{"id":6257,"date":"2014-11-23T06:23:46","date_gmt":"2014-11-23T05:23:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=6257"},"modified":"2023-05-24T12:55:05","modified_gmt":"2023-05-24T10:55:05","slug":"computerfaehigkeiten-der-deutschen-jugend-wieder-einmal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/11\/computerfaehigkeiten-der-deutschen-jugend-wieder-einmal.htm","title":{"rendered":"Computerf\u00e4higkeiten der deutschen Jugend, wieder einmal"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/11\/computerfaehigkeiten-der-deutschen-jugend-wieder-einmal.htm#comments'>7 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Letzten Donnerstag wurden die Ergebnisse der ICILS-Studie zum Umgang mit digitalen Medien ver\u00f6ffentlicht. Das K\u00fcrzel steht f\u00fcr &#8222;International Computer and Information Literacy Study&#8220;. Getestet wurden Achtkl\u00e4ssler, Deutschland liegt international und innerhalb von Europa im Mittelfeld.<\/p>\n\n\n\n<p>Getestet wurde in der Studie vor allem, wie gut die Sch\u00fcler mit dem Computer umgehen k\u00f6nnen, wenn es darum geht, im Web (&#8222;Internet&#8220;) Informationen zu suchen, zu bewertenund zu benutzen. Es geht also nicht um Informatik und nicht um Programmierung. <a href=\"https:\/\/kw.uni-paderborn.de\/institute-einrichtungen\/institut-fuer-erziehungswissenschaft\/arbeitsbereiche\/prof-dr-birgit-eickelmann\/forschung\/projekt-icils-2013\/\">Hier die offizielle Seite der Studie.<\/a> Aus den dort angebotenen pdfs stattmt auch dieser \u00dcberblick \u00fcber die angesprochenen Kompetenzen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"648\" height=\"441\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/icils_kompetenzen.png\" alt=\"icils_kompetenzen\" class=\"wp-image-6258\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/icils_kompetenzen.png 648w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/icils_kompetenzen-150x102.png 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/icils_kompetenzen-550x374.png 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Durchf\u00fchrung der Studie: Am Computer. 15 Minuten Einf\u00fchrung in die Laptops und die Testumgebung, dann 2 von 4 verschiedenen Testeinheiten zu je 30 Minuten. Dazu geh\u00f6rten Aufgaben mit Multiple Choice etc.; Aufgaben zum Umgang mit Software (Laden, Speichern); und sogenannte Autorenaufgaben:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Bei der Bearbeitung von Aufgaben diesen Aufgabentyps sollen die Sch\u00fclerin nen und Sch\u00fcler Informationsprodukte (z.B. Pr\u00e4sentationen) unter der Verwendung von computerbasierten Software-Anwendungen erstellen oder Informationsprodukte nach gegebener Aufgabenstellung ver\u00e4ndern. Um den Realit\u00e4tsbezug dieser Aufgaben zu gew\u00e4hrleisten, ist im Rahmen der Aufgaben bearbeitung teilweise die gleichzeitige Nutzung verschiedener Programme notwendig (z.B. E-Mail-Programme, Internetbrowser, Textverarbeitungsprogramme oder Pr\u00e4sentationssoftware).<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Beschreibung der Kompetenzstufen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Kompetenzstufe I: Die unterste Kompetenzstufe umfasst rudiment\u00e4re rezeptive Fertigkeiten und sehr einfache Anwendungskompetenzen, wie das Anklicken eines Links oder einer E-Mail. International befinden sich 17.0 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf dieser untersten Kompetenzstufe. In Deutschland liegt der Anteil bei 7.4 Prozent.<\/li>\n\n\n\n<li>Kompetenzstufe II: Die Kompetenzstufe II beinhaltet den kompetenten Umgang mit basalen Wissensbest\u00e4nden sowie sehr einfache Fertigkeiten im Umgang mit Informationen, z.B. eine einfache Bearbeitung von Dokumenten (z.B. das Ausschneiden, Kopieren und Einf\u00fcgen von Textteilen). International befinden sich 22.7 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf der Kompetenzstufe II. In Deutschland liegt der Anteil bei 21.8 Prozent.<\/li>\n\n\n\n<li>Kompetenzstufe III: Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die die Kompetenzstufe III erreichen, k\u00f6nnen angeleitet, also mit Hilfestellungen, Informationen ermitteln, diese bearbeiten sowie einfache Informationsprodukte (wie z.B. einfache Textdokumente) erstellen. International befinden sich 37.6 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf dieser Kompetenzstufe. In Deutschland liegt der Anteil bei 45.3 Prozent.<\/li>\n\n\n\n<li>Kompetenzstufe IV: Die Kompetenzstufe IV umfasst das eigenst\u00e4ndige Ermitteln und Organisieren von Informationen und das selbstst\u00e4ndige Erzeugen von elaborierten Dokumenten und Informationsprodukten. International lassen sich 20.7 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der vierten Kompetenzstufe zuordnen. In Deutschland liegt der Anteil bei 24.0 Prozent.<\/li>\n\n\n\n<li>Kompetenzstufe V: Die oberste Kompetenzstufe beschreibt schlie\u00dflich sehr elaborierte computer- und informationsbezogene Kompetenzen, zu denen das sichere Bewerten und Organisieren selbstst\u00e4ndig ermittelter Informationen sowie das Erzeugen von inhaltlich und formal anspruchsvollen Informationsprodukten geh\u00f6rt. International erreichen 2.0 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler diese h\u00f6chste<br>Kompetenzstufe. In Deutschland liegt der Anteil bei 1.5 Prozent.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Klingt gar nicht so dramatisch, ehrlich gesagt. Mittelfeld halt. In der kurzen Presse-Pdf (die gro\u00dfe Fassung mit 328 Seiten war mir zu lang) wird exemplarische eine Aufgabe vom Schiwerigkeitsgrad III gezeigt: Im Prinzip muss man einer Mail, die man gekriegt hat, eine Web-Adresse entnehmen, die nicht als anklickbare URL vorliegt, und in den Browser kopieren oder eintippen und dann zu der Seite gehen. Kriegen 50% der Achtkl\u00e4ssler hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ergebnisse, Ausschnitt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>M\u00e4dchen schneiden weltweit besser ab als Jungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Von allein lernen <em>digital natives<\/em> auch nicht den Umgang mit dem Computer, weshalb man den Begriff jetzt endlich mal beerdigen sollte.<\/li>\n\n\n\n<li>In Deutschland gibt es ein viel zu kleines Feld von Jugendlichen, das Kompetenzstufe V erreicht (1,5%), und zu viele (7,4% bzw. 21,8%), die nur auf I oder II kommen.<\/li>\n\n\n\n<li>Benachteiligt sind: Jugendliche aus unteren und mittleren sozialen Lagen; Sch\u00fcler, die nicht aufs Gymnasium gehen (sondern auf andere Schularten, Gesamtschulen eingeschlossen)<\/li>\n\n\n\n<li>Schulen sind nicht gut mit moderner Technik ausgestattet; Lehrer nicht gut genug geschult &#8211; und au\u00dferdem sehr skeptisch. Computer werden wenig in der Schule eingesetzt, abgesehen vom Fach Informatik.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und, braucht man das mit dem Computer \u00fcberhaupt? In einem <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/schule\/2014-11\/digitale-medien-unterricht-schule\/seite-2\">Zeit-Interview mit einer der Verantwortlichen f\u00fcr die Studie<\/a> fragt die Zeit dann auch:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>ZEIT ONLINE: Ist denn \u00fcberhaupt bewiesen, dass Sch\u00fcler mit dem Computer tats\u00e4chlich mehr lernen als ohne?<br>Eickelmann: Da ist die Forschung der vergangenen 20 Jahre recht widerspr\u00fcchlich. Mal zeigen Studien Lernvorteile durch digitale Medien, mal nicht.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Allerdings geht es nicht nur um Lernvorteile (f\u00fcr andere F\u00e4cher), sondern darum, dass man mit dem Computer umgehen k\u00f6nnen muss. Von den 30% der Sch\u00fcler auf Stufe I und II sagen die Verantwortlichen f\u00fcr die Studie:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Diese Sch\u00fclergruppe wird es voraussichtlich schwer haben, erfolgreich am privaten, berufl ichen sowie gesellschaftlichen Leben des 21. Jahrhunderts teilzuhaben.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<center>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr style=\"width: 50%;\"><\/center>\n\n\n\n<p>Etwas Wichtiges fehlt bei dieser Studie, n\u00e4mlich die Unterscheidung hinsichtlich Bundesl\u00e4ndern und Lehrpl\u00e4nen beziehungsweise F\u00e4chern. Man sollte doch meinen, dass das Fach Informatik oder Informationstechnologie in der Schule einen Unterschied macht. Oder ist es am Ende gar kontraproduktiv, wie die Nutzung in anderen F\u00e4chern anzudeuten scheint?<\/p>\n\n\n\n<p>In Bayern gibt es am Gymnasium f\u00fcr jeden Sch\u00fcler Informatik in der 6. und 7. Jahrgangsstufe; an der Realschule gibt es Pflichtmodule in Informationstechnologie. Dazu geh\u00f6ren jeweils Textverarbeitung und Pr\u00e4sentationssoftware, Aufbau des Web, Suchen darin, und Erstellen vernetzter Dokumente.<br>An der Realschule gibt es ja nach Zweig weitere Wahlmodule; am Gymnasium gibt es &#8211; aber nur im naturwissenschaftlich-technologischen Zweig &#8211; Informatik verpflichtend in der 9. und 10. Jahrgangsstufe, optional bis zum Abitur.<\/p>\n\n\n\n<p>Am letzten Elternsprechabend beklagte eine Sch\u00fclermutter, dass die Sch\u00fcler des sprachlichen Zweigs benachteiligt seien &#8211; von denen forderte man auch den Umgang mit Moodle, und die h\u00e4tten doch keine Informatik nach der 7. Klasse mehr gehabt. Ob es da nicht doch eine M\u00f6glichkeit gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Stellt sich heraus: Es gibt. In der Kursphase der Oberstufe, also den letzten beiden Jahren vor dem Abitur, k\u00f6nnen Schulen einen Kurs &#8222;Angewandte Informatik&#8220; anbieten, zumindest in der 11. Jahrgangsstufe, mit Lehrplan und Klausuren. Der Lehrplan entspricht so ziemlich dem der 9. Jahrgangsstufe am naturwissenschaftlich-technologischen Zweig, deshalb d\u00fcrfen dessen Sch\u00fcler den Kurs auch nicht belegen.<br>Au\u00dferdem k\u00f6nnen Schulen einen Kurs &#8222;Informationstechnologie&#8220; anbieten. Dar\u00fcber habe ich bisher gar nichts gefunden, habe aber schon mal nachgefragt. Irgendwann, wenn es genug Informatiklehrer gibt, kann man sich ja vielleicht auch daran machen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nachtrag: &#8222;Informationstechnologie&#8220; ist ein Kurs ohne Lehrplan; vor Kursbeginn wird der Schulleitung eine Lehrplanskizze vorlegt mit Informationen \u00fcber die Ziele, den Lehrstoff, seine Verteilung \u00fcber die Ausbildungsabschnitte, die vorgesehenen Hilfsmittel und die Leistungskontrollen. Das kann die Schulleitung dann genehmigen. &#8211; Ich f\u00fcrchte nur, dass an den meisten Schulen gerade mal ein regul\u00e4rer Informatikkurs stattfinden kann; aus der meist kleinen Anzahl von Sch\u00fclern aus dem sprachlichem Zweig werden sich wohl nicht genug Interessierte finden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(7 Kommentare.) Letzten Donnerstag wurden die Ergebnisse der ICILS-Studie zum Umgang mit digitalen Medien ver\u00f6ffentlicht. Das K\u00fcrzel steht f\u00fcr &#8222;International Computer and Information Literacy Study&#8220;. 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