{"id":6126,"date":"2014-07-01T06:27:35","date_gmt":"2014-07-01T04:27:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=6126"},"modified":"2023-05-24T12:56:11","modified_gmt":"2023-05-24T10:56:11","slug":"ernest-cline-ready-player-one","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/07\/ernest-cline-ready-player-one.htm","title":{"rendered":"Ernest Cline, Ready Player One"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/07\/ernest-cline-ready-player-one.htm#comments'>8 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.google.de\/search?q=gary+larson+hopeful+parents\">Von Gary Larson gibt es einen Cartoon.<\/a> &#8222;Hopeful Parents&#8220; steht darunter, und man sieht ein eher d\u00fcmmlich aussehendes Kind mit einer Spielekonsole gebannt vor dem Bildschirm sitzen, w\u00e4hrend die dahinter stehenden, stolz zusehenden Eltern eine Vision von zuk\u00fcnftigen Stellenanzeigen haben: &#8222;Nintendo Expert Needed. $50,000 salary + bonus&#8220; und &#8222;Looking for good Mario Brothers Player $100,000 plus your own car.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Cartoon k\u00f6nnte der Ausgangspunkt von <em>Ready Player One<\/em> von Ernest Cline gewesen sein. Wie m\u00fcsste eine Welt beschaffen sein, in der es wirklich etwas bringt, Computerspiele spielen zu k\u00f6nnen? Und noch einen Schritt weiter: Wie m\u00fcsste eine Welt beschaffen sein, in der es einen zum Helden macht, sich in japanischen und amerikanischen Fernsehserien der 1980er Jahre auszukennen, und in den B\u00fcchern, Filmen, Musikgruppen und Spielen dieser Zeit? Die Antwort gibt der Plot dieses Buches.<\/p>\n\n\n\n<p>(Das ist \u00fcbrigens durchaus meine Zeit. Gut, mit Japan habe ich nicht viel zu tun gehabt. Aber viele der zitierten Fernsehserien, Computer und Spiele &#8211; etwa: Joust, Centipede, <em>Family Ties<\/em>, Pacman, D&amp;D, TRS-80, K.I.T.T., <em>Wargames<\/em> &#8211; kenne ich. Mir war lang vor den Spielfiguren klar, worauf sich der geheimnisvolle Hinweise auf eine &#8222;trophy case&#8220; beziehen muss. Mich wundert aber, dass sich das alles in einem 2011 erschienenen Jugend-Science-Fiction-Roman findet. Dass meine Generation das kennt und gerne daran erinnert wird, klar, aber dass auch junge Leute da durch wollen?)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ready Player One<\/em> spielt in den 2040er Jahren, in einer m\u00e4\u00dfig dystopischen Zukunft. B\u00f6se Konzerne kontrollieren nicht alles, aber doch eine Menge. Viele Menschen halten sich einen gro\u00dfen Teil ihrer Zeit in der OASIS auf &#8211; eine Art Kreuzung aus World of Warcraft und Second Life kombiniert mit der Allgegenwart von Facebook; ein Spiel und eine Simulation zugleich. Auch Schulunterricht kann gleich ganz dort stattfinden &#8211; auf einem Schulplaneten ohne Magie und Kampfm\u00f6glichkeit, versteht sich.<br>Der Erfinder und Programmierer dieser Spiel-Simulation, eine verschrobene Kreuzung aus Steve Jobs und Bill Gates, steinreich, Fan der 1980er Jahre, stirbt einige Jahre vor Beginn der Handlung. Er hinterl\u00e4sst ein Testament: In der OASIS hat er ein Easter Egg versteckt, eine \u00dcberraschung; wer es findet, erbt sein gesamtes Verm\u00f6gen und die Kontrolle \u00fcber die OASIS. Es gibt eine erste verr\u00e4tselte Spur, der Rest liegt in der Hand der Spieler.<br>Aber das R\u00e4tsel ist schwer, erst mal kommt niemand voran. Nach anf\u00e4nglichem weltweiten und allgemeinen Enthusiasmus ist es nur noch die Subkuktur der <em>easter egg hunters<\/em> oder <em>gunters<\/em>, die die Suche noch nicht aufgegeben hat.<br>Einer von ihnen &#8211; Wade, alias Parzival, jugendliche Hauptperson des Romans &#8211; l\u00f6st das erste R\u00e4tsel und damit eine weltweite Sensation aus. Ein b\u00f6ser Konzern setzt eine Armee von tausenden von bezahlten Spielern ein, um ihm und seinen Mitstreitern &#8211; oder Konkurrenten &#8211; zuvorzukommen und schreckt auch vor Verbrechen bis hin zum Mord in der realen Welt nicht zur\u00fcck, um dieses Ziel zu erreichen.<br>Die Schnitzeljagd, die letztlich zum versteckten Easter Egg f\u00fchrt, erfordert alles Wissen, das die Spieler um die Popul\u00e4rkultur der 1980er Jahre angesammelt haben, und all ihre F\u00e4higkeiten im Spielen von Computerspielen dieser Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Ich habe das Buch als ungek\u00fcrztes englischen H\u00f6rbuch geh\u00f6rt. Das hat sich so ergeben; an sich bin ich mit H\u00f6rb\u00fcchern nie sehr warm geworden, und ich h\u00f6re sicher weniger konzentriert zu und verpasse mehr, als wenn ich das Buch direkt lesen w\u00fcrde. Deshalb mache ich das auch nur bei B\u00fcchern, die mich nicht so brennend interessieren. Aber vielleicht tue ich dem Buch einach unrecht, weil es es als H\u00f6rbuch einfach schwer hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ready Player One<\/em> kam mir ziemlich lang vor. Auf viele Details h\u00e4tte ich gerne verzichtet. Gleichzeitig l\u00e4sst das Buch auch viel aus. Typisch sind S\u00e4tze wie: &#8222;I performed a few final tasks related to my escape plan, then logged out of the IOI intranet for the last time.&#8220; Was waren das f\u00fcr &#8222;final tasks&#8220;? Spielt keine Rolle. Dann bitte gleich weglassen.<br>Die jugendlichen Helden sind ziemlich klischeehaft. Der erste Kuss, zu dem es ganz am Schluss kommt, ist genau so, wie man ihn sich immer vorgestellt hat:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>It felt just like all those songs and poems had promised it would. It<br>felt wonderful. Like being struck by lightning.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auch sonst ist das Geheimnis jedes Hackers: wahre Liebe. Wenig \u00fcberraschend, aber keinesfalls gen\u00fcgend vorbereitet, kommt auch am Schluss die Erkenntnis, dass die reale Welt vielleicht doch besser ist als die virtuelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch, ich habe das Buch bis zum Ende angeh\u00f6rt, und das nicht ungern. Ich h\u00f6re einfach gerne Geschichten um Computerspiele und die 1980er. Der Roman ist <a href=\"http:\/\/tvtropes.org\/pmwiki\/pmwiki.php\/Literature\/ReadyPlayerOne\">voller bekannter Topoi<\/a>. Wie bei Frau Holle geht der Held in eine H\u00f6hle (&#8222;cave&#8220;), steckt ein ausgestecktes Pacman-Spiel ein (&#8222;spiel mich, spiel mich&#8220;) und wird daraufhinreicht belohnt, w\u00e4hrend seine b\u00f6sen Parallelfiguren leer ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgefallen ist mir eine Paralle zum Film <em>Matrix<\/em>. Und das geht ganz ohne Aliens oder Maschinen, die die Menschen gegen ihren Willen und ohne dass sie es wissen dazu zwingen, in einer computergenerierten virtuellen Welt zu leben. Das machen die freiwillig. Einen Retter gibt es da wie dort, und Superf\u00e4higkeiten, die man sich einfach hinzuladen kann. Zugegeben, in der OASIS sind es eher magische Artefakte, aber das l\u00e4uft auf das gleiche hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant war das Finale: Eine gro\u00dfe Schlacht, mit den gesammelten <em>gunters<\/em>, einem Gro\u00dfteil der aktiven Spieler also, gegen die gesammelten Spielfiguren des B\u00f6sen, alle auf einen Planeten, alle aufeinander drauf. So \u00e4hnlich wie die Schlacht um Helms Klamm im <em>Herrn der Ringe<\/em>. Aber die Schlacht ist um eine weitere Ebene vom Leser entfernt, und ihm deshalb viel n\u00e4her. Beim <em>Herrn der Ringe<\/em> muss man sich in die Elben und Zwerge und Orks hineinversetzen, um in der Schlacht mitzufiebern; in <em>Ready Player One<\/em> muss man sich gar nicht gro\u00df in die tausenden teilnehmende Spieler versetzen, man erlebt ja ohnehin nur ihre Spielfiguren. Die namenlosen Spieler machen stellvertretend f\u00fcr uns bei der Schlacht mit, und sich mit einem solchen Computerspieler zu identifizieren, das f\u00e4llt leicht. Ganz fr\u00fcher spielten Abenteuer in fernen L\u00e4ndern; als die rar wurden, spielten sie im Weltraum; wenn der immer bekannter wird, muss man sie in virtuellen Welten spielen lassen. Dort kann man wieder problemlos Schwert und Laser schwingen, und ohne echte Tote. Und Geschichten geschehen ja auch tats\u00e4chlich dort, siehe diese Aufstellung der <a href=\"http:\/\/www.cracked.com\/blog\/the-7-biggest-dick-moves-in-history-online-gaming\/\">7 Biggest Dick Moves in the History of Online Gaming<\/a>. (Weitere Geschichten <a href=\"http:\/\/www.cracked.com\/blog\/the-6-most-spectacular-dick-moves-in-online-gaming-history\/\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.cracked.com\/blog\/the-7-most-impressive-dick-moves-in-online-gaming-history_p2\/\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.cracked.com\/blog\/the-7-most-elaborate-dick-moves-in-online-gaming-history\/\">hier<\/a>.)<\/p>\n\n\n\n<p>(Eine andere Art der Virtualisierung wird auf der B\u00fcchereite der FAZ beschrieben: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/themen\/traumueberwachung-im-jugendbuch-13008453-p2.html?printPagedArticle=true\">Traum\u00fcberwachung im Jugendbuch.<\/a> Anscheinend gibt es gerade einen Schwung Jugendb\u00fccher, in denen Tr\u00e4ume eine wichtige Rolle spielen, in denen man die Tr\u00e4ume anderer auslesen oder manipulieren oder gemeinsam tr\u00e4umen kann. Die Analogie zur virtuellen Computerwelt f\u00e4llt der FAZ auf; in ein paar Jahren brauchen wir vielleicht den Umweg \u00fcber Tr\u00e4ume nicht mehr, sondern k\u00f6nnen gleich \u00fcber Technik schreiben.)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; \u00dcbrigens hat der Autor mit dem Erscheinen der Taschenbuchausgabe offenbart, dass es auch im Roman selber ein Easter Egg gibt. Wie im Buch gab es eine Webseite dazu, eine Bestenliste, und am Schluss einen DeLorean zu gewinnen. Die R\u00e4tsel wurden inzwischen gel\u00f6st, der Preis vergeben; ich war nur nicht interessiert genug, mich \u00fcber die Details des Easter Eggs zu informieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(8 Kommentare.) 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