle genau kennt, die sie aber nicht verletzen will &#8211; sie achtet sehr darauf, wie sie von anderen wahrgenommen wird. Es ist angenehm, mal eine derart mitdenkende Heldin zu haben.<br>Vermutlich ist das Buch gut f\u00fcr den Einstieg in Austen geeignet: Es gibt relativ wenige Personen; die zwei Teile des Buches funktionieren ziemlich unabh\u00e4ngig von einander; es gibt keine obskuren englischen Erbschaftsverh\u00e4ltnisse, die f\u00fcr den Plot wichtig sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Exkurs 1: Die Gothic Novel und ihre deutschen Vorl\u00e4ufer<\/h3>\n\n\n\n<p>Der zweite Teil von <em>Northanger Abbey<\/em> ist eine Parodie auf die englische <em>gothic novel<\/em>, eine Romanform, die im sp\u00e4ten 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhundert enorm popul\u00e4r war, und die zu Mary Shelleys <em>Frankenstein<\/em> f\u00fchrte. <em>The Castle of Otranto<\/em> (Horace Walpole, 1764) gilt als erster Vertreter: Geheimg\u00e4nge, Ruinen, in Ohnmacht fallende Heldinnen, \u00dcbernat\u00fcrliches, Schauplatz: Italien. Am popul\u00e4rsten war dann Ann Radcliffe, etwa mit <em>The Mysteries of Udolpho<\/em> (1794).<\/p>\n\n\n\n<p>Catherine Morland mag diese Literatur, und Isabella Thorpe empfiehlt ihr in Kapitel 6 ein paar Romane zur Lekt\u00fcre, die <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Northanger_Horrid_Novels\">&#8222;Northanger Seven&#8220;<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;I will read you their names directly; here they are, in my pocket-book. <em>Castle of Wolfenbach, Clermont, Mysterious Warnings, Necromancer of the Black Forest, Midnight Bell, Orphan of the Rhine, <\/em>and <em>Horrid Mysteries.<\/em> Those will last us some time.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese B\u00fccher gibt es alle wirklich, und eines hat mich besonders interessiert: <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Necromancer;_or,_The_Tale_of_the_Black_Forest\"><em>The Necromancer; or, The Tale of the Black Forest<\/em><\/a> von Lorenz Flammenberg (Pseudonym von: Karl Friedrich Kahlert), in einer wohl recht freien zeitgen\u00f6ssischen \u00dcbersetzung von Peter Teuthold. Die deutsche Fassung habe ich leider nicht gefunden, die <a href=\"http:\/\/www.gutenberg.ca\/#catalogueF\">englische \u00dcbersetzung bei www.gutenberg.ca<\/a>. Der Grund f\u00fcr mein Interesse: Bislang hatte ich immer nur geh\u00f6rt, dass Deutschland als Vorbild f\u00fcr Finsteres, Unheimliches, und die <em>gothic novels<\/em> galt. Edgar Allan Poe geht im Vorwort zu seinen <em>Tales of the Grotesque and Arabesque<\/em> auf den Vorwurf ein, er w\u00fcrde im deutschen Stil schreiben:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>with a single exception, there is no one of these stories in which the scholar should recognise the distinctive features of that species of pseudo-horror which we are taught to call Germanic [&#8230;]. If in many of my productions terror has been the thesis, I maintain that terror is not of Germany, but of the soul<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aber ich hatte keine Vorstellung davon, was diese deutschen Vorbilder denn genau waren. Die romantischen Novellen kamen eher sp\u00e4ter, h\u00e4tte ich gedacht. Bleibt der Sturm und Drang, und ja: Als Folge von Schillers <em>R\u00e4ubern<\/em> bl\u00fchte der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%A4uberroman\">R\u00e4uberroman<\/a>, vorher schon der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geheimbundroman\">Geheimbundroman<\/a>, popul\u00e4r waren auch Roman um Geisterbeschw\u00f6rer, so dass sich selbst Schiller unwillig zu <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Geisterseher\">Der Geisterseher<\/a> herablie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>(Einen Rest davon gibt es in Eichendorffs &#8222;Taugenichts&#8220;: Im sechsten Kapitel verbringt unser Held eine Nacht in einem alten Schloss. Es kommt ihm alles sehr gruselig vor, er sieht eine alte Frau mit Messer, f\u00fchlt sich an Geschichten von Mord und Menschenfressern erinnert, die er gelesen hat. Nach einem Brief von &#8222;Aurelie&#8220;, der an ihn adressiert zu sein scheint, flieht er, verlockt von der Musik eines Studenten unter seinem Fenster, der ihm bei der Flucht hilft.)<\/p>\n\n\n\n<p>Von diesen Romanen kriegt man heute kaum etwas mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier \u00fcbrigens der Umschlag einer Ausgabe von <em>Northanger Abbey<\/em>, die nicht erkannt hat, dass es sich um eine Parodie handelt:<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6107\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/austen_northanger_abbey.jpg\" alt=\"austen_northanger_abbey\" width=\"600\" height=\"487\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/austen_northanger_abbey.jpg 600w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/austen_northanger_abbey-150x121.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/austen_northanger_abbey-550x446.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><br>Paperback Library Edition (New York), 1965.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Exkurs 2: Figurenrede<\/h3>\n\n\n\n<p>In einem Roman erz\u00e4hlt meist der Erz\u00e4hler. &#8222;In Front des schon seit Kurf\u00fcrst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstra\u00dfe,&#8220; steht da, und das sagt zu uns der Erz\u00e4hler. Manchmal h\u00f6rt man aber auch die Stimme der Figuren selber. Neben weiteren Formen gibt es daf\u00fcr folgende drei M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Direkte Rede<\/h4>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Eben hatte sich Effi wieder erhoben, um abwechselnd nach links und rechts ihre turnerischen Drehungen zu machen, als die von ihrer Stickerei gerade wieder aufblickende Mama ihr zurief: \u00bbEffi, eigentlich h\u00e4ttest du doch wohl Kunstreiterin werden m\u00fcssen. Immer am Trapez, immer Tochter der Luft. Ich glaube beinah, dass du so was m\u00f6chtest.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hier spricht die Mutter, der Erz\u00e4hler tritt ganz zur\u00fcck. Merkmal: Anf\u00fchrungszeichen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Indirekte Rede<\/h4>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Und was nun die Kinder angehe &#8211; bei welchem Wort er sich, Aug in Auge mit dem nur etwa um ein Dutzend Jahre j\u00fcngeren Innstetten, einen Ruck geben musste -, nun, so sei Effi eben Effi und Geert Geert.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hier fehlt zwar das aus dem Zusammenhang unschwer zu erschlie\u00dfende: &#8222;sagte der alte Briest&#8220;, aber dennoch ist klar, dass es sich um indirekte Rede handelt, dass also nicht der Erz\u00e4hler uns mit der Weisheit, dass Effi eben Effi ist, begl\u00fcckt, sondern dass das der alte Briest macht. Erkennbar ist das vor allem am f\u00fcr die indirekte Rede typischen Konjunktiv (&#8222;angehe&#8220;, &#8222;sei&#8220;). Durch dessen Verwendung betont der Erz\u00e4hler geradezu, dass nicht er es ist, der hier spricht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Erlebte Rede<\/h4>\n\n\n\n<p>Hier ein nichtfiktionales Beispiel aus der Rede des Bundestagspr\u00e4sidenten Jenninger anl\u00e4sslich des 50-j\u00e4hrigen Gedenkens an die Reichspogromnacht 1938:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Man genoss vielleicht in einzelnen Lebensbereichen weniger individuelle Freiheiten; aber es ging einem pers\u00f6nlich doch besser als zuvor, und das Reich war doch unbezweifelbar wieder gro\u00df, ja, gr\u00f6\u00dfer und m\u00e4chtiger als je zuvor. &#8211; Hatten nicht eben erst die F\u00fchrer Gro\u00dfbritanniens. Frankreichs und Italiens Hitler in M\u00fcnchen ihre Aufwartung gemacht und ihm zu einem weiteren dieser nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehaltenen Erfolge verholfen?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nicht Jenninger selbst stellt diese Frage, nicht er h\u00e4lt das Deutsche Reich f\u00fcr unbezweifelbar gro\u00df und m\u00e4chtig: Sondern ein &#8211; fiktiver, f\u00fcr durchschnittlich angenommener &#8211; Deutscher 1938, dessen Gedanken hier Jenninger wiedergibt. Allerdings benutzt Jenniger hier etwas, das im Deutschen &#8222;erlebte Rede&#8220; hei\u00dft: Es gibt keine Anf\u00fchrungszeichen, keinen Konjunktiv, formal ist nicht zu unterscheiden, ob hier der Erz\u00e4hler bzw. Jenninger spricht oder eine Figur: Beides ist 3. Person Singular Indikativ Pr\u00e4teritum, die normale Erz\u00e4hlform. Am Tag nach der Rede und den auf sie folgenden Protesten trat Jenninger vom Amt des Bundestagspr\u00e4sidenten zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei erlebter Rede verschwimmen die Grenzen zwischen Figur und Erz\u00e4hler. Das kann effektiv sein. In dieser Passage aus <em>Irrungen, Wirrungen<\/em> von Fontane denkt Botho w\u00e4hrend eines Ausrittes in w\u00f6rtlicher Rede vor sich hin:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Weil ich sie liebe! Ja. Und warum soll ich mich dieser Neigung sch\u00e4men? Das Gef\u00fchl ist souver\u00e4n, und die Tatsache, dass man liebt, ist auch das Recht dazu, m\u00f6ge die Welt noch so sehr den Kopf dar\u00fcber sch\u00fctteln oder von R\u00e4tsel sprechen. \u00dcbrigens ist es kein R\u00e4tsel, und wenn doch, so kann ich es l\u00f6sen. Jeder Mensch ist seiner Natur nach auf bestimmte, mitunter sehr, sehr kleine Dinge gestellt, Dinge, die, trotzdem sie klein sind, f\u00fcr ihn das Leben oder doch des Lebens Bestes bedeuten. Und dies Beste hei\u00dft mir Einfachheit, Wahrheit, Nat\u00fcrlichkeit. Das alles hat Lene, damit hat sie mir&#8217;s angetan, da liegt der Zauber, aus dem mich zu l\u00f6sen mir jetzt so schwer f\u00e4llt.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>So denkt doch kein Mensch! Umgeformt in erlebte Rede sieht das viel nat\u00fcrlicher aus:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Weil er sie liebte! Ja. Und warum sollte er sich dieser Neigung sch\u00e4men? Das Gef\u00fchl war souver\u00e4n, und die Tatsache, dass man liebte, war auch das Recht dazu, mochte die Welt noch so sehr den Kopf dar\u00fcber sch\u00fctteln oder von R\u00e4tsel sprechen. \u00dcbrigens war es kein R\u00e4tsel, und wenn doch, so konnte er es l\u00f6sen. Jeder Mensch war seiner Natur nach auf bestimmte, mitunter sehr, sehr kleine Dinge gestellt, Dinge, die, trotzdem sie klein waren, f\u00fcr ihn das Leben oder doch des Lebens Bestes bedeuteten. Und dies Beste hie\u00df ihm Einfachheit, Wahrheit, Nat\u00fcrlichkeit. Das alles hatte Lene, damit hatte sie&#8217;s ihm angetan, da lag der Zauber, aus dem sich zu l\u00f6sen ihm jetzt so schwer fiel.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>&#8212; Erlebte Rede gibt es auch im Englischen, dort hei\u00dft sie &#8222;free indirect speech&#8220;. Im Englischen gibt es keinen nennenswerten Konjunktiv mehr, der in indirekter Rede verwendet wird, stattdessen gibt es etwas, das &#8222;backshift&#8220; hei\u00dft, kurz gesagt: aus <em>present tense<\/em> in der direkten Rede wird beim Erz\u00e4hlen <em>past<\/em>. Aus &#8222;I want to break free&#8220; wird &#8222;He said he wanted to break free&#8220; (indirect speech) beziehungsweise ohne die Redeeinleitung gleich &#8222;He wanted to break free&#8220; (free indirect speech) &#8211; also unsere erlebte Rede.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was das alles mit Jane Austen zu tun hat<\/h4>\n\n\n\n<p>Bei Northanger Abbey gibt es schon inneren Monolog:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;This is strange indeed! I did not expect such a sight as this! An immense heavy chest! What can it hold? Why should it be placed here? Pushed back too, as if meant to be out of sight! I will look into it\u2014cost me what it may, I will look into it\u2014and directly too\u2014by daylight. If I stay till evening my candle may go out.&#8220; [Chapter 21]<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es gibt aber auch indirekte Rede <em>ohne<\/em> redeeinleitendes Verb (wie: free indirect speech) aber <em>mit<\/em> Anf\u00fchrungszeichen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>The place in the middle alone remained now unexplored; and though she had &#8222;never from the first had the smallest idea of finding anything in any part of the cabinet, and was not in the least disappointed at her ill success thus far, it would be foolish not to examine it thoroughly while she was about it.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Zusammenhang macht klar, dass die Ansichten, die innerhalb der Anf\u00fchrungszeichen stehen, nicht die des Erz\u00e4hlers sind, sondern die von Catherine &#8211; erlebte Rede, <em>free indirect speech<\/em>, aber durch die Anf\u00fchrungszeichen eben nicht ganz so <em>free<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gibt es im sp\u00e4ten 18. Jahrhundert sicher st\u00e4ndig, ist mir jetzt aber zum ersten Mal so richtig aufgefallen. (Der prinzipielle Gebrauch von Anf\u00fchrungszeichen f\u00fcr w\u00f6rtliche Rede wurde in England erst ab 1714 etabliert.) <em>Northanger Abbey<\/em> ist voller Beispiele. Hier spricht der alte Tilney zu Catherine:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>The netting-box, just leisurely drawn forth, was closed with joyful haste, and she was ready to attend him in a moment. &#8222;And when they had gone over the house, he promised himself moreover the pleasure of accompanying her into the shrubberies and garden.&#8220; She curtsied her acquiescence. &#8222;But perhaps it might be more agreeable to her to make those her first object. The weather was at present favourable, and at this time of year the uncertainty was very great of its continuing so. Which would she prefer? He was equally at her service. Which did his daughter think would most accord with her fair friend&#8217;s wishes? But he thought he could discern. Yes, he certainly read in Miss Morland&#8217;s eyes a judicious desire of making use of the present smiling weather. But when did she judge amiss? The abbey would be always safe and dry. He yielded implicitly, and would fetch his hat and attend them in a moment.&#8220; [Chapter 22]<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Herk\u00f6mmliche indirekte Rede ohne Anf\u00fchrungszeichen gibt es nat\u00fcrlich auch. Ich vermute mal, ohne das \u00fcberpr\u00fcft zu haben, dass Austen bei indirekter Rede genau und nur dann Anf\u00fchrungszeichen setzt, wenn kein explizites redeeinleitendes Verb vorhanden. Dann d\u00fcrfte diese erlebte Rede quasi nur in Anf\u00fchrungszeichen vorkommen. Nachgepr\u00fcft habe ich das nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wikipedia entnehme ich, dass Jane Austen und Goethe zu den ersten gez\u00e4hlt werden, die erlebte Rede bzw. <em>free indirect speech<\/em> verwenden. Dann ist das wohl in Vergessenheit geraten und erst wieder \u00fcber Flaubert in die moderne Literatur gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Gerade bei Fontane, <em>Irrungen, Wirrungen<\/em> gesehen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Mittlerweile sank die Sonne hinter den Wilmersdorfer Kirchturm, und Lene schlug vor, aufzubrechen und den R\u00fcckweg anzutreten, &#8222;es werde so fr\u00f6stlich; unterwegs aber wollte man spielen und sich greifen; sie sei sicher, Botho werde sie nicht fangen.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auch hier indirekte Rde, markiert durch Konjunktiv <em>und<\/em> Anf\u00fchrungszeichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(6 Kommentare.) Bekannte nehmen die junge Catherine Morland f\u00fcr ein paar Wochen mit nach Bath, wo man zur Erholung und zur Kur hinf\u00e4hrt und um neue Kleider vorzuf\u00fchren. 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