{"id":6139,"date":"2014-07-10T21:59:59","date_gmt":"2014-07-10T19:59:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=6139"},"modified":"2023-05-24T12:59:13","modified_gmt":"2023-05-24T10:59:13","slug":"internet-in-der-8-klasse-und-dann-nur-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/07\/internet-in-der-8-klasse-und-dann-nur-internet.htm","title":{"rendered":"Internet in der 8. Klasse (und dann nur Internet)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/07\/internet-in-der-8-klasse-und-dann-nur-internet.htm#comments'>10 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><strong>Die Sch\u00fcler haben gekichert, als ich erw\u00e4hnte, dass ich bei Twitter bin.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Wie wir darauf kamen: Es ging um Zeitung. Zuerst einfach mal eine Stunde lesen; dann um die einzelnen Ressorts, die Textsorten, den Weg vom Ereignis in die Zeitung; schlie\u00dflich um gegenw\u00e4rtige Finanzierung von Zeitungen und ihre Zukunft. Da waren wir dann auch schon beim Internet und alternativen Nachrichtenquellen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Was war daran so witzig? Auch Nachfrage wohl einfach, dass <em>social media<\/em> so gar nicht zu Lehrern passt. Ja, etliche Kollegen sind bei Facebook, aber Twitter ist wieder etwas anderes.<br>Dann haben wir uns \u00fcber das Internet unterhalten. (Diese Art Stunde halt. Schuljahresende, ein guter Teil der Sch\u00fcler eh nicht da.) Warum ich Twitter f\u00fcr cooler halte als Facebook. Was Netzneutralit\u00e4t ist. Warum ich Internet f\u00fcr wichtig halte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da habe ich nat\u00fcrlich auch fallen lassen, dass das Internet ein gar so neues Medium nicht ist, wie es in Er\u00f6rterungs-Aufgabenstellungen meist verkauft wird. Dass ich <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/aol\/Eingang\/index.html#Haus\">meine erste Webseite<\/a> hatte Jahre vor der Geburt der Sch\u00fcler, dass ich blogge seit vor der Erfindung von Youtube. (Mein Blog erw\u00e4hne ich in der Schule sonst nicht oft.)<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr \u00fcberrascht als ungl\u00e4ubig kam dann eine Frage, die mir bezeichnend schien: &#8222;Kann da jeder einfach so irgendeine Seite ins Internet stellen?&#8220; Das hat die Sch\u00fcler \u00fcberrascht. Meine Schlussfolgerung: Sie kennen Facebook und Twitter und erinnerten sich sogar noch an Lokalisten und SchuelerVZ. Aber das man einfach so und f\u00fcr gar nicht viel Geld einfach so seine eigene Webadresse haben und mit Inhalt f\u00fcllen kann, das war den Sch\u00fclern nicht bewusst.<br>Ich glaube, vor f\u00fcnf Jahren war das noch anders. Da hatten die Leute noch Homepages. Da wussten die Sch\u00fcler eher, dass man auch ohne Soziale Medien, also selber, eine Webseite haben kann. Zugegeben, wer das hatte, wurde bel\u00e4chelt, wer brauchte so etwas schon?<\/p>\n\n\n\n<p>=======<br>Neues aus dem Internet:<\/p>\n\n\n\n<p>(1) <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/18259\/luegen-fuers-leistungsschutzrecht-7\/\">L\u00fcgen f\u00fcr das Leistungsschutzrecht (7)<\/a> Letztes Jahr hat der Bundestag ein von vielen Seiten kritisiertes &#8222;Leistungsschutzrecht&#8220; beschlossen, das Google verbietet, Texte aus Zeitungswebseiten in bestimmter Form zu verwenden, wenn nicht daf\u00fcr gezahlt wird. Jeder wei\u00df hoffentlich, dass jede Zeitungswebseite Google ganz einfach daran hindern kann, ihre Seiten zu verwenden. Machen wir bei unserer Schulhomepage auch so, Google kennt deren Inhalte nicht. Aber die meisten Verlage <em>wollen<\/em> ja, dass Google ihr Material verwendet, nur zahlen muss es daf\u00fcr m\u00fcssen. Im Moment verlangt Google von den Zeitungen die kostenlose Erlaubnis, sonst wird es das Material nicht verwenden. Dar\u00fcber klagen jetzt die Verlage und vergleichen das mit einer Art Erpressung. Also was jetzt?<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Im Mai 2014 hat der europ\u00e4ische Gerichtshof entschieden, dass Google gezwungen werden kann, Suchergebnisse bei bestimmten Fragen nicht anzuzeigen. Und zwar: <em>Wenn<\/em> eine Person mal etwas Dummes gemacht hat, und das schon einige (wenige) Jahre her ist, und dar\u00fcber steht etwas auf einer Webseite, <em>dann<\/em> darf Google auf Antrag (eventuell) diese Seite nicht mehr in den Suchergebnissen anzeigen, <em>wenn<\/em> nach der Person und der dummen Sache gesucht wird. Beim <a href=\"http:\/\/www.bbc.com\/news\/business-28130581\">Guardian ist der erste Artikel herausgefiltert<\/a> (weil ein Kommentator seinen Kommentar nicht mehr lesen will &#8211; nur wenn man nach dessen Namen in Verbindung mit dem Artikel sucht, wird er nicht mehr gezeigt), <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/recht-auf-vergessen-google-entfernt-spiegel-artikel-aus-treffern-a-979255.html\">beim Spiegel auch<\/a>.<br><em>Nachtrag: Die Seite <a href=\"http:\/\/hiddenfromgoogle.com\/\">http:\/\/hiddenfromgoogle.com\/<\/a> sammelt solche in der EU von Google nicht mehr gelisteten Seite.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(3) Zu meinen Teenagerjahren haben wir auf die Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrende Schriften (heute: Medien, BPjM) geschimpft, weil die uns vor <em>Tanz der Teufel<\/em> bewahrt haben, indem sie den Film auf den Index setzten. Im Referendariat kam dann <em>Quake<\/em> heraus, auch gleich indiziert. Inzwischen geh\u00f6rt es auch zu den Aufgaben der BPjM, Webseiten zu indizieren &#8211; allerdings ist dieser Index nicht \u00f6ffentlich, aus naheliegenden Gr\u00fcnden.<br>Trotzdem soll er verwendet werden k\u00f6nnen, etwa von meinem Router zu Hause. Da gibt&#8217;s eine Einstellung, habe gerade nachgeschaut, dass f\u00fcr &#8222;G\u00e4ste&#8220; in meinem Wlan alle Seiten, die auf diesem Index stehen, gesperrt sind. (Das ist wohl die Standardeinstellung, ich hatte mir das vorher nie angeschaut.) Nun w\u00e4re es ziemlich dumm, meinem Router diese Liste im Klartext zukommen zu lassen. Also existiert sie nur in einer verschl\u00fcsselten Form, dem sogenannten BPjM-Modul. Verschl\u00fcsselt hei\u00dft: Aus einem Text (etwa dem Link einer zu indizierenden Webseite) errechnet man nach einer mehr oder weniger \u00f6ffentlich bekannten Methode einen sogenannten Hash, und den gibt man weiter. Wenn mein Router dann bei aktiviertem Kinder- oder G\u00e4steschutz eine Webseite ausliefern soll, dann errechnet er aus dieser Webseite nach der gleichen Methode den Hashwert und vergleicht ihn mit der Sperrliste.<br>Aus dem Hashwert kann man nur \u00e4u\u00dferst schwer auf den urspr\u00fcnglichen Text (hier: Link) schlie\u00dfen. Wie das geht, ist spannend und schwierig, wie \u00fcberhaupt Hash-Funktionen eine tolle Sache sind.<br>Trotzdem hat ein Hacker oder eine Hackerin mit relativ wenig Aufwand einen Gro\u00dfteil der indizierten Links im BPjM-Modul rekonstruiert und ver\u00f6ffentlicht. <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2014\/bpjm-leak-warum-wir-erstmals-einen-link-aus-unserer-berichterstattung-entfernen-oder-verbreiten-wir-kinderpornografie\/\">Steht zum Beispiel hier.<\/a> Allerdings ist der Link zu der Seite, auf der die entschl\u00fcsselte Liste zu finden ist, dort inzwischen nicht mehr zu lesen &#8211; Beh\u00f6rden drohen mit Klagen. Den Meinungen von Rechtsanw\u00e4lten im Web zufolge (siehe Link oben) macht man sich <em>vermutlich<\/em> nicht strafbar, wenn man auf die Seite mit den entschl\u00fcsselten Webseiten-Adressen verlinkt, aber wer will so ein Risiko schon eingehen &#8211; \u00c4rger kann man auch so kriegen, wenn die Polizei dann mal vorbeischaut. Und auf der Liste steht auch tats\u00e4chlich allerlei Indizierenswertes &#8211; Pornographie, Rechtsradikales, Anorexie-Seiten, aber auch: syntaktisch fehlerhafte Links, Irrl\u00e4ufer, alles m\u00f6gliche. Eine Analyse der gesperrten Seiten w\u00e4re schon interessant. <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2014\/bpjm-leaker-im-interview-erfahre-ich-von-kinderpornografie-nehme-ich-das-von-der-liste-und-aus-dem-netz\/\">Interview mit dem Hacker\/der Hackerin.<\/a><br>(Auch google.de sperrt diese Seiten, anders als Google aus anderen L\u00e4ndern &#8211; aber die sperren dann vermutlich einfach anderes.)<\/p>\n\n\n\n<p>(4) Wenn man sich &#8211; halbwegs &#8211; anonym im WWW bewegen will, oder dubiose Dinge recherchieren will, benutzt man am besten etwas, das Tor hei\u00dft. Lange Geschichte. Allerdings: wer Tor benutzt oder sich nur dar\u00fcber informiert, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2014-07\/nsa-markiert-alle-tor-nutzer-als-extremisten\">macht sich des Extremismus verd\u00e4chtig und landet in einer NSA-Datenbank<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>(5) <a href=\"http:\/\/www.cryptoparty.in\/muenchen\">N\u00e4chsten Dienstag w\u00e4re in M\u00fcnchen eine Cryptoparty.<\/a> Da kriegt man als Laie erkl\u00e4rt, wie man Mails verschl\u00fcsselt, Tor benutzt, Festplatten verschl\u00fcsselt (was wir als Lehrer ja tun m\u00fcssen). Ob ich das als Fortbildung angerechnet kriege, wenn ich hingehe? &#8212; Tats\u00e4chlich wei\u00df ich schon das meiste, aber falls ich mal in der Schule eine Cryptoparty machen m\u00f6chte, sollte ich das auf jeden Fall vorher mal mitmachen. (Zeitpunkt ist aber ung\u00fcnstig f\u00fcr mich, vorher Konferenzen, am n\u00e4chsten Tag Mitorganisator einer Fortbildungsveranstaltung.)<\/p>\n\n\n\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-8sLmx2Oz6Y<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Then came the churches, then came the schools<br>Then came the lawyers, and then came the rules<br>Then came the trains and the trucks with their loads<br>And the dirty old track was the telegraph road<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(10 Kommentare.) Die Sch\u00fcler haben gekichert, als ich erw\u00e4hnte, dass ich bei Twitter bin. (Wie wir darauf kamen: Es ging um Zeitung. Zuerst einfach mal eine Stunde lesen; dann um die einzelnen Ressorts, die Textsorten, den Weg vom Ereignis in die Zeitung; schlie\u00dflich um gegenw\u00e4rtige Finanzierung von Zeitungen und ihre Zukunft. 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