{"id":6211,"date":"2014-09-28T19:05:12","date_gmt":"2014-09-28T17:05:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=6211"},"modified":"2023-06-13T10:37:07","modified_gmt":"2023-06-13T08:37:07","slug":"varnde-guot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/09\/varnde-guot.htm","title":{"rendered":"Varnde Guot"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/09\/varnde-guot.htm#comments'>11 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Ich bin sehr begrenzt multitaskingf\u00e4hig. Lesen, Fernsehen und sich unterhalten, das geht gleichzeitig, jedenfalls bei vielen Inhalten. Information aufnehmen kann ich gut, solange ich mit nichts anderem besch\u00e4ftigt bin.<br \/>\nAllerdings reicht es schon, mir eine Zwiebel oder Gurke zum Schnippeln zu geben: Sobald ich etwas mit den H\u00e4nden machen muss &#8211; au\u00dfer Tippen vermutlich &#8211; kann ich kaum einem Gespr\u00e4ch folgen oder Fragen beantworten.<\/p>\n<p><em>Varnde guot,<\/em> das ist &#8211; sagen wir mal &#8211; mittelhochdeutsch f\u00fcr &#8222;bewegliche G\u00fcter&#8220;, also Mobilien, also M\u00f6bel. Die neuen K\u00fcchenm\u00f6bel haben mich vom Bloggen abgehalten, weil ich mit der neuen K\u00fcche besch\u00e4ftigt war, und ganz und gar nicht multitaskingf\u00e4hig bin, wenn ich so etwas im Kopf habe. Also: Frau Rau und ich haben eine neue K\u00fcche. Die alte haben wir vor f\u00fcnfzehn Jahren von den Vormietern \u00fcbernommen. Zum Umzug haben wir uns keine neuen M\u00f6bel gekauft, sondern die alten mitgenommen &#8211; bei Frau Rau aus Kinder- und anderen Tagen, bei mir eine Kredenz von meinem Gro\u00dfvater, Sessel der Gro\u00dfmutter einer Freundin, Sessel einer Tante, Kronleuchter derselben Tante. Aus der ersten gemeinsamen Wohnung brachten wir St\u00fchle und einen Tisch, Betten und diverse Regale mit. In den letzten f\u00fcnfzehn Jahren haben wir uns ein Sofa angeschafft und eine von diesen kleinen neuen Design-Stereoanlagen, die etwa ein Sechstel Platz wegnimmt von dem, was fr\u00fcher Boxen, Verst\u00e4rker, Plattenspieler, CD-Spieler brauchten. Und B\u00fccherregale, das war&#8217;s dann aber auch.<\/p>\n<p>Die alte K\u00fcche gab nach und nach auf. Der Wasserhahn tropfte, wenn man ihn nicht in genau der richtigen Stellung platzierte. Die Waschmaschine leckte und wollte bei jedem Durchgang gekippt werden; dann tropfte sie nicht mehr, stand aber schr\u00e4g und musste beim Schleudern umarmt werden, um nicht fortzuwandern. Die Sp\u00fclmaschine tat ihren Dienst, aber das Oberteil des Drehknopfs zum Einschalten war abgebrochen und die Manipulation des Restknopfs erforderte Fingerspitzengef\u00fchl (und trockene Finger). Au\u00dferdem brach der obere Sp\u00fclkorb regelm\u00e4\u00dfig weg. Und wir sind hier alle keine Reparierer in diesem Haus. So richtig gefallen hatte uns die K\u00fcche eh nie.<\/p>\n<p>Also entschlossen wir uns zu einer neuen K\u00fcche. H\u00e4tte eigentlich in den Sommerferien sein sollen, aber das hat sich dann doch alle sum ein paar Wochen verschoben. Erst kam alles raus, bis auf die Bodenfliesen. Am nervenaufreibendsten war das Legen der neuen Steckdosenleitungen. Laut! Laut! Laut!  (Die armen Nachbarn.) Verputzen, Streichen, Liefern und Aufbauen der neuen M\u00f6bel. Nein, da hatte ich keinen Nerv zum Bloggen.<\/p>\n<p>Jetzt steht sie aber schon fast ganz. Ist schon ein bisschen eine Luxusk\u00fcche, aber wir kochen ja beide gern. Sp\u00fcl- und Waschmaschine nicht ganz auf Augenh\u00f6he, aber doch recht weit oben. Und ruhig! Und trocken! Herd auf auf Augenh\u00f6fe. Mit ziemlich hei\u00df und mit Dampfeinspritzung, dann muss man beim Brotbacken nicht die Tasse Wasser in den Ofen kippen. Und ein K\u00fchlschrank, gr\u00f6\u00dfer als ich! Und Platz! Ein eigenes Fach f\u00fcr die selten gebrauchten K\u00fcchenutensilien, und ein zweites f\u00fcr die noch seltener gebrauchten. (Ganz erstaunlich, was sich da so ansammelt. Aber meine mexikanische Tortillapresse m\u00f6chte ich trotzdem nicht missen.)<\/p>\n<p><em>Varnde guot,<\/em> das hei\u00dft nicht wirklich bewegliche G\u00fctter. Ich habe oben geschwindelt. Varnde guot sind eher: dahinfahrende, weltliche, temporale G\u00fcter (statt spiritueller). Ich habe ja als B\u00fccherfreund und Comic-Sammler besonders viel davon. Aber ich bin mir dessen Verg\u00e4nglichkeit sehr bewusst. Wenn ich mal tot bin, was passiert dann mit meinen Comics und B\u00fcchern? Wo sich doch jetzt schon keiner mehr f\u00fcr James Branch Cabell interessiert.<br \/>\nIn den Ferien war ich in der Wohnung einer verstorbenen alten Freundin der Familie. Eine Wohnung (ich war fr\u00fcher \u00f6fter dort) voller Kuriosit\u00e4ten. Reisemitbringsel der letzten vierzig Jahren, aus Afrika und Asien, vor allem. Statuen und Ausgestopftes, Briefmarken und Geldscheine, Eintrittskarten und Reisef\u00fchrer, Stammesabzeichnen und Touristennepp, Bumerangs und Dolche und Blasrohre, Poster und Autogramme. Und keine Erben. Wertvoll ist nichts davon, denke ich. Aber so sch\u00f6n, so bunt. Ich habe mir drei, vier Sachen ausbedungen als Erinnerungsst\u00fccke &#8211; eher deshalb, um die Illusion wahren zu k\u00f6nnen, um weiter Komplize bei der gesellschaftlichen Verschw\u00f6rung zu sein, dass das, was die Verstorbene und ich, und \u00fcberhaupt alle, so tun und lassen und anh\u00e4ufen, temporal oder spirituell, einen Sinn hat. Ich leide nicht an meinem Nihilismus, ich bin ein gl\u00fccklicher Mensch, eben weil ich augenzwinkernd mitmache bei dem Spiel, so zu tun, als w\u00e4re irgend etwas wichtig. Und damit es wichtig ist, was Leute in ihren Wohnungen ansammeln, muss man wenigstens ein oder zwei Teile mitnehmen.<\/p>\n<p>Ach ja, Schule. Zum Personalausflug letzte Woche stie\u00df ich erst zum Abendessen, vorher waren die Handwerker da. Drei Kurse habe ich vor allem, das W-Seminar zum Thema Horror, einen Infomatikkurs in der Q11 und einen Deutschkurs. Machen alle Spa\u00df bisher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(11 Kommentare.) Ich bin sehr begrenzt multitaskingf\u00e4hig. Lesen, Fernsehen und sich unterhalten, das geht gleichzeitig, jedenfalls bei vielen Inhalten. Information aufnehmen kann ich gut, solange ich mit nichts anderem besch\u00e4ftigt bin. 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